historische Türangeln gesucht

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viktualia

Re: historische Türangeln gesucht

#41

Beitrag von viktualia » So 3. Nov 2019, 14:02

Mit welcher Farbe arbeitet man?
Ich kenn es so, dass man Sägestaub des Holzes einarbeitet, das man verwendet hat.
In den Kitt, oder die oberste Schicht desselben.

Die (bei Kreidezeit auch erwähnten) "lichtechten und wetterbeständigen Erd- und Mineralpigmente" kannst du auch im Maler-, bzw. Künstlerbedarf besorgen und einarbeiten. https://www.gerstaecker.de/GERSTAECKER- ... mente.html

Dyrsian
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Re: historische Türangeln gesucht

#42

Beitrag von Dyrsian » Mo 4. Nov 2019, 19:23

Hallo,
und vielen Dank für die Tips! Ich hatte mich sicher missverständlich ausgedrückt: die Scheiben möchte ich nicht einkitten, sondern mit kleinen Holzleisten in ihren Fensterchen fixieren. Der Vorteil ist, dass ich sie dann sehr leicht auswechseln kann wenn eines meiner Kinder eine zerschlägt. Ob es 6 mm dünnes Einscheiben-Sicherheitsglas gibt muss ich noch ergründen. Und wie teuer 6 Scheiben sind. Teuer, vermutlich. :hmm:
Eventuell schneide ich die Scheiben selbst aus normalem Glas.
Beim kitten ging es mir darum, die noch offenen Fugen / Spalten zu verschmieren, damit man sie nicht mehr sieht. Das geht aber nur, wenn man die Tür danach streicht. Ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ich das machen soll. Es ist ja so: Das ist ein traditionelles Objekt in dem viel Hand-Werk steckt, und vielleicht kann man (auch wenn das in der Zeit der Smartphones so erscheint) nicht erwarten, dass man alles sofort perfekt herstellen kann. Ich hab am Wochenende fleißig gearbeitet und konnte den Fehler der unterschiedlichen Fasen einigermaßen ausgleichen, zumindest auf der Vorderseite. Wir haben dann (Stress pur, ohne Grund, Leim bleibt lang flüssig) das ganze Objekt mit Fischleim verleimt, ausspannen werde ich es erst Morgen. Wer weiß wie lange der Fischleim trocknet. :hmm:
Wir (=ich) kommen aus einer maschinellen Welt, vielleicht ist mein Anspruch an ein handgearbeitetes Objekt bzgl. der Perfektion auch zu hoch. Hier einige Fotos, das ist die Trockenübung, d.h. Verspannen der Tür vor dem Verleimen. Ich habe einige der besonders schlimmen Spalten mal fotographiert.
20191103_133016_resized.jpg
20191103_133016_resized.jpg (316.85 KiB) 1119 mal betrachtet
20191103_133022_resized.jpg
20191103_133022_resized.jpg (209.49 KiB) 1119 mal betrachtet
20191103_133026_resized.jpg
20191103_133026_resized.jpg (234.86 KiB) 1119 mal betrachtet
Ich muss die Tür mit Spanngurten verspannen, weil ich nur eine Schraubzwinge habe die lang genug wäre. Das funktioniert einigermaßen, auch wenn es die Tür ein bisschen in Richtung des Spanners "umknickt", was bisweilen aber gar nicht schlecht ist.
Die Proportionen gefallen mir sehr gut, das habe ich wirklich gut hinbekommen. :)
Nun geht es ans Sägen der Fase für das Einpassen in den Rahmen, den Einbau des Schlosses und der Beschläge!

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Re: historische Türangeln gesucht

#43

Beitrag von Benutzer 6122 gelöscht » Mo 4. Nov 2019, 20:59

Dyrsian, ich finde die Tür ist toll geworden! :daumen:

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Re: historische Türangeln gesucht

#44

Beitrag von emil17 » Mo 4. Nov 2019, 23:30

Mach aus der Not eine Absicht: Säge die Klaff-Fugen des Sprossenkreuzes mit einer Feinsäge nach, damit sie parallel werden, und leime dann eine Scheibe Furnier einer deutlich anderen Farbe rein. Wenns trocken ist, abstechen und putzen ... und du hast statt einer missratenen Fuge, die DU immer sehen wirst, wenn du an der Tür vorbeikommst, eine Zierde.

Zum Zwingen-Problem: Nimm eine Dachlatte oder ein Brett, was 30 cm länger ist als du spannen willst, schraube auf jedes Ende bündig einen Abfall drauf, lege das zu spannende Werkstück rein, und spanne mit Doppelkeil.
Dachlatten gibts bis 6 m Länge, das dürfte für die meisten Projekte reichen :)
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: historische Türangeln gesucht

#45

Beitrag von connymatte » Mi 6. Nov 2019, 23:23

Es Gibt Verbundsicherheitsglas 6mm in Klar ( 2 Scheiben mit einer Folie) und Einscheibensicheitsglas ab 3mm, in 4mm auch als diverse Ornamentgläser.Auch bei Leisten legt man ganz dünn Kitt vor damit die Scheiben nicht klappern .
Alt genug um es besser zu wissen,
Jung genug um es nochmal zu tun!

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Re: historische Türangeln gesucht

#46

Beitrag von Dyrsian » Fr 6. Dez 2019, 15:21

Es ist soweit! Nach gut 100 Arbeitsstunden (absolut irre) ist die Tür fertig und ich habe sie in meine Altbauwohnung eingebaut. Wir haben auf dem Weg sicher viele Fehler gemacht, einige davon wirklich ungünstig, aber manches ist auch gut gelungen. Es war teilweise sehr nervenaufreibend, sodass ich vergessen habe zu fotographieren, aber manches habe ich dann doch fotographiert und werde es nach und nach hier posten. Das Einpassen der Tür in vorhandene Zarge war übrigends kein Nebenkriegsschauplatz sondern hat sage und schreibe 2 Tage gedauert (okay, mit herumwuselnden Kleinkindern, aber trotzdem) Hier die Gesamtansicht, linker Hand mein erster Schrank, den ich vor einigen Jahren angefertigt habe …
Tuer.jpg
Tuer.jpg (59.85 KiB) 770 mal betrachtet
Die Scheiben habe ich aus 4 mm ESG gemacht, die Füllung unten ist aus einer Massivholzplatte, die in der Mitte zur Dekoration eine Art Erhöhung hat. Das sieht sehr hübsch aus und weil die Platte in der Mitte nur 10 mm dick ist (an den Rändern sind es bloß 4 mm) hat sie auch kaum Gewicht. Wenn die Sonne durch das Fenster vom dahinterliegenden Zimmer scheint, fällt das Licht durch die Harzgallen / Äste in der Füllung unten, das sieht sehr hübsch aus. Die Platte haben wir selbst hergestellt, dazu später mehr.
Fuellung unten.jpg
Fuellung unten.jpg (40.58 KiB) 770 mal betrachtet
Die Klinke ist aus einem Altbau, gebraucht, die hatten wir noch, manchmal zahlt sich Sammelwut auch aus. Das Schloss ist tatsächlich innenliegend – ich wollte unbedingt ein versenktes Schloss – das war ein unglaublicher Aufwand. Problem dabei ist weniger das sehr tiefe Loch für die Drückermechanik zu stemmen, als viel mehr dass auf der einen Seite dann nur noch 2-3 mm Holz stehen bleiben. Man hat also ein Loch zu stemmen, bei dem eine Flanke nur wenige Millimeter stark ist, wenn man einmal verreißt hat man´s verkackt. Ich hab für dieses eine Loch 3 Stunden geprickelt! Ich war so nervös, dass ich kein Foto gemacht habe. Man muss dazu sagen, dass wir ein extra schmales (und sackteures) Schloss für Glastüren eingesetzt haben, damit ich keine 9 cm einstemmen musste sondern bloß 5 oder 6 cm.
Klinke.jpg
Klinke.jpg (66.18 KiB) 770 mal betrachtet
Die Oberfläche ist mit einem Hartwachs behandelt, ich möchte einfach das schöne Holz sehen und habe mich daher gegen Lackieren entschieden, was vieles einfacher gemacht hätte.
Mehr (und mehr Fotos) in einem weiteren Post …

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Re: historische Türangeln gesucht

#47

Beitrag von Dyrsian » Do 12. Dez 2019, 11:34

Großen Respekt hatte ich vor der Herstellung der Leimholzplatte für die untere Türfüllung, weil ich sowas noch nie gemacht habe und auch keine Rahmenpresse besitze (wer schon?). Das war aber am Ende völlig problemlos!
Ich hätte mir natürlich Stammware besorgen können, diese entsprechend besäumen und abrichten und dann zusammenfügen, allerdings wäre der Arbeitsaufwand echt enorm geworden (ich muss per Hand abrichten). Zudem ist die Platte in der Mitte 10 mm stark, an den Rändern bloß 4mm. Da es (hier) Stammware nur bis 27 mm gibt (alles andere schüsselt sich ohnehin krumm), hätte ich also 23 mm weghobeln müssen, denn Längsauftrennen kann ich nicht. Eine enorme Geld- und Materialverschwendung.
Warum musste ich überhaupt eine Leimholzplatte selbst herstellen? -> Weil es keine 10 mm dicken Leimholzplatten zu kaufen gibt! Ich hätte ja Multiplex bzw. Sperrholz nehmen können (was ohnehin verzugsfreier gewesen wäre), das ging aber nicht, weil man dann bei der in der Mitte angebrachen "Erhöhung" den hässlichen Schichtaufbau gesehen hätte. Außerdem wäre es irgendwie unnatürlich / unhistorisch gewesen (besser: mir so erschienen), wobei ich vermute, dass die 1912 auch schon Schichtholzplatten hatten.
Die Lösung: Ich habe mir im Baumarkt für einen schmalen Taler 18 mm Kiefer Leimholzbretter in 20 cm Breite besorgt. Die sind geradezu unanständig billig (und unanständig astig). Weil sie gerade sind, braucht man nichts abrichten. Ich hab also die Teile nur durch den Dickenhobel geschoben, auf 10 mm gebracht und dann mit der Handkreissäge die angefasten Seiten abgesägt.
Zur Herstellung der Platte habe ich aus meiner Multiwerkbank die Veritas Benchpups genommen und zwei Bankhaken. Mehr wären besser gewesen, wer aber weiß was die Benchpups kosten versteht, warum ich nur zwei habe. Das gute an diesen Dingern ist, dass sie nicht nur nach vorne drücken, sondern in einem 15° Winkel auch etwas nach unten. Das führt dazu, dass die Werkstücke nicht hochspringen. Dann habe ich zwei Kanthölzer im Dickenhobel auf die gleiche Dicke gebracht (KVH wäre besser gewesen, weil weniger verdreht, hatte ich aber nicht) und jeweils zwei 19 mm Löcher für die Bankhaken / Benchpups gebohrt. Auf die beiden Balken braucht man dann die zuvor mit (Fisch)Leim eingepinselten Bretter nur drauflegen, die Benchpups leicht zudrehen, etwas Schweres auf die Platte oben drauf stellen und dann ganz zudrehen. Die Platte ist wirklich super geworden! Hier ein Foto vom System:
Rahmenpresse.jpg
Rahmenpresse.jpg (65.98 KiB) 665 mal betrachtet
Man sollte daran denken, die Balken vor dem Verleimen mit Frischhaltefolie zu umwickeln, sonst kleben sie an der Platte fest. Man hätte das Ganze auch ohne Balken und z.B. mit der Vorderzange in der Werkbank verleimen können, da ich die Werkstatt aber nicht heizen kann wäre das Zeug dort nicht getrocknet. Ich habe es also auf dem Esstisch gemacht.
Die Erhöhung in der Mitte habe ich hergestellt, indem ich mit meinem größten Nutfräser rundherum und auf jeder Seite 3 mm abgefräst habe. Das geht natürlich mit der Tischfräse recht einfach, ist aber mehr Arbeit als man glaubt. Hobeln war keine Option, da super astiges Holz und auf zwei Seiten gegen die Fasserrichtung. Dann noch schleifen und die Fräskanten brechen, wachsen und fertig!
Alles in allem ist mir die Platte gut gelungen, ich werde auch zukünftig weitere Leimholzplatten herstellen! Wenn man größere Platten machen will, braucht man allerdings mehr Benchpups oder Zwingen zum Pressen ...

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Re: historische Türangeln gesucht

#48

Beitrag von emil17 » Do 12. Dez 2019, 12:48

Dyrsian hat geschrieben:
Do 12. Dez 2019, 11:34
Zur Herstellung der Platte habe ich aus meiner Multiwerkbank die Veritas Benchpups genommen und zwei Bankhaken. Mehr wären besser gewesen, wer aber weiß was die Benchpups kosten versteht, warum ich nur zwei habe. Das gute an diesen Dingern ist, dass sie nicht nur nach vorne drücken, sondern in einem 15° Winkel auch etwas nach unten.
Die kann man sich eigentlich aus einem Besenstiel, einer Gewindestange und rampa-Einschraubmuttern auch selber herstellen.
Oder eine Mutter ans Ende eines Rundstahls schweissen ...
Ich hab das Wort Benchpups zuerst als Wortchimäre aus deutsch und englisch gelesen, Bench - pups --> "Bank-Furz" Hä??? Was macht der?

Wenn du so weitermachst, wirst du irgendwann noch zuerst die Bäume für die nächste Türe pflanzen ?
Man kann solche Füllungen auch aus 12er Täfer herstellen, Nut und Feder auf der Kreissäge wegschneiden und dann verleimen.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: historische Türangeln gesucht

#49

Beitrag von Dyrsian » Do 12. Dez 2019, 13:35

emil17 hat geschrieben:
Do 12. Dez 2019, 12:48
Die kann man sich eigentlich aus einem Besenstiel, einer Gewindestange und rampa-Einschraubmuttern auch selber herstellen.
Oder eine Mutter ans Ende eines Rundstahls schweissen ...
Ich hab das Wort Benchpups zuerst als Wortchimäre aus deutsch und englisch gelesen, Bench - pups --> "Bank-Furz" Hä??? Was macht der?
Sie heißen tatsächlich auch Wonderpups,ich habs gerade nochmal nachgeschaut. Das sind eben die Welpen, irgendwelche anderen heißen Benchdogs, es gibt auch Benchstuds (was hat der Gaul mit dem Bankhaken zu tun?). Sicherlich kann man sowas ähnliches auch selbst herstellen, die Teile von Veritas sind aber - ohne das ich Geld von denen kriege - einfach geil, auch schön zum Anfassen und Anschauen, das ist richtiges Qualitätswerkzeug.
emil17 hat geschrieben:
Do 12. Dez 2019, 12:48
Wenn du so weitermachst, wirst du irgendwann noch zuerst die Bäume für die nächste Türe pflanzen ?
Man kann solche Füllungen auch aus 12er Täfer herstellen, Nut und Feder auf der Kreissäge wegschneiden und dann verleimen.
Das Wort "Täfer" musste ich nachschlagen. :haha:
Das war auch meine erste Idee, ich hätte aber welche in Kiefer kriegen müssen (hier gibts die meist nur aus Fichte). Der profane Hauptgrund war allerdings, dass die so schmal sind, dass es schwer ist mit der Handkreissäge & Schiene die Nut und die Feder abzuschneiden. Das rutscht dann immer und ist allgemein irgendwie ätzend zu bearbeiten und auch gefährlich. Für schmale Werkstücke braucht man einfach eine Tischkreissäge, das ist das Einzige wo sie mir wirklich fehlt. Mit dem Leimholz hat man aber auch weniger Leimungen selbst zu machen, weil die Bretter breiter sind. Nachteil ist allerdings, dass ich jetzt neben dem Fischleim da die vorgefertigten Leimfügen aus Kunstoff drin habe. Ich bin irre, ich weiß. :lol:
Bäume anpflanzen hatte ich noch nicht in Erwägung gezogen, aber das Auftrennen von Stämmen ist ja, wie hier schon beschrieben, durchaus in meinem Sinn.

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Re: historische Türangeln gesucht

#50

Beitrag von Maisi » Do 12. Dez 2019, 14:16

Ich kann leider nichts konstruktives beitragen. Aber trotzdem: super geworden, großen Respekt!! :daumen: :daumen: :daumen:

Meine Haustür stammt auch noch von meinem Urgroßvater (bei einer Linie kann ich auf eine lange Ahnreihe von Schreinern zurückblicken). Ich wünsche Dir, daß Deine Tür auch einige Generationen überdauert (und von diesen geschätzt wird). :)

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