Armut und Hunger

Was halt nirgendwo passt
Nordwest

Armut und Hunger

#1

Beitrag von Nordwest » Fr 31. Mär 2017, 21:51

Auf der Heimfahrt mit der Regionalbahn von Mainz nach Wiesbaden ging ein Herr durch den Zug, durchsuchte die kleinen Abfallbehälter nach essbaren Dingen.

Unangesprochen wurde der Mann sehr laut, beschimpfte die Fahrgäste, alle hätten doch mehr als genug, alle hätten ja Arbeit, und würden ja noch essbare Reste wegwerfen.

Habe dem Mann dann eine Tafel Schokolade gegeben, Bargeld gebe ich nicht.
Ist es nicht erbärmlich, so leben zu müssen, oder vielleicht zu wollen. Ich maße mir darüber kein Urteil an, interessant waren die Reaktionen der Fahrgäste, alle nahmen Abstand, sprachlos.

Die Leute hatten Angst vor diesem armen Mann, der sie beschimpfte, der ihre Reste in einer Plastiktüte sammelte, das hat mich doch beeindruckt.

Armut, Hunger, Obdachlosigkeit, wie kurz ist der Weg aus dem Leben in die Hölle..?

Micha

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Re: Armut und Hunger

#2

Beitrag von Oelkanne » Fr 31. Mär 2017, 22:58

Nuja,
jemand der einfach so anfängt rum zu brüllen und andere Leute zu beschimpfen wäre mir auch suspekt...

Ab jemand nun Abfall, Dosen, Flaschen oder Uhren sammelt ist mir wumpe

Nordwest

Re: Armut und Hunger

#3

Beitrag von Nordwest » Fr 31. Mär 2017, 23:53

Wenn dir so etwas "wumpe" ist, dann hast du gar nichts verstanden. :)

Das ist dann aber ganz alleine deine Sache.


Micha

strega
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Re: Armut und Hunger

#4

Beitrag von strega » Sa 1. Apr 2017, 00:11

auch Personen ohne festen Wohnsitz, sollte dieser Herr keinen haben, steht in Deutschland ein Tagessatz zu an Unterstützung, von dem sich Lebensmittel kaufen lassen. Wenn er illegal in Deutschland ist, dann funktioniert das aber halt nicht, logo.
Ich meine, dass niemand in Deutschland gezwungenermassen hungern muss, es sei denn er/sie ist illegal im Land. Freilich geben manche auch die verfügbare Kohle für anderes aus, dann reichts unter Umständen nicht mehr zum Essen.

Aber das ist irgendwo eine persönliche Entscheidung. Wie frei diese Entscheidung letztendlich ist, das weiss nur die betreffende Person, vielleicht auch nur irgendwo tief drinnen, nicht so ganz an der Oberfläche...
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Re: Armut und Hunger

#5

Beitrag von kleine hexe » Sa 1. Apr 2017, 03:37

liebe strega,das Problem ist das viele dieser Menschen ihre Rechte und ihr Möglichkeiten nicht kennen, oder sich nicht trauen allein zu Behörden zu gehen .Wenn man dann niemand kennt der einem hilft geht es schnell Berg ab .

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Re: Armut und Hunger

#6

Beitrag von strega » Sa 1. Apr 2017, 07:56

ja, das ist so.
Manche Leute denken auch, wenn sie obdachlos werden, dass sie jetzt keine Rechte mehr auf Unterstützung haben, was ja absolut nicht stimmt... und viele Nicht-obdachlose wissen es auch nicht.

Darüberhinaus gibts in vielen Städten gratis oder fast gratis Essenseinrichtungen, Beratung und erste Hilfe für Bedürftige. Nur hingehen muss man/frau halt. Und Bescheid wissen.

Die rumänischen und albanischen BettlerInnen in den Fussgängerzonen, die so herzzerreissend demütig kniend um Gaben bitten, sind aber organisierte Gruppen, die sind zwar auch mittellos, aber ihre Bosse sind es nicht... aber das ist etwas OT hier, aber nur etwas.
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Re: Armut und Hunger

#7

Beitrag von kleine hexe » Sa 1. Apr 2017, 10:21

ja da hast du recht diese Bettlerbanden sind eine ganz schlimme Sache, die Menschen die dort betteln sind wie Sklaven, alles was sie an Geld bekommen wird ihnen weggenommen .Sie hausen in Barakken und bekommen gerade genug zu essen das sie nicht umfallen .Ihnen geb ich eigenlich kein Geld wenn dann eher was zu essen und das nehmen sie immer dankbar an .Mein Hoffnung ist das sie das wenigstens nicht weggenommen bekommen .Leider werden das bei uns auch immer mehr .

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Re: Armut und Hunger

#8

Beitrag von si001 » Sa 1. Apr 2017, 11:42

Man muss mall drauf achten: Wenn so ein "organisierter" Bettler irgendwo sitzt, ein Aufpasser ist da immer in der Nähe. Ich habe mal einem solcher Bettler im Winter einen Pappbecher mit heißem Kaffee gegeben. Beim Wegfahren vom Parkplatz habe ich im Auenwinkel noch gesehen, wie ihm dieser Pappbecher aus der Hand geschlagen wurde.

Aber zum eigentlichen Thema: Dass Menschen nicht über ihre Rechte informiert werden, hat meiner Meinung nach System. Man muss wissen, wonach man fragen muss. Freiwillige bekommt man selten Informationen. (Meine Erfahrungen aus dem Arbeitsamt.)
Liebe Grüße, si001!
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Nordwest

Re: Armut und Hunger

#9

Beitrag von Nordwest » Sa 1. Apr 2017, 14:13

Das mit der Arbeitsagentur kann ich unbedingt unterschreiben, das ist vermutlich gemachte Politik, daß man sich alle wichtigen Informationen selbst zB im Net beschaffen muß... :motz:

Jeder Besuch bei der sog. Fallmanagerin war immer pure Frustration, ich hatte dort immer das ungute Gefühl, unerwünscht zu sein, abgewimmelt zu werden.

Kein guter Service, ich könnte ein Buch darüber schreiben, was ich als Arbeitsloser auf den div. Ämtern erlebt habe. :dreh:

Micha

Nordwest

Re: Armut und Hunger

#10

Beitrag von Nordwest » Sa 1. Apr 2017, 15:21

Ich gebe bettelnden Menschen manchmal Naturalien, aber niemals Bargeld, mein Prinzip.

Ein Kaffee, ein belegtes Brötchen etc., nichts dolles, ich mache das gerne, aber nicht, um mein vielleicht schlechtes Gewissen zu beruhigen. Im Sommer 2013 drohte mir selbst Obdachlosigkeit, niemand wollte mir eine Wohnung vermieten, der Alkohol hatte mein damaliges Leben völlig ruiniert, ich stand kurz davor, das vergesse ich nicht.

Ich traue mir durchaus zu, einen wirklich hilfsbedürftigen Menschen von einem Profibettler unterscheiden zu können, meine Erfahrungen aus den Jahren in der Suchthilfe waren eine sehr gute Lehre.
Sehr viele unserer damaligen sog. Neuaufnahmen kamen direkt aus der Obdachlosigkeit zu uns, es hat mich sehr oft tief berührt, wie abgerissen und seelisch und körperlich verkümmert diese leidenden Menschen waren, das war schlimm.

Wenn man solchen Menschen dann morgens ein ordentliches Frühstück servierte, dann weinten viele, einige lachten, sie merkten, am richtigen Platz angekommen zu sein, für beide Seiten ein gutes Gefühl. :daumen:

Micha

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