Corona

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Oli
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Re: Corona

#221

Beitrag von Oli » Fr 27. Mär 2020, 22:56

sybille hat geschrieben:
Fr 27. Mär 2020, 17:03
strega hat geschrieben:
Do 26. Mär 2020, 23:23
ach mei, ich weiss grad auch nicht von was ich in einem Monat leb....
Ich habe im Moment ganz andere Sorgen.
Bekomme ich als Ein-Frau-Betrieb wirklich finanzielle Hilfe, die ich nicht zurückzahlen muss oder nicht? Für RLP ist noch nichts Genaues geregelt.
Die Kundschaft fällt weg, ich muss sehen wie ich zurecht komme und das ist als Alleinstehende sehr schwer.
Wir haben uns heute den Antrag für die Corona-Soforthilfe des Landes Schleswig-Holstein angesehen und festgestellt, dass Betriebe, die solide + schuldenfrei gewirtschaftet haben und keine Kreditzinsen, Mietzinsen oder Leasingraten zahlen müssen, anscheinend keine Hilfe beantragen können.
Der Antrag ist 2,5 Seiten kurz, wirklich recht einfach gehalten und es geht um die 9000€ bzw. 15000€ Soforthilfe, die recht plakativ beworben wurden und über die Investitionsbank ausgezahlt werden sollen.
Den Antrag stellen kann man anscheinend nur, wenn man sowohl einen Umsatzrückgang von 50% vorweisen kann, als auch Miet-, Leasing- oder Ratenzahlungen anstehen, die man nicht bedienen kann.

Weitere Klauseln gibt es, die empfinde ich aber als gerechtfertigter. (Bestandsalter des Betriebes, keine vorherigen Hilfen ...)

Das sieht dünn aus für den kleinen Mann, der lieber weniger Privatentnahmen als Schulden gemacht hat. Wir müssen schauen, was da jetzt noch kommt und die entsprechenden aktuellen Publikationen der Berufsverbände, Kammern usw. verfolgen.

Den Betrieb kurzerhand zu schliessen zieht ja auch wieder einen organisatorischen und finanziellen Rattenschwanz nach sich. Jetzt wäre es gut zu wissen, von welcher Dauer dieses Zustandes man ausgehen muss, da aber mittlerweile die halbe Welt stillsteht wäre es wohl blauäugig zu denken, dass in 4 Wochen wieder Business as usual ist.

Wie sieht es in anderen Bundesländern und Ländern aus, hat jemand von euch schon echte Hilfe ausmachen können?

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Zacharias
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Re: Corona

#222

Beitrag von Zacharias » Fr 27. Mär 2020, 23:10

Ich habe den Antrag in NRW gerade gestellt und konnte dem nicht entnehmen, dass ich irgendwelche Schulden haben muss, die ich nicht bedienen kann. Umsatzeinbuße von über 50% reichte.
Grüße,
Birgit

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Re: Corona

#223

Beitrag von woidler » Sa 28. Mär 2020, 00:22

Wird bei einem Gewerbetreibenden der Betrieb untersagt, ist er wohl erwerbslos. Ich geh davon aus, daß dem nicht aktiven Gewerbetreibenden
und nicht erwerbstätigen Angehörigen auch Grundsicherung Arbeitslosengeld II = Hartz4 zusteht, zur Sicherung des persönlichen Lebensunterhalts und der privaten Unterkunftskosten , sozusagen als persönliche Existenzsicherung, gegebenenfalls auch mit Übernahme der Kosten der Krankenversicherung.
Soweit Ersparnisse vorhanden sind, könnte diese noch für betriebliche Ausgaben verwendet werden, zB Umsatzsvoranmeldung, Geschäftsmiete .
Wobei ja heute diverse Gesetze bezüglich "Stundung" von Mietzahlungen , Darlehensrückzahlungen beschlossen sein worden sind.
Ich kenne diese Gesetze jetzt noch nicht, denke mir aber, daß es sinnoll sein kann, die Vertragspartner auf die konkrete betriebliche Situation hinzuwiesen, und zu erklären, daß man derzeit zahlungsunfähig ist, bzw. daß man nur gewisse Zahlungen erbringen kann, zB Nebenkosten für Firmenmiete, nur Haftpflichtversicherung für PKW .
Daneben Anträge auf AUssetzung der Steuervorauszahlungen und zB BG Beiträge.
Jedem Gläubiger ist ein kooperativer Schuldner, auch wenn er momentan nichts mehr zahlen kann , lieber , als einer von dem nichts zu sehen und hören ist.

Bei Kurzarbeit gibts für Arbeitnehmer auch die Möglichkeit des "AUfstockens", wenn das Kurzarbeitergeld das Hartz 4 Niveau nicht erreicht .
Dieses ist Regelsatz von 426 (?) € für Haushaltsvorstand und Kosten der Unterkunft (wobei in der nächsten Zeit nicht geprüft werden soll, ob die Miete nicht zu hoch, bzw. die Wohnung zu groß ist), für weitere Haushaltsmitglieder gibts Zuschläge.


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Re: Corona

#224

Beitrag von Zacharias » Sa 28. Mär 2020, 00:50

Nicht nur die Mietkosten sind egal, man muss auch derzeit die Finanzen nicht offen legen. Ich hab das bisher nur noch gemacht, weil ich denke, dass Fördergelder den Bezug von Hartz IV ausschließen. Mal schauen wie schnell das Geld fließt, ggf. kann ich immer noch Hartz IV beantragen. Aber mit 9000€ käme ich ja erst mal über die Runden.
Grüße,
Birgit

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Re: Corona

#225

Beitrag von Rohana » Sa 28. Mär 2020, 07:41

Oli hat geschrieben:
Fr 27. Mär 2020, 22:56
Den Antrag stellen kann man anscheinend nur, wenn man sowohl einen Umsatzrückgang von 50% vorweisen kann, als auch Miet-, Leasing- oder Ratenzahlungen anstehen, die man nicht bedienen kann.
Gruselig. Das erinnert mich daran dass ich vor vielen Jahren für den Bezug von HartzIV erstmal mein Erspartes halb aufbrauchen musste. Da werden immer wieder die bestraft die Rücklagen bilden und keine Schulden machen :bang:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

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Re: Corona

#226

Beitrag von Zacharias » Sa 28. Mär 2020, 09:55

Ich glaube nicht, dass das so bleibt. Die wollen ja schließlich verhindern, dass die Leute auf die Straße gehen. In NRW wurden die Vorgaben fast täglich geändert, gestern noch sogar mehrfach täglich. Ich bin auch erst raus gefallen, aber nach der letzten Änderung war ich dabei.
In NRW gilt Folgendes und das muss ja mit anderen Ländern angeglichen sein:
Voraussetzung: erhebliche Finanzierungsengpässe und wirtschaftliche Schwierigkeiten in Folge von Corona. Dies wird angenommen, wenn
mehr als die Hälfte der Aufträge aus der Zeit vor dem 1. März durch die Corona-Krise weggefallen sind

oder

die Umsätze gegenüber dem Vorjahresmonat mehr als halbiert sind (für einen noch im März oder im April gestellten Antrag werden die Umsätze im Monat März 2020 gegenüber dem Monat März 2019 zugrunde gelegt. Kann der Vorjahresmonat nicht herangezogen werden (z.B. bei Gründungen), gilt der Vormonat.

oder

die Möglichkeiten den Umsatz zu erzielen durch eine behördliche Auflage im Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie massiv eingeschränkt wurde

oder

die vorhandenen Mittel nicht ausreichen, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten des Unternehmens (bspw. Mieten, Kredite für Betriebsräume, Leasingraten) zu zahlen (= Finanzierungsengpass)

Der Antragsteller muss versichern, dass der Finanzierungsengpass nicht bereits vor dem 1. März bestanden hat. Der Antragsteller muss zusätzlich erklären, dass sich das Unternehmen zum Stichtag 31. Dezember 2019 nicht um ein "Unternehmen in Schwierigkeiten" handelte.
Quelle: https://www.wirtschaft.nrw/nrw-soforthilfe-2020
Grüße,
Birgit

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Re: Corona

#227

Beitrag von emil17 » Sa 28. Mär 2020, 10:13

In CH ist es so, dass man das Geld sehr rasch bekommen kann, dass aber hohe Strafen fällig werden, wenn sich nachträglich herausstellt dass der Kredit missbräuchlich beantragt wurde.
Wer keinen Umsatz mehr, aber auch keine laufenden Fixkosten hat, der braucht ja nicht so dringend Unterstützung wie jemand, der sein Geschäft nicht weiterführen darf und Mieten usw. weiter laufen hat.
Rohana hat geschrieben:
Sa 28. Mär 2020, 07:41
Gruselig. Das erinnert mich daran dass ich vor vielen Jahren für den Bezug von HartzIV erstmal mein Erspartes halb aufbrauchen musste. Da werden immer wieder die bestraft die Rücklagen bilden und keine Schulden machen.
Dir unterstelle ich nichts - aber:
Aus Sicht des Staates ist diese Betrachtungsweise unlogisch.
Man sorgt für sich selbst und wer das *unverschuldet* nicht kann, dem wird geholfen. Da es aber nicht möglich ist, zu überprüfen, was unverschuldet ist, und weil man nicht einfach Leute verhungern lassen kann, die nicht wirtschaften können, bekommt diese Hilfe jeder, der selbst keine Mittel mehr hat.
Dafür muss man aber aufs Sozialamt und dort die Hosen runterlassen - was von denen als entwürdigend empfunden wird, die wirklich unverschuldet Untestützung brauchen.
Man kann es auch anders formulieren: Wo kein Gras ist, kann man auch nicht mähen.
Ich würde es deshalb nicht als Strafe ansehen, wenn ich zuerst meine eigenen Vorräte anbrauchen muss. Es kann ja auch nicht sein, dass man auf einem Haufen Geld sitzt und trotzdem auf Kosten der Allgemeinheit lebt.
Das ist der Trick der Steueroptimierer, die ohne Einkommensteuer zu zahlen jedes Jahr mehr Vermögen haben.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Corona

#228

Beitrag von Claudia » Sa 28. Mär 2020, 11:11

Mein Sohn hat das für seinen Betrieb (GmbH, 3,5 Angestellte) gestern auch beantragt. Diesen Monat hat er noch keine Zahlungsprobleme, aber die nächsten Monate wird das vermutlich anders aussehen. Die monatliche Fixkosten (Personal, Miete, Kfz. Versicherungen usw.) liegen größenordnungsmäßig bei 20.000 Euro.
Das Problem, einige seiner Großkunden haben den Betrieb derzeit geschlossen, es kommen im Moment also keine bzw. bedeutend weniger neuen Aufträge herein. Andererseits hat er einige Zulieferer in Italien. Dort stehen die Produktionsstätten komplett still. D. h. selbst wenn er Aufträge bekommen sollte, kann er nicht liefern, weil ihm das Rohmaterial für seine Produktion fehlen wird.
Im Büro ist es derzeit gespenstisch still. Gestern gab es keinen einzigen Telefonanruf. Ich hoffe nur, dass er das mit einem „blauen Auge“ überstehen wird.

Gruß Claudia

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Re: Corona

#229

Beitrag von Thomas74 » Sa 28. Mär 2020, 11:40

Rohana hat geschrieben:
Sa 28. Mär 2020, 07:41
Gruselig. Das erinnert mich daran dass ich vor vielen Jahren für den Bezug von HartzIV erstmal mein Erspartes halb aufbrauchen musste. Da werden immer wieder die bestraft die Rücklagen bilden und keine Schulden machen :bang:
Völlig richtig. Warum soll der Staat jemanden bezahlen, der noch was hat? Das ist eine Nothilfe, mehr nicht. Ich als der dumme Arbeiter, der sowas finanziert, hab da null Verständnis.
Optimismus ist,bei Gewitter in einer Kupferrüstung auf dem höchsten Berg zu stehen und "Scheiß Götter!" zu rufen...

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Re: Corona

#230

Beitrag von Rati » Sa 28. Mär 2020, 12:14

kaulli hat geschrieben:
Fr 27. Mär 2020, 18:58
kraut_ruebe hat geschrieben:
Fr 27. Mär 2020, 16:28
Stell doch den Link hier rein, dann muß keiner danach suchen wenn er/sie Lust dazu hat, Dinge zu diskutieren die hier als nicht forenrelevant klassifiziert werden.
Es gibt zwei Alternativen, wo nicht zensiert wird, wenn man z.B. über Kräuter, Corona, Mondkalender o.ä. schreibt:
http://wewewe.buchkammer.de/forum-23/in ... a80c68a02c
https://wewewe.aurastube.at/forum/
Tja, Phantasie is halt immer spannernder als Realität. :aeh:

Grüße Rati
Was ist ist! Was nicht ist ist möglich!"
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