Ich muss mal meckern...

Was halt nirgendwo passt
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krabbe
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Ich muss mal meckern...

Beitrag von krabbe » So 29. Aug 2010, 22:46

Ich bin sauer. Stinksauer. :motz: Ich muss mal Dampf ablassen.
Der eine Teil der Zwiebeln ist nicht gekommen und der andere Teil von den Wühlmäusen aufgefuttert. Bei den Kartoffeln haben sie auch zugelangt. Da ich bei denen einen entscheidenden Fehler beim setzen gemacht habe gab es sowiso nur wenige. Und bei den Frühkartoffeln hatte ich die Knollenfäule oder sowas.
Meine vierbeinigen Mittesser entdecken geraden den Wohlgeschmack der endlich erntereifen Karotten, die am Anfang vom Jahr einfach nicht keimen wollten. Hatten wohl zu kalte Füsse. Was die kalten Füsse angeht ging es den selbstgesähten Sellerie scheinbar auch nicht besser. Also hab ich Pflänzchen gekauft, die den Wühlmäusen scheinbar auch gut schmecken. Die Erdbeeren werden wahlweise von der Feuchtigkeit, den Wespen oder den Schnecken maltraitiert. Bohnen und Erbsen sind so gut wie nicht gekommen. Alle meine Tomaten sind der Braunfäule zum Opfer gefallen. Keine einzige rote gehabt.
So dass wars! Sorry fürs Zumüllen, musste mal raus.
lg Andrea

BernhardHeuvel
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Re: Ich muss mal meckern...

Beitrag von BernhardHeuvel » Mo 30. Aug 2010, 10:19

Siehst Du, mit diesen und ähnlichen Problemen haben viele Gärtner zu "kämpfen". Diesen Punkt hatte ich in der Vergangenheit auch erreicht. Ich habe mich aber nicht zufrieden gegeben mit dem Spruch "Das ist einfach so."

Ich habe gesehen, daß auf den wilden Flächen es wild wuchert und daß die Wildpflanzen nicht diese Probleme hatten, wie meine Gemüsepflanzen. An dieser Stelle wird dann oft gesagt, daß die Probleme durch die angebliche "Attraktivität" der Gemüsepflanzen entstehen würden. Auch damit habe ich mich nicht zufrieden gegeben, denn was Geschmack, Inhaltsstoffe und Nahrhaftigkeit betrifft, stehen die Kulturpflanzen vielen Wildgemüsen weit hinterher.

Ich habe daher angefangen die Natur zu beobachten, indem ich meinen Garten komplett verwildern ließ, um dahinter zu kommen, wie die Natur es macht. Beziehungsweise um herauszufinden, was sie eigentlich machen will, wenn Du sie läßt. Ganz so, wie Masanobu Fukuoka es geraten hat. :opa:

Das war sehr interessant und lehrreich.

Jetzt besteht meine Arbeit darin, die Bestrebungen der Natur zu nutzen, um meine Gemüse wuchern zu lassen. Das ist nicht so schwer, wie ich anfangs dachte.

Jedenfalls wünsche ich Dir die gleiche Erkenntnis, daß die Natur kein ewiger Kampf ist, sondern der K(r)ampf erst dadurch entsteht, daß Du gegen die Natur arbeitest anstatt mit ihr.

Es gibt ein paar einfache Grundregeln der Natur und des Lebens. Die wichtigste ist:

Das Leben will eine möglichst große Vielfalt an Lebensformen aufbauen. Alle Bestrebungen des Lebens gehen dahin. Warum? Damit kein Müll entsteht! Alles, aber auch alles soll genutzt und wiederverwertet werden. Damit alle Nischen besetzt werden, muss es große und kleine Lebensformen in den unterschiedlichsten Formen geben. Dadurch, daß es viele Lebensformen gibt, kann erst ein Kreislauf entstehen und in Gang gehalten werden. Dazu ist es aber auch notwendig, verschiedene Nischen zu haben, die aneinander grenzen! Trocken zu naß, warm zu kalt. Stein zu Sand. Windig zu windstill. Sonne zu Schatten. Das Leben strebt eine Biozönose an. Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Bioz%C3%B6nose

Was aber passiert im Garten der Moderne?

Es wird geebnet. Schön gerade und gleichmäßig wird der Boden geharkt. Kein Licht und Schatten durch sanfte Hügel, Mulden. Nur noch trocken. Auch die Pflanzengemeinschaft ist keine Gemeinschaft mehr, sondern von einer Art sind es ganz viele.

Die meisten Gärtner arbeiten also gegen die Biozönose. Sie kippen das Gleichgewicht, das alles regelt und ausgleicht in der Natur.

Dadurch entbrennt ein Kampf, der so unnötig ist, wie alle Kriege dieser Welt.

Eine weitere Erkenntnis ist wichtig: Im Boden leben mehr Lebewesen als über dem Boden. Und diese Lebenwesen wollen gefüttert werden. Sie wollen gefüttert werden mit dem Nektar, den die Pflanzenwurzeln verströmen. Und wenn die Pflanzen nur von einer Art, in Reih' und Glied stehen, dann hungern sie. Um sie zu füttern, wird eine möglichst vielfältiger und geschlossener Pflanzenbewuchs benötigt, sowie ab und zu etwas leichte Kost in Form von frischem organischen Material.

Ich wünsche Dir, daß Du die Biozönose bemerkst und für Dich entdeckst. Und mit ihr arbeitest. Es ist nicht schwer.

Viele Grüße
Bernhard

zaches
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Re: Ich muss mal meckern...

Beitrag von zaches » Mo 30. Aug 2010, 14:21

ja, Krabbe, in solchen Phasen gehe ich dann seufzend an den Gärten meiner Nachbarinnen vorbei und staune wie scheinbar ertragreich diese von Spritzmitteln, Dünger und Schneckenkorn stotzenden stücke Land sind.....

Du wirst den richtigen Weg schon finden!

lg, zaches
"Erdachtes mag zu denken geben, doch nur Erlebtes wird beleben." Paul von Heyse

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BernhardHeuvel
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Re: Ich muss mal meckern...

Beitrag von BernhardHeuvel » Mo 30. Aug 2010, 17:39

Naja, ertragreich...

Wenn Du den in solche Gärten gesteckten Aufwand siehst, dann handelt es sich selten um einen echten Gewinn. In der industriellen Landwirtschaft werden für einen Joule "Gewinn" neun Joule reingesteckt - diese Angabe habe ich beim Lesen über Emergyberechnungen (embodied energy = emergy) im Kopf behalten und wende Sie über den groben Daumen gerechnet auf konventionell betriebene Gärten genauso an. Der Aufwand ist daher viel zu groß, auch wenn die Ergebnisse schön aussehen.

Ein weiterer Aspekt ist, daß in solchen "prachtvollen" Gärten Masse statt Klasse produziert wird. Um den Gehalt an für den Menschen essentiellen Substanzen eines Liters Heuwiesenblumenmilch mit konventionell hergestellter Milch (Silage, Soja) zu erreichen, müsstest Du das Vielfache an Litern trinken. Ganz ähnlich wird es beim Gemüse sein. Du knabberst zwar an deiner Möhre und kaust auf dem Salat, nur er enthält nicht wirklich viel von dem, was Du als Nahrung für deinen Körper benötigst. Um die notwendige Klasse zu erreichen, mußt Du dann sehr viel von der Masse essen. So viel, daß Du das mengenmäßig nicht schaffen wirst. Die Folge ist schleichende Degeneration. Weswegen auch die diejenigen, die sich stets aus dem eigenen Garten ernährten, manchen Zivilisationskrankheiten zum Opfer fallen. Um zu diesem Punkt mehr Gewissheit zu erlangen, wäre es notwendig, eigene Untersuchungen im Hinblick auf Nährstoffgehalt der produzierten Nahrung anzustellen.

In jedem Fall nicht den Kopf hängen lassen, jedes Mal wenn es nicht klappt, ist ein Schritt in Richtung einer Lösung.

Viele Grüße
Bernhard

ina maka
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Re: Ich muss mal meckern...

Beitrag von ina maka » Mo 30. Aug 2010, 23:07

hallo!

Ich hatte nach einem Rundgang durch unseren verwilderten Garten unten am Nordhang ....
wie sage ich?
"mich damit abgefunden, dass bei mir eben nicht alles wächst"
und will jetzt mehr experimentieren, was da bei uns unten was wird!
statt Kopfsalat eben Rapunzel und Wiesenknopf - statt Spinat Brennessel und rote Melde - statt Erdbeeren nur Himbeeren
und so weiter...

Braunfäule an Tomaten kenne ich nicht, da bin ich froh!
So richtig große Fleischtomaten kann ich aber auch vergessen - ich hab kleine süße Tomaten aus eigenen Samen, und ich bilde mir ein, dass die Pflanzen, die ich aus eigenen Samen ziehe, besser wachsen bei mir!

Und mit dem Buchweizen werd ich mich jetzt auch anfreunden - er schmeckt mir ja, aber die Verarbeitung...
da muss ich noch was lernen!
Buchweizen hat sich bei mir nämlich ganz schön ausgebreitet - aus den ursprünglich "nur ein paar" Samen aus dem Tauschpacket ist so viel geworden, dass ich mir schon einen Brei hab kochen können!

Karotten, Broccoli, Salat- oder Kohlköpfe, Knollensellerie, Erdbeeren, Birnen :
bei mir alles zu vergessen gewesen (falls das tröstet) :nudel:

liebe Grüße!
Wir leben in einem Gefängnis mit offenen Türen und Fenstern und die Frage ist, wer sind die ersten, die sich raustrauen? Wagenhofer www.youtube.com/watch?v=q2WEVdNQAxE

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Re: Ich muss mal meckern...

Beitrag von Spottdrossel » Di 31. Aug 2010, 14:40

Humus und Gleichgewicht der Natur hin oder her, am Wetter ändert auch die politisch korrekte Gartengestaltung nix.
Und dieses Jahr war halt schlicht und einfach ungünstig.
Ich hatte mich auch schon gefragt, wo Zwiebeln und Knoblauch eigentlich hinverschwunden sind :mrgreen: .
Meine Tomatendepressionen werden durch 3 Sorten gemildert, die eisern durchhalten: Wildtomate "Golden Currant", Minitomate "Weiße Mirabelle" und eine im Pingpong-Ball-Format: Golden Currant.
Die trotzen eisern dem Sauwetter und halten sogar durch, wenn sie auf dem Boden aufliegen.
Jetzt versuche ich noch, von den Fleischtomaten wenigstens mal eine zu ergattern, die das Wort "sonnengereift" verdient, um zu erfahren, ob mir die jeweilige Sorte schmeckt oder nicht.
Wühlmäuse scheinen weniger was mit der Gartengestaltung als mit dem vorhandenen Untergrund zu tun zu haben - ich habe schon massenweise Tulpenzwiebeln verbuddelt und bis jetzt haben sie mich noch nicht gefunden.
Wenn bei Dir viele unterwegs sind, wäre vielleicht ein Hochbeet mit Drahtgitter unten eine Variante?
Hühner sind auch nur Menschen...
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Re: Ich muss mal meckern...

Beitrag von krabbe » Sa 4. Sep 2010, 13:12

Hallo,

nach ein paar stressigen Tagen bin ich wieder da.
Manchmal tut es einfach nur gut ein bischen Dampf abzulassen. Hab mich mitlerweile auch wieder abgeregt...
Meine Mittagspause ist jetzt leider rum, so melde ich mich später noch mal. Hab mir so einige Gedanken gemacht, auch Dank eurer Komentare.

lg Andrea
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Re: Ich muss mal meckern...

Beitrag von Manfred » Sa 4. Sep 2010, 17:03

Hallo Andrea,

ich komm gerade von einer Tour durch halb Thüringen zurück.
So viele kaputte Getreidefelder habe ich in meinem ganzen Leben zusammen noch nicht gesehen.
Einen Schlag mit ca. 50 ha haben sie gerade eingepflügt. Das Getreide lag und war komplett schwarz.
Auf anderen Feldern standen die Mähdrescher bereit und warteten darauf, dass die Feuchtewerte so weit sinken, dass sie loslegen können, um das ausgewachsene Getreide wenigstens noch als Viefutter vom Feld zu holen. Selbst in den Höhenlagen fängt das Getreide an auszuwachsen und ein Teil vom Raps steht noch.
Ein definitiver Nachteil der Großbetriebe. Die Schlagkraft ist für solche Wetterkapriolen zu klein.
Als ich rüber in die Bayerische Röhn gekommen bin, war alles abgeerntet und die Rapsbestellung lief.
Bei uns in der Ecke stehen auch noch einige Schläge. ABer nur dort, wo der Boden so nass ist, dass kein Mähdrescher reinfahren kann.
Trotzdem ist für viele die Ernte fast wertlos, weil die Lagerhäuser für Getreidepartien mit Auswuchs nur wenig bezahlen.
Meinem Vater wurden sogar Felder kostenlos zum Abernten angeboten, als Futtergetreide. Er hat es bleiben lassen. Wir haben selbst genug feuchtes Futtergetreide liegen.

Es geht also nicht nur dir so, dieses Jahr. Auch die Profis haben schwer zu kämpfen.

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Re: Ich muss mal meckern...

Beitrag von ina maka » Sa 4. Sep 2010, 22:26

hallo!

:eek:
Manfred, das klingt furchtbar!!
Bei uns haben die Bauern heuer fast alle Raps angesäht, und konnten schon was ernten (wieviel und von welcher Qualität weiß ich nicht!).
Manfred hat geschrieben:Ein definitiver Nachteil der Großbetriebe. Die Schlagkraft ist für solche Wetterkapriolen zu klein.
Ich hoffe, die Frage ist jetzt nicht allzu dumm: was bedeutet das?
Dass Großbetriebe nicht so schnell aufs Wetter reagieren können?
Aber wie hätte man in so einer Situation den Ernteausfall verhindern können?

Bei solchen Berichten muss ich irgendwie an frühere Hungersnöte denken - so was kann in einer "nicht globalisierten Welt" schnell in einer Katastrophe enden!
Wobei: woher kriegen wir jetzt den Weizen für all die leckeren Brötchen, die wir hier (nehm ich an) trotzdem noch immer zu "eigenlich viel zu niedrigen" Preisen werden kaufen können???
Das hat was für sich, dass wir mal drauf schaun sollten, dass sich Europa selber versorgen kann!
Deshalb sind solche Rückschläge ja - für mich und vor allem gefühlsmäßig - so traurig....

hmmmmm.......

nächstes Jahr auf ein Neues!! :knudddel:

liebe Grüße!
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Manfred
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Re: Ich muss mal meckern...

Beitrag von Manfred » So 5. Sep 2010, 09:56

@ina maka:
Die Großbetriebe haben halt so viel Mähdrescherkapazität, wie normalerweise reicht. Mehr kostet unnötig Geld.
Klappt es dann nicht mit einer normalen Ernte, können sie in der kurzen nutzbaren Zeit nicht mehr ernten als normal und der Rest bleibt stehen.
Habe ich viele kleine Betriebe, dann habe ich viele Mähdrescher von denen die meisten in einem normalen Jahr nicht voll ausgelastet sind. Gibt es aber schlechtes Wetter und zwischendrin passt es mal, dann rollen alle Räder und rennen alle Mann, und man kann noch vieles retten.
Kostenmäßig ist der Großbtrieb natürlich besser. Wahrscheinlich rechnet es sich auch noch besser, mal eine halbe Ernte zuverlieren als zusätzliche Mähdrescher jahrelang unnütz rumstehen zu haben.
Gestern sind mir aber gleich mehrere Mähdrescher begegnet, die aus Bayern Richtung Thüringen unterwegs wahren. Es werden wohl alle greifbaren Lohnunternehmer aus weitem Umkreis zusammengeholt, um doch noch mögl. viel vom Acker zu bekommen.
Bei den großen Lohnern ist es ganz normal, dass sie große Strecken fahren. Erst wird in warmen Gegenden gedroschen und dann immer weiter den Berg hoch. Bei solchem Wetter sind sie halt lange in der wärmsten Ecke gebunden. Das kommt dann auch noch dazu. Am Ende fehlen Zeit und Kapazität in den Höhenlagen.

Hier braucht keiner hungern. Der Getreidepreis macht ja nur einen sehr kleinen Anteil am Brotpreis aus.
Aber in den Hungerländern wird es dieses Jahr übel, wenn das Getreide doppelt so viel kostet wie in einem normalen Jahr.

Früher wäre das hier wohl ein Hungerwinter geworden, zumal auch die Kartoffelerträge schlecht sind. In den Zeiten globaler Märkte erwischt es nicht mehr die, die nichts ernten können, sondern die, die nicht bezahlen können.

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