stable hat geschrieben: ↑Di 18. Jun 2024, 15:49
Wenn ich heißes mit kaltem zusammen aus dem Hahn kommen lasse (lauwarm) dann verdrängt doch das kalte Wasser das heiße (oder auch umgedreht je nach Temperaturwunsch), womit das lauwarme (da mehr kaltwasseranteil) doch eigentlich trotzdem preiswerter sein müsste???
Also, nochmal. Du bezahlst das gesamte Wasservolumen zum Kaltwasserpreis plus die Energiekosten für das Aufheizen. Was im Mischventil genau geschieht, ist unerheblich, weil das Wasser aus beiden Leitungen kommt und in die Wanne fliesst. Aber du kannst das ausprobieren. Nimm ein Litermass voll 20 grädiges und ein Litermass voll 50 grädiges Wasser und giesse das zusammen. Ich sehe voraus, du wirst 2 Liter 35grädiges Wasser erhalten. Nichts wird verdrängt, weil du nachher gleich viel Wasser wie vorher hast.
Um einen Liter Wasser um ein Grad zu erwärmen, brauchst du 4.2 kJ. Umgerechnet auf die Abrechnungseinheit Kilowattstunden ergibt sich, dass man mit einer Kilowattstunde (3'600 kJ) 860 Liter Wasser um ein Grad erwärmen kann, oder 86 Liter um 10 Grad, oder 21. 5 Liter um 40 Grad.
Wenn das Kaltwasser mit 15 Grad aus dem Werk kommt und du 100 Liter 40 Grad warmes Wasser haben möchtest, musst du also 100 Liter um 25 Grad erwärmen. Das braucht 100*25/860 = 2.9 kWh. Kosten tut das 1/10 des Kubikmeterpreises für Kaltwasser zuzüglich Energiekosten für 2.9 kWh.
Die Grundgebühr für Wasser lassen wir aussen vor, weil du die sowieso bezahlen musst und die nicht verbrauchsabhängig ist, sondern die Kosten abdeckt, die dadurch entstehen, dass du jederzeit warmes Wasser hast.
Weil das Warmwasser mit konstanter Temperatur aus der Warmwasserleitung kommt, kann man statt die kWh fürs Aufheizen auch den Verbrauch an Warmwasser zählen. Sind es 55 Grad, so musst du auf 40 runtermischen.
kw : Liter Kaltwasser
ww: Liter Warmwasser
kw + ww = 100 <--- wir wollen insgesamt 100 Liter Wasser
kw * 15 + ww*55 =(kw * ww)*40 <--- die Mischung soll 40 Grad haben
Löst man die beiden Gleichungen auf, so ergibt sich 62.5 Liter Warm und 37.5 Liter kalt. Du musst also 62.5 Liter warmwasser mit 37.5 Litern Kaltwasser mischen, um die gewünschten 100 Liter zun 40 Grad zu erhalten.
Die 62.5 Liter enthalten wie oben 62.5 * 40/860 = 2.9 kWh (die im Heizungsraum verbraucht wurden, um auf 55 Grad aufzuheizen)
Du kannst theoretisch auch 90 grädiges Wasser runtermischen, brauchst dann weniger Heisswasser, aber mehr Energie um das Heisswasser heiss zu machen. In der Praxis möchte man das Heisswasser nicht wärmer als nötig machen, weil die Wärmeverluste beim Aufheizen und in den Leitungen grösser werden. Ohne Verluste ist aber der Energiebedarf gleich, egal wie warm das Heisswasser ist.
Wenn du gar kein Heisswasser verwendest, sparst du am meisten Energie, aber das Wasser wird schlecht ausgenützt, weil du nicht lange in der Wanne bleibst. Die Sache ist also, wenn man genau hinschaut, sehr kompliziert, denn du musst einen Wohlfühlfaktor definieren, berechnen und mit den verbrauchten oder gesparten Kilowattstunden vergleichen.
Dazu einen lustigen Versuch: Wenn du den Versuch mit den beiden Litermassen machst, tauche vorher je eine Hand in ein Mass, und nachdem du beides zusammengegossen hast, beide Hände gleichzeitig in die Mischung. Dann wirst du feststellen, dass Wasser gleichzeitig scheinbar mehr als eine Temperatur haben kann.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.