Holzlasur für innen

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Zacharias
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Holzlasur für innen

#1

Beitrag von Zacharias » Mi 13. Apr 2022, 22:25

Nachdem in meinem Holzhaus nach Befreiung der Wände von allerlei unschönen Verzierungen die Balken blank, aber ziemlich unansehlich waren, habe ich beschlossen sie weiß zu lasieren. Ökologisch unbedenkliche Lasur stellte sich aber schnell als zu teuer heraus. Also habe ich ein bisschen experimentiert. Im Buch "Natürliche Farben" von Ziesemann (sehr empfehlenswert!) las ich was von Bier, aber leider keine genaue Anleitung. Und da Bierlasur per se nicht so bekannt ist, schreibe ich euch mal hier wie ich das gemacht habe.

Zutaten: Bier, Pigment, in meinem Fall Titanoxid, Rapsöl
85% Bier mit 15% Pigment mischen und kurz ziehen lassen. Holz damit einstreichen, dabei öfter mal das Bier kräftig durchschlagen, da sich das Pigment gerne absetzt. Trocken lassen und noch mal mit reinem Bier drüber gehen um ein gleichmäßigeres Bild zu bekommen. So kommt auch die Maserung wieder gut durch. Gut durchtrocknen lassen und dann satt das Öl auftragen. Die Lasur ist schon ohne Ölnachbehandlung wischfest und färbt auch nicht ab. Also nicht zwingend erforderlich. Ich finde aber, dass die Lasur ohne Öl sehr stumpf aussieht. Mit dem Öl gibt es einen matten Glanz.
Bierlasur.jpg
Bierlasur.jpg (31.24 KiB) 1518 mal betrachtet
Bei diesem Bild seht ihr, wenn ihr genau hinguckt den Unterschied, die linke Seite ist schon geölt, die rechte nicht. Leider kommt das in dem Bild nicht so deutlich rüber, der Unterschied ist in natura krasser.
Lasierte Wand.jpg
Lasierte Wand.jpg (27.56 KiB) 1518 mal betrachtet

Verbrauch:
Für ca. 12qm habe ich 5l Bier, 500g Pigment und 2l Rapsöl verwendet
Grüße,
Birgit

Ferry
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Re: Holzlasur für innen

#2

Beitrag von Ferry » Do 14. Apr 2022, 05:24

Danke für die Beschreibung!

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Tscharlie
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Re: Holzlasur für innen

#3

Beitrag von Tscharlie » Do 14. Apr 2022, 07:11

Das dürfte also ein Rohstoffpreis von ca. 8 €/12 m² sein.

Denn sicher hast Du Bier und Öl in Bioqualität genommen, wenn nicht dann klebt an Deiner Wand bildlich gesprochen ein Tütchen Glyphosat.

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Re: Holzlasur für innen

#4

Beitrag von kraut_ruebe » Do 14. Apr 2022, 08:59

Danke für die Anleitung!

Dass sich Bier als Lasur eignen könnte wär mir nie in den Sinn gekommen.
There's a crack in everything. That's how the light gets in.

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Re: Holzlasur für innen

#5

Beitrag von Küstenharry » Do 14. Apr 2022, 14:59

Härtet das Rapsöl denn aus?
Normalerweise nimmt man ja Leinölfirnis für Holzoberflächen.

Bierlasuren gibt es schon sehr lange. Unser 100 Jahre alter Bauernschrank ist auch mit Bier lasiert,
Gruss von der Küste

Harry

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Zacharias
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Re: Holzlasur für innen

#6

Beitrag von Zacharias » Do 14. Apr 2022, 20:08

Ja, das war früher sicher bekannter. Das Rapsöl zieht nur ein und macht die Oberfläche wasserdichter. Ich habe bewusst kein Leinöl genommen, weil das dunkler ist. Hab einfach mal eine Fläche mit beidem probiert und fand Rapsöl besser. Kam mir auch entgegen weil günstiger.
Grüße,
Birgit

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Tscharlie
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Re: Holzlasur für innen

#7

Beitrag von Tscharlie » Fr 15. Apr 2022, 07:31

Praktisch alle Öle härten mehr oder weniger selbst aus.

Öle nehmen Sauerstoff um eine Molekularstruktur aufzubauen. Daher ist Belüftung wichtig, weil die Luft nicht den ganzen enthaltenen Sauerstoff "hergibt". Bei der Aufnahme von Sauerstoff verbinden sich die einelnen "Ketten" dabei werden "Teilchen" frei, die man riechen kann. Natur-Öle riechen also immer wenn sie trocknen.

Wenn Öle unter Luftmangel trocknen sollen, kommt es zu einem typisch ranzigen Geruch.

Nur Leinöl trocknet nicht einfach so. Dazu braucht es einen Katalysator als Trockenstoff, der dem Leinöl "sagt", dass es sich bitte mit dem Sauerstoff der Luft zusammen tun soll um fest zu werden.

Daher gibt es Leinölfirnis (Leinöl mit Trockenstoff) aber kein Sonnenblumenölfirnis.

Leinöl wird mit dieser besonderen Eigenschaft z.B. eingesetzt um Holzlager bei Holzmühlen zu schmieren. Das könnte man mit jedem anderen Öl nicht machen, weil die Lager, wenn die Mühle einige Zeit nicht arbeitet fest werden würden.

Leinöl ist daher auch ein gutes Öl um z.B. die Ketten der Kettensägen zu schmieren ohne die Umwelt zu belasten. Ich verwende dazu das noch übrige Rapsöl aus der Diesel-Motor Zeit. Daher muss ich, wenn ich die Säge nach über 4 Wochen wieder brauche, zuerst die Kette in Pflanzen-Verdünnung einweichen um sie wieder gangbar zu machen.

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