Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2091

Beitrag von Rohana » So 14. Apr 2019, 20:47

sybille hat geschrieben: Aber! Ihr, die ihr Landwirtschaft studiert habt, habt ihr jemals etwas hinterfragt?
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie anscheinend vorausgesetzt wird dass die, die Landwirtschaft studiert oder gelernt haben, nicht(s) hinterfragen. Wie kommt es zu diesem Gedankengang? Würdest du das auch andere Menschen vom Fach fragen, Logopäden oder Automechaniker... ?
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2092

Beitrag von ina maka » So 14. Apr 2019, 22:37

Rohana hat geschrieben:Würdest du das auch andere Menschen vom Fach fragen, Logopäden oder Automechaniker... ?
Ich schon - vor allem bei den Ärzten, die mir Impfungen empfehlen :duckundweg:
Oelkanne hat geschrieben:Ist doch alles unnütz wenn jeder Landwirtschaft kann...
Vielleicht ist was dran, daran, dass jeder "Landwirtschaft kann". Vor nicht allzu langem konnte nur sattwerden, wer "Landwirtschaft konnte" und in meiner Kindheit gab es gar keine landwirtschaftliche Ausbildung - die konnten das trotzdem alle. :im:

und das sage ich jetzt nicht, weil ich die Landwirtschaft minder schätze, das sage ich, weil eigentlich jeder Mensch alles können sollte - zumindest selber beurteilen und auswählen, was (für ihn) gut ist.

Überall und immer :pft:
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2093

Beitrag von ina maka » So 14. Apr 2019, 22:49

@Brunnenwasser: sorry, ich hab mich triggern lassen. :bet:

Aber Ölkanne hätte seinen Beitrag in den neuen Faden schreiben sollen, dann hätte ich auch dort geantwortet.

Ich finde, das waren echt keine Meldungen aus der Landwirtschaft
Oelkanne hat geschrieben:Die Politiker können ja sagen was sie wollen, es würde keiner hören wenn es nicht die Medien gäbe die das gesagte ungeprüft weiterverbreiten.
Leider rechnen sich ein Großteil der Journalisten den Grünen zu, ....

Egal wo man liest, ob in der Zeitung, im Fernsehen, im Internet oder es im Radio hört:
heutzutage kann jeder Landwirtschaft.
Und vor allem eines können alle:
besser als die "dummen Bauern".
[.....]
In diesem Land leben anscheinend 79,4 Millionen Landwirtschaftsexperten und 0,6 Millionen "dumme" die Landwirtschaft praktizieren.
Joe Kreissl I hob Freiheit

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2094

Beitrag von emil17 » Mo 15. Apr 2019, 07:43

Hier werden zwei Dinge verwechselt.
Oelkanne meint das rein operative Geschäft. Wie man ein Feld mit einem Schlepper pflügt und wie man effizient eine Substanz mit 2.4 kg/ha ausbringt, das können Berufslandwirte zweifellos besser als Laien.
Die anderen kritisieren zu Recht die Rahmenbedingungen und was überhaupt gemacht wird, und da hat die Öffentlichkeit sehr wohl mitzureden. Wie mehrfach gesagt, Landwirtschaft bewirtschaftet die Hälfte der Fläche Deutschlands.
Wenn landwirtschaftliche Aktivitäten beispielsweise regelmässig zu Problemen im Gewässerschutz führen, dann darf die Öffentlichkeit sehr wohl dreinreden, was die Landwirte machen. Dann ist es auch nicht zielführend, vorzurechnen, dass nicht sein kann, was offenbar ist, und folglich die Landwirte alles richtig machen.
Verkehr, Siedlungspolitik, Verpackungsmüll und vieles andere mehr sind auch solche Baustellen. Hier geht es aber um die professionelle Landwirtschaft.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2095

Beitrag von Rohana » Mo 15. Apr 2019, 07:59

Über das, was du "mitreden" nennst, kann man immernoch trefflich streiten, ich fürchte was Ölkanne meint ist dass über die Landwirtschaft hemmungslos und unter Applaus tendenziös, diffamierend bis schlichtweg falsch berichtet wird und niemanden störts anscheinend. Wie will die Öffentlichkeit produktiv bei irgendwas mitreden, wovon sie weder Ahnung hat (da kann keiner was für) noch korrekte Fakten serviert bekommt? Muss ja nichtmal unbedingt Landwirtschaft sein.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2096

Beitrag von emil17 » Mo 15. Apr 2019, 09:48

Da hast du wohl recht.
Einserseits gibt es ideologische Standpunkte, die mit hekömmlicher Landwirtschaft schlichtwegs unvereinbar und deshalb auch nicht der Vernunft zugänglich sind. Mit Sektenmitgliedern kann man ja auch nicht über ihre Religion diskutieren.
Aber:
Gegenüber der Mehrzahl der Leute, die sich berechtigte Sorgen machen, hat die kommerzielle Landwirtschaft einen beachtlichen Anteil an Verantwortung, denn berechtigte Anliegen werden pauschal abgeschmettert, "ihr habt keine Ahnung und das Problem existiert überhaupt nur wegen tendenziöser Berichterstattung und ihr wollt Zusatzleistungen zum Nulltarif".
Es ist eben nicht so, dass jeder, der dazu seine Meinung äussert und nicht vom Beruf ist, keine Ahnung hat und tendenziös ist, wenn seine Meinung unbequem ist.

Es wäre weise, wenn ein Berufsstand, der nur dank Subventionen noch überlebt hat, etwas sorgsam mit der öffentlichen Meinung umgeht. Dazu gehört, dass man die Anliegen der Diskussionsgegner ernst nimmt, wenn sie nicht vollkommen absurd sind. Die Umweltprobleme in der Landwirtschaft existieren aber, und man muss nicht vom Fach sein, um sie zu bemerken - ich erwähne wieder mal die mit Glyphosat abgespritzten Felder im Frühjahr und die Tatsache, dass man in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft Probleme mit der Trinkwasserversorgung hat.

Der Anspruch, dass die Nahrungsmittelproduktion umweltverträglich zu sein hat, ist genauso berechtigt wir der, dass der Bauer davon leben können soll.
Nach dem Verursacherprinzip ist zuerst immer der in der Pflicht, der die problematischen Substanzen (egal ob Gülle oder Pestizid) ausbringt, und erst in zweiter Linie der Hersteller und erst nachher der Konsument.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2097

Beitrag von sybille » Mo 15. Apr 2019, 19:06

Rohana hat geschrieben:
sybille hat geschrieben: Aber! Ihr, die ihr Landwirtschaft studiert habt, habt ihr jemals etwas hinterfragt?
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie anscheinend vorausgesetzt wird dass die, die Landwirtschaft studiert oder gelernt haben, nicht(s) hinterfragen. Wie kommt es zu diesem Gedankengang? Würdest du das auch andere Menschen vom Fach fragen, Logopäden oder Automechaniker... ?
Ja, ich mache z.B. noch lange nicht alles was mir die die Ärzte ... sagen und bin damit bisher gut gefahren. Ich hinterfrage Vieles, denke und bilde mir dann eine eigene Meinung.
Gerade heute kam das Thema Insekten und Bienen im Radio. Es ging zwar um Kleingärten bzw. private Steingärten aber es lies mich darüber nachdenken das es zu meiner Kindheit noch Rebhühner und Fasanen in den Feldern gab. Die gibt es schon lange nicht mehr. Hasen und Vögel gibt es auch immer weniger genau wie Insekten, Bienen ... Das kann nicht nur daran liegen das die Besitzer der Kleingärten nichts dafür tun. Sicher, wenn diese mehr auf eine funktionierende Natur achten würden würde das etwas bewirken aber der Großteil der Natur wird u.a. von der konventionellen Landwirtschaft zerstört. Natürlich spielt auch die Industrie, die Abholzung für Windkrafträder ... eine große Rolle.
Hühner sind Menschen wie Du und ich, nur das sie zur Hausordnung Hackordnung sagen.

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2098

Beitrag von Rohana » Mo 15. Apr 2019, 19:21

emil17 hat geschrieben: Es ist eben nicht so, dass jeder, der dazu seine Meinung äussert und nicht vom Beruf ist, keine Ahnung hat und tendenziös ist, wenn seine Meinung unbequem ist. [...] Dazu gehört, dass man die Anliegen der Diskussionsgegner ernst nimmt, wenn sie nicht vollkommen absurd sind.
Sicher, nicht jeder ;) und zwischen "ernstzunehmen" und "nicht vollkommen absurd" liegen noch ein paar Welten... das Problem ist halt auch dass es nicht DEN Bauern gibt, nicht nur EINE Produktionssituation und die Komplexität der ganzen Geschichte es schwierig macht, allgemeingültige Regeln aufzustellen, die für die Praxis taugen.

Das Verursacherprinzip wie von dir angeführt wird aber der Sache nicht gerecht: Warum wird nur eine Seite, nämlich der Produzent, für die Produktion belangt (und der muss ja in Vorleistung gehen!), wenn die Produktion für die abnehmende Seite essentiell ist? Ist ja klar dass Bauer nicht ohne Konsument kann, genauso wenig wie andersrum. Also sollten BEIDE die Verantwortung tragen, nicht nur einer. Sprich, wenn der Bauer verpflichtet wird Bio zu produzieren, muss der Konsument verpflichtet werden Bio abzunehmen. Wenn das gegeben wäre, hätten wir mindestens die Hälfte der aktuellen Probleme nicht... ein Traum :grinblum:
Es wäre weise, wenn ein Berufsstand, der nur dank Subventionen noch überlebt hat, etwas sorgsam mit der öffentlichen Meinung umgeht.
Meinst du nicht dass es noch Bauern gäbe auch ohne Subventionsprogramme? Die Städter müssen was essen, da führt kein Weg dran vorbei :hmm:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2099

Beitrag von emil17 » Mo 15. Apr 2019, 20:49

Als Konsument habe ich die Wahl zwischen Produkten verschiedener Anbieter und vom Staat her die Gewähr, dass alles ordungsgemäss produziert worden ist.
Wenn ich den Anbieter nicht persönlich kenne, kann ich nicht entscheiden, ob die Ware Nachteile hat, die nicht Eigenschaft von ihr sind, etwa was die Produktionsweise betrifft.
Das kann ich in der Praxis auch nicht, wenn es Dutzende von Labels und zu jedem eine Geschichte und zahllose Kritiken gibt.

Dass der Produzent in Vorleistung gehen muss, ist überall und in allen Gewerben so.
Das ist ein Motiv, nicht am Markt vorbei zu produzieren.

Wenn man das Verursacherprinzip nicht akzeptiert, wird nie etwas zur Verbesserung der Situation geschehen. Auch dies ist für alle Gewerbe so.
Ich möchte in Erinnerung rufen, dass das Problem Grenzwertüberschreitungen und Umweltgefährdungen sind, nicht etwa erlaubte Handlungen im Rahmen der Gesetze.
Wird dies konsequent durchgesetzt, ist es wieder für alle gleich, es kommt zu höheren Preisen, die den Wert des Produktes besser widergeben (weil keine versteckten Kosten auf die Umwelt oder die Zukunft abgewälzt werden können) und zu einer Verlagerung auf weniger umweltbelastende Produktionsweisen oder Waren, was durchaus Zweck der Übung ist.

Ein Beispiel: Hätte man die Kosten für Atommüllendlagerung und Rückbau der AKWs auf die Kilowattstunden geschlagen, wäre diese Energieform nie konkurrenzfähig gewesen. So müssen es nun die bezahlen, die nichts vom billigen Strom haben - der ist verbraucht, die Kosten und Schäden bleiben.

Darum, nicht weil man etwas gegen Bauern hätte, ist es dumm und unfair, an der Umwelt vorbei zu produzieren.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2100

Beitrag von Oelkanne » Mo 15. Apr 2019, 21:08

Wird dies konsequent durchgesetzt, ist es wieder für alle gleich, es kommt zu höheren Preisen, die den Wert des Produktes besser widergeben (weil keine versteckten Kosten auf die Umwelt oder die Zukunft abgewälzt werden können) und zu einer Verlagerung auf weniger umweltbelastende Produktionsweisen oder Waren, was durchaus Zweck der Übung ist.
Es wird aber nicht konsequent umgesetzt!

Oder glaubst du etwa das es in Ägypten, Südamerika, den USA, Russland ja selbst in unsere direkten osteuropäischen Nachbarn die selben Standarts hinsichtlich Schutz der Umwelt, der Arbeitnehmer und der Tiere gelten?

Ein Beispiel:
Die Dänen bereiten sich darauf vor den deutschen Markt mit ihren Ferkeln zu fluten:
in Dänemark sind so Sachen wie betäubungslose Kastration, Zähne schleifen und Schwanz kupieren ohne Einschränkungen erlaubt.
Dazu spart sich der dänische Landwirt die Gruppenhaltung, die Sau darf dauerhaft im Kastenstand gehalten werden.

Die dänischen Ferkel werden in DE gemästet und geschlachtet, das Fleisch dann wieder nach Dänemark exportiert.
Warum mästen die Dänen ihre Ferkel nicht selbst?
Durch eine so stark verschärfte Regulierung bei Dünung und Pflanzenschutz ist es in Dänemark fast unmöglich Schweinemast (auch Rinder und Geflügelhaltung) ertragreichen Ackerbau zu betreiben.
Lediglich die Erzeugung von Ferkeln für den Export spült ausreichend Geld in die Kasse um den Futterbau auf dem Acker querzufinanzieren.

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