Regionale Lebensmittel

Lometas
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Regionale Lebensmittel

#1

Beitrag von Lometas » Mi 3. Apr 2013, 02:10

Wegen der Lebensmittel "Skandale", die zur Zeit immer mehr in die Medien kommen, wird von vielen Leuten geraten direkt beim Erzeuger im Hofladen einzukaufen. Das ist höchstwahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit. Landbewohnern mit den nötigen privaten Kontakten wird es häufig noch gelingen, aber was machen die vielen Mio Städter ?

Andvari

Re: Regionale Lebensmittel

#2

Beitrag von Andvari » Mi 3. Apr 2013, 06:44

Hier (Münchner Umland) gibt es einige Hofläden, die hauptsächlich davon leben, dass die Städter zu ihnen raus kommen. Außerdem gibt's in Großstädten ja oft Lieferanten, die Gemüsekisten/Biokisten direkt an die Kunden ausliefern. So unmöglich ist es also gar nicht, auch in der Großstadt regionale Lebensmittel zumindest "fast" direkt vom Erzeuger zu beziehen. (Bei den Gemüsekisten ist ja meist noch ein Vermarkter dazwischengeschaltet, der die Lieferlogistik macht.)

Solange Lebensmittel in Deutschland aber einen derart geringen Stellenwert haben, glaube ich nicht, dass die ganzen Skandale irgend etwas am Kaufverhalten der breiten Bevölkerung ändern werden. Es ist hierzulande halt einfach für sehr viele Leute wichtiger, ein Protzauto zu fahren und dafür jeden Monat Unsummen auszugeben, als sich gut zu ernähren. :motz:

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Re: Regionale Lebensmittel

#3

Beitrag von kraut_ruebe » Mi 3. Apr 2013, 09:05

von jetzt auf gleich würde es nicht möglich sein die gesamte stadtbevölkerung aus umgebungsbetrieben satt zu bekommen. dafür sind wir schon zu lange zu weit entfernt von der regionalen lebensmittelherstellung.

angenehm für alle wäre eine langsame trendumkehr zu weniger supermarkt und mehr bauer vor ort.
wenn du denkst, abenteuer sind gefährlich, dann versuchs mal mit routine. die ist tödlich. (coelho)

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Re: Regionale Lebensmittel

#4

Beitrag von Spencer » Mi 3. Apr 2013, 09:11

Na ob da mal nicht die Lebensmittelkonzerne was dagegen hätten ??? ;)

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Re: Regionale Lebensmittel

#5

Beitrag von kraut_ruebe » Mi 3. Apr 2013, 09:24

vermutlich. aber wenn sie klug sind, springen sie auf das pferd auf und bieten auch regionales an, dann müssen sie keine umsatzeinbussen hinnehmen.

ist hier übrigens schon ne weile gang und gäbe. hofer (=aldi) und spar (sehr nett im fürstenfelder interspar, mit vorstellung der bauern + der höfe) haben zusätzlich regionale ware, lidl neuerdings ne 'österreich-ecke'.

ansonsten: evolutionsmarketing beinhaltet auch mal das sterben von etwas was nicht mehr gebraucht wird. das könnt dann auch mal nen unflexiblen supermarkt treffen. (anstelle wie bisher die bauern, was schlimm genug war und ist)
wenn du denkst, abenteuer sind gefährlich, dann versuchs mal mit routine. die ist tödlich. (coelho)

DerElch

Re: Regionale Lebensmittel

#6

Beitrag von DerElch » Mi 3. Apr 2013, 10:14

kraut_ruebe hat geschrieben:vermutlich. aber wenn sie klug sind, springen sie auf das pferd auf und bieten auch regionales an, dann müssen sie keine umsatzeinbussen hinnehmen.
tja in der schweiz die beiden grössten anbieter haben seit jahren eine linie die sich "aus der region fuer die region" nennt.
Auf den ersten blick eine gute sache und in der werbung wurde immer sugeriert es handelt sich um produkte die von anfang bis ende quasi in nächster nähe gepflanzt,gezogen,hergestellt ect wurden.
Und nun kam heraus...stimmt nicht...das gemuese wurde zteil in afrika vorgezogen und hat schweizer boden höchstens 2mt zum fertig wachsen gesehen.
Wenn man mitbekommt das bei produkten 2/3 des inhalts(mehl,eier,milch,gewuerze ect) von sonstwo herkommt,aber da nicht deklarationspflichtig nirgends erscheint und das endprodukt dann als regional beworben wird... :kaffee: ne da bin ich dann zu misstrauisch.

Die grossen ketten muessten dann schon so transparent sein,das der kunde wirklich nachvollziehen wo was herkommt.Bloss weil ein inländischer knethaken das zeugs verruehrt hat,ist es nicht automatisch regional.

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Re: Regionale Lebensmittel

#7

Beitrag von Eule » Mi 3. Apr 2013, 10:57

Bloss weil ein inländischer knethaken das zeugs verruehrt hat,ist es nicht automatisch regional.

Da hast Du natürlich vollkommen recht. Aber da gibt es auch noch das Problem die Leute mit allen gewünschten Produkten zu versorgen, wie Zitronen, Bananen, Ananas usw. usw. Unser Biohofladen hat z.B. Tomaten das ganze Jahr über. Die sind bestimmt nicht alle immer aus der Region. Wenn man da ganz rigoros wäre, würden die Supermärkte ganz schnell wieder einen höheren Zulauf bekommen, weil es einfach eine Menge Lebensmittel und Gewürze gibt, die hier im Land nicht oder nur mit energiefressenden Maßnahmen (beheizte Gewächshäuser) wachsen und der Rest wäre nur saisonal zu haben. Außer Fleisch wächst hier halt im Winter nicht genug. Und wenn das Wetter hier so weitermacht, gibt es heuer gar nichts saisonales mehr in der Nähe.

DerElch

Re: Regionale Lebensmittel

#8

Beitrag von DerElch » Mi 3. Apr 2013, 11:05

eule ich meinte das bezogen darauf das die grossen da mitziehen muessten oder eingehen wuerden....die frage ist ja dann...wie ziehen sie mit.Meistens kam dabei dann nur "etikettenschwindel".

Und naja die leute muessen einfach wieder lernen das es eben gewisse sachen nur zu gewissen zeiten gibt.Das macht den genuss gewisser dinge auch wieder zum genuss...weil man sich danach sehnt,sich darauf freut und es dann auch geniesst. :)

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Re: Regionale Lebensmittel

#9

Beitrag von Manfred » Mi 3. Apr 2013, 11:26

Naja. Da sind wir den USA mal wieder weit hinterher.
Da hat Salatin schon 2009 über die Lebensmittelkonzerne gelästert, die mit eigenen Siegeln auf den Regionaltrend aufgesprungen sind.
Aber Aigner zieht jetzt brav nach nund wir werden auch ein EU-Regionalsiegel bekommen, dass dem Regionalmarkt einen ähnlichen Tiefschlag versetzen wird wie vorher das Biosiegel dem Biomarkt. Am Ende heißt es dann wieder: Regional ist, was auf diesem Planeten produziert wurde...
Edeka z.B. arbeitet ja schon lange mit kleineren, regionalen Erzeugern zusammen. Läuft dann oft so, dass die Erzeuger die Regale in Komission beschicken und Edeka die Abrechnung übernimt. So wie das auch bei diversen Markenartikeln gemacht wird.
Aber das sind keine ernsthaften Mengen, sondern halt ein paar Lockartikel, die Edeka von Aldi und Co abgrenzen sollen.
Als Verbraucher kann man am meisten für regionale Vermarktung tun, wenn man gezielt bei den kleinen, handwerklichen Verarbeitern (Bäcker, Metzger, Mühlen) und Direktvermarktern kauft.
Ich hoffe, dass sich mehr Regionalmärkte durchsetzen können, die gezielt Waren aus den Regionen verkaufen.
Aber denen wird mit dem EU-Regionalsiegel schon jetzt das Wasser abgegraben, wie seinerzeit den kleinen Bioläden.
Die Verbraucher können wegen der Siegel einfach nicht mehr unterschieden, was Sache ist. Und die kleinen Erzeuger werden gezwungen, ihre Waren mit den teuren Siegeln zu versehen, weil sie sie sonst nicht mehr mit dem Kriterium "regional" in Verkehr bringen dürfen.
Wie bei Bio halt auch. Wer kein teures Zertifikat hat, darf seine Sachen nicht als Bio verkaufen. Egal wie superbio er sie produziert.

Solange das so läuft, sind Siegel immer ein Werkzeug für die die Großerzeuger-, Verarbeiter- und Vermarkter, die lästigen Kleinen los zu werden.
Dagegen hilft nur Mittel:
Die Siegel müssen freiwillig werden, zumindest für alle kleinen Erzeuger.
D.h. der Bauer und der Metzger müssen ihre Ware weiter als regional verkaufen dürfen, auch wenn kein Siegel drauf pappt.
Und genauso sollte es im Biosegment sein.
Dann kann jeder Verbraucher frei entscheiden:
Will ich geprüfte "Sicherheit" durch ein teures Siegel, oder glaube ich meinem regionalen Erzeuger, den ich persönlich kenne und dessen Betrieb ich ansehen kann.
Siegel für den Massenmarkt, Freiheit für die kleinen Erzeuger und Verarbeiter. So muss es werden, wenn wir bäuerliche und handwerkliche Strukturen erhalten wollen.
Und wer als Kleinbetrieb trotzdem seine Chance im Siegel sieht, dem stünde es ja jederzeit frei, sich für selbiges zertifizieren zu lassen.
Es spricht im Prinzip nichts gegen zertifizierte Standards. Das Problem ist der Zwang, bei diesem System mitmachen zu müssen.

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Re: Regionale Lebensmittel

#10

Beitrag von Wayan » Mi 3. Apr 2013, 11:43

Diesen Industriefutter-Siegelkram kann man getrost ignorieren.
Ich kaufe am liebsten bei unseren Erzeugern ganz ohne Siegel!
---> das wird das neueste Siegel "ganz ohne Siegel" :lol:
Alle sagten: Das geht nicht. Da kam einer, der wußte das nicht und hat´s einfach gemacht.

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