Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

Benutzer 72 gelöscht

Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#41

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht » So 8. Jan 2017, 10:54

Oelkanne hat geschrieben:Latrine = Menschliche Fäkalien

Dadurch verteilt man die Dauerformen der Parasiten auf den Flächen,
kleine Frage: Aber doch nur, wenn die Menschen, von denen der Dünger stammt, erkrankt sind??

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Ich denke, wenn der Boden "halten" kann (Humus? Lehm? Terra Preta?) dann dürfte kein bis kaum noch Nitrat ins Grundwasser kommen?

Manfred

Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#42

Beitrag von Manfred » So 8. Jan 2017, 11:10

ina maka hat geschrieben: Ich denke, wenn der Boden "halten" kann (Humus? Lehm? Terra Preta?) dann dürfte kein bis kaum noch Nitrat ins Grundwasser kommen?
Ja. Ein Boden mit hohem Gehalt an organisch gebundenem Kohlenstoff kann viel mehr Stickstoff binden als humusarmer Boden.
Das ist wie beim Kompost. Je weiter das C:N-Verhältniss, desto weniger N entweicht.
Neben dem Humusbehalt ist auch ein aktives Bodenleben wichtig. Denn ohne Leben wird der Stickstoff nicht fixiert und nur das Leben kann ihn danach wieder für die Pflanzen verfügbar machen.
In diesem Kreislauf des Lebens spielen auch die verschiedenen Nutztiere eine wichtige Rolle.
Fehlen die Nutztiere, dann ist es schwerer, den Humus und das Bodenleben zu erhalten. Dann passiert das, was wir in Bayern in Unterfranken sehen. Das ist die viehärmste Region in Bayern und hat die mit abstand höchste Nitratbelastung im Trinkwasser, weil die Acker- und Weinbergböden den Stickstoff nicht ausreichend festhalten können.
Dort fehlt das Vieh, das in anderen Regionen Deutschlands (speziell in intensiven Mastregionen im Nordwesten) zu viel ist.
Das Problem sind nicht die Tiere. Im Gegenteil. Sie sind Teil der Lösung. Das Problem ist das falsche Management. Wir Menschen konzentrieren die Tiere und ihre Ausscheidungen an einer Stelle, indem wir sie einsperren und das Futter dort mit Schiffen hinkarren. Wäre die Nutztierhaltung gleichmäßig über die Fläche verteilt, oder noch besser, würde gleichmäßig verteilt direkt auf der Fläche stattfinden, mit vernünftigem Management, dann würden die Tiere helfen das Nitrat auf ein gewünschtes Maß zu reduzieren (zu wenig Nitrat ist ja auch schädlich, weil dann andere unerwünschte Stoffe im Trinkwasser gelöst werden).

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Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#43

Beitrag von Rohana » So 8. Jan 2017, 12:05

Ich glaube kaum dass du die Bauern in der Börde überreden kannst, auf ihren geilsten Ackerböden Vieh weiden zu lassen...
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

Manfred

Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#44

Beitrag von Manfred » So 8. Jan 2017, 12:22

100 dt verkaufsfähiger Weizen sind 1700 Euro Umsatz.
Ein Bio-Bulle mit 400 kg Schlachtgewicht bringt nach Transport- und Erfassungskosten ebenfalls 1700 Euro Umsatz.
Meinst du nicht, dass es möglich sein sollte, auf einem 80er bis 100er Boden in Ganzjahresweide mehr als einen Bullen pro ha zu erzeugen? In den USA gibt es inzwischen grass finished beef Betriebe, die genau das machen, den Ackerbauern die Pachtflächen wegnehmen, durch höheren Umsatz bei niedrigeren Kosten.
Aber das Beste ist: Das eine schließt das andere nicht aus. Durch ein kluges Zwischenfrucht-Management würden nicht nur die Nährstoffe besser genutzt und die Wasserspeicherkapazität der Böden und die Nährstoffverfügbarkeit für die Pflanzen verbessert, außerdem die Solarenergie in der Zeit genutzt, wo der Weizen sie nicht nutzt, sondern auch noch Futter produziert, das mit zeitweise eingesetzten Weidetieren nutzbar wäre.
Siehe Gabe Brown.
Da ist noch Luft nach oben, bei einer wirtschaftlicheren und nachhaltigeren Nutzung der Börde-Böden.
Jetzt kannst du sagen: Kartoffeln, Rüben. Aber die kann man nicht Jahr für Jahr anbauen. Die lassen sich gut in eine Fruchtfolge mit verschiedenen Tieren integrieren.

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Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#45

Beitrag von Rohana » So 8. Jan 2017, 14:57

Ich rede von den Bauern, nicht von dem was machbar oder sinnvoll wäre ;)
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

viktualia

Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#46

Beitrag von viktualia » So 8. Jan 2017, 15:07

Ei,@Rohana, redest auch du von der Dummheit der Bauern?
Oder von fragmentarisiertem Wissen?

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Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#47

Beitrag von emil17 » So 8. Jan 2017, 20:13

rotoflex hat geschrieben:Bin kein Vegetarier aber zum grübeln kommt man schon, wenn es heisst ohne Zahlen zu haben, das ein Fleischkonsument ein vielfaches an landwirtschaftlicher Fläche verbraucht als ein Vegetarier.
Dazu kommt das der Mensch auch nur etwas mehr als 50% von Fleisch verstoffwechselt.
Und nun werden in der deutschen Politik Stimmen laut die den Mehrwertsteuersatz von 19 % auf tierisches fordern.
Drei Dinge die nichts miteinander zu tun haben:
Mehrwertsteuer ist ein Kapitel für sich. Würd ich ganz abschaffen. Wieso soll ich nochmals Steuer bezahlen, wenn ich mein versteuertes Einkommen wieder ausgebe?
Mensch verwertet nur 50% von Fleisch: von Pflanzen noch weniger. Kommt aber drauf an ob man das rein energetisch oder vom Stoffwechsel her oder sonstwie betrachtet. Menschliche Ernährung ist nicht das gleiche wie Tanken beim Auto, sondern eine kulturelle Handlung (obwohl das schwer zu glauben ist, wenn man eine hungrige Horde beim Bankett beobachet)

Fleischkonsument verbraucht ein vielfaches an landwirtschaftlicher Fläche als ein Vegetarier: das Thema ist etwas abgenutzt.
Stimmt, wenn man es auf Futterbau als Konkurrenz zu direkter Nahrungsproduktion reduziert. Das ist aber nur die halbe Geschichte, denn:
Erstens verbraucht die Landwirtschaft ihre Nutzflächen nicht, wenn sie es richtig macht, genauso wie ein Förster seinen Wald nicht verbraucht.
Zweitens gibt es sehr viel landwirtschaftliche Nutzfläche, die Milch und Fleisch, aber keine essbaren Pflanzen hervorbringen.
Drittens ist Viehwirtschaft wichtig, um den Nähstoffkreislauf und die Bodengesundheit zu ermöglichen. Viehhaltung kann bewirken, dass die Ackerböden langfristig ihre Ertragskraft behalten.
Viertens ist Tierhaltung eine Möglichkeit, um nicht essbare Abfälle und Nebenprodukte in menschliche Nahrung zu verwandeln.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.

Benutzer 72 gelöscht

Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#48

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht » So 8. Jan 2017, 20:23

emil17 hat geschrieben:Fleischkonsument verbraucht ein vielfaches an landwirtschaftlicher Fläche als ein Vegetarier: das Thema ist etwas abgenutzt.
Auf die Menge kommts drauf an ....
gar keine Tierhaltung ist wahrscheinlich genauso wenig sinnvoll wie jeden Tag (Muskel)Fleisch....

ist auch schon ein abgenutztes Argument :lol:

wahr ists trotzdem.

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Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#49

Beitrag von emil17 » So 8. Jan 2017, 20:34

ina maka hat geschrieben:Aber doch nur, wenn die Menschen, von denen der Dünger stammt, erkrankt sind??
Wenn der Kreislauf geschlossen ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis solche Parasiten sich einstellen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Nitrat im Trinkwasser - wo liegen die Ursachen?

#50

Beitrag von Rohana » So 8. Jan 2017, 21:33

viktualia hat geschrieben:Ei,@Rohana, redest auch du von der Dummheit der Bauern?
Oder von fragmentarisiertem Wissen?
Ich rede davon, dass Theorie und Praxis zwei sehr verschiedene Dinge sind. Das hat nicht zwingend mit "Dummheit" zu tun :)
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

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