historische Türangeln gesucht

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Re: historische Türangeln gesucht

Beitragvon Dyrsian am So 3. Feb 2019, 13:10

Danke, das hat mir enorm weitergeholfen! Ich werde mir tatsächlich diese Einschraubbeschläge aus dem einen Link bestellen, die Fitschenbänder sind mir zu aufwändig. Ich habe Sorge, dass ich es verkacke und dann die ganze Tür verschandelt habe. Auch traue ich instinktiv ein paar langen Spaxschrauben mehr, als so einem Fitschenband was von mir semi-professionell eingestemmt wurde.
Das Holz ist vorgestern angekommen, 5 cm starke Kiefernbohlen, verdammt schwer. Ich habe jetzt die Breite der Holme von 17,5 auf 15 cm reduziert, weil ich ein bisschen Angst habe dass mir die Tür zu schwer wird. Grade die Glasscheiben wiegen ja sicher einiges. Ich muss gleich mal schauen, ob 4 mm starkes ESG GLas überhaupt existiert oder ob ich dickeres nehmen muss.
Insgesamt habe ich echt Respekt vor dem Projekt, das übrigends auch verdammt teuer wird. Die Kiefernbohlen kamen jetzt 145,-€, wobei ich genug Material für zwei Türen hätte - ich hab einfach eingerechnet dass ich einige Teile zweimal mache! :lol: Vorzugsweise die, die jede Menge Arbeit machen.
Mitte des Monats möchte ich eine Tischlerei mieten, für einen Tag, um dort die Bohlen abzurichten und auf Maß zu hobeln sowie die Leisten für die Sprossen auf der Kreissäge zuzuschneiden. Alternativ steht die Anschaffung eines mobilen Dickenhobels im Raum, ich hadere seit Wochen - 600,-€ kostet das Teil. Klar, Abrichten damit ist kompliziert, grade die 2,20m langen Bohlen. Ich könnte aber per Hand mit dem Elektrohobel abrichten, und dann Dickenhobeln. Oder eben mit einem Schlitten und Keilen arbeiten. Ich hätte jederzeit Zugriff, d.h. wenn ich was versäge oder so könnte ich schnell was neues hobeln. Für kleine Werkstücke ist so ein Teil für Leute wie mich, die ohne Starkstromanschluss leben, sicher enorm nützlich. Die Oberflächengüte soll auch gut sein. Ich hadere noch ein paar Tage, denke ich. Die Tischlerei ist auch nicht eben günstig, grad bei Tagesmiete. :hmm:
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Re: historische Türangeln gesucht

Beitragvon Fuchur am So 3. Feb 2019, 13:18

Sind die Bohlen überhaupt schon trocken, wenn Du meinst die seien sehr schwer? Würde im Zweifel empfehlen die ein paar Wochen im geheizten Wohnraum zu lagern vor der Verarbeitung.
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Re: historische Türangeln gesucht

Beitragvon mot437 am So 3. Feb 2019, 13:24

also ich ging imer hin und hab mier das abgearbeitet das ich auf maschinen konte
so nach dem moto ich helfe dier du hilfst mier
das gantze werkstat mieten füer zu hobeln scheint mier nur eine sinfole sache wen du dort öfters mitgeholfen hast da dich das suchen nach zubehör und einstelen lernen der maschine schon die halben stunden kosten kan wen du dich dort nicht auskenst und man breter auch beser zu zweit durchschiebt mit dem der die maschine kent da get das zakig

und wen mal grob eingestelt ist kanst du auch aleine seriensachen machen wärend er was anderes tut
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Re: historische Türangeln gesucht

Beitragvon Pitu am So 3. Feb 2019, 13:38

Dyrsian, zufällig wurden bei mir letzte Woche in der Arbeit 2 Schlösser ausgetauscht und dafür die halbe Tür zerlegt.
Ich hab den Schreiner und den Zimmerer bei der Gelegenheit gefragt wegen den Türangeln.

Beide meinten, daß sie selbst in jedem Fall Einbohrbänder nehmen würden statt Fitschenbändern. Weil die stabiler wären, mehr Last aushalten würden, und beim Ausbau von Fitschenbändern der Nagel dann häufig das Problem ist. Außerdem ist der Schlitz wohl echt schwierig wenn man nicht extra ein Fitscheneisen verwendet.
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Re: historische Türangeln gesucht

Beitragvon emil17 am So 3. Feb 2019, 13:43

Du kannst natürlich die Bänder auch nach der alten Methode nehmen.
Da werden gewöhnliche Aufschraubbänder, die über 2/3 bis 3/4 der Türbreite gehen, mit Bolzenschrauben (früher mit geschmiedeten und umgeschlagenen Nägeln) auf die Aussenseite des Türblattes geschraubt. Dann wird die Türe von aussen noch aufgedoppelt, so dass man die Bänder nicht sieht. Diese Doppelung ist bei unserer Türe, die von 1840 stammt und brutal schwer ist, aus Nussbaum und diagonal symmetrisch angeordnet, so dass sich eine Verzierung ergibt. Auch das wurde mit geschmiedeten Nägeln befestigt, die durch die ganze Tür gehen und auf der Innenseite umgeschlagen sind.
Die Kloben müssen natürlich entsprechend gut im Türstock befestigt sein, sonst fällt dir alles raus, wenn der Wind einmal die Türe zuwirft. Als Abdichtung kann man ein Hohllochprofil aus Silikon nehmen, das in eine Nut der Türzarge eingelegt wird. Das gleicht Ungenauigkeiten zwischen Tür und Rahmen aus und bremst die Türe beim Zuklappen ab.
Für die Verglasung würde ich Doppelglas mit Thermodämmgasfüllung auf Mass fertigen lassen. Bei Einfachverglasung bildet sich im Winter auf der Innenseite viel Schwitzwasser.
Beachte die Hinweise im Link auf das Türenbuch hier im Thema:
Das Rahmenholz soll stehende und gleichmässige Jahrringe haben und nicht astig sein. Hier würde ich keine Kompromisse machen.
Die Verglasung soll so sein, dass das Einschubschloss nicht auf die Höhe kommt, wo der untere Querfries der Verglasung ist. Wenn das der Fall wäre, musst du ein aufgeschraubtes Kastenschloss nehmen.

Tom hat recht, was die Maschinenmiete angeht. Was auch klappen kann, ist, dass du dem mal einen Tag auf dem Bau hilfst, wenn kein Geld fliessen soll.

Beim Fitschenband sehe ich als Hauptnachteil neben der schwierigen Montage, dass man nichts mehr korrigieren kann. Bei offener Tür will das Türgewicht das obere Band aus dem Schlitz ziehen, das hängt dann nur noch an den beiden Nägeln. Deshalb ist das wohl mehr für kleine und leichte Türen.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: historische Türangeln gesucht

Beitragvon Fuchur am So 3. Feb 2019, 14:08

Variante Dorfschmied, wahrscheinlich auch so um 1900:
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Re: historische Türangeln gesucht

Beitragvon Dyrsian am So 10. Feb 2019, 16:04

Zunächst mal allen vielen Dank für die guten Tips!
Nach wochenlangem Hadern und Testberichte im Internet ansehen habe ich mich dann doch entschieden mir eine Dickenhobelmaschine zu kaufen! Eine Rieseninvestition (für mich zumindest). Damit bin ich einfach flexibel, mobil und nicht so sehr von anderen abhängig. Tom hat sicher Recht was die Maschinenmiete angeht, aber ich kenne keinen Tischler und hier in der Stadt ist es auch oft nicht so einfach mit derlei Tauschhandel. Meine Erfahrungen mit Handwerkern hier waren bisher extrem negativ (teuer, schlechte Arbeit, nie Zeit - ewiges Warten). Aber zurück zum Dickenhobel: Ist ein tolles Teil! Man kann natürlich nicht damit abrichten (oder nur mit einem Schlitten), das Abrichten besorge ich also zuvor mit dem Elektrohobel. Das Schöne an dem Dickenhobel ist das unheimlich tolle, glatte Hobelbild - nie wieder Furchen vom E-Hobel ausschleifen! Man bekommt die Bretter schön auf die gewünschte Dicke, sehr präzise. Gefällt mir! :daumen:
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Zum Holz: Ja, da habe ich sicherlich nicht das Optimum. Hier ist schwer an Stammware / Massivholz ranzukommen - ich muss das meist aus dem Sauerland bestellen, und da sehe ich die Bohlen vorher nicht. Nun haben die mir auch noch den Transportschnitt so gesetzt, dass die Baumspitzen (=liegende Jahresringe) die längeren Stücke sind und ich also diese für die Seiten der Tür nehmen muss. Die Holzfeuchte habe ich gemessen, zwischen 11% und 13%. Was soll´s ich muss eben mit dem arbeiten was ich hab! 1912 hatten die auch nicht immer optimales Holz.
Ich habe nun den Freitag damit verbracht die Hobelmaschine auszuprobieren und verschiedene Probestücke anzufertigen. Ich besäume die Bretter mit meiner Handkreissäge - hier leisten die Schienen gute Dienste!
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Dann schneide ich mir grob die Teile die ich möchte raus und richte mit dem Elektrohobel ab (manche Bretter sind leider nicht nur geschüsselt sondern auch bananenförmig, was extrem nervt). Die Schienen von der Kreissäge taugen auch als Richtscheit, sehr praktisch! Dannach gehts durch den Dickenhobel - dauert nur ein paar Minuten. Nach dem Dickenhobeln säge ich alles auf die benötigte Breite und Länge zu - dann sind die Kanten auch im 90° Winkel.
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Re: historische Türangeln gesucht

Beitragvon Dyrsian am So 10. Feb 2019, 16:16

Weil ich Bammel vor der Herstellung der Kreuzsprossen auf Gehrung hatte, habe ich davon auch ein Probestück hergestellt. Leider kann ich die nicht mit der Fräse anfasen, weil ich nur eine 8 mm Spannzange habe und es in 8 mm nicht die Fasenfräser in der von mir gewünschten Größe gibt. Das ist ein echter Nachteil der Perles OF9 Fräse, ich würde mir die nicht nochmal kaufen. Folglich muss ich die Fasen anhobeln, den Winkel (45°) kontrolliere ich dann mit meiner Schmiege und bessere ggf. nach.
Zum Ausklinken der Sprossen auf Gehrung habe ich mir mit der Kreissäge eine kleine Lehre aus Multiplex gebastelt - die ist genau 45° und die klemme ich dann an die Sprosse und säge mit der Kataba dran entlang. Klappt super - und man muss nicht soviel anreißen. Das genaue Design des Sprossenprofils passe ich noch an, aber insgesamt bin ich mit dem Probestück zufrieden - jetzt weiß ich wie´s geht.
Was ich jetzt auch erfahren durfte - nachdem es bereits der von mir tatsächlich geschätzte Lothar Jansen Greef erklärt hat - ist, dass man erst die Fälze fräst und dann anfast! Sonst kippelt das Zeug auf der Fräse, es ist füchterlich.
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Re: historische Türangeln gesucht

Beitragvon emil17 am So 10. Feb 2019, 16:33

Ich bewundere Dich um deine Geduld und wünsche Dir bald eine einbruchsichere, heizbare, geräumige Tischlerwerkstatt!
Zum Holz: Vermutlich muss man für solche Projekte selber hinfahren und das Holz aussuchen. Sonst kriegt man das angedreht, was diejenigen, die das tun, dort liegen lassen.
Wäre schade, wenn sich die Werkstücke dann eingebaut wieder verziehen, weil das Holz krumm gewachsen war.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: historische Türangeln gesucht

Beitragvon Fuchur am Di 12. Feb 2019, 10:09

Die Holzfeuchte gleicht sich ja sowieso der Umgebung an, wesentlich ist das es verleimfähig ist. Ideal ist wenn es sich erst eine Weile an das spätere Raumklima anpassen kann, aber je nach Einbausituation ist das Raumklima ja auch nicht konstant. Kiefer hat ja eigentlich bezüglich der weiteren Verformung günstige Eigenschaften, man sagt auch sie "steht".
Wegen der Holzauswahl bin ich dazu übergegangen die Stämme selbst einzuschneiden, mittlerweile Habe ich bestimmt schon 200m² mit Holzstapeln zugebaut, damit das Schnittholz in Ruhe trocknen kann. Fehlt noch die Holzwerkstatt, aber geht halt auch bei mir nur nach und nach...
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