Warum unsere Gesellschaft so krank ist

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Manfred
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Warum unsere Gesellschaft so krank ist

#1

Beitrag von Manfred » Do 17. Aug 2017, 13:35

Vortrag des Psychotherapeuten Prof. Hans Joachim Maaz: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

https://www.youtube.com/watch?v=-9uzHR2rYro

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Thomas/V.
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Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

#2

Beitrag von Thomas/V. » Do 17. Aug 2017, 13:52

:daumen:

Wollte ich auch grad verlinken. Auch wenn er nicht bis zu den grundlegendsden Ursachen dieser kranken Gesellschaft/Zivilisation vordringt, ist er ihnen einen Schritt näher gekommen.
Lassen sie mich durch, mein Bruder ist Arzt!

ina maka
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Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

#3

Beitrag von ina maka » Do 17. Aug 2017, 14:15

sehr interessant! mal eine ganz andere Sicht der Dinge :daumen:

Normopathie!! :daumen: :haha:

Ich hörte immer: "nein, Ultraschall (frühes impfen, handys neben dem Kopf) schadet den Babys nicht - schaun Sie nur, dann wären wir ja alle krank."

normal = gesund??
Das mal zu hinterfragen, finde ich sehr heilsam! :) :flag:

edit: ein sehr guter Schutz, damit mit einem Kind nicht das passiert, was Maaz da beschreibt (mit mir ist es trotz allem eben nicht passiert...):
Wer alles ertragen kann, kann alles wagen!
(Vauvenargues)

auch sehr sehr heilsam, wenn einem das wirklich bewußt wird - öhh... wenn man daran glauben kann! :oma: ;)
Manche können nur fremde Meinungen, nicht ihre eigenen berichtigen.
Jean Paul
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Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

#4

Beitrag von Rati » Do 17. Aug 2017, 15:20

Ja, interessant, aber dann wäre ja jede Gesellschaftsform (auch deine favorisierte @T/V) krank, den sie wurden immer von den in ihnen lebenden mehrheitlich als normal angesehen.
Und alle die sich dagegen auflehnten und neue Gesellschaften formten, waren dann auch nur temporär gesund, nämlich nur bis sich ihre Idee der Gesellschaft bei der Mehrheit als normal durchgesetzt hatte.

:aeh: ich mein ja nur.

Grüße Rati
Was ist ist! Was nicht ist ist möglich!"
[Einstürzende Neubauten 1996]

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Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

#5

Beitrag von Thomas/V. » Do 17. Aug 2017, 16:11

Nein, Rati. Bis zum Auftreten staatsähnlicher Hierarchien, Mehrproduktproduktion und später Marktwirtschaft, die die Mehrzahl der Menschen krank gemacht haben (weil sie von kranken Einzelindividuen installiert wurden und dann zum Selbstläufer wurden) waren die vorherigen Gemeinschaften in der Mehrzahl "gesund".
Krank macht das Leben in urbanen Zivilisationen, anonymen Massen- Staaten und auf der aufgezwungenen Jagd nach Steuerzahlungsmitteln (Geld).
Und auf die Spitze getrieben wird das eben in unserer westlichen Industriegesellschaft, wo das Produzieren, Konsumieren, Staatsgläubigkeit und Steuernzahlen zum Fetisch (gemacht)wurde, dem sich alles unter zu ordnen hat.

Welche "neuen" Gesellschaften meinst Du? Bis jetzt gab und gibt es nur 2 Lebensarten: eine gesunde, artgerechte (in kleinen, selbstversorgerischen, autonomen Gemeinschaften) und eine krankhafte (in Staaten durch Abgabenzwang und Machtausübung gekennzeichnete Zivilisationen).
Alles, was zu zweitem gehört, mag sich äußerlich in Details und graduell (je nach dem, wie stark der Staat ist, wie weit er in die Tiefe greifen kann) unterscheiden, im Inneren ist es alles das Gleiche.
Lassen sie mich durch, mein Bruder ist Arzt!

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Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

#6

Beitrag von 65375 » Do 17. Aug 2017, 16:46

Ein Beispiel zum Thema; ich zitiere mich:
"In Afrika gibt es ein Volk, in dem alle Kinder in den ersten drei Lebensjahren immer von Mama rumgeschleppt werden, um dann mit dem dritten Geburtstag abrupt und ohne Übergang in den nächsten Lebensabschnitt ohne diesen bis dahin permanenten Körperkontakt geworfen zu werden. Mit traumatischen Folgen. ABER: dieses Trauma durchsetzt das ganze Volk, wird dort also einfach gar nicht oder als "normal" wahrgenommen. Von außen sind das Trauma und die Folgen leicht zu diagnostizieren, von innen unmöglich."
Welches Volk das ist, habe ich vergessen, glaube mich aber zu erinnern, daß ich es bei Frederic Vester in "Denken, Lernen, Vergessen" (sic) gelesen habe.

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Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

#7

Beitrag von Thomas/V. » Do 17. Aug 2017, 17:03

Schade, das Du nicht mehr weißt, welches Volk das war, da könnte man mal nachforschen...

Aber bleiben wir mal in D.
Wenn man sich überlegt, was schon alleine die beiden Weltkriege, 2 Diktaturen bzw. Besatzungszeiten innerhalb kurzer Zeit an Traumata angerichtet haben, dann braucht man sich doch nicht zu wundern, das gerade D. so eine kranke Gesellschaft geworden ist.
Man darf nicht vergessen, das erlittene Traumata noch 2-3 Generationen nachwirken, und zwar nicht nur psychisch, sondern sogar körperlich (Epigenetik).
Um mit diesen Traumata leben zu können, wurde verdrängt, verharmlost (45 gab es plötzlich nur noch Mitläufer und Widerständler, keine Nazis mehr) und sich in Arbeit gestürzt, um sich abzulenken, anstatt diese Dinge aufzuarbeiten. Im Westen wurde man dann auch noch mit dem Wirtschaftswunder "übergossen" (sprich: alles wurde mit Geld zugeschissen), was dazu führte, das man bis heute glaubt, mit Wachstum, Geld und Konsum könne man alle Probleme lösen.
Was natürlich nicht der Fall ist, die Probleme werden einfach nur verdrängt, ausgelagert, an die nächste Generation weitergereicht usw., also genau das, was schon seit Anbeginn der Zivilisation stattfindet.
So lange das nicht von der breiten Masse begriffen wird, wird es auch keine wirklichen Veränderungen geben.
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Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

#8

Beitrag von Manfred » Do 17. Aug 2017, 17:20

Da fällt mir das Buch von Jean Liedloff wieder ein "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück: Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkei​t in der frühen Kindheit".
Sie hat jahrelang bei den Yequana-Indianern in Venezuela gelebt und war wohl von deren Umgang mit den Kindern und den draus resultierenden Erwachsenen sehr angetan.
Habe das Buch schon lange auf meiner Wunschliste stehen, aber nie gelesen.

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Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

#9

Beitrag von viktualia » Do 17. Aug 2017, 17:32

Jep, da habt ihr recht. Abgesehen davon hat das ja nicht erst mit den Weltkriegen angefangen.
Kennt ihr Fromms "Pathologie der Normalität" aus den 50ern? http://www.irwish.de/Site/Biblio/Fromm/PathNorm.htm
Lessing sagte einmal: – Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren
ein willkürliches Zitat, es hat mich nur grad so angesprochen....

65... lach, das Beispiel kenn ich auch und ja, hab auch das Gefühl, es könnte bei Vester gewesen sein.....

Ina hat es mal erwähnt, ich hab´s mal zufällig gefunden, kommt meiner Ansicht nach einer "Antwort" am nächsten, https://www.buecher.de/shop/buecher/auf ... /27005320/ so Konzeptmässig.
Es geht wohl darum, dass Kleinkinder nicht aus dem "Kontinuum" der Beziehung herausgerissen werden, was der Beziehungsbildung als Mensch förderlich ist. Bezug haben macht glücklich, neuronal gesehen, das kann ich bestätigen. Also nicht nur, sich mit der Umwelt "verstehen", sondern dass das, was man tut, Sinn macht, Sinn hat; man jede Menge Vorstellungen damit verknüpfen kann. Die Dinge nicht so isoliert erlebt.
Ist auch nützlich für die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen.

Hallo Manfred, ich schick´s dir!

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Re: Warum unsere Gesellschaft so krank ist

#10

Beitrag von Thomas/V. » Do 17. Aug 2017, 18:14

Abgesehen davon hat das ja nicht erst mit den Weltkriegen angefangen.
Nein, natürlich nicht. Außerdem hat sicherlich fast jede "moderne" Gesellschaft ihre eigene traumatische Geschichte.
Aber angefangen hat es schon in der Zeit, als Kleingemeinschaften zu Großkollektiven unter einer Machtelite wurden, die sich dann auch noch großspurig "Zivilisation" nennen und auf die "Barbaren" herabsehen und sie versklaven.
Lassen sie mich durch, mein Bruder ist Arzt!

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