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von hobbygaertnerin » Do 3. Jan 2019, 05:03
Ich hab den Vergleich Kochen und Essen zu unserer Verwandtschaft aus Italien.
Keine Ahnung, ob die Menschen in Italien vom Grundatz her gesünder oder kränker sind- aber der Genuss beim Essen, da können wir was lernen.
Sicher geht die Suppe mit dem Suppenwürfel schneller, aber ich brauch z.B. für eine Hühnersuppe ein ganzes oder halbes Huhn je nach Suppenmenge- in einem Vortrag von Hans Ullrich Grill hab ich gehört, dass in einer Packung Hühnersuppe für 4 Personen 7 g Nasshuhn oder 4 Gramm Trockenhuhn enthalten sind.
Eine langsam dahinsimmernde Suppe aus Fleisch, Knochen, Suppengemüse wird immer um einiges teurer sein als der Suppenwürfel.
Sosse mit Fond aus Knochen gemacht- dauert seine Zeit, kostet auch vom Aufwand, vom Strom her mehr.
Gemüse im Garten herangepäppelt, mit Rechnen braucht man auch da nicht anfangen.
Kostet Zeit, man muss z.B. auch noch bei Trockenheit längere Zeit giessen, Schnecken, Erdflöhe, Raupen- da ist der Gang in den Discounter wesentlich einfacher, wo es das ganze Jahr so ziemlich alles zu kaufen gibt.
Mein Mann hat gestern erzählt, dass er in der Zeitung gelesen hat - dass es jetzt bereits Erdbeeren aus deutschen Gewächshäusern zu kaufen gibt.
Ich hätte um diese Zeit keinen Bedarf - oder Spargel aus irgendwoher, wenn ich welchen kochen möchte, dann hole ich ihn aus dem Gefrierschrank, letztes Jahr hatte der Spargelbauer bei uns solche Mengen, der war froh um jeden Kunden, der sich zusätzlichen Spargel kaufte. Und den Bruchspargel bekam man fast noch gratis dazu.
Über Obst im letzten Jahr brauch ich nichts schreiben, es war eine sehr reiche Ernte. Selbst die Kartoffeln sind trotz der Trockenheit gut gewachsen, hätte gar nicht gedacht, dass die so schön werden können.
Im Fernsehen fällt mir auf, dass die meisten Rezepte mit Süsskartoffeln gemacht werden, statt Äpfeln werden Granatäpfel verwendet.
Warum soll ich als Selbstversorgerin Süsskartoffeln um doch relativ viel Geld kaufen, wenn ich im Garten seltene "normale" Kartoffelsorten anbauen kann?
Das ist mir die letzten Jahre aufgefallen, auch die Rezepte werden immer ausgefallener, so ganz normale Hausmannskost scheint dermaßen von out zu sein.
Ich sammle seit vielen Jahren alte bäuerliche Rezepte und hab auch sehr viel Wissenswertes über die alten Familienrezepte aus Italien gelernt und von Verwandschaft auch so manches italienisches Gericht kochen gelernt- umgekehrt gibts bei Verwandtschaft Dampfnudeln, Apfelstrudel.
Wenn ich eines aus Italien gelernt habe, dann ist es, aus ein paar Grundzutaten etwas zu kochen, nicht nach dem Preis zu schauen und zu rechnen, ob sich das rentiert.
Rein aus rechnerischen Gründen wird sich weder selbst kochen, noch die Arbeit im Haushalt, der Gemüse- und Obstgarten rentieren, gäbe noch viele Bereich, wo die Rechnung in Richtung rentieren nicht aufgeht.
Aber wenn wir von allem nur noch den Preis und nicht mehr den Wert kennen man sieht ja wohin das führt.
Im Radio hab ich gestern gehört, dass einer der Neujahrsvorsätze für 2019 auch "sparsamer Leben" sein soll, dazu gabs aber die Aussagen von irgendwelchen Experten, dass das ein sehr schwieriger Vorsatz sei, weil da keine Belohnung winken würde.
Kann ich so nicht bestätigen, wenn ich aus ein paar guten Grundzutaten ein doch preiswertes Essen auf den Tisch stellen kann- auch Gerichte, die lange brauchen, können das gut alleine im Slowcooker, da muss ich nicht ewig am Herd dabei stehen.
In der Adventszeit waren die Werbeseiten der Discounter in unserer Tageszeitung voll mit Ente, Gans oder anderen Genüssen, es war fast wie beim Feinkost Käfer- ab dem neuen Jahr wird jetzt wieder die gesunde Esserei gepriesen-
und das Rezept gestern im Fernsehen mit der besonderen Bowl- war bestimmt sehr gesund, aber ob ich das kochen möchte- wenn draussen der Schneesturm tobte wie gestern, dann muss was Warmes zwischen die Zähne.
Und so eine langsam ohne mich am Herd stellen zu müssen, dahinsimmernde Suppe fand ich da passender.
Schon alleine der Geruch von angedünsteten Zwiebeln lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen-
ch kann mir nicht helfen, bei Fertigkost fehlt mir einfach der Geruch.
Mag ja sein, dass die ewig langen Zutatenlisten vollkommen harmlos sind, aber ich empfinde es einfach als Betrug, wenn der Geschmackssinn mit Raucharoma, mit so vielen anderen naturidentischen oder wie man das Zeugs auch nennt- getäuscht wird.
Essen ist doch nicht nur rein ums satt werden, da mussten die Leute im letzten Jahrhundert genug mitmachen, wenn es eher um Hungern ging, aber heute, wo alle jammern, dass sie viel zu viel auf den Rippen haben-
ist meiner Meinung der Genuss, die Freude am Kochen und Essen schon ein ganzes Stück verloren gegangen.