Steingartenverbot ?

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emil17
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Re: Steingartenverbot ?

#61

Beitrag von emil17 » So 12. Mai 2019, 22:37

Wildmohn,
das Problem an einm Verbot ist nur folgendes: Wenn man die Gestaltung von Privatgärten reglemetiert, dann entscheiden Bürokraten und Juristen. Das würgt jede Kreativität ab - dieser Kollateralschaden könnte grösser sein. Leute, die japanische Gärten anlegen, tun dies aus einem ganz anderen Motiv heraus als um Arbeit zum Saubermachen zu sparen, auch dies hat vegetationslose Flächen zur Folge. Sind die auch mit gemeint?
Zu den "bedeutenden Flächen", die so dem Leben entzogen werden: Diese Frage kann man nur beantworten, indem man diese Flächen misst und in Bezug setzt zur Gesamtheit an Flächen, die durch Überbauung oder Umnutzung verschwinden.
Hier vermute ich (vermute, denn ich habe keine Zahlen dazu, weiss aber, wie es in solchen Neubauquartieren aussieht), dass jeder, der ein EFH mit Schotterfläche auf der grünen Wiese baut, mit der Grundfläche seines Hauses und auch noch der Zufahrt, den Stellplätzen für die Autos und den Gehwegflächen usw. wesentlich mehr sterilisiert.
Das tun aber auch alle, die keine Schotterflächen machen. Bis auf einige verschwindend geringe Ausnahmen wohnen wir alle unter sterilen Dächern und nutzen alle versiegelte Plätze. Hierzu müssten wir uns auch unseren Anteil an Strassen und Industrierwüsten und Flughäfen usw. anrechnen lassen, denn das gibt es auch alles wegen uns.
Die eigentliche Katastrophe ist deshalb der Umgang mit dem kultivierbaren Land überhaupt; die Schotterflächen sind nur ein sehr deutliches Symptom dafür, wie sehr lebendige Flächen wertgeschätzt werden: nämlich gar nicht.

Das Verbot ist deshalb wohl ein nachvollziehbarer Reflex auf die demonstrative Verachtung von Werten, die uns wichtig sind, und anders nicht begründbar. Warum sollen Schotterflächenliebhaber gezwickt werden, solche, die einen halbe Wiese teeren, um darauf ihre Autos abstellen zu können, aber nicht?
Ob man Wertschätzung durch Vorschriften erzwingen kann?
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

Küstenharry
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Re: Steingartenverbot ?

#62

Beitrag von Küstenharry » Mo 13. Mai 2019, 08:32

Eigentlich ist die Überbaubarkeit schon in der Bauordnung geregelt.
Die Grundflächenzahl (§ 19 BauNVO) gibt den Flächenanteil eines Baugrundstückes an, der überbaut werden darf; sie wird mit ein oder zwei Dezimalstellen angegeben, beispielsweise:

GRZ 0,3 = 30 % der Grundstücksfläche dürfen überbaut werden
https://de.wikipedia.org/wiki/Ma%C3%9F_ ... en_Nutzung

Darin enthalten sind auch gepflasterte und bodenversiegelte Flächen im Garten, Hofeinfahrt etc.

Aber in der Praxis werden auch die letzten m² freie Fläche in den Neubaugebieten mit Schotter, Steinen bedeckt.

Wir waren letztens meine Patentante im Emsland besuchen, um alte Antike Vollholz Möbel abzustauben.
Die würden nicht mehr in das renovierte weisse moderne sterile Haus passen , wie es dort in dem Neubaugebiet steht, mit nur versteinigten Flächen.
Da meinte mein Onkel, er könnte bald bestraft werden dafür, dass er sein Grundstück so schön sauber und chick gestaltet hat.
Die Stadtverwaltung wird wohl auch gegen diese Steingärten vorgehen.
Gruss von der Küste

Harry

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Re: Steingartenverbot ?

#63

Beitrag von ihno » Mo 13. Mai 2019, 08:50

Viel Wind um Nix , am 26 sind Wahlen und danach verschwinden die Pläne wieder in der Versenkung.
Schade eigentlich
Eala Frya Fresena !!
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Re: Steingartenverbot ?

#64

Beitrag von Teetrinkerin » Mo 13. Mai 2019, 09:50

Ich habe kürzlich mit unserem Bürgermeister über eben dieses Problem gesprochen. Verbote sind nicht in Planung (was ich begrüßen würde), wohl aber gibt es für Neubausiedlungen Regelungen, wie viel Fläche gepflastert bzw. überbaut sein dürfen. Sprich, der Einwand, wenn ein Schottergartenverbot kommt, würden die Leute eben Pflastern, sind in Neubausiedlungen so nicht zulässig. Die Flächenversiegelung wird deswegen eingeschränkt, weil jetzt schon unsere Abwasserleitungen bei Starkregen überlastet sind (hier funktioniert es ja auch, dass Regelungen greifen). Leider ist aber Insektenschwund nicht von so großem Interesse, als dass hier auch entsprechend Regelungen getroffen werden.

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Re: Steingartenverbot ?

#65

Beitrag von viktualia » Mo 13. Mai 2019, 12:16

Ist das eigentlich überall so (wie bei uns in NRW), dass auch über die Abwassergebühren für versiegelte Flächen gezahlt werden muss?
Also so ein "Parkplatz" (nicht die mit den Lochsteinen, da kann das Wasser ja versickern),
mit einer Vollversiegelung drunter, wo das Wasser nicht in die Erde, sondern in den Kanal fliesst,
kostet doch auch jetzt schon einiges mehr an Gebühren?

Und ich nehme an, dass, bis dato, die "Steingärten", die Scheingärten, da nicht drunter fallen, so richtig,
weil die ja nur das Unkraut nicht raus, aber das Wasser (irgendwie, noch so grade...) rein lassen.

Vielleicht wär das ne Schraube, an der man drehen könnte -
diese "semi-Versiegelung" korrekter zu definieren.
Geht ja auch auf Kosten der Allgemeinheit, da sind sich inzwischen ja alle recht einig.

Bei uns gibt´s ne Gärtnerei, die hat so Lochsteine in der Einfahrt und da wachsen Mini-Akeleien drin. Keine Extra-Sorte, sondern vom ewigen platt gefahren werden. Ist aber hübsch und um Längen besser für die "Vielfalt" als das Schottergedöns.

Ich hab da grad Kopfkino: "Lochsteingärten" in "japanisch" mit dicken Moospuscheln, "Steppig" mit Blaukissengras, "Ornamental": so Steine gibt´s sicher in bunt; Löcher für Gewürzkräuter (natürlich dann nicht in der Einfahrt), diese komischen Salate mit Wurzeln, die´s jetzt überall gibt haben genau die richtige Größe für sowas, usw. (Das ist kein "Plan", kein "Vorschlag", ist ne Idee, ne Möglichkeit. Ich trau Gärtnereien da einfach bisl mehr zu als den stolzen Neubaubesitzern.)

Und die Leuts, die "Bienen!!!" rufen, sollen sich bitte erst mal mit der duchschnittlichen Blühdauer der heimischen Gewächse und Blühlücken auseinander setzen, bevor sie was fordern, das die Rechte ihrer Mitmenschen einschränkt.

Wildmohn
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Re: Steingartenverbot ?

#66

Beitrag von Wildmohn » Mo 13. Mai 2019, 19:39

emil17 hat geschrieben: Das Verbot ist deshalb wohl ein nachvollziehbarer Reflex auf die demonstrative Verachtung von Werten, die uns wichtig sind, und anders nicht begründbar. Warum sollen Schotterflächenliebhaber gezwickt werden, solche, die einen halbe Wiese teeren, um darauf ihre Autos abstellen zu können, aber nicht?
Ob man Wertschätzung durch Vorschriften erzwingen kann?
@emil:
Im allgememeinen finde ich die Forderungen der Grünen, ob es nun der Veggieday oder das Nachdenken über das Vermeiden von Versiegelungen ganzer Flächen, oder von mir aus auch die kritische Position bzgl. des ausbringens von Ackergiften, ersteinmal als vernünftigen Denkansatz.
Und ich denke, dass es eine Stimme braucht, die auf diese Misstände aufmerksam macht, um ein Bewußtsein zu kreieren.
Im kleinen erfahre ich dies beim täglichen Spaziergang durch eine Kleingartenkolonie in Berlin. Immer mehr Gartenbesitzer gestalten ihre Zaungrenze zum Weg hin statt mit Schotter oder gar Folie mit insektenfreundlichen Bepflanzungen, auch viele Gärten sind nicht mehr so steril und getrimmt.
Kleingärtner in Berlin haben/hatten den Ruf miefig-spießig- und sehr ordnungsliebend zu sein...
Sehr viele hingegen scheinen jetzt bemüht zu sein, einen insektenfreundlichen Garten zu gestalten.
Kurz und knapp, was ich eigentlich sagen wollte:
Der Schottergarten ist in diesem Fall nur ein Hot-Spot für die Versiegelung von Flächen allgemein. Es geht eben nicht nur um den Schottergarten, sondern um die allgemeine Frage, wie Flächen für die Biodiversität sinnvoll genutzt werden können. Eine, wie ich finde, berechtigte Frage, wenn man bedenkt was die Landwirtschaft in dieser Hinsicht so alles auf die Mütze bekommt...
Neues Schaffen heisst Widerstand leisten. Widerstand leisten heisst Neues schaffen. (Stéphane Hessel)

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