Pflanzen aus Resten/ " regrowing"

Sven2
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Pflanzen aus Resten/ " regrowing"

#1

Beitrag von Sven2 » Sa 13. Jun 2020, 22:17

Hallo alle miteinander,

Ich habe neulich einen Artikel gelesen, in dem es darum ging wie man aus Küchenabfälle n neue Pflänzchen ziehen könne. Neben der glorreichen Erkenntniss, dass man aus Knoblauchzehen und Kartoffeln neues ziehen kann, oder dass aus eingepflanzten Kernen Pflänzchen kommen, waren ein paar für mich interessante Ideen darin. Ein bisschen was habe ich auch schon hier im Forum gelesen:

- Salatblätter können - in Wasser eingelegt- wohl wieder Wurzeln ziehen. Probier ich gerade aus.

- Die Wurzeln von gekauften Lauch kann man wohl nochmal einpflanzen, damit ein kleiner Lauch nachwächst. Genauso Frühlingszwiebeln. Ich meine, dass das hier im Forum mit dem stehenlassen von Lauchwurzeln praktiziert wird, oder? Brokkoli treibt wohl ebenso wieder aus.

- Sellerie, rote Beete und Rettich kann man angeblich auch nochmal kommen lassen.

- angeblich kann man Pilze nachwachsen lassen, wenn man die Stiele in Erde 'pflanzt'

- ausgegeizte Tomatentriebe können nochmal anwurzeln und Pflanzen bilden

Da ich das ganze auf Seiten gelesen habe, die das sehr unkritisch berichten und als Trend darstellen, wollte ich Mal fragen ob das jemand kennt, und ob es was taugt. Also konkret: wächst mir aus dem Salatblatt ein neuer Kopf, oder mach ich mir die Mühe für 2-3 kleine Blätter?

Und fällt jemand vllt noch mehr ein, dass man wiederverwertet kann?

Schönen Abend,

Sven

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Re: Pflanzen aus Resten/ " regrowing"

#2

Beitrag von Lebendigkeit » So 14. Jun 2020, 08:41

Hallo Sven,

ich hab das mal mit Möhrengrün versucht, hat bei mir leider nicht funktioniert.

Man kann auch Avocadokerne zum Keimen bringen, aber die Pflanzen müssen im Topf gehalten werden, weil sie nicht winterhart sind. Und es dauert ein paar Jahre, bis es Avocados zum Ernten gibt.

Prinzipiell kann man gut Pflanzen aus Zitrusfruchtkernen ziehen, hat eine Freundin von mir gemacht. Die widerum benötigen aber einen speziellen Zitrusdünger, damit sie gut reifen und müssen vor dem Winter auch reingeholt werden.
Welches Jahr haben wir? - 1984.

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Re: Pflanzen aus Resten/ " regrowing"

#3

Beitrag von kraut_ruebe » So 14. Jun 2020, 09:07

Salat hab ich noch nicht probiert.

Ein 'kleiner Lauch' ist richtig, wenn die Betonung auf klein liegt. Lauch- und Frühlingszwiebelwurzeln treiben nochmal an/aus und liefern ein paar cm Wachstum.

Sellerie, Rüben etc kann man nach dem Winter wieder einpflanzen, dann gehen sie in Blüte. Dass aus Abschnitten was nachwachsen würde, wär mir neu. Brokkoli und Weisskohl treibt nochmal aus, aber hauptsächlich, um auf schnellsten Wege Blüten zu produzieren, da ist nur wenig für die Küche brauchbares dabei. Vom Brokkoli gibts aber extra Sorten, die laufend kleinere Röschen produzieren.

Pilze: Nein.

Tomatengeiztriebe wurzeln an, damit kann man sich noch eine spätere Ernte heranziehen. Die sind tatsächlich brauchbar.
wenn du denkst, abenteuer sind gefährlich, dann versuchs mal mit routine. die ist tödlich. (coelho)

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Re: Pflanzen aus Resten/ " regrowing"

#4

Beitrag von Taraxacum » So 14. Jun 2020, 10:21

Mit dem Salatblatt wird nicht funktionieren, das fault dir weg. Besser ist es, den Strunk stehen zu lassen. Da wächst eine ganze Mahlzeit nach in Form von sehr kockerren Köpfen. Mit den Tomatengeizern klappt, wenn diese schon groß genug sind und eine feste Konsistenz haben. Einfach in feuchte Erde stecken.
Bei allen Kohlarten wachsen Blätter aus dem Strunk nach. Ich lasse die einfach stehen und habe im Herbst dann wieder kleine Köpfchen. Mangold treibt auch wieder zuverlässig aus.
Bei Möhren ist das Problen dass diese dann in Blüte gehen, wenn man den Schopf wieder einpflanzt. Wichtig ist, dass die Schnittstellen mit Holzkohle bestäubt werden damit es nicht fault.

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Re: Pflanzen aus Resten/ " regrowing"

#5

Beitrag von Sven2 » So 14. Jun 2020, 14:12

Wenn ich das richtig verstehe heißt das, dass ich evtl die Karotten, die sich am besten einlagern lassen nochmal einpflanzen könnte zwecks Samengewinnung?

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Re: Pflanzen aus Resten/ " regrowing"

#6

Beitrag von Teetrinkerin » So 14. Jun 2020, 16:09

Karotten kann man wieder einpflanzen, ja. Das wird in Saatgutbetrieben wohl generell so gemacht, dass die Wurzeln gerodet, gesichtet, geschmacklich geprüft (es wird ein kleines Teilstück zur Verkostung rausgeschnitten), eingelagert und im darauf folgenden Frühjahr wieder eingepflanzt werden. Allerdings vermute ich mal, dass es mit einem nur kleinen Wurzelhalsstück nicht funktonierten wird, denn die Samenproduktion kostet die Pflanze viel Energie, die zwecks fehlender Wurzel dann nicht mehr vollumfänglich zur Verfügung steht.

Hat zwar nicht wirklich was mit regrowing zu tun: Zwiebeln, die austreiben und weich werden, lege ich in einem Körbchen ans Küchenfestern und lasse das Grün weiter wachsen. Die Knolle ist zwar nicht mehr verwertbar, aber das Grün kann man wie Frühlingszwiebel z.B. im Salat verwenden.

Das mit dem Salatblatt war erst kürzlich in einem Youtube-Video Thema. Das funktoniert nicht. Was aber - wie Taraxacum schon gesagt hat - sehr gut funktioniert, ist, dass man den Salat im Beet nicht rausreist, sondern schneidet und die Wurzel stehen lässt. Das ergibt später nochmals eine schöne Ernte.

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Re: Pflanzen aus Resten/ " regrowing"

#7

Beitrag von aron » So 14. Jun 2020, 17:00

Teetrinkerin hat geschrieben:
So 14. Jun 2020, 16:09
man den Salat im Beet nicht rausreist, sondern schneidet und die Wurzel stehen lässt. Das ergibt später nochmals eine schöne Ernte.
Nennt sich Pflücksalat

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Re: Pflanzen aus Resten/ " regrowing"

#8

Beitrag von Teetrinkerin » So 14. Jun 2020, 17:09

aron hat geschrieben:
So 14. Jun 2020, 17:00
Teetrinkerin hat geschrieben:
So 14. Jun 2020, 16:09
man den Salat im Beet nicht rausreist, sondern schneidet und die Wurzel stehen lässt. Das ergibt später nochmals eine schöne Ernte.
Nennt sich Pflücksalat
Das funktoniert auch mit Kopfsalat ;)

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Oli
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Re: Pflanzen aus Resten/ " regrowing"

#9

Beitrag von Oli » Mo 15. Jun 2020, 01:23

Sven2 hat geschrieben:
Sa 13. Jun 2020, 22:17
[...]in dem es darum ging wie man aus Küchenabfälle n neue Pflänzchen ziehen könne. [..]
Dazu gibt es in diesen SV-Büchlein aus den 70ern viel. Kommt alles wieder :)

Meiner Meinung nach gammelt einem der Kram schneller weg als dass da etwas Neues spriessen kann aber Staudensellerie usw. machen tatsächlich noch klitzekleine Sprosse.
Eher was für Leute in der Stadtwohnung, die beim Blick auf frisches Grün an ihre Zukunftsvision im Garten denken.
Ausnahmen wie Zwiebelschlotten bestätigen die Regel.

Ein anderes Ding ist cut-and-come-again. Das wäre die Variante für Leute, die schon im Garten angekommen sind.
Angefangen von Salaten, wo man wie beschrieben immer nur die äusseren Blätter erntet und letztlich einen 'aufgeasteten' Stiel hat, über Wurzelgemüse, wo man einen Teil der Blätter für Spinat oder Salat erntet bis Staudensellerie, den man so knapp 12 Monate beernten kann, bis er in Blüte geht und holzig wird.

Wie man aus Pilzabfällen neue Pilze ziehen kann, dazu gibt es im osteuropäischen Raum sehr viele Infos. Super interessant, irgendwann teste ich damit auch mal wieder herum. Im deutschsprachigen Raum ist meist die Rede davon, dass es entweder gar nicht funktioniert oder nur unter sterilen Laborbedingungen.
Seitdem ich weiß, dass das Beimpfen des eigenen Bodens mit Waldpilzabfällen funktioniert hat, bin ich etwas zuversichtlicher, dass es möglicherweise auch bei uns mal klappt. Allerdings verbuddeln wir unsere Pilzabfälle auch schon seit Jahren. :roll:


Aber allgemein denke ich, aus Küchenabfällen macht man lieber Kompost und zieht sich Keimsprossen an oder sowas, für den Garten ist cut an come again prima. Aber eine ganz andere Sache an sich.

Südwind
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Re: Pflanzen aus Resten/ " regrowing"

#10

Beitrag von Südwind » Mo 15. Jun 2020, 10:09

Oli hat geschrieben:
Mo 15. Jun 2020, 01:23
...

Wie man aus Pilzabfällen neue Pilze ziehen kann, dazu gibt es im osteuropäischen Raum sehr viele Infos. Super interessant, irgendwann teste ich damit auch mal wieder herum. Im deutschsprachigen Raum ist meist die Rede davon, dass es entweder gar nicht funktioniert oder nur unter sterilen Laborbedingungen.
Seitdem ich weiß, dass das Beimpfen des eigenen Bodens mit Waldpilzabfällen funktioniert hat, bin ich etwas zuversichtlicher, dass es möglicherweise auch bei uns mal klappt. Allerdings verbuddeln wir unsere Pilzabfälle auch schon seit Jahren. :roll:
...
Bei mir hat das jetzt tatsächlich mal zumindest im Ansatz geklappt. Ich hatte ein paar Champignons im Gewächshaus. Besonders gute Chancen hat man, wenn die Stiele unten so pelzig weiß werden, dann ist es wahrscheinlicher, dass sie Myzel bilden, bevor sie weggammeln. Da ich die aber auch schon seit Jahren immer wieder versuche anzusiedeln, weiß ich nicht, wie lange es jetzt defacto gedauert hat, bis sie Fruchtkörper bilden konnten. Geklont habe ich auch schon, also eigentlich ein Stückchen vom Austerseitling und Kräuterseitling vor dem Kochen weggenommen und erst auf ein bisschen Pappe, dann auf Roggenkörnern Myzel vermehrt. Zum Fruchten habe ich die aber immer noch nicht gebracht.
Viele Grüße,
Südwind

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