Zahl der Mutterkühe weiter rückläufig

hobbygaertnerin
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Re: Zahl der Mutterkühe weiter rückläufig

#11

Beitrag von hobbygaertnerin » So 25. Aug 2013, 07:17

Ich befürchte, dass der Zug in Richtung bäuerliche Landwirtschaft abgefahren ist.
Erst dann, wenn es sie nicht mehr gibt, kommt vielleicht irgendwann das Nachdenken. Dann ist aber die Umkehr sehr schwer, denn Bäuerlichkeit ist etwas, das man nicht einfach in die Wiege gelegt bekommt, man muss es auch lernen. Nur wer sollte es dann lehren?

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Manfred
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Re: Zahl der Mutterkühe weiter rückläufig

#12

Beitrag von Manfred » So 25. Aug 2013, 08:30

Ich hab neulich irgendwo ein Interview mit einem Molkerei-Spezialisten gesehen. Es läuft wohl heute bei der Verarbeitungsmilch zum Teil schon so ab, dass die Milch in ihre chemischen Bestandteile zerlegt wird, einzelne Eiweiß- und Zuckerarten etc. Und die werden dann nach Bedarf der Industrie wieder zusammengemischt, damit die Endprodukte immer haargenau die gleiche Zusammensetzung haben.
Am Ende kommt dann ein Fraß raus, der nicht mal mehr mit einer Hydroponik-Nährlösung vergleichbar ist. Letztere ist wenigstens auf den Nährstoffbedarf der jeweiligen Pflanzen abgestimmt... Nicht mal das kann man von dem Industriefraß behaupten.
Wie Bunz immer schreibt: Wenn es irgend geht, selber kochen und das Zeug im Regal liegen lassen. Leider gehört da viel Disziplin zu, die mir oft fehlt.

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Re: Zahl der Mutterkühe weiter rückläufig

#13

Beitrag von hobbygaertnerin » So 25. Aug 2013, 09:16

Manchmal ärgert es mich gewaltig, was aus der Milch gemacht wird. Wird wohl nicht nur bei der Milch so sein.
Manfred, an der Disziplin mangelt es mir eher weniger, die ellenlangen Zutatenlisten vergraulen mir den Appetit, aber das Problem ist die Zeit, nachdem in Zukunft die Arbeitsplätze eher mehr Stunden haben werden, wird Kochen wohl noch weniger getan werden wollen. Die Industrie nimmt uns diese Arbeit auch sehr gerne ab.
Zumindest werden die Fertig- und Halbfertigprodukte in unserem örtlichen Lebensmittelgeschäft immer länger- gleichzeitig auch die Tierfutterregale und die Lebensmittelergänzungsmittel.
Manchmal komme ich mir vor wie von einem anderen Stern kommend.

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Manfred
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Re: Zahl der Mutterkühe weiter rückläufig

#14

Beitrag von Manfred » So 25. Aug 2013, 09:20

Mal was Positives zum Thema:
Weideprojekt Hutanger: Die Wiederbelebung der Hersbrucker Alb
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches- ... r-100.html

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Re: Zahl der Mutterkühe weiter rückläufig

#15

Beitrag von Manfred » Mo 26. Aug 2013, 13:28

Der DBV kennt nur einen Weg: Wachstum und Export:
http://www.topagrar.com/news/Home-top-N ... 30776.html

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Re: Zahl der Mutterkühe weiter rückläufig

#16

Beitrag von Manfred » Fr 27. Sep 2013, 18:05

Mein Eindruck wird leider wieder bestätigt.
In der TopAgrar 10/2013 wird auf die Arbeit von Dr. Martin Dietze von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft in MecPom verwiesen. Dieser hat die Buchführungsergebnisse von Mutterkuhbetrieben bundesweit ausgewertet.
Im Mittel der Betriebe ergibt sich ein negativer Deckungsbeitrag von 250 Euro pro Kuh und Jahr.
Selbst bei 100 Kühen sei nur mit einer ausgefeilten Strategie mit Direktvermarktung, Zuchtviehverkauf, Landschaftspflege- und Naturschutz ein ausreichendes Betriebseinkommen zu erwirtschaften.

Die Hauptprobleme der Betriebe seien:
1) Flächenkonkurrenz, sprich steigende Pachtpreise durch Biogasmais, intensive Mast etc.
2) Das Abschmelzen der landwirtschaftlichen Ausgleichszahlungen
3) Futterkosten, vor allem bei Kraftfuttereinsatz
4) Vermarktungsprobleme. Vor allem Biobetriebe erlösen für ihre Mastabsetzer keine annehmbaren Erlöse und müssten diese meist konventionell vermarkten

Der Anteil der Flächenprämien am Betriebsumsatz mache je nach Betriebsform und Standort 25% bis 90% des Gesamtumsatzes aus.

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Re: Zahl der Mutterkühe weiter rückläufig

#17

Beitrag von Manfred » So 14. Feb 2016, 01:00

Betriebswirtschaftliche Richtwerte Mutterkuhhaltung in Thüringen 2013:

http://reliefweb.int/sites/reliefweb.in ... 274160.pdf

Auf Seite 2 (gemäß Nummerierung oben rechts auf den Seiten) findet sich das Betriebsergebnis inkl. Prämien:
214 Euro Verlust pro ha, bzw. 381 Euro Verlust pro Mutterkuh.

Das Betriebseinkommen (also das Betriebsergebnis vor Abzug der Personalkosten) ist leicht positiv.
65 Euro pro ha, bzw. 354 Euro pro Mutterkuh.
Das entspricht bei einem Einzelunternehmen ohne Personalkosten dem Betriebsgewinn, aus dem der Unternehmer dann seine Eigenkapitalverzinsung (inkl. Pachtanspruch für Eigenland), seine Arbeitszeitentlohnung inkl. Sozialversicherungskosten und den echten Unternehmensgewinn bestreiten muss.

(Ich wohne ja an der Grenze zum Thüringer Wald und habe vergleichbare Bedingungen, abgesehen von der Betriebsgröße. Deshalb vergleiche ich meinen Betrieb ab und zu mit den Zahlen aus Thüringen.)

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Re: Zahl der Mutterkühe weiter rückläufig

#18

Beitrag von Manfred » Mo 15. Feb 2016, 01:11


Gruenland
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Re: Zahl der Mutterkühe weiter rückläufig

#19

Beitrag von Gruenland » Mo 19. Mär 2018, 10:08

Die Mutterkühe bzw. betriebe werden bei uns auch immer weniger.
Viele Mutterkuhbetrieb sind Auslaufbetriebe: Milchvieh->Mutterkühe->Aufgabe.
Ich selber mache es aus Idealismus und Freude.
Aufgrund steigender Pachpreise und Wegfall von Prämien (Muttkuh-/Bullenprämie) bzw. Anreizen wird die Zahl weiter fallen.

Bei den Zahlen (etwas älter) ist auch kein Wunder, wenn es weniger werden:
http://www.biofarmer.de/bsl/d1b_S17_db_mutterkuh.pdf
https://www.landwirtschaft-bw.info/site ... 4ndle).pdf

Hier eine Hilfe zur Kalkulation:
http://www.landwirtschaft-bw.info/pb/si ... 0_2016.xls

Man merkt auch das schwindende Interesse:
Früher gab es immer eine Weidefestival in Schönbronn...
Liegt auch bestimmt an der Biogasanlagendichte in diesem Landkreis!

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Re: Zahl der Mutterkühe weiter rückläufig

#20

Beitrag von Rohana » Mo 19. Mär 2018, 10:31

Dank des neuen Mercosur-Abkommens werden wir noch mehr mit Importrindfleisch versorgt... ist auch nicht unbedingt förderlich.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

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