Selbstversorgergrund kaufen

Naturfee
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Selbstversorgergrund kaufen

#1

Beitrag von Naturfee » Do 27. Aug 2020, 09:45

Liebe Selbstversorger,

erstmals freu ich mich diese Plattform gefunden zu haben. Das hier ist mein erster Beitrag nach meiner Vorstellung. Weiß nicht ob die Rubrik passt? Ansonsten bitte ändern.

Als Stadtmensch mit großem Wunsch ein Stück Land nach eigenem Wunsch zu gestalten habe ich leider wenig Ahnung und bin gerade im Internet am Recherchieren, wo ich die entsprechenden Informationen enthalten.

Ich würde gerne einen Grund mit Widmung "Grünland" von ca 1ha in Österreich kaufen (habe mom. etwas in der Südsteiermark in Aussicht, aber ist nicht sicher).
Das Grundstück soll dem Anbau von Obstbäumen, Sträuchern, Beeten und der Haltung von Schafen dienen, ohne den Anspruch zu erheben, damit Geld zu verdienen. Ein sehr großes Freizeit--und Hobbygrundstück.

Welche Informationen sind vor einem Kauf wichtig und wo erhalte ich sie, wenn der Makler mir das nicht sagen kann? Könnt ihr mir bitte etwas helfen?

Ich habe hier ein paar Punkte, aber falls jemandem noch mehr einfallen, bitte ergänzen.

1) Wie bring ich in Erfahrung, ob die Möglichkeit eines Wasseranschlusses besteht oder ob ich einen Brunnen graben lassen kann (Kosten?)? Ich weiß, das geht über das Bauamt, aber ich würde gerne vor einem Kauf wissen, wie gut meine Chancen sind. Ohne Brunnen ist ein Gemüsegarten ja nicht viel wert.

2) Wie sieht es mit dem Bau eines Gewächshäuser aus?

3) Darf ich einen Stall errichten (Haltung von Hühnern, Schafen, Hasen) ?

4) Darf ich eine Garten- oder oder Gerätehütte errichten?

5) Darf ich einen Schuppen zur Lagerung von Heu bauen?

6) Wie sieht es mit der Errichtung eines Zauns aus? Angeblich ist das kein Problem, aber hätt das gerne verbindlich.

7) Wie sieht es mit Bodenproben aus? Ich wünsch mir natürlich einen fruchtbaren Boden, am besten lehmig (?) sodass ich nicht viel gießen muss. Liegt da normalerweise etwas vor oder ist es denkbar bei einer Besichtigung darum zu bitten Bodenproben zu nehmen oder kauft man normal "die Katze im Sack"? Am Nachbargrundstück ist Weinanbau - lassen sich dadurch Rückschlüsse auf den eigenen potentiellen Grund ziehen oder nur auf das Klima, da alles andere durch Düngung etc anders sein kann? Hat jemand Tipps zu den Bodenproben selbst, wo man die am besten einschickt, wo man die nimmt und worauf ich achte soll bzw wie er sein soll, damit der Boden zu meinen Bedürfnissen passt?

8) Woher weiß ich, wie viel der Grund ca kosten darf und hat jemand Tipps dazu, wie man verhandelt?

Herzlichen Dank schon mal!

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emil17
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Re: Selbstversorgergrund kaufen

#2

Beitrag von emil17 » Do 27. Aug 2020, 13:19

Hallo,
zum Finden eines Grundstückes für solche Zwecke würde ich wie folgt vorgehen:
- Maximale Entfernung, Suchgebiet festlegen
Da wirst du oft hinmüssen und wollen. Wenn das jedesmal eine halbe Expedition wird, verlierst du rasch den Spass an der Sache, und wenn du zu selten hingehst, verdirbt dir manche Kultur, zudem wird das dann immer ein reiner Arbeitseinsatz. Ich würde, wenn du automobil bist, 50 km als Schmerzgrenze festlegen.
Man sollte sich da auch erholen können. Klein aber nah ist besser.
Da es das Idealgrundstück nicht gibt (Wer durch des Argwohns Brille schaut, findet Raupen auch im Sauerkraut - W.Busch), sollte man auch nicht zu wählerisch sein. Du kannst höchstens darum bitten, ein Grundstück in engerer Auswahl beproben zu dürfen.
Ob und was da wachsen tut und könnte, kann man vor Ort durch angucken und überlegen recht gut beurteilen. Wenn ringsum Weinberge sind, dürfte dort auch die Weinrebe gedeihen. Das passt dann aber nicht so gut zum Schafhalteprojekt.
- Wie suche ich?
Solche Grundstücke findest du nur dann in den üblichen Immobilienanzeigen, wenn es ein Baugrund ist. Baugrund ist für die meisten Leute viel zu teuer.
Also Region fleissig bereisen. Mit Google Earth kann man sich die Sache ja schon mal gut von oben anschauen. Regionale Zeitung lesen, Kleinanzeigen in den Supermärkten und Kneipen dort lesen und selber welche aushängen. Aktiv suchen ("Landwirtschaftliches Grundstück in Kleinkuhdorf" googeln), etc.
Landwirtschaftliche Fachzeitschriften haben auch oft Kleinanzeigen.
Lokale Makler fragen: Manchmal geht beim Verkauf einer Bestandesimmobile noch ein Stück Land mit, das der Käufer gar nicht will und wo der Makler froh ist, dafür Interessenten zu haben. Der Fall, dass die Eltern gebrechlich werden oder sterben, alle Kinder aber aus der Gegend weggezogen sind, ist nicht so selten. Im öffentlichen Portfolio zeigen die Makler aber oft nur die Häuser.
Ein weitere Möglichkeit sind Grundversteigerungen nach Insolvenz oder wegen ausgeschlagener Erbschaft.
Auf der Gemeindeschreiberei fragen, ob die was wissen.
Das ganze dauert seine Zeit. Je nachdem wo das ist gibt es sehr viel Angebote. Im Landfluchtgebiet (stadtfern, am Ende der Welt und dann noch zweimal links abbiegen) kriegt man sehr leicht etwas. Vielleicht ist sogar ein Resthof preislich drin.
In Stadtnähe ist meist gar nichts zu vernünftigem Preis. Dort hat man starke Konkurrenz von meist kapitalkräftigen Hobbypferdehaltern.
Die realistische Einschätzung von Angeboten und Preisen ist sehr wichtig - Gute Angebote sind nicht oder nicht lange zu finden.
Ich war mit aktiver Nachfrage am erfolgreichsten.
Wenn man die Besitzer von vernachlässigt wirkenden Grundstücken auf der Gemeinde erfragt und diese höflich anschreibt, ist das nicht unanständig. Man braucht aber Geduld: Oft sind die Besitzer auch alt oder dement oder wunderlich (nichts schützt uns davor, ebenso zu werden!), oder es ist inzwischen eine zerstrittene Erbengemeinschaft, oder sie beantworten Briefe von unbekannt prinzipiell nicht. Weil es finanziell nicht um viel geht, ist oft der persönliche Eindruck entscheidend, ob man es dir gibt oder nicht. Wenn, wie es mir passiert ist, die Besitzer zuerst erstaunt sind (diese Leute haben in ihrer Kindheit all ihre Freizeit in Kleinlandwirtschaft verbracht und können sich nicht vorstellen, dass jemand sich sowas freiwillig antun kann), dann bitte darum, dass sie es zuerst mit ihren Kindern besprechen, und du dich nach einiger Zeit wieder melden wirst.
Kriterien:
Je nachdem was der Markt hergibt muss du alles nehmen, was überhaupt angeboten wird, oder du kannst wählerisch sein.
- Gebäude: Ein Schuppen oder Gebäude auf dem Stück ist viel wert! Auch wenn er marod ist, darf man ihn wieder instandstellen (Bestandesschutz). Ein Gebäude neu errichten ist ausserhalb vom Baugebiet fast unmöglich. Ohne Stallscheune kannst du schwer Schafe überwintern, ohne Geräteschuppen kann man zwar gärtnern, aber mit geht sich alles viel leichter.
- Was darf man dort?
Massgebend ist, was im Baureglement der Gemeinde steht und wie das Grundstück gewidmet ist (Ich kenne die behördlichen Fachausdrücke dafür nicht, aber die Prinzipien sind in allen Ländern ähnlich). Ob Fahrnisbauten (Bauwagen etc.) zugelassen sind oder nicht, kann man auch rechtssicher auf der Gemeinde in Auskunft bringen (schriftlich). Wenn du eh schon am Fragen bist, erkundige dich, ob Kleinstbauten (Geräteschuppen) zulässig sind.
Das alles wird in abgelegenen Gegenden nicht so eng gesehen, in Stadtnähe brauchst du stets eine Bewilligung.
- Wasser: Ist unabdingbar. Wenn ein Bach oder Fluss in der Nähe ist, kann man sich behelfen. Ob ein Brunnen mit einer Grundwasserpumpe funktionieren kann, sollte man auch vor Ort erfragen können. Im Weinbaugebiet gibt es oft eine Betriebsgenossenschaft, die auch für Wasser sorgt, man zahlt da jährlich für die zu bewässernde Fläche Beiträge.
Je nachdem kann man sich auch mit einem Anhänger und einem Tank behelfen, das Gelbe vom Ei ist das aber nicht.
- Zufahrt: Wenn du mit Fahrzeug bequem drauffahren kannst, ist das bares Geld wert! Alles andere ist mühsam. Mindestens mit einem kleinen Raupentransporter sollte man drauf können, sonst wird bauen und Abfahrt der Ernte sehr mühsam. Wenn die Hauptnutzung Weide ist, ist das weniger kritisch. Aber auch dann: Brauch ich Winterfütterung, und wenn ja, wie geht das konkret vor Ort?
Nicht von ungefähr sind Grundstücke ohne Zufahrt weniger wert.
- Nachbarschaft: Ob Autobahn, Fluglärm, Kehrichtverbrennungsanlage oder Güterbahnhof stören oder nicht, weisst du selber. In Stadtnähe können solche Lagen eine erschwingliche Möglichkeit sein, um überhaupt zu Land zu kommen. Manchmal sind solche Reststücke erstaunlich idyllisch, weil sie kaum einer bemerkt und der Lärm drüber weggeht.
Ein wesenticher Teil der Beschäftigung wird sein, Zäune aufzustellen und zu unterhalten, damit die Tiere drinnen und das Gemüse erhalten bleiben.
Mühsam wird es, wenn du mit Vandalismus, Diebstahl und Vermüllung rechnen musst. Wenn stark begangene öffentliche Wege anliegen, wird das leider oft der Fall sein. Da würde ich dann gleich einen hohen Gitter- oder Stabmattenzaun aufstellen, damit der Müll draussen bleibt.
Wenn man kein Werkzeug und keinen Klapptisch dortlassen kann, ohne dass man jedesmal befürchten muss, dass alles aufgebrochen und geklaut wird, verliert man rasch die Freude an der Sache!
- Weinbaugebiet: Würde ich persönlich weg bleiben, weil es da oft nach Spritzmittel stinkt und durch Wind usw. viel eingetragen wird, zudem ist die Bodenbelastung durch früher verwendet Spritzmittel oft sehr hoch. Vorteil ist natürlich, dass das die mildesten und besten Klimalagen sind und man auch anspruchsvolle Dinge anbauen kann.
- Zustand: Man kann alles entbuschen, roden, reparieren. Aber das kann man nur, wenn man dazu fähig ist (wissen wies geht und ausdauernd) und - wenn es nicht zu weit weg ist. In der ersten Begeisterung 200m2 Brombeeren wegmachen ist das eine, die Fläche dann frei von dem Zeug halten ist etwas anderes.
- Rechtliches: Selbstverständlich müssen vor dem Kauf alle Grundlasten und Servituten auf dem Grundbuch eingesehen werden. Diese werden gewöhnlich vom Verkäufer oder Makler bereitgestellt, aber wenn es sich um ein Grundstück auf Nachfrage von einer betagten Person als Verkäufer handelt, kann man das nicht verlangen.
Wichtig ist zu erfahren, ob die Fläche eine Reserve- oder Planungszone ist. Das weiss die Gemeinde. Falls ja und dort eine Autobahnzufahrt oder ein Hochspannungsmast hinkommen könnten, Vorsicht!

Verhandeln: Da es sich um eine Gefühlsangelegenheit handelt (kann ich mir vorstellen, da oft und gerne hinzugehen?), sollte man für die Preisbewertung den Markt einigermassen kennen und wissen, wo die eigene Schmerzgrenze ist. Auch wird man für Zaunbau, Wasserleitung, Gebäudereparatur usw. noch einige Kosten haben.
Wenns ein Makler ist, kann man einfach den Preis fragen. Bei Privatpersonen, die man selbst angefragt hat, braucht es etwas Fingerspizengefühl ... und Geduld. Meist ist bei denen nicht der Preis das Problem, sondern dass sie sich überhaupt entscheiden, das Stück abzugeben.

Dran bleiben, es lohnt sich:
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Re: Selbstversorgergrund kaufen

#3

Beitrag von kraut_ruebe » Do 27. Aug 2020, 15:25

Naturfee hat geschrieben:
Do 27. Aug 2020, 09:45

Ich würde gerne einen Grund mit Widmung "Grünland" von ca 1ha in Österreich kaufen (habe mom. etwas in der Südsteiermark in Aussicht, aber ist nicht sicher).
Das Grundstück soll dem Anbau von Obstbäumen, Sträuchern, Beeten und der Haltung von Schafen dienen, ohne den Anspruch zu erheben, damit Geld zu verdienen. Ein sehr großes Freizeit--und Hobbygrundstück.

Widmung Gl bedeutet nicht automatisch die Erlaubnis zur Tierhaltung. Bei der jeweilen Baubehörde (=Bürgermeisteramt) konkret mit der jeweiligen Grundstücksnummer nachfragen.

Passendere Widmungen wären Glf, Gho, BD, Ggü, GHg, Gkg, Tourismus/Freizeitwidmungen


Welche Informationen sind vor einem Kauf wichtig und wo erhalte ich sie, wenn der Makler mir das nicht sagen kann? Könnt ihr mir bitte etwas helfen?

Je nach Zuständigkeit: BH, Naturschutzbehörde, Baubehörde


Ich habe hier ein paar Punkte, aber falls jemandem noch mehr einfallen, bitte ergänzen.

1) Wie bring ich in Erfahrung, ob die Möglichkeit eines Wasseranschlusses besteht oder ob ich einen Brunnen graben lassen kann (Kosten?)? Ich weiß, das geht über das Bauamt, aber ich würde gerne vor einem Kauf wissen, wie gut meine Chancen sind. Ohne Brunnen ist ein Gemüsegarten ja nicht viel wert.

Ausser dem Bürgermeister oder ev. noch dem Wasserverband kann Dir niemand sagen, ob dort eine Wasserleitung liegt/gegen Bezahlung gelegt werden kann. Brunnen graben geht immer, der Preis richtet sich nach dem Aufwand. Pauschalaussage: Oben am Berg/Hang wirds wahrscheinlich teuer.

2) Wie sieht es mit dem Bau eines Gewächshäuser aus?


Punkt 2 bis 6 ist Bundesländerrecht. Bis zu welcher Grösse Bauwerke - egal welche - auf welcher Widmung errichtet werden dürfen ist vorgegeben. Das Bürgermeisteramt hilft weiter (geh nicht davon aus, dass es mehr als winzig sein darf, verschliessbare Gebäude auf Grünland können maximal mit Unterbringung von Werkzeug etc gerechtfertigt werden, irgendwelche Hütten/Ställe etc sind auf Wiesen nicht vorgesehen.


6) Wie sieht es mit der Errichtung eines Zauns aus? Angeblich ist das kein Problem, aber hätt das gerne verbindlich.

Ist auch im Landesrecht geregelt

7) Wie sieht es mit Bodenproben aus? Ich wünsch mir natürlich einen fruchtbaren Boden, am besten lehmig (?) sodass ich nicht viel gießen muss. Liegt da normalerweise etwas vor oder ist es denkbar bei einer Besichtigung darum zu bitten Bodenproben zu nehmen oder kauft man normal "die Katze im Sack"? Am Nachbargrundstück ist Weinanbau - lassen sich dadurch Rückschlüsse auf den eigenen potentiellen Grund ziehen oder nur auf das Klima, da alles andere durch Düngung etc anders sein kann? Hat jemand Tipps zu den Bodenproben selbst, wo man die am besten einschickt, wo man die nimmt und worauf ich achte soll bzw wie er sein soll, damit der Boden zu meinen Bedürfnissen passt?

Bodenproben werden Dir vermutlich erlaubt werden, ansonsten hat jedes landwirtschaftliche Grundstück Bodenpunkte, aus denen man grob auf die Fruchtbarkeit schliessen kann (und aufgrund derer das Finanzamt die Grundsteuer erhebt).

8) Woher weiß ich, wie viel der Grund ca kosten darf und hat jemand Tipps dazu, wie man verhandelt?

Abgesehen von Ödland ist Grünland die billigste 'Variante' von Boden (und bietet auch entsprechend wenige Nutzungsmöglichkeiten). Der Preis richtet sich nach der Entfernung zur Infrastruktur, der Zugänglichkeit, der Neigung und der Region. Das Gemeindeamt hat Richtwete.

Herzlichen Dank schon mal!
wenn du denkst, abenteuer sind gefährlich, dann versuchs mal mit routine. die ist tödlich. (coelho)

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Re: Selbstversorgergrund kaufen

#4

Beitrag von elisabeth » Do 27. Aug 2020, 21:10

Ich nehme an, dass – nachdem das Grundstück über den Makler angeboten wird - die Zustimmung der Grundverkehrskommission schon vorliegt?? Wenn nicht, unbedingt vorher abklären; Landwirte haben in Ö. Vorkaufsrechte auf Grundstücke ab einem Hektar.

Wasser ist unter Umständen relativ schnell zu kriegen (Brunnen oder Anschluss an eine öffentliche Leitung), aber wenn du auf dem Grund deine Freizeit verbringen willst, wird die Gemeinde schnell mal fragen, wo und wie du das verschmutzte Wasser beseitigst ..

Ich habe 1,3 ha Grünland im Mühlviertel und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass man da praktisch gar nichts machen darf. Mir wurde vor ein paar Jahren gnädigerweise die Verkleinerung!! (Teilabriss wegen Einsturzgefahr) meiner Hütte gerade noch genehmigt, dann für die Sanierung zig Vorschriften gemacht (Dachfarbe, Neigung usw.) … ich will dir nicht die Vorfreude nehmen, aber ich glaube im Grünland wirst du keine Hütten, Überdachungen, Schuppen etc. aufstellen dürfen. Vielleicht ist es in der Steiermark leichter, aber hier ginge das sicher nicht.

LG Elisabeth

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Manfred
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Re: Selbstversorgergrund kaufen

#5

Beitrag von Manfred » Do 27. Aug 2020, 21:17

Ich sehe mit Bedauern: Ihr Österreicher habt auch nicht weniger Bürokraten durchzufüttern als wir... :ohoh:

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Re: Selbstversorgergrund kaufen

#6

Beitrag von kraut_ruebe » Do 27. Aug 2020, 21:48

Die Raumordnung ist eigentlich keine Hexerei bei uns. Es gibt pro Bundesland grundlegende Gesetze/Vorschriften (Bebauungsrichtlinen, und auch ein jeweils unterschiedliches Grundverkehrsgesetz pro Bundesland) und darüber hinaus punktuell Ortsübliches (Farben+Formen).
wenn du denkst, abenteuer sind gefährlich, dann versuchs mal mit routine. die ist tödlich. (coelho)

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Re: Selbstversorgergrund kaufen

#7

Beitrag von Naturfee » Fr 28. Aug 2020, 07:51

Guten Morgen und vielen vielen Dank für die Beiträge!!
Ich freue mich wirklich sehr darüber und habe sie auch mehr als einmal gelesen, um alles im Kopf durchzugehen. Ich finde die Ideen von Emil sehr hilfreich.

Ich habe für Donnerstag einen Besichtigungstermin für besagtes Grundstück in der Steiermark ausgemacht. So wie ich es verstanden habe hat jedes Grundstück eine Nummer und die kann ich beim Makler erfragen?
Dh ich ruf bei der Gemeinde an und sage ihnen, dass ich Interesse an dem Grundstück mit der Nummer hätte und ob ich am Donnerstag kommen könnte um die rechtlichen Bestimmungen (Bauordnung?) einzusehen?
Wofür sind Bezirkshauptmannschaft, Naturschutzbehörde und Baubehörde je konkret zuständig? Kann ich da auch einfach anrufen, dass ich Fragen wegen des Grundstücks mit der Nr soundso hätte bzw eine Email schreiben?
Die Strukturen habe ich noch nicht verstanden...
Hat die Grundverkehrskommission mit der Gemeinde zu tun, also wissen die Bescheid, oder ist das eine andere Stelle, zB pro Bundesland?
Wo im Internet kann ich die Rechtsgrundlage nachlesen?
Landesrecht und Bundesländerrecht?

Wie/wo kann ich etwas über die Bodenpunkte erfahren? Ich will nicht so lästig sein, dass man mir nichts mehr verkaufen will, aber doch gerne abklären was halt gut möglich ist. Ist ja auch relevant.

Dann versuche ich Vorort in der Gegend mit Bauern zu sprechen um herauszufinden, wie manches gehandhabt wird bzw Google ich ob es einen Zusammenschluss wegen Wasser gibt? Wie kann ich mich darauf vorbereiten? Wie ihr seht habe ich ja noch keine Ahnung von der Materie, würde dann gerne möglichst für voll genommen werden und die richtigen Fragen stellen.
Ich versuch jetzt mal für mich einen Leitfaden zu erstellen, was ich alles abklären muss und wie ich vorzugehen habe, wenn ich am Donnerstag in die Steiermark fahre.

Nein, ich habe keinen landwirtschaftlichen Hintergrund.

Liebe Grüße,
Naturfee

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Re: Selbstversorgergrund kaufen

#8

Beitrag von emil17 » Fr 28. Aug 2020, 09:16

Wenn das Grundstück über Makler geht ist es vergleichsweise einfach: er soll alle gesetzesrelevanten Eigenschaften dokumentieren (Grundstücksnummer, Richtpreis, Welche Zonee oder Widmung, usw.). Das ist verkaufsrelevant und dafür nimmt er Courtage.
Viel kann man per Internet einsehen, er soll dir die Links geben. Oder versuch mal bei www.<diegrundstücksgemeinde>.at und dann bei Kataster oder Grundbuch, oder schreib einen freundliche Mail an die Gemeindekanzlei/das Bürgermeisteramt.
(Bei uns gibts 26 Kantone und bei jedem heisst das anders ...).
Was Bodenpunkte angeht, so kann man das wohl beim zuständigen Landwirtschaftsamt erfragen, aber guck doch einfach, was unmittelbar anliegend für Bewuchs ist.
Grundsätzlich kannst du davon ausgehen, dass du darfst, was die Nachbarn auch dürfen.
Wegen Wasser und so: Bürgermeisteramt.
Zuerst würde ich aber mal das Grundstück alleine besichtigen; wenn es dir gefällt, mit dem Verkäufer preiseinig werden und dann erst diese Abklärungen auf dem Ämtern machen. Dort kannst du dann auch sagen, dass du Kaufinteresse hättest.
Ansonst ist das mit den Bodenpunkten nicht so eng, für ein paar Obstbäume und etwas Kartoffeln kann man den Boden auch verbessern und für Schafweide darf es ruhig mager sein.
Zu ertragreich wird bei abgelegenen Freizeitgrundstücken eher das Problem, weil man dann dauernd sehr viel Biomasse loswerden oder einen Teil der Fläche aufgeben muss, oder man findet einen, der einen Teil mäht und das Mähgut verwertet.

Was die Wiederinstandstellung von maroden Gebäuden im Aussenbereich betrifft, so gibt es hier bei uns und wohl auch dort die Vorschrift, dass man zwar Bestandesschutz hat, dass aber zu alte Ruinen nicht wieder aufgebaut werden dürfen, weil sie aufgrund des Zustandes zu lange nicht mehr genutzt worden sind, womit der Bestandesschutz erlischt. Dann wäre der Wiederaufbau widmungswidrig, es sei denn du wärest orsansässige Erwerbslandwirtin.
Der Sinn dieser Vorschriften ist, dass man Siedlung und Landschaft räumlich trennt, sonst wären alle schönen Ecken von irgendwelchen Villen zugebaut. Im Einzelfall und bei Kleinbauten ist es aber lästig.
Wenn das Dach noch drauf ist, einfach ohne zu fragen reparieren, aber nichts ändern (also durchgerostetes Wellblech durch altes Wellblech ersetzen, fehlende Bretter durch alte Bretter usw.)
Ist das Dach schon weg, entweder Preisnachlass wegen Abräumkosten, oder rechtssichere Auskunft des zuständigen Amtes (schriftlich!), dass es wieder instandgestellt werden darf und was die zulässige Nutzung ist. Der Makler haftet nicht für seine Aussagen, und wird im Zweifelsfall mehr versprechen als möglich ist (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Hier zwei Bilder einer Ruinenrettung, der Zustand vorher war schon grenzwertig schlecht und die Wiederherstellung wäre wohl nicht mehr bewilligungsfähig gewesen, wenn man die Vorschriften sehr wörtlich ausgelegt hätte, aber weil das ziemlich weit weg vom Schuss ist, ging das dann inoffiziell trotzdem ("Wenn wir einen schriftlichen Antrag kriegen, muss das den Amtsweg gehen, aber wenn es bloss repariert und sonst nicht verändert wird und keiner reklamiert, wissen wir von nichts").
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Re: Selbstversorgergrund kaufen

#9

Beitrag von Akopalüze » Fr 28. Aug 2020, 09:17

Hier kannst Du auch mal schauen nach dem Grundstück:
https://www.landesentwicklung.steiermar ... 976122/DE/

In der deutschen Version kann man sich auch die Flurstücke, Naturschutzgebiete usw. anzeigen lassen. Weiß nicht, ob das in Österreich auch geht.

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Re: Selbstversorgergrund kaufen

#10

Beitrag von kraut_ruebe » Fr 28. Aug 2020, 10:06

^ Ja, im steirischen GIS sind alle Daten inkl. landesspezifischer Vorgaben wie Bebauungsdichte abrufbar.

Bodenpunkte weiss der derzeitige Eigentümer. Das ist keine öffentlich abrufbare Angabe, das ist eine Sache zwischen Eigentümer und Finanzamt.

@Naturfee: Poste hier doch mal den Link zum Inserat. So ins Blaue hinein zu erraten, was Du dazu brauchen könntest, ist u.U. nicht zielführend.
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