Hermann Maiers Kampf gegen die Ohrmarken

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Manfred
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Hermann Maiers Kampf gegen die Ohrmarken

Beitrag von Manfred » Fr 19. Apr 2013, 16:14

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal ... bf92a.html

Wer die Familie Maier beim anstehenden Verfahren unterstützen will, kann Mitglied bei Uria werden, oder auf eines der genannten Konten spenden:

http://www.uria.de/index.php?idcat=11

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stoeri
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Re: Hermann Maiers Kampf gegen die Ohrmarken

Beitrag von stoeri » Sa 20. Apr 2013, 09:25

Hallo Manfred,

danke fürs einstellen, da will ich gerne unterstützen und hoffe sehr das dieser Mann nicht umsonst kämpft.

Genau diese Ohrmarken haben auch nichts genützt bei der Lasagne und vielen anderen Schweinereien im Lebensmittelskandal. Warum diese häßlichen Ohrenmarken wenn es doch auch gechipt werden kann. Bei Hund und Katze macht man das ja auch.
Immer wenn ich Kühe sehe denke ich der Bauer hat die nicht bezahlt.
herzliche Grüße
Erika mit Lux und Ricky im Herzen

Wenns nur olle so waradn, wia i sei soiad.

hunsbuckler
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Re: Hermann Maiers Kampf gegen die Ohrmarken

Beitrag von hunsbuckler » Sa 20. Apr 2013, 11:15

Ich als Milchprobenehmer wäre auch froh, wenn die unangenehme Pflicht des Kälberohrmarkens wegfallen würde.

Mich persönlich entlastet es zwar, daß die meisten Bauern ihren Kälber gleich nach der Geburt selbst die Ohrmarken einziehen.
Früher haben manche bis zum nächsten Kontrolltermin gewartet, und ich hatte dann acht oder zehn Kälber auf einmal zu marken. Das war ein Kampf, weil die ältesten dann schon 4 Wochen alt und stark waren, und der Ohrknorpel schon so hart.
Wenn diese dann den Kopf hin- und herwerfen, ist es schwieriger, den optimalen Punkt zwischen zwei Knorpelstrahlen zu treffen, nicht zu weit außen, damit sie nicht so leicht ausreißen, und nicht zu tief innen, damit man sie lesen kann.
Wenn es gelingt, blutet es auch nicht und die Kälber lassen nicht erkennen, daß sie längere Schmerzen hätten.

Die von mir gesetzten Ohrmarken haben ganz überwiegend gut gehalten, von 60 Kühen im Laufstall mit Weidegang war es durchschnittlich im Jahr 1-2, die nachgeohrmarkt werden mußten.
Das war dann immer ein Kampf, die Kuh wurde im Freßgitter fixiert, der Bauer zog ihr mit dem Strickhalfter den Kopf zur Seite und wurde ungeduldig, wenn ich seiner Ansicht nach zu lange brauchte, um das alte Loch (sofern nicht ausgerissen) wieder zu treffen. Mußte man ein neues Loch stanzen, entwickelten die Kühe im Moment des Zukneifens enorme Kräfte, rissen fast das Freßgitter aus der Verankerung und die Zange flog im hohen Bogen durch die Gegend.

Während der Milchprobenahme sind die Ohrmarken derzeit ein wichtiges Identifikationsmerkmal.
Die Zeiten, wo die Bauern alle ihre Kühe mit Namen kannten, sind leider lange vorbei.
Die Ohrmarken haben aber deutliche Nachteile:
In den verbreiteten Fischgräten-Melkständen, wo die Kühe mit dem Kopf zur Wand stehen, kann man sie kaum sehen; daher muß ein Melker jede Kuh einzeln vor Betreten des Melkstandes identifizieren.
Wenn die Ohrmarken dann verschmutzt oder von Haaren überwuchert sind, muß er die Kuh am Ohr fassen, was die sich natürlich nicht gefallen läßt.
Und wenn so eine ganze Horde Kühe sich futtergierig in den Melkstand drängelt und der Bauer versucht, sie zu regulieren, kann es durchaus zu gefährlichen Situationen kommen.

Ob das durch den Chip besser wird?
Meines Wissens wird der im Schulter/Widerristbereich eingesetzt.
Da könnte man die gleichen Schwierigkeiten haben, eine bereits im Melkstand stehende Reihe Kühe zu identifizieren.
Sich am Melkstandgerüst entlangzuhangeln und mit dem Lesegerät über die Kühe zu peilen stelle ich mir auch nicht gerade toll vor. Die Identifikation muß also am Eingang stattfinden.

Zu ergänzen ist noch, daß die derzeit verwendeten Ohrmarken mit einer Gewebestanzfunktion ausgestattet sind.
Ein winziger Innenstift mit einer Probe Ohrgewebe wird an die Landesuntersuchungsanstalten geschickt, um alle Kälber auf Infektion mit BVD zu testen.
Der Sinn ist, zwei Eingriffe zusammenzulegen, um das Tier weniger zu belasten.
Fällt die Ohrmarkung weg, muß die Probe durch einen extra Eingriff (Blutentnahme) gewonnen werden.
Ob es möglich ist, die Chipsetzung mit einer Probenziehung zu koppeln, weiß ich nicht.

Bleibt zu hoffen, daß der Gerätepark für die Bauern billiger wird.
Vielleicht gibts bald Apps fürs Smartphone, womit die Bauern und Kontrolleure die Chips auslesen können.
Oder die Palms, mit denen wir derzeit die Daten erfassen, werden mit einer Erkennungsfunktion aufgerüstet.

Ganz geheuer ist mir diese Totalabhängigkeit von elektronischen Geräten allerdings nicht.
Am liebsten wären mir Fußbänder an den Hinterbeinen, die man im Melkstand unmittelbar vor Augen hat und leicht abspritzen kann, falls sie verschmutzt sind.

Viel schlimmer als das Ohrmarkensetzen finde ich das Enthornen.
Natürlich finde ich Kühe mit Hörnern, auch ausladenden, schöner.
Leider sind viele Hornanlagen so deformiert, daß sie regelmäßig abgesägt werden müssen, damit sie nicht in den Schädel wachsen.
Und das Verletzungsrisiko ist sowohl untereinander als auch zum Menschen deutlich höher.
Also würde ich im täglichen nahen Umgang hornlose Milchkühe bevorzugen.
Zum Glück gibt es schon für viele gängige Rassen Bullen, die Hornlosigkeit dominant vererben.
Liebe Grüße, Hans www.jugendrettet.org

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stoeri
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Re: Hermann Maiers Kampf gegen die Ohrmarken

Beitrag von stoeri » Sa 20. Apr 2013, 17:53

Hallo Hunsbuckl,

das das verbrennen der Hörner recht weh tut habe ich heute zufällig in der Aufzeichnung von "Unser Land" gesehen das es bereits Kühe gibt die Hornlos bleiben.
Ideal wäre es halt wenn in jedem Dorf wieder mehr Milchbauern wären mit 20 Kühen und die Kühe Rosi, Susi, Herzi oder sonst wie heissen, ist aber wohl nur ein Wunschgedanke von mir.

Warum kann man eigentlich nicht diese Halsbänder die heute sowieso an jeder Kuh sind diese Kennzeichnung anbringen, eventuell einen Chip implatieren damit keiner einfach dieses Halsband abnehmen und es seinem Pferd umbinden kann.
herzliche Grüße
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Little Joe
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Re: Hermann Maiers Kampf gegen die Ohrmarken

Beitrag von Little Joe » Sa 20. Apr 2013, 18:17

hunsbuckler hat geschrieben:Viel schlimmer als das Ohrmarkensetzen finde ich das Enthornen.
Natürlich finde ich Kühe mit Hörnern, auch ausladenden, schöner.
... die Demeter Bauern lassen die Hörner dran, weil sie behaupten, dass die Milch von behornten Kühen von Menschen mit Laktoseintoleranz besser vertragen wird.
Erstaunlich, dass Menschen, die alles besser wissen, nie etwas besser machen.

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Manfred
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Re: Hermann Maiers Kampf gegen die Ohrmarken

Beitrag von Manfred » Sa 20. Apr 2013, 18:32

Die Hörner werden wegen der Arbeitssicherheit entfernt.
Ich habe früher im Anbindestellt genug blaue Flecken und Prellungen durch Hörner gesammelt. Und ein anderer Bauer hier im Dorf hat ein Horn durchs Knie bekommen.
In den Statisktien der Berufsgenossenschaften gibt es reihenweise Unfälle durch Hörner.
Ich selber setzte schon jahrelang genetisch hornlose Angusbullen ein. Habe nur noch ein paar Tiere aus dem alten Fleckviehbestand, die Hörner tragen.
Und bei den Milchviehrassen geht der Trend auch sehr stark zur Hornlosgenetik. Natürlich musste man erst mal über viele Jahre auf Basis von Angus hornloses Milchvieh zurechtkreuzen und das dann auch noch mit annehmbaren Leistungen. Aber inwischen stehen z.B. beim Fleckvieh hornlos vererbende Spitzentiere zur Verfügung und werden breitflächig zur Zucht eingesetzt.
Die Besamungsstationen haben die letzten Jahre gute Hornlosvererber für absolute Spitzenpreise angekauft. Teils für mehrere 10.000 Euro pro Tier.
Damit dürfte sich die Enthornerei beim Milchvieh in den nächsten Jahren eh erledigen.
Und bei den Fleischtieren sind inzwischen auch aus fast allen Rassen hornlose Linien verfügbar.

@Hunsbuckler:
Der Maier setzt die Chips links neben die Schwanzwurzel. Hab ihn extra gefragt. Er meinte, es sei dort noch nie einer verloren gegangen und auch noch nie einer gewandert. Weiterer Vorteil ist, dass man dem Tier nicht mit dem Lesegerät am Kopf rumfuchteln muss.

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Re: Hermann Maiers Kampf gegen die Ohrmarken

Beitrag von stoeri » Sa 20. Apr 2013, 19:02

Hallo Manfred,

ich habe großen Respekt vor Tieren mit Hörnern und das es jetzt wo zwar auf der einen Seite die Kühe nicht mehr ständig angebunden sind und sich frei bewegen können aber auf der anderen Seite natürlich schon gefährlich werden können.
Seit einigen Jahren müssen bei den Schafherden wo ich ja immer dabei war Ziegen mit laufen und auch da hat der Schäfer schon üble Verletzungen davon gehabt eine Ziege hat ihm das Horn durch die Hand gestoßen. Und ich hätte ganz schön Schiß um meinen Hund wenn der da hüten müßte Tiere ohne Hörnen sind mir lieber. Aber wenn das so weh tut tun sie mir halt auch Leid.

Angusrinder werden wohl nicht als Milchkühe geeignet sein oder?
herzliche Grüße
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Olaf
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Re: Hermann Maiers Kampf gegen die Ohrmarken

Beitrag von Olaf » Sa 20. Apr 2013, 21:16

Danke Manfred!
Diese gelben Dinger finde ich auch abartig.
Aus meiner Sicht natürlich bei den Ziegen, die auch mal durchs Unterholz strolchen müssen und können.
Und ich kann bestätigen, dass auch "amtliche" Menschen mit gesundem Verstand das nicht gutheißen, und mit etwas Glück dulden, wenn man es nicht tut.
Meinen Hund muss ich chipen. Warum geht das bei den andern Tieren nicht?
Der Preis wäre mir bei meinen paar Tierchen egal.
Ich glaub, da spende ich was...
LG
Olaf
Eigentlich bin ich ein netter Kerl.
Wenn ich Freunde hätte, könnten die das bestätigen.

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Manfred
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Re: Hermann Maiers Kampf gegen die Ohrmarken

Beitrag von Manfred » Sa 20. Apr 2013, 21:22

stoeri hat geschrieben:Angusrinder werden wohl nicht als Milchkühe geeignet sein oder?
Nein. Aber wie beschrieben stehen durch Kreuzung mit genetisch hornlosen Tieren inzwischen aus fast allen Rassen hornlose Tiere zur Verfügung.
Wenn die Entwicklung noch ein paar Jahre so weiter geht, wird hoffentlich kein Bauer mehr enthornen müssen.
Und wer Rinder mit Hörnern will, wird auch die weiter haben können.

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Manfred
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Re: Hermann Maiers Kampf gegen die Ohrmarken

Beitrag von Manfred » Do 25. Apr 2013, 21:29

Am Freitag, den 26.04.2013 wird um 18:45 Uhr der SWR-Beitrag über die Ohrmarkenproblematik und die URIA-Herde in der Landesschau ausgestrahlt.

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