@Sophia: Leder

Re: @Sophia: Leder

Beitragvon Nightshade am Mo 10. Apr 2017, 11:32

Also ich war eeeeewig nicht hier.

Diesen Rucksack vom letzten Sommer gibts natürlich inzwischen... Benetzt mit 1000 Tränen, denn da war die schwere Krebskrankheit und der Tod vom Papa dazwischen. Das Teil ist stückerlweise gewachsen, neben den Streitereien mit den abgefuckten "sozialen Diensten" (würg), Spitalsbesuchen und ganz viel Kummer.

Mein Papa hat den Rucksack nur halbfertig gesehen. Das Bild von unseren Gartenblumen hat ihm gefallen. Mögen wir alle, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, nach unserem Tod einen paradiesischen Garten erreichen.

Man sieht glaube ich, dass ich da einfach einen anderen Zugang habe als dieser Hersteller von Schäferzubehör. Beginnt schon beim Material. Das ist Narbenleder von Rind, Pferd und Känguru, beste Qualität.
Alles von Hand genäht, jeder einzelne Stich am Leder und am Futter. Das ist nämlich mein persönlicher Widerstand gegen die digitalisierte Immer-schneller-Gesellschaft.

Die Innung hat mich letzten Sommer nach sehr geraumer Weile einer unfreundlichen und abschlägigen Antwort gewürdigt. Ich fühle mich geehrt, dass überhaupt was zurück gekommen ist.

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Re: @Sophia: Leder

Beitragvon Nordwest am Mo 10. Apr 2017, 17:34

Grüß dich Nightshade,

dein Rucksack ist nicht nur ein feines Stück Handwerk, das ist ein wunderschönes Kunstwerk, phantastisch. :)

Ich kenne in der Motorradbranche Lederhandwerker, die zB für edle Harleys Satteltaschen, Sitze, Werkzeugtaschen, etc. in Handarbeit anfertigen. Dazu gehören auch Accessoires für den Biker, Kappen, Westen, Chaps aus zB Straussenleder, alles, was das Bikerherz begehrt...

Schau dir zB mal in der Google Bildsuche einige Fotos von Harley Solo Seats aus Leder an, die werden dir gefallen:
https://www.google.de/search?q=harley+s ... 24&bih=768

Die Teile sind teuer, aber die Biker zahlen die hohen Preise für gute Einzelanfertigungen, damit wird gutes Geld verdient, weltweit.

In den USA gibt es einen in der Scene sehr bekannten älteren Lederkünstler, der Mann benutzt als Arbeitsunterlage seinen eigenen Grabstein, den er in seinem typischen Stil bereits zu Lebzeiten gestaltet hat. Sehr skurril, aber so ist es in dieser Scene eben... :grr:


In der FAZ stand in einer Traueranzeige vor vielen Jahren mal ein Zitat von Heinz Rudolf Kunze, es hat mich sehr berührt.

"Sterben ist die Brücke, deren Weite niemand kennt.
Geh hinaus in das Licht,
das nur wer hier bleibt,
dunkel nennt."

Dir eine gute Zeit, mach etwas aus deinem Talent, so etwas ist nur wenigen Menschen in die Wiege gelegt.

Herzlicher Gruß von

Micha
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Re: @Sophia: Leder

Beitragvon Nightshade am Mo 10. Apr 2017, 19:31

Das mit dem Kunstwerk stimmt insofern, als ich kein identisches Duplikat anfertigen könnte. Zweimal geht nicht.
Außerdem hab ich in verheultem, frustriertem Zustand einem echten Künstler geschrieben: Du, Hans, wie zum Kuckuck mischt man Blattgrün? Mit Acrylfarben?? Die Blätter sehen kacke aus! Er hat mir etliche Mischtabellen zukommen lassen und die Info, dies sei höchst schwierig.

Der Gesetzgeber sähe diesen Rucksack als Kunsthandwerk, und dies bedeutet, dass man die gleichen gesetzlichen Vorgaben hat wie ein Dachdecker-Betrieb.

Ein Künstler wäre freiberuflich... Das kommt viel billiger... Aber wenn man erkennen kann, was dargestellt ist, gilt man heutzutage nicht als Künstler. Kunst darf außerdem keinen praktischen Nutzen haben, warum auch immer.

Grabsteine finde ich weniger inspirierend. ;-), aber ja, für die Biker gibts tolle Sachen. Ich habs persönlich nicht so mit Kobras und Totenköpfen, eher mit Hobbits und Naturdarstellungen.

Ich habe eine Überdosis Faberge-Dokus im Inet gesehen. Was für ein begnadeter Künstler. Ich muss jetzt unbedingt ein Straußenei mit Leder beziehen, auch wenns mir kein Nikolaus II abkaufen wird. ;-)

Edit: Das Bastelzimmer (6m2) ist ein Saustall. Wo ist der Goldzwirn, wo ist der Achat. Ich weigere mich bis einschließlich Montag, irgendwelche Fragen zur Matura zu beantworten. Auch nicht per Mail, Whatsapp oder über sonstige Lebenszeitvampire
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Re: @Sophia: Leder

Beitragvon Nordwest am Mo 10. Apr 2017, 20:04

Klar,

aber die Bikerszene sind nicht unbedingt Schlangen und Skulls, dort sind Künstler unterwegs...

Ich möchte dir gerne die Werke des amerikanischen Graveurs Otto Carter zeigen, der Mann graviert Motorräder, Waffen, und ebenso alles, was man sich vorstellen kann, nicht nur blöde Schlangen und Schädel...

http://www.ottocarter.com/motorcycle.htm

All das ist auch auf Leder möglich, in einer entschleunigten, ruhigen Arbeit. Mehr sollte mein Hinweis gar nicht sein, wenn es anders rübergekommen ist, dann entschuldige das bitte.

Micha

P.S. Schau dir diese Harley an... http://www.ottocarter.com/godspeed.htm

Das ist einfach überirdisch, was der Graveur Carter für einen Kunden geschaffen hat. Keine Frage, wie teuer der ganze Spaß war, wen interessiert es, es ist das Werk an sich, auf einer schnöden, alten Harley...

GEIL!
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Re: @Sophia: Leder

Beitragvon viktualia am Mo 10. Apr 2017, 20:35

Du bemalst diese grossartigen Werke mit Acrylfarbe????
Hüch...

Gut gelungen, die Blätter, gefallen mir.
Ich finde, der Trick besteht darin, mehrere Grüns zu nehmen, nebeneinander.
Und in Acryl gibt es viele, o.k..

Nach dem ersten wundern denk ich: das wär dann eher gerben, neue Baustelle, oder?
Also aufhellen, Pigmente einarbeiten, fixieren, Chemie.
Aber die Vorgänge müsste dem Punzieren ähneln...

Diese Fliegenfänger in der Mitte sind ja genial gelungen!
Und die Schmetterlinge, die flattern echt....
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Re: @Sophia: Leder

Beitragvon Nightshade am Mo 10. Apr 2017, 22:04

Hüch, ja, mit Acrylfarben für Leder. ;-) Die gibts im Fachhandel zu kaufen. ;-)
Aber es gibt sie nicht in mehreren Grüns, sondern in den wichtigsten Grundfarben, ähnlich wie in einem Malkasten für Kinder. Und dann musst die 1003 Grüntöne einer Pflanze selbst mischen. So ein blöder Portulak hat ungefähr 15 Farben pro Blatt.

Nein, ich gerbe natürlich nicht selbst. Ein einzelner Mensch kann keine Rinderhaut in qualitativ hochwertiger Weise gerben. Der dicke Rückenschild muss gespalten werden, dies ist von Laien nicht durchführbar.

Ein Ziegen- oder Rehhäutl kann man selbst gerben, aber diese Häute sind "nur" für Bekleidung brauchbar. Für Flechtarbeiten sind sie zu brüchig und für Punzierungen sind sie zu dünn.

Ich mag Motorräder wirklich überhaupt nicht.
Auch die Motive von Carter sind stilistisch nicht mein Ding. Engel und Schnörksel und so.... Ist fraglos eine tolle Arbeit, würde mich aber in kürzester Zeit anöden.
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Re: @Sophia: Leder

Beitragvon Nordwest am Mo 10. Apr 2017, 22:25

Angekommen, nicht dein Metier, schade...
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Re: @Sophia: Leder

Beitragvon Nordwest am Di 11. Apr 2017, 00:13

Ist sehr schade, wenn jemand seine Kunst wie die sprichwörtlichen "Perlen vor die Säue wirft...",aber, eigene Entscheidung...

https://m.youtube.com/watch?v=m0C87wU3yII

In diesem Sinne...

Micha
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Re: @Sophia: Leder

Beitragvon Doris L. am Fr 21. Sep 2018, 21:20

Liebe Nightshade, ich weiß nicht wie regelmäßig du hier reinschaust, ich möchte dir aber sagen das die Lederdinge die du herstellst wunderschön sind und in großer Qualität herstellst. Ich war früher Näherin und hatte auch mit Leder zu tun. So wie du könnte ich aber nicht arbeiten.
Dawanda gibt es jetzt ja nicht mehr, da habe ich oft im Forum gelesen wie die Rechte sind ,wie verkauft wird und all das. Hast du mal bei ETSY nachgesehen? Vielleicht gibt es dort Möglichkeiten. Eine andere Möglichkeit sind die Bushcrafter, da sind einige die Handwerkliches schätzen.
Ich weiß, alle wollen einem gut zureden mit verkaufen , kannste viel Geld machen , das stimmt aber nicht. Nichts ist schwerer als an das Geld von anderen Leuten zu kommen.
Schon gut das du weißt wieviel Stunden du gebrauchst hast für diese Arbeiten. Wenn ich anderen sage wie lange ich an einem Teddybär arbeite dann schauen die mich schon komisch an. Nein, ich verkaufe keine, aber es hat mich doch interessiert wie man das verkaufen bewerkstelligt. Lohnt sich nicht für mich.
Doris

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