terra preta

Wurmbär

Re: terra preta

#41

Beitrag von Wurmbär » Mi 29. Jun 2011, 21:34

@ all

Da ich (für meinen Balkon und einen schmalen Streifen Garten) keine großen Mengen an terra preta usw. benötige, gehe ich wie folgt vor:

Ein Teil der Holzkohle wird mit einem Kantholz zerkleinert. Die größeren und großen Stücke werden in Kamillentee eingeweicht. Anschließend kommt alles (Ausnahme Holzstaub) zusammen in die Wurmkiste. Da die Wurmkiste in meiner Wohnung steht, arbeite ich hier nicht mit Jauchen. Der Holzstaub nebst Kleinstteilen wird ab und zu in die Wurmkiste gestreut. Man kann damit auch Feuchtigkeit binden.

Mit dem entstandenen und mit Holzkohle versetztem Wurmhumus habe ich dieses Jahr sämtliche Pflanzen auf meinem Balkon "gedüngt". Zusätzlich allerdings auch 4 x Jauchenanwendung. Für Tomaten, Zuckererbsen, Blumen, Kräuter usw. wurden keine weiteren Düngerzugaben benötigt.

Gruß
Wurmbär

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exi123
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Re: terra preta

#42

Beitrag von exi123 » Fr 1. Jul 2011, 20:00

hallo

ich frage mich, was würde man brauchen, um ein beet ca 20m2 nachhaltig mit terra preta zu versorgen - dass es also quasi selbstläufer wird, zum automatischen system? habe gehört, dass man diese Erdschicht einmal gescheit aufbringt und dann immer nur mehr "zufüttert". sprich es wurde gezeigt, dass in südamerika diese schichten immer noch vorhanden sind. Ich füttere meinen Boden derzeit schon mit allerlei Nährstoffen usw, sieht auch gut aus, ist ertragreich, aber die Sache mit Kohle fasziniert mich sehr.

hab mich nun ein wenig mehr eingelesen und es gibt anscheinend unterschiedliche methoden, zb

1) man könnte zu einem produzenten wie sonnenerde gehen und pro m2 ca 20cm fertige terra preta erde schütten
2) selbst TP herstellen
- mit der methode küchenabfälle, wasser, holzhohle mischen
- einen Sack http://www.triaterra.de/epages/62153231 ... ducts/TT01 kaufen
- Kompost, kohle mischen und mit EM anreichern

was meint ihr?
danke

holzgaser
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Re: terra preta

#43

Beitrag von holzgaser » Sa 2. Jul 2011, 00:18

Servus!

Die Methode funktioniert sehr gut....
- mit der methode küchenabfälle, wasser, holzhohle mischen
misch noch Gartenerde und etwas reifen Kompost zu den Küchenabfällen und der Holzkohle und das Gemisch im Herbst auf die Gemüsebeete verteilt, dann
hast Du bald eine lockere gute Erde.

EM brauchst du nicht, denn alle Standorttreuen Mikro´s hast Du in Deinem Gartenboden, und damit must die Holzkohle beimpft werden.

Anwendungsmenge: ca 150l auf 5m²

Gruß holzgaser
Holzkohle - warum die wertvollste Kohle nicht das Geld ist!

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Re: terra preta

#44

Beitrag von bioke » So 17. Jul 2011, 14:06

Ich wollte nur mal einen Hinweis geben was die Energetische Nutzung von "Abwärme" bei der Herstellung von Holzkohle für Terra Preta betrifft.
Ich fahre ein Elektroauto weil ich die Energie zum Betrieb selbst herstellen kann. Für 25000km im Jahr benötige ich gemessen ab Ladedose 1500kWh. Dazu wäre eine Fläche in der Größe eines carports mit 3x5=15m2 ausreichend (das Auto ist sehr klein/siehe Twike). Wollte ich die benötigte Energie z.B. Als Rapsöl selbst herstellen, dann bräuchte ich eine Fläche von geschätzt 2500m2 weil Pflanzen nur einen sehr geringen Teil der eingestrahlten Energie in Öl verwandeln und die Verbrennung selbst sehr ineffektiv ist (Abwärme ist im Fahrzeug ja schlecht nutzbar, zuhause im BHKW mag das alles anders sein).
Fakt ist: Pflanzen als Energieerzeuger sind der gängigen Technik: Wasserkraft, Wind, Photovoltaik und Solarthermie weit unterlegen. Energie darüber zu gewinnen würde große Teile unserer Landschaft unnötig in Monokulturen verwandeln oder zu Forstwald machen. Bioenergie mag in Nischenanwendungen momentan noch sinnvoll sein aber bestimmt nicht wenn wir völlig autonom werden wollen, dazu bräuchte jeder von uns Flächen welche schlichtweg nur den wenigsten zur Verfügung stehen und eigentlich dafür zu schade sind.
Ähnliche Betrachtungen kann man fürs Heizen anstellen.
Warum sollte man auch Pflanzen, welche sehr wertvolle biologische Materie darstellen, der Energiegewinnung wegen in tote Materie verwandeln? Was passiert dann mit den enthaltenen Nährststoffen (Stickstoff, Phosphor) Was passiert mit anderen Kreisläufen. Für mich ist eine solide Wärmedämmung welche auch selbst hergestellt werden kann (Strohaus etc) aber auch übergangsweise noch Polystyrol (Vorsicht enthält teilweise bedenkliche Zusätze) oder irgendetwas in der Art besser als Pflanzen zu Verbrennen.

Terra Preta ist für mich allerdings etwas sehr nachhaltiges und lebendiges. Wenn ich sie herstelle kann sie 1000de Jahre biologisch nützlich sein. Die im Verhältnis zu diesem enormen Nutzen sehr geringe Menge Abwärme fällt da für mich nicht ins Gewicht. Sie selbst herzustellen halte ich aber für keine sehr gute Idee wenn man sich das Holz dafür besorgen oder tauschen muß. Die Ausbeute ist sehr gering und die Umweltbelastung was Schwelgase betrifft enorm hoch, das ist wirklich kein Spaß. In den Mengen, die Mutter Erde momentan verkraften muß, sollte man da etwas rücksichtsvoller sein. Selbst offene Kamine sind enorme Dreck und auch Krankheitsschleudern wenn sie in geschlossenen Räumen betrieben werden. Immer bedenken: wir reden hier bei der Herstellung von TP nicht über die Nutzung von Restmengen verkohlten Holzes, so daß in 1000Jahren der Boden verbessert ist, sondern über eine gezielte Bodenverbesserung in einen Zeitraum von 10 jahren, also 100mal kürzer.
Soweit ich das abschätzen kann, braucht jeder von uns für ein solches Projekt mittelfristig Mengen im Bereich von Kubikmetern (etwa 3 pro Ar?). Das werde ich mir bei einer Preislage von 200 Euro pro Kubikmeter(300kg) sauberer Kohle wohl leisten da ich in der Herstellung keine Erfahrung und entsprechende Geräte besitze und es eine eher einmalige Investition in den Boden darstellt. Wenn jemand wirklich einen Holzvergaser besitzt und für uns die Kohle herstellt ist das für mich die beste Lösung, auch wenn es mehr befriedigen würde wenn ich selbst machen würde. Der Holzvergaser holt einfach die dreifache Menge aus derselben Menge Holz. Die Ausbringung wird sich dann eh über Jahre oder gar ein Jahrzehnt hinziehen um sie zu aktivieren, da fällt der Preis dann mit 5 Euro pro Ar und Monat nicht mehr unerträglich ins Gewicht.
Was dann im Laufe meines Lebens an Holzasche und Kohle dazukommt ist dann halt der Aufbau über Generationen und einfach Teil eines Längerfristigen Kreislaufes.
Soll nur ein Denkanstoß sein, ich bin leider nicht gut darin meine Gedanken wertneutral zu schildern, bin da auch gerade erst am Anfang also bitte momentan noch etwas Nachsicht mit mir.
Mit sonnigen Grüßen Christian

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Re: terra preta

#45

Beitrag von luitpold » So 17. Jul 2011, 23:18

hallo,
das klingt total gut was du schreibst.

zum kohle brennen könntest du einmal mit einem kochtopf voll kleinholz und sägemehl im kaminofen herumspielen.

kochtopf befüllen, deckel darauf und mit draht befestigen.
den topf kopfüber im heizraum auf zwei ziegelbrocken aufbocken.

brennholz rundherum und anzünden.
das aus dem kochtopf austretende schwelgas entzündet sich im feuerraum, verbrennt sehr sauber und trägt zur raumerwärmung bei.

dauert halt bis man einen m³ beisammen hat. :rot:

lg
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Re: terra preta

#46

Beitrag von tipopaar » Mo 18. Jul 2011, 09:20

Servas!

Habt ihr eigentlich Erfahrungen gemacht, wie es sich mit der Kohle bestimmter Holzarten verhält? Es ist ja ein ziemlicher unterschied zwischen der leichten bröseligen Kohle von z.B. Fichte und der stabileren Kohle von Harthölzern... :hmm:

lg Ernst

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Re: terra preta

#47

Beitrag von Seppel » Di 19. Jul 2011, 16:01

Wir stellen die Biokohle auch selber her. Genau nach dieser Methode. Verwendet werden die Sägespäne vom Brennholz schneiden. Der Holzvergaser-Teil erfolgt dann im Winter, so nebenbei im Kaminofen. Dazu verwende ich 2 leere Dosen Katzenfutter, die ineinander gesteckt werden. In die Außenwände werden noch ein paar Löcher gepiekst, und fertig ist mein Holzvergaser. Im Ofen wird das Holzgas auch gleich mit verbrannt und so thermisch genutzt. Schwere Bearbeitung der fertigen Biokohle ist nicht nötig, weil die Späne ja schon klein sind. Nach einigen Durchgängen ist die Dosen-Konstruktion allerdings durchgebrannt, sodass eine neue gebaut werden muss. (Was ich absolut nicht schlimm finde, weil die Katze in der Zeit meistens schon 2 neue Dosen leer gemacht hat.)

Holzspäne gibts übrigens auch umsonst beim Tischler. Der hat eine Staub-Absaug-Anlage, wo am Ende säckeweise davon raus kommen.

Zum Tonanteil: ich sage, das ist Zufall. Die Indios haben Kartoffeln mit einer Schicht Ton umhüllt, und dann für einige Zeit zum ins Feuer gelegt. Änhnlich wie bei uns Kartoffeln in Alufolie. Die Reste sind dann nach dem Essen mit auf den Kompost geflogen.

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Re: terra preta

#48

Beitrag von Waldschrat » Mi 20. Jul 2011, 10:04

Das ist ein interessantes Thema, habe gerade bei der Anlage eines Staudenbeetes (was Schönes muss auch mal sein...) Ähnliches gemacht, Schmodder aus unserem halb verlandeten Teich, dazu Holzkohlereste untergearbeitet und Zeolith (Wasserspeicherung...hier dringend nötig, da Sandboden)...

Bei all der Terra Preta Euphorie ist mir im Netz aber ein Artikel aufgestoßen, der das Ganze mal bissel auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Die meisten Leute hier machen sich ihre Schwarzerde ja selber, da ist das kein Problem. Die meisten andern "Gärtler" werden sich das Zeug aber bestimmt im Baumarkt holen. Man fragt sich, wo da die Tonnen von Holzkohle herkommen...

http://nichtidentisches.wordpress.com/2 ... rsprechen/

Außerdem glaube ich mich erinnern zu können, dass es früher mal Usus war, im zeitigen Frühjahr die Wiesen "abzufackeln", was neben der Beseitigung hässlicher Stubben den Effekt hatte, dass die Wiese mit Holzkohle gedüngt wurde und daraufhin entsprechend prächtig gewachsen ist. Heutzutage verboten wegen der Kleinlebewesen.

Da haben die Forscher mal wieder was entdeckt, was frühere Generationen sowieso schon wussten. Naja. ;)
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Re: terra preta

#49

Beitrag von luitpold » Do 21. Jul 2011, 10:33

Waldschrat hat geschrieben:
http://nichtidentisches.wordpress.com/2 ... rsprechen/

Außerdem glaube ich mich erinnern zu können, dass es früher mal Usus war, im zeitigen Frühjahr die Wiesen "abzufackeln", was neben der Beseitigung hässlicher Stubben den Effekt hatte, dass die Wiese mit Holzkohle gedüngt wurde und daraufhin entsprechend prächtig gewachsen ist. Heutzutage verboten wegen der Kleinlebewesen.

Da haben die Forscher mal wieder was entdeckt, was frühere Generationen sowieso schon wussten. Naja. ;)
ich würde einmal das ganze lesen.
die kommentare haben verglichen mit dem eingangsposting sehr viel mehr substanz.

und natürlich kann man mit wiese abbrennen auch schwarzerde herstellen, dauert dann halt so 1000- 2000 jahre.

terra preta sollte aber in 20 jahren umsetzbar sein.
und nein nicht aus holz sondern aus agrarreststoffen in sauberen und wirtschaftlichen anlagen.

der hauptvorteil der TP ist das vielfach gesteigerte chemische bindevermögen der böden, was bedeutet es wird sehr viel weniger (kunst)dünger benötigt, das grundwasser wird sehr viel weniger belastet.

lg
luitpold
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Re: terra preta

#50

Beitrag von ina maka » Do 21. Jul 2011, 11:58

hallo!

@Waldschratt: Schmodder aus dem Teich ist der beste Dünger! Klappt bei uns seit Jahren schon - allerdings haben wir Lehmböden, die von Natur aus Nährstoffe gut halten können.
luitpold hat geschrieben:ich würde einmal das ganze lesen.
die kommentare haben verglichen mit dem eingangsposting sehr viel mehr substanz.
hab ich grad getan und dabei sind mir zwei Kommentare ins Auge gesprungen:
Meyer mit y hat geschrieben:Und immer wieder wundersame Wundermittel mit Wunderversprechungen.
Da gibts einen großen Topf, in den kommt Terra Preta, Schwarzerde, Humus, Silage, natürlich EM – und dann wird der ganze Mist wohl in einem Kuhhorn vergraben….
Dabei weiß noch niemand so recht, was eigentlich Terra Preta ist und wie (und ob…) sie funktioniert. Alles klammert sich an Akzidentien, wie die Holzkohle drin.
Wie toll müßte dann die damit schwarz gefärbte Graberde für Friedhöfe sein.
Oder sinds vielleicht doch die Tonscherben drin?
Oder die Muscheln?
Oder die Fischknochen?
Oder ganz was anderes?
Oder etwa gar gar nix?
Mal abwarten, wieviele der Anfangsversprechungen nach ein paar Jahren übrig bleiben.
Holzkohle an sich schadet im Boden sicher nicht, sie liegt wie ein toter Hund drinnen, oft schon seit prähistorischen Zeiten. Bestenfalls adsorbiert sie diverse Stoffe.
Und was sollen die Drittweltländer übrigens zum Kochen ihres bescheidenen Essens verwenden? Flaschengas vielleicht?
Vielleicht ist es die Mischung?

und das hier:
Richard Lausser hat geschrieben:http://de.wikipedia.org/wiki/Knick

Solche Knicks aus Hecken haben zudem den vorteil, die eingegrenzte Fläche fruchtbarer zu machen, indem die Windgeschwindigkeiten gebremst werden und das Laub als organischer Dünger fungieren kann
Ich denke, man kann Terra Preta nicht so einfach nachbauen und auf einen schlecht behandelten Acker schütten - oder hab ich da die letzten Entwicklungen verschlafen??
Und wenn ich mich bei uns in der Gegend umschau, wo es Gott sei Dank noch eine recht klein strukturierte Landwirtschaft gibt - mit Ackerrandstreifen und Baumreihen oder Hecken dazwischen ...
dann denke ich, vielleicht wären solche "Knicks" eine einfachere und nachhaltigere Lösung? :hmm:

Und zu meiner Aussage ganz oben, dass Schmodder aus dem Teich so ein guter Dünger ist - ich kann das eigentlich gar nicht beurteilen, denn unser Garten wird seit Jahren nicht umgestochen, ich hab viele Unkräuter drin, mulche manchmal aber nicht besonders dick, gleich neben dem Garten wachsen Bäume, unser Wasser ist sehr kalkhältig (Hydrogenkarbonat) und was noch?? sicher ist da noch etwas, was mir gar nicht aufgefallen ist (wir verwenden weder Tiermist noch Kunstdünger, und schwarz sieht die Erde nicht aus) ?

Ich vermute/befürchte halt, es ist bei "Terra Preta" ähnlich....................
In Terra Preta sind mehr "Geheimnisse" drin als nur die Holzkohle.

liebe Grüße!
Manche können nur fremde Meinungen, nicht ihre eigenen berichtigen.
Jean Paul
John Trudell - Take back the Earth

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