(Kleine) Kinder

Was halt nirgendwo passt
Dyrsian
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Re: (Kleine) Kinder

#51

Beitrag von Dyrsian » Sa 19. Sep 2020, 13:57

Claudia hat geschrieben:
Fr 18. Sep 2020, 16:41
Und was die digitale Unterstützung der Lehrerschaft für die Wissensvermittlung während des Lockdowns betrifft, gebe ich Dir Recht, da ist Deutschland Entwicklungsland. Es mangelt an der Ausstattung der Schulen und an der IT-Ausbildung/Kompetenz der Lehrer. Ich gehe aber davon aus, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird. Aber trotzdem bin ich nicht der Meinung, dass es in Richtung generellem Home Schooling gehen sollte.
Gruß Claudia
Naja, sich die Aufgaben per Post zusenden zu lassen, mal anzurufen, sich nette Unterichtsmaterialien auszudenken, all dafür braucht es keine IT-Kompetenz. Zentrales Problem am Schulsystem hier in Deutschland ist meiner Meinung nach, dass Faulheit des Lehrkörpers gefördert wird, Leistung aber bestraft. Also z.B.: Wenn ich "Problemschüler" fördere, habe ich Arbeit mit denen und diese oft lauten und nervigen Kinder bleiben nicht sitzen, gehen nicht von der Schule. Ich muss Unterichtsmaterialien für sie vorbereiten usw. Leiste ich nur das absolute Minimum, pauke den Stoff mit den Büchern und aus dem Internet runtergeladenem Zeugs stumpf durch, bleiben nervigen Kinder vielleicht hängen oder gehen gar von der Schule. Ich hab um 13:00 Uhr Feierabend, genieße meine 3 Monate Urlaub im Jahr und sitze in der Sonne.
Mir ist unbegreiflich warum es:
a) Keine 40 Stunden "Aufenthaltspflicht" in der Schule für Lehrer gibt, wie in allen anderen Jobs auch. Es wird für 40 Stunden bezahlt, als wird 40 Stunden gearbeitet. Dort könnte dann hervorragend Unterricht vorbereitet werden, bei Hausaufgaben geholfen werden usw.
b) Lehrer nicht nur 30 Tage Urlaub im Jahr haben, wie alle anderen auch. In den Ferien könnte von denen, die Dienst haben dann ein Ferienprogramm ausgearbeitet werden, freiwillige Förderprogramme für schwächere Schüler usw.
c) Keine externen Audits für Schulen / Lehrer gibt. Wer gut abschneidet, wird belohnt, wer schlecht abschneidet wird Sanktioniert. Wo gibt es das noch, arbeiten ohne Qualitätskontrolle und Leistungsziel?

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Manfred
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Re: (Kleine) Kinder

#52

Beitrag von Manfred » Sa 19. Sep 2020, 17:19

Wir sollten unterscheiden zwischen den Zwängen, die sich aus unserer heutigen gesellschaftlichen und individuellen Organisation ergeben, die ja (wie auch die Einführung der Schulen im heutigen Sinn) eine vergleichsweise junge Entwicklung darstellen, und den Bedürfnissen, die wir Menschen im Laufe unserer langen Evolution entwickelt haben.
Es gibt ja nicht wenige Wissenschaftler (die Bücher von Manfred Spitzer werden einige hier kennen), die unser Schulsystem in der Gesamtschau für sehr kontraproduktiv halten.
Evtl. gelingt es uns ja langfristig, unsere Gesellschaft wieder so umzugestalten, dass sie den Bedürfnissen der kindlichen Entwicklung wieder besser entgegen kommt.
Auch möglich, dass uns diese durch die aus der Erziehung der letzten Jahrzehnte resultierenden Fehlentwicklungen ganz automatisch aufgezwungen wird, durch einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruch.

Claudia
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Re: (Kleine) Kinder

#53

Beitrag von Claudia » Sa 19. Sep 2020, 20:26

@ Dyrsian
Ich hab um 13:00 Uhr Feierabend, genieße meine 3 Monate Urlaub im Jahr und sitze in der Sonne.
Da muss ich wohl während meines aktiven Arbeitslebens etwas falsch gemacht haben. Die Aufsätze und Klassenarbeiten haben sich bei mir leider gar nie von alleine korrigiert. Auch meine Unterrichtsvorbereitung war nicht mit einem Fingerschnipp erledig, genau so wenig wie die Förderpläne der einzelnen Schüler, die mindestens alle 3 Monate neu erstellt werden und deren Erfolg oder auch Misserfolg dokumentiert werden musste. Lehrer / Schüler / Elterngespräche waren leider vormittags auch nie möglich und mussten am Nachmittag oder oft sogar am Abend stattfinden.

Übrigens verbeamtete Lehrer haben einen Urlaubsanspruch von 30 Tagen pro Jahr. Der Rest ist unterrichtsfreie Zeit, was nicht heißt, dass der Lehrer in dieser Zeit nicht arbeitet. Was allerdings wirklich super bei dem Beruf ist: Ich konnte mich tatsächlich manchmal nachmittags in die Sonne setzen (wenn mal gerade keine besonderen Projekte, Korrekturen oder Teamsitzungen anstanden) … dafür saß ich dann aber regelmäßig abends oft bis 23 Uhr am Schreibtisch oder auch am Sonntagvormittag - nur, das hat keiner gesehen.

Im Übrigen kann ich Dir versichern, der Lehrkörper ist nicht faul, allenfalls einzelne Lehrer. Und da verhält es sich so, wie in allen anderen Berufsgruppen auch: Es gibt Fähige und Unfähige, Engagierte und weniger Engagierte, Fleißige und Faule, Kompetente und totale Nieten. Dass Faulheit eines Lehrers gefördert wurde, konnte ich ehrlich gesagt nie feststellen; was aber wirklich stimmt, es hatte in den seltensten Fällen für die betreffende Person Konsequenzen. Aber das gibt es oft auch in anderen Berufsgruppen, ist also kein isoliertes „Lehrerproblem“.

Und Dein Vorschlag mit der 40-stündigen Anwesenheitspflicht find ich ja extrem merkwürdig, ich sehe keinen Sinn darin, eine bestimmte Stundenzahl in der Schule abzusitzen, was soll das bringen? Glaube mir, die meisten Lehrer arbeiten während der Schulzeit locker ihre 40 Wochenstunden, nur sind die nicht so gleichmäßig verteilt, wie bei einem Bürojob.
Keine externen Audits für Schulen / Lehrer gibt. Wer gut abschneidet, wird belohnt, wer schlecht abschneidet wird Sanktioniert.
Kannst Du mir bitte erklären, woran möchtest Du es festmachen, ob ein Lehrer gut oder schlecht abschneidet????? Leider wird das vorwiegend subjektiv beurteilt, was bei dem einen Schüler zu Erfolg/Fortschritt führt, kann für den anderen Schüler genau das Falsche sein, das gilt ganz besonders, wenn man die psychologische Seite betrachtet. Meistens ist ein Lehrer „gut“, wenn man ihn sympathisch findet oder wenn er zufällig gerade das Lieblingsfach des Schülers unterrichtet. Das aber kann es ja auch nicht sein .
Wo gibt es das noch, arbeiten ohne Qualitätskontrolle und Leistungsziel?
In was für einem Bundesland lebst denn Du?


So, nun habe ich mich zu diesem Thema genug geäußert.
Ich bin froh, dass ich meinen Ruhestand genießen kann, besonders gerade jetzt in der Coronazeit. Heute früh habe ich erfahren, dass der Kurs, den ich vertretungsweise im Januar für einige Monate übernommen hatte, ab nächsten Montag schon wieder ausgesetzt werden muss. Vergangenen Montag war der erste Unterrichtstag nach dem Lockdown und den Ferien, am Dienstag meldete sich eine Teilnehmerin, sie hätte Kontakt zu einer Covid 19 positiv getesteten Person gehabt und würde jetzt erstmal zu Hause bleiben. Seit gestern ist klar, auch sie ist infiziert. Nun müssen erstmal alle anderen Kursteilnehmer (und vermutlich auch deren Familienmitglieder) getestet werden. Ich befürchte, von Normalität sind wir noch meilenweit entfernt.

Gruß Claudia

I

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