Elektro-Microcar

penelope
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Re: Elektro-Microcar

#21

Beitrag von penelope » Mi 24. Nov 2021, 16:44

Was gibt es denn für diverse rechtliche Hürden für eine private (=unentgeldliche) Personenmitnahme?

Aber gut: ich sehe ja auch keine generelle sich dramatisch verschlechternde wirtschaftliche Perspektive. :hmm: Bin wohl so ein Schalfschaf :engel:

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emil17
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Re: Elektro-Microcar

#22

Beitrag von emil17 » Mi 24. Nov 2021, 18:34

Manfred hat geschrieben:
Di 23. Nov 2021, 16:09
ÖPNV im klassischen Sinn ist auf dem Land in den meisten Fällen, außer im Schülerverkehr, ökologischer und wirtschaftlicher Unfug.
Und in den Großstädten verstehe ich nicht, wieso man ihn derart subventionieren muss.
In der Schweiz funktioniert das wunderbar. Wenn man ÖV nicht subventioniert, hat man Verhältnisse wie in Städten der dritten Welt - nur ein Stau pro Tag :dreh: Es ist durchaus im Interesse der Autofahrer, dass es einen guten und funktionierenden ÖV gibt.
Manfred hat geschrieben:
Di 23. Nov 2021, 16:09
Wenn ich die Altgrünen mit ihren 70er-Jahre-Fantasien von der Reaktivierung von Bahn- und Busstrecken auf dem Land höre, die sie heute noch bei jeder Gelegenheit predigen, könnte ich mir die Haare raufen. Die haben 50 Jahre lang nichts dazu gelernt...
Da wird die nächste Regierung viel Geld sinnlos verbrennen, statt es in die Zukunft zu investieren.
Manfred als Verkehrsminister? Da dürften sich dann andere Leute die Haare raufen.
Bus und Bahn sind zukunftsfähig - wieso hat z.B. Basel eine Strassenbahnlinie nach Frankreich hinaus bauen lassen und eine nach Deutschland hinaus verlängert, und warum wohl baut Zürich nach Kräften das S-Bahn-Netz aus?
Im Gegensatz zu autonomen Schienenfahrzeugen und dergleichen gibt es die Fahrzeuge und die Technik und die Infrastrukturen hier und jetzt.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Manfred
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Re: Elektro-Microcar

#23

Beitrag von Manfred » Mi 24. Nov 2021, 18:59

Wenn du Basel und Zürich mit dem flachen Land in D gleichsetzt, solltest du besser nicht Verkehrsminister werden...

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Re: Elektro-Microcar

#24

Beitrag von penelope » Mi 24. Nov 2021, 19:03

Jetzt wird Verkehrsminister ja jemand aus der Lobbyistentruppe der FDP. Da müsste man es erstmal hinbekommen, den Job noch schlechter zu machen, als es vorraussichtlich kommen wird.

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Re: Elektro-Microcar

#25

Beitrag von emil17 » Mi 24. Nov 2021, 19:05

Manfred hat geschrieben:
Mi 24. Nov 2021, 15:37
Wieso man krampfhaft die Zahl der PKW pro Haushalt reduzieren will, verstehe ich dagegen nicht.
Wichtig ist doch, wie viel gefahren wird und nicht wie viele Autos herumstehen.
Das stimmt vielleicht in Klein-Kuhdorf, aber 3/4 der Leute in D wohnen nun mal in Städten oder Agglomerationen. Da würdest du dann lernen, dass Fahren eines ist, parken etwas anderes. Da die meisten Leute mit dem Auto irgendwo hinfahren, um dort etwas zu erledigen, müssen sie das Auto am Ziel abstellen können, was zusätzlich Fläche verbraucht, und zwar ziemlich viel.
Jeder Mensch, der seinen Weg mit dem öV macht statt mit dem Auto, spart nicht nur Treibstoff, sondern auch Verkehrsfläche. Diese muss von der Stadt teuer bereitgestellt und gepflegt werden, was teuer ist (Miete mal einen Prakplatz im Wohn- oder gar Geschäftsquartier einer grösseren Stadt!). Deshalb ist es im Interesse der Stadt, dass möglichst viele Fahrten nicht mit dem Auto gemacht werden.
Reduzierung des Flächenverbrauches müsste einem Erwerbslandwirt doch eigentlich ein Anliegen sein.

Dann ist es ein Henne-Ei-Problem: Wenn der öV schlecht ist, brauchen mehr Leute ein Auto, und weil sie es haben, brauchen sie es auch, was die Auslastung des öV verschlechtert, so dass mangels Nachfrage der Fahrplan reduziert wird, worauf noch mehr Leute ...
Ein grosses Hindernis in D ist die Tatsache, dass alle Supermärkte rein autoorientiert sind und Einkaufen mit dem öV mühsam bis unmöglich ist. Um sich vom Auto unabhängiger zu machen, braucht es auch funktionierende Innenstädte.
Manfred hat geschrieben:
Mi 24. Nov 2021, 15:37
Es würde ja schon helfen, wenn diverse rechtliche Hürden für privates Carsharing und private Personenmitnahme beseitigt würden.
Was für rechtliche Hürden gibt es denn, wenn man mit mehreren Arbeitskollegen ein Fahrzeug teilt? Das fällt nicht unter gewerbliche Personenbeförderung, und wenn am Montag A B und C mitnimmt, am Dienstag B A und C, und am Mittwoch C A und B, fliesst auch kein Geld, aber es sind zwei Fahrzeuge weniger nötig.
Die Altgrünen, die seit 50 Jahren nichts dazugelernt haben, haben schon damals solche Modelle entworfen und in die Praxis umgesetzt.
In Basel werden solche Modelle von grossen Firmen gefördert, oder es wird den Angestellten ein Abo des öV subventioniert.
Hauptproblem ist, dass das Auto Staussymbol ist, und dass man alte Gewohnheiten ändern muss.
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Re: Elektro-Microcar

#26

Beitrag von emil17 » Mi 24. Nov 2021, 19:14

Manfred hat geschrieben:
Mi 24. Nov 2021, 18:59
Wenn du Basel und Zürich mit dem flachen Land in D gleichsetzt, solltest du besser nicht Verkehrsminister werden ...
Im Gegensatz zu dir habe ich keine Ambitionen und weiss nicht immer schon im Voraus, wie unfähig die Regierung sein wird.
Langsam bestätigt sich der Eindruck, du willst gar nicht wissen, wie man es besser machen könnte. Sonst würdest du funktionierende Beispiele aus einem klimatisch und kulturell durchaus mit D ähnlichen Gebiet nicht pauschal als nicht vergleichbar darstellen, ohne sie überhaupt zu kennen.
Das Einzugsgebiet von Basel und Zürich erstreckt sich ziemlich weit ins Land hinaus, und das Problem dieser Städte ist wie das aller anderen Städte auch, dass die Strassen der Städte morgens und abends verstopft sind un wo die Autos der Zupendler tagsüber stehen. Den Zürchern und Baslern ist es hingegen ziemlich egal, ob die Leute irgendwo draussen ihren Oldtimer vor oder hinter dem Misthaufen stehen haben.
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Re: Elektro-Microcar

#27

Beitrag von si001 » Do 25. Nov 2021, 09:43

Man sollte vielleicht bei der ganzen Diskussion die Größe der Städte berücksichtigen.
Man kann München, Hamburg, Berlin, Basel und Zürich nicht mit den Städten in einen Topf werfen, die in meiner Nähe liegen. Diese Städte hier haben alle zwischen 15 und 30 Tausend Einwohner. Von hier fährt montags bis freitags von 6 bis 10 Uhr und von 12 bis (jetzt ganz neu) 20 Uhr alle Stunde ein Bus in die nächste Stadt. Vormittags fährt 2 Stunden nichts, in den Randzeiten kommt ein Taxi statt Bus. Am Wochenende fahren ganze 4 Busse am Tag.
Ehe wir das Auto/die Autos abschaffen können, muss sich einiges ändern. Aber ich glaube nicht, dass ich das noch erleben werde.

Die Schweiz ist lt. Fernsehbericht weltweit eines der führenden Länder was den ÖPNV anbelangt. Vielleicht !! ist von dort aus die Situation der ländlichen Gebiete in Deutschland schlecht zu beurteilen??

Hier ein Pressebericht, der das Problem kurz anreißt: https://www.neckar-chronik.de/Nachricht ... 10635.html
Liebe Grüße, si001!
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Re: Elektro-Microcar

#28

Beitrag von Dyrsian » Do 25. Nov 2021, 10:34

Der ÖPNV muss subventioniert werden, weil er einfach nicht kostendeckend betrieben werden kann. Hier im Ruhrgebiet - wo die ÖPNV Infrastruktur alles andere als optimal ist - sind die Preise trotz Subvention jetzt schon irrsinnig hoch. Das Montatsticket für den VRR um von Duisburg nach Dortmund zu fahren kostet jetzt schon - mit Subvention - 190,30€ im Monat! Wie gesagt, es ist im Ruhrgebiet nicht unüblich, in verschiedenen "Städten" zu arbeiten, im Grunde genommen ist das hier ja eine einzige riesige Stadt. Wie teuer sollen die Fahrkarten denn noch werden?
Jetzt kann man ja sagen "Dann sollen die Leute halt dahin ziehen wo sie arbeiten!" Angesichts der Mieten in den Ballungsgebieten ist das für Familien heutzutage tatsächlich keine Option mehr, es sei denn man möchte gerne mit 4 Personen auf 2 Zimmern hausen. Tiny living oder so :haha:

Bei der Anzahl der Autos pro Haushalt sollte bedacht werden, dass auch die Produktion eines Autos erhebliche Ressourcen verbraucht und (Stahl! Aluminium!) hohe CO2 Emissionen verursacht. Das ist bei Elektroautos besonders extrem. Insofern ist das ökologischste Auto vermutlich das, was schon vor der Tür steht.

Car-Sharing funktioniert nicht und wird deshalb auch kaum genutzt. Das jetzige System mit den Stationen wo die Fahrzeuge vorgehalten werden ist abseits von extremen Ballungsräumen (Berlin Innenstadt) viel zu unpraktisch. Für eine free-floating Flotte (System Elektroroller) fehlt in den Städten schlicht der Parkraum. Fazit: Ist eine Option für Leute die "mal bei IKEA einkaufen fahren wollen" - für den Alltag eher nicht. Es ist wirklich teuer, oft ist es günstiger mit dem Taxi zu fahren. Da ist das System der Langzeit-Miete, z.B. für die Wintermonate, schon eher praktikabel.

Wir haben hier so eine Vorstufe vom KI-optimierten Sammeltaxi, nennt sich DVG MyBus. Könnt ihr mal googlen. Da ist allerdings noch ein Mensch am Steuer. Ich weiß nicht was ich davon halten soll, meine Erfahrungen waren bisher: Luxoriös (man fährt Mercedes, meist allein), allerdings umständlich und wenig zuverlässig: Der Bus kommt nicht zu angegebenen Zeit, einmal kam er gar nicht - bezahlen muss man allerdings beim Rufen. Es ist nur etwa 50% billiger als ein individuelles Taxi und das kommt sofort und zuverlässig. Mit einer sehr großen Flotte von automatisierten Fahrzeugen wird das allerdings vermutlich als destruktive Innovation den ÖPNV und große Teile des Individualverkehrs ersetzen, da bin ich sehr sicher. Man denke an die unzähligen (gering qualifizierten) Jobs (Busfahrer, Taxifahrer) die das kosten wird.

Die kommende Bundesregierung wird den Trend fortsetzen, das Land unattraktiver für Autos zu machen. Hier beginnt man allenthalben Straßen zu verschmalern, Zone 30 einzurichten und Parkplätze zu vernichten, schafft allerdings keine Alternativen. Mangels Alternativen stehen nun die Autos dort, wo sie früher fuhren. :bang: Merkwürdig, die Leute müssen zum Autobahnzubringer, obwohl wir die Straße dort jetzt nur noch einspurig gemacht haben. Ja wie kommt das nur?
Der Renner hier sind auf die Straße aufgemalte Fahradwege (die kosten außer weiße Farbe fast nichts), die den Autos - wenn da Radfahrer sind - die Möglichkeit nehmen diese zu überholen. Das ist echt lebensgefährlich - welcher Autofahrer fährt denn minutenlang hinter einer Oma mit 10 km/h her? Also überholen die Autofahrer in waghalsigen Manövern und um Haaresbreite. Oft gehen diese Wege zwischen Rechtsabbieger und Geradeausspur her - wer mal ANGST auf dem Rad erleben will kann mit mir mal so einen Weg fahren. :grr: Das macht an Stellen wo der Rechtsabbieger auf die Autobahn geht richtig Gänsehaut, wenn die Autofahrer gedanklich schon auf der Autobahn sind :grr:
Die "echten" Fahradwege am Rand des Bürgersteiges sind hier so kaputt, dass ich mit meinem E-Roller nicht zur Arbeit fahren kann, die Wege sind zu kaputt, die Räder von dem Ding zu klein.
Und Nein, E-Roller sind nicht umweltfreundlich. Machen aber Spaß :aeh:

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Re: Elektro-Microcar

#29

Beitrag von emil17 » Do 25. Nov 2021, 10:51

si001 hat geschrieben:
Do 25. Nov 2021, 09:43
Vielleicht !! ist von dort aus die Situation der ländlichen Gebiete in Deutschland schlecht zu beurteilen??
Was im Argen liegt, kann man sicher vor Ort besser beurteilen.
Der Vorteil von gutem öV liegt einfach darin, dass man mit viel weniger Umweltbelastung und Verkehrsfläche schneller zum Ziel kommen kann und dass das für die Mehrzahl der Fahrten entscheidend ist. Natürlich soll der öV nicht den Lieferverkehr ersetzen.
Die Sache ist nur scheinbar teuer, denn man spart viel Fläche und Kosten. Für die Kosten des öV-Ausbaues in Städten werden oft falsche und damit viel zu teure Ansätze gewählt; wenn man z.B. bei mehrspurigen Strassen eine Spur für Bus und Taxi reserviert, kostet das nicht viel und verkürzt die Fahrt vor allem in Zeiten mit viel Verkehrsaufkommen erheblich. Davon haben dann auch diejenigen etwas, die mit dem Auto unterwegs sind, und es verbessert die Lebensqualität der Stadtbewohner. Es geht ja nicht an, dass die rasche Erreichbarkeit der Innenstädte auf Kosten der dortigen Bewohner geht.
Zum attraktiven öV gehören auch Fahrpreise, die für Leute mit Auto interessant sind, saubere Fahrzeuge und Haltestellen und Sicherheit vor Pöbeleien, Belästigungen und dergleichen. Ohne Aufwand ist das nicht zu haben.

Man muss sich auch von geschichtlichen Altlasten lösen. Die Schweiz hatte nie eine eigene Autoindustrie, die deshalb auch nicht wie in D oder den USA auf politischem Weg den öV demontieren konnte, was zu heute teuren planerischen Fehlentscheiden geführt hat. Zudem war sie Pionier in der Elektrifizierung der Eisenbahnen. Dennoch gab es in der Autoboomzeit nach dem Krieg viele Planungssünden.
Ein typisches Detail: da, wo ich wohne, verabschieden und bedanken sich die Fahrgäste beim Aussteigen auf wenig frequentierten Strecken beim Busfahrer.
Auto, Bus, Strassenbahn und Zug ergänzen sich. Aus dieser Erkenntnis heraus muss man planen. Das bedeutet eine Förderung des lange vernachlässigten öV, je nachdem sogar einen Rückbau oder eine Umwidmung bestehender Strassen.
Wo Klima und Topographie passen, soll man selbstverständlich auch das Fahrrad so stark wie möglich fördern. Hier hat D gegenüber der CH die Nase vorn - Fahrradwege und abgetrennte Fahrradstreifen entlang von Strassen sind hier alles andere als selbstverständlich.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Elektro-Microcar

#30

Beitrag von penelope » Do 25. Nov 2021, 10:57

Danke für den Link in dem Pressebericht.

Leider muss man halt sagen, dass in Deutschland das Auto sehr dominiert und uns unsere Nachbarländer oft zeigen, wie es auch anders und besser gehen kann. Ich denke, wir sollten uns davon eine Scheibe abschneiden und uns an positiven Beispielen orientieren. Aktell ist verkehrspolitisch viel im Wandel und selbst in Auto-Deutschland wird man es nicht vermeinden können, zukünftig neuen und innovativen Ideen Platz zu lassen. Und selbst die letzten alten Knochen werden irgendwann merken müssen, dass innovativ nicht bedeuten kann, weiterhin 2,5 Tonnen schwere SUV zu bauen, nur halt mit Elektro- statt Bezinmotoren.

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