Offenbar können beide Seiten tendenziös schreiben.Wasserwerker und Teile der grünen Weltverbesser bilden sich schon ein, die Oberaufsicht über Landwirte und Verbraucher haben zu müssen?
Warum nicht einfach die aktuellen Messwerte für jeden Trinkwasserversorger online stellen und einfach und unkompliziert zugänglich machen? Dann kann ich nämlich selber entscheiden, ob ich 1.7 oder 41 mg NO3- pro Liter schlimm finde oder nicht.
Zudem sollte da stehen, woher das Wasser bezogen wird. Wenn nämlich eine Gemeinde mit viel Intensivlandwirtschaft mit wenig Geld zu gutem Wasser kommt, das sie aber von sehr weit holen, weil in der Nähe keine Quellen mehr sind, die trinkwassertaugliches Wasser liefern, bedeutet das auch einiges.
Zur Auswertung der Statistiken weiter unten: da haben beide Seiten aus den gleichen Zahlen gegensinnige, unzulässige Aussagen geschlossen. Nur soviel: Wenn bei einer Zeitreihe auf der Abszisse "Anteil der Messtellen mit belastetem Grundwasser" steht, dann kann eine behauptete Verbesserung sowohl durch verbessertes Wasser (was wir hoffen) oder auch durch Aufgabe von besonders schlechten Trinkwasserquellen (was ebenso möglich ist und was wir nicht hoffen) zustande gekommen sein. Wenn ich bei einer Zeitreihe jedes Mal andere Grundgesamtheiten hermehme, kann so ziemlich alles herauskommen, mit oder ohne Zusammenhang.
Wenn da in der etwas polemisch geschriebene Verteidigung oder Gegendarstellung plötzlich "Kiefern auf leichten Böden (n=1)" oder anderswo Bodendaten aus Sachsen daherkommen, obwohl es doch um Niedersachsen geht, ist das ebenfalls nicht die ganz korrekte Art.
Bei der grafischen Darstellung nach Landkreisen gibt es noch die sogenannten GerryMandering-Effekte sowie das Zusammenfassungs-Paradoxon: Durch gewolltes Gruppieren kann aus einer gleichbleibenden Situation eine Verbesserung schöngerechnet werden. Ein Verkaufsleiter kann z.B. die umsatzschwächsten Geschäfte einer neuen Verwaltungseinheit zuordnen, wodurch die Umsätze pro Filiale bei den so von den Nieten entlasteten Regionseinheiten auf dem Papier steigen - obwohl überhaupt nichts passiert ist. Salopper gesagt, wenn man den dümmsten Bayern nach Ostfriesland schickt, steigt (oder sinkt?) die Intelligenz der Bevölkerung an beiden Orten.
Also bitte Statistiken mit absoluten Messwerten (nicht: "Anteil von" oder ähnliches), bei Vorher-nachher-Vergleichen mit identischen Probestandorten und wenn ein Trend behauptet wird, gehört auch die berechnete Wahrscheinlichkeit dazu, dass es sich überhaupt um einen Zusammenhang handelt. Die dürfte bei der ersten Grafik mit der Trendlinie (Nitratwerte im Grundwasser in NRW) herzlich klein sein. Wo sind da überhaupt die Streuungsbalken pro Messjahr, oder haben die alle Proben vor dem Messen in den gleichen Eimer zusammengekippt?
