Ausbildung im Handwerklichen Bereich

Schreinerei, Schmieden, Autoreparatur...
Antworten
Bär
Beiträge: 3
Registriert: Sa 11. Mär 2017, 20:59

Ausbildung im Handwerklichen Bereich

#1

Beitrag von Bär » So 12. Mär 2017, 13:22

Hallo miteinander!

Als Neuling hier vielleicht eine deplatzierte naive frage. Da meine suche aber bislang vergeblich war hoffe ich auf nützliche Tipps aus dem Forum.

Ich bin 22 und suche eine Ausbildung in Deutschland zum Zimmerer, mein Wunsch wäre es dies bei ein Betrieb zu machen welches nicht auf reine Profitmaximierung basiert sondern möglichst Nachhaltig, Sozial, Ökologisch eingestellt ist.
Das soziale miteinander und die "Sinngebung" der Arbeit sollte im Vordergrund stehen: Ich würde gerne einen einzelnen Meister unter den Armen Greifen oder ein kleinen Betrieb (1-3 Mitarbeiter). Leider besitze ich keinerlei Kontakte in der Richtung und alle bisherigen Gespräche mit Zimmermeister verliefen im Sand.

Kennt einer der Mitglieder ein solchen Betrieb? Gibt es hier Zimmermänner die aus Ihren Erfahrungen berichten können? Oder auch Individuen die ein Meister zum Bekanntenkreis zählen der selbst Hilfe benötigen würde? Auch wenn es blöd klingt ich möchte wirklich das verwirklichen können und bin bereit vieles dafür zu tun; dazu gehört auch dass ich u.a absolut flexibel bei der Ortswahl bin.

Ich bin für jede Hilfe sehr dankbar, mir rennt etwas die zeit davon und ich fange an zu glauben dass ich wohl oder übel diese Alternative aufgeben muss. :flag:

viktualia

Re: Ausbildung im Handwerklichen Bereich

#2

Beitrag von viktualia » So 12. Mär 2017, 14:26

Hi, mein Vater und mein Bruder sind Zimmrermeister, mein Pa noch Maurermeister dabei (inzwischen in Rente), die machen keinen auf Öko sondern sind(waren) Ein- Mann Betriebe, damit es sich überhaupt trägt. In einem Dorf, das, bissl wie bei Asterix, noch gut zusammenhält, also die Leute lassen ihr Geld prinzipiell bei den Handwerkern im Umkreis. Dachstühle, Pergolen, Carports, so Sachen.

Mach irgendwo ne Lehre und geh dann auf die Walz, oder frag gleich bei Handwerkskammern oder Kolpinghäusern oder Zunfthäusern oder ähnlichem nach. (Wegen Walz)
Ortsgebundenheit ist wohl weniger das Problem als Geld: Versicherungen, Unterbringung etc.; wenn du da unabhängig bist wär gut.
(Was kannste sonst noch?)
Willst du die Kenntnisse oder den Gesellenschein?

Der Freund meiner Schwester ist auch Zimmermann, der ist dann auch schon mal paar Wochen irgendwo, wo´s schön ist und baut da was, Schweden, Neuseeland. Hat schon was.....
Dennoch ist es nicht mehr sein "Hauptberuf".

Bär
Beiträge: 3
Registriert: Sa 11. Mär 2017, 20:59

Re: Ausbildung im Handwerklichen Bereich

#3

Beitrag von Bär » So 12. Mär 2017, 15:29

Hallo viktualia,

Erstmal großes Danke! Klingt schön was du da beschreibst :)

Die Finanzielle Unabhängigkeit ist (glücklicherweise!) absolut gegeben und auch für wirklich längere Zeiträume/ Jahre.

Da ich leider ohne Vater Aufgewachsen bin wurden mir Handwerkliche Fähigkeiten nicht gerade in die Wiege gelegt, doch habe ich ein Jahr lang auf ein Agro Ökologischen Bauernhof mitgeholfen und hab da sehr vielseitige Kenntnisse mir angelernt vom Getreide Anbau, Viehhaltung, Käse machen aber auch in der Konstruktion! War an dem Bau 2er Häuser beteiligt die "alternativ" gebaut wurden. -Versuch Bilder hier hochzustellen sind gerade leider gescheitert
Jedenfalls damit du dir eine Idee machen kannst:
https://www.google.de/search?q=natural+ ... sH-Hh4fP5M:

Ich kann gut mit sprachen, spreche sehr gutes Englisch, fließend Spanisch & Italienisch und etwas Französisch -Mich also wieder ins Ausland zu begeben wäre kein Problem.
Hab, auch wenn leider ohne richtigen Abschluss ein Wirtschaftsgymnasium besucht also grundsätzliche Kenntnisse in Bwl sind vorhanden.

In erster Linie wären mir die Kenntnisse wichtig. Da für mich noch aber unklar ist, inwiefern ich mich wirklich unabhängig mache und wie ich mich -ich sag mal mich grundsätzlich langfristig finanziere -wäre sicher der Gesellenschein ein nettes Extra, aber eher für die Beruhigung der Gemüter da. Ich schätze mal auch, dass, wenn ich ohne einen Schein losziehen würde, ich es schwerer hätte als mit Einem.

(hoffe der link funktioniert wenigstens)

Benutzeravatar
emil17
Beiträge: 8794
Registriert: Di 21. Sep 2010, 08:07
Wohnort: In der Schweiz da, wo die Berge am höchsten sind

Re: Ausbildung im Handwerklichen Bereich

#4

Beitrag von emil17 » So 12. Mär 2017, 20:11

Wenn du da rein kommst, wäre das sicher was für dich:
http://www.guedelon.fr
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

Bär
Beiträge: 3
Registriert: Sa 11. Mär 2017, 20:59

Re: Ausbildung im Handwerklichen Bereich

#5

Beitrag von Bär » So 12. Mär 2017, 20:18

Danke dir! Werde es mir gleich genauer anschauen :)

Küstenharry
Beiträge: 384
Registriert: So 5. Feb 2017, 12:33
Wohnort: Wurster Nordseeküste

Re: Ausbildung im Handwerklichen Bereich

#6

Beitrag von Küstenharry » Mo 13. Mär 2017, 00:09

hmm, das kann ich mir vorstellen, dass sich die Meister die Augen verdreht haben, mit deinem Anliegen.
20 Jahre ist es jetzt her seit meiner Zimmererausbildung.
Ich hab glaube 4-5 Praktika in verschiedenen Firmen gemacht und mir dann eine ausgesucht zum Lernen die auch einen Kran hatte. Da könnt ich so manche Lehrzeitgeschichte erzählen. Geile Zeit.

Die Firmen sind halt so unterschiedlich wie ihre Mitarbeiter und Chefs, Meister.
Und wenn diese kein Geld verdienen, wären sie Pleite.

Such dir ein Familiengeführtes Unternehmen, ruhig mit bis zu 10 Gesellen.
Von denen kannst du dir dann dein Können abschauen.
Schau dir die Aufträge an, ob Fertigabbund für Bauträgerhäuser zusammen geknallt werden. Finger erstmal weg.
Fachwerksanierung wäre da besser aber auch dreckiger.
Schau mal in Siebenlinden.
Da hat auch jemand einen Holzbaubetrieb für die Strohballenhäuser.
In dem Bereich könntest du auch mit ökologischen Materialien bauen.
Gruss von der Küste

Harry

Kirschkernchen
Beiträge: 387
Registriert: Di 9. Jun 2015, 17:25
Wohnort: Hügel

Re: Ausbildung im Handwerklichen Bereich

#7

Beitrag von Kirschkernchen » Mi 15. Mär 2017, 18:55

Ich würde irgendwas lernen, was Freude macht und mit dem man was anfangen kann.
Zur Not auch studieren, dann weiß man zumindest, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen.
(Und muss schonmal 5 Jahre weniger arbeiten.)

Handwerke kann man sich selber beibringen, solange man es für sich braucht und nicht um irgendwelche überkandidelten Kunden zufrieden zu stellen, die selber nichtmal Räder am Auto wechseln können, aber bei der Lackierung an der unscheinbarsten Orangenhaut herumnörgeln.
Holz ist jedenfalls auch mein Lieblingshandwerkswerkstoff, ich würde mir das vielleicht auch aussuchen. Dass es dabei relativ gefährliche, schnelllaufende Maschinen gibt, die ein bisschen Hirnmasse verlangen und es jede Menge Staub gibt, sollte einem vorher zumindest mal jemand sagen.

Du könntest dann später deine eigene Firma aufmachen und nach deinen eigenen ethischen Gesichtspunkten oder für dich und deine Sippe agieren.
Was anderes wird einem wohl kaum übrig bleiben, in dieser irren Welt.

K.

strega
Förderer 2017
Förderer 2017
Beiträge: 2044
Registriert: Do 22. Mai 2014, 20:59
Familienstand: rothaarig
Wohnort: Sardiniens wilder Westen

Re: Ausbildung im Handwerklichen Bereich

#8

Beitrag von strega » Mi 15. Mär 2017, 22:12

ein Freund von mir ist gelernter Ingenieur und einiges andere, hat dann irgendwann die Karriere hingeschmissen und unter anderem sich nen Keller eingerichtet als Holzwerkstatt. Der macht jetzt alles mögliche, just for fun und auch Auftragsarbeiten, die Kunden laufen ihm so langsam zu, tolle individuelle Möbelstücke aus Massivholz, auch aus südlichen Gefilden wie Olivenholz und auch ganz ungewöhnliche Hölzer zum Teil, zu guten Preisen, von denen eine Familie leben kann, die Sachen sind auch echt ihr Geld wert.

Die Holzarbeit hat er sich grossteils selbst angeeignet, ok, er war vorher schon aufm technischen Wege zugange.
Von daher tät ich mal sagen, ne Ausbildung ist sicher super hilfreich, aber danach kannste auch ganz eigene Wege gehen. Phantasie, Lust und technisches Können sind eine sau-geniale Kombi.
Frauen, die sich gut benehmen, schreiben selten Geschichte. Eleanor Roosevelt

Nordwest

Re: Ausbildung im Handwerklichen Bereich

#9

Beitrag von Nordwest » Fr 17. Mär 2017, 20:35

Moin,

in meiner norddeutschen Heimat gibt es einige wenige Betriebe, die sich auf den Abbau und die Wiedererrichtung alter Fachwerkbauten spezialisiert haben, die Adressen finden sich ganz sicher im Internet...

Leider gibts es auch einige Zimmermänner, die aus dem alten Fachwerk mehr als grauenhafte Neubauten verbrechen, mit Löwen aus Marmor beidseitig vor der ehemaligen Grootdör...

Für engagierte trad. Handwerker ist die Leitung des Museumsdorfes in Cloppenburg eine allererste Adresse, in früheren Jahren hatte ich dort immer sehr gute Kontakte, wenn es um die gute Restaurierung sehr alter Möbelstücke ging, einfach mal dort vorstellig werden, schadet sicher nicht...

http://www.museumsdorf.de

Micha

Benutzeravatar
emil17
Beiträge: 8794
Registriert: Di 21. Sep 2010, 08:07
Wohnort: In der Schweiz da, wo die Berge am höchsten sind

Re: Ausbildung im Handwerklichen Bereich

#10

Beitrag von emil17 » Fr 17. Mär 2017, 23:38

In den hiesigen Edelferiendestinationen werden alte Balken aus Rückbau zu Brettern aufgesägt, die Aussenseiten kommen dann als Verblender an die Fassade von irgend einem Ferienhaus eines Neureichen. Dass da irgendwas nicht passt sehen die nicht.
Man kann übrigens solche auf alt gemachten Bretter (aufsägen, sandstrahlen, abflammen, nochmal mit Sand drüber, billiger als aus Rückbau) auch nur mit Schaum von unten an eine Betondecke kleben, fertig ist die authentische Gebirglerstube.
Soviel dazu, was gewerbliche Zimmerer verbrechen können.
Wo viel Geld ist, ist auch viel Hässlichkeit und viel Kitsch.
Egal welches Handwerk: Ein Betrieb, wo der Meister sich auch nach Jahren noch freut, wenn er an einem Bau von ihm vorbeikommt, ist für das innere Wohlbefinden wichtig.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

Antworten

Zurück zu „Handwerk“