Da müssten wir doch aber auch die Nachteile der konventionellen Landwirtschaft nennen, wenn das ein fairer Vergleich werden soll, etwa der grosszügige Einsatz von Antibiotika, der die menschliche Gesundheit gefährdet.
Das Argument des höheren Flächenertrages ungeachtet der Qualität ist ein Auslaufmodell - in allen Gewerben wird die Produktion billiger Massenware in Billiglohnländer ausgelagert, warum soll man diese Entwicklung in der Landwirtschaft mit Staatsgeldern aufhalten? Wie kann man gleichzeitig hohen Ertrag pro Fläche als Vorteil ausgeben und sich über die immer niedrigeren Preise am Weltmarkt beschweren?
Die Schweizer haben nicht nur wegen der Grundwasserprobleme auf Bio gesetzt:
a) Anteilmässig mehr Schweizer als Deutsche, aber noch lange nicht alle;
b) Es hat damit zu tun, dass die Schweiz das Land der höchsten Grundnahrungsmittelpreise, aber auch Einkommen in Mitteleuropa ist, Deutschland das der billigsten;
c) Aus Tradition hing die Schweizer Landwirtschaft schon immer am Subventionstropf, die Akzeptanz bei der Bevölkerung kommt vor allem daher, dass 3/4 Berglandwirtschaft ist, die man ohne Subventionen unmöglich kostendeckend betreiben kann und die schon immer Leistungen für Tourismus und Allgemeinheit erbracht hat. Zudem ist der Prototyp des Schweizers in der geistigen Landesverteidigung (als Reaktion auf das braune Ausland in den 1930ern), Wilhelm Tell, Bauer gewesen.
Wenn man sieht, was die dem Berg abringen, sind diese Gelder immer noch gerechtfertigt.
d) Viele Pioniere dessen, was jetzt Bio ist, waren hier tätig, etwa die Anthroposophen (Demeter).
e) Man kann jeden Boden ruinieren, wenn man das falsche zur falschen Zeit macht.
Wenn du auf Löss in Hanglage Mais anbaust und es im Spätfrühling, wenn die Kultur noch nicht deckt, zu Starkregen kommt, wird genauso erodiert wie wenn du im Tiefland einen trockenen Boden bei starkem Wind bearbeitest. Beides ist leider immer noch oft zu sehen und wird wohl aus betriebswirtschaftlichen Gründen in Kauf genommen.
Rohana hat geschrieben:Bio kann man durchaus auch bodenverträglich machen - aber weder immer, noch überall, noch für lau.
Wenn man langfristige Wirtschaftsweise, die überall wo es selbständige Bauern gab, oberstes Ziel der Selbstversorgerhöfe früherer Zeiten war, dem kurzfristigen Ertrag überordnet, dann stellt sich dieses Problem so gar nicht erst.
Ich sehe übrigens nach wie vor nicht ein, warum der Steuerzahler dafür aufkommen soll, dass in der Landwirtschaft umweltverträglich gewirtschaftet werden soll, während das andere Gewerbe einfach nur Auflagen kriegt, die einzuhalten sind, oder die Bude geht zu. Aber diese Diskussion hatten wir schon.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.