Market Garden: Kompostintensive Ansätze

Sarek
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Market Garden: Kompostintensive Ansätze

#1

Beitrag von Sarek » Di 28. Nov 2017, 13:35

Hallo zusammen,

in der "Market Garden Szene" ist die Verwendung massiver Kompostzugaben ein großes Thema. Richard Perkins hat im ersten Jahr z.B. 20 Tonnen auf 400 qm² gehauen.
Ich habe gerade keine Zahlen parat, aber m.E.n. dürften die Zugaben weit über Empfehlungen z.B. der guten fachlichen Praxis liegen.
Dies wird auch von Leitköpfen der Szene erkannt - es wird jedoch angenommen, dass durch große und belebte organische Oberböden eine Auswaschung verhindert würde.
Wissenschaftliche Untersuchungen fehlen indes.

Ich bin momentan auf der Suche nach wissenschaftlichen Veröffentlichung zum Thema Kompost und Garten.
Es gab mal eine Untersuchung von Hausgärten der Uni Weihenstephan z.B.

Kennt Ihr weitere Aufsätze, Abhandelungen etc. zu dieser Thematik?
Aber auch persönliche Einschätzungen sind willkommen.

Danke und Grüße
Sarek

centauri

Re: Market Garden: Kompostintensive Ansätze

#2

Beitrag von centauri » Mi 29. Nov 2017, 08:06

Ich habe im Frühjahr dieses Jahr auch 10 Tonnen ausgereiften Kompost ins Gewächshaus und auf ca. 70 m² Außenfläche aufgebracht und eingefräst. Das waren ca.16 m³. Und wenn ich jetzt mal rechne sind das (Gewächshaus 90 m² plus 70 m²) genau 10 cm auf einen m².
Wenn das dann eingefräst ist merkt man da nicht mehr viel.

Pastinake

Re: Market Garden: Kompostintensive Ansätze

#3

Beitrag von Pastinake » Mi 29. Nov 2017, 13:48

Centauri, unterfräsen hättest Du es aber nach der No-Dig-Methode nicht müssen. Wo hast Du denn den vielen Kompost her? Selbstgewonnen dank Deiner beruflichen Tätigkeit?
Machst Du das jedes Jahr so oder ist das bei Dir auch ein Experiment?

Sarek, ich beschäftige mich auch intensiv mit Dowding und habe mir gerade noch ein weiteres Buch von ihm, "Organic gardening : the natural no-dig way" besorgt, aber noch nicht ganz gelesen.
Was mich irritiert ist, daß er den Kompost im Herbst aufbringt und schreibt, daß der Kompost nicht ausgewaschen würde. In einem anderen Thema hier im Forum geht es um Nitrat-Anreicherung im Wintergemüse. Im Moment versuche ich auch gerade herauszufinden, wie löslich die Stoffe im Kompost sind? Aber wirklich wissenschaftliche Quellen, wie sich eine dicke Kompostschicht auswirkt, und wie sich Kompost ins Grundwasser auswäscht, habe ich auch noch nicht finden können.
Wenn Du da Infos auftreibst, wäre es schön, wenn Du die hier teilen würdest!

Dank Dir habe ich jetzt mal Videos von Perkins bei yout... angeschaut. Der deckt ja seine Beete mit Vlies ab über Winter. Warum? Und ist es wasserdichtes Vlies?
Danke auf jeden Fall für den Tipp! :daumen:

Ich habe jetzt 2 Jahre lang ca. 3-5 cm gekauften Kompost vom Landkreis auf die Beete gehauen und nicht eingearbeitet. Allerdings nicht auf der ganzen Fläche meines Gemüsegartens (wegen Kosten und fehlendem Auto-Anhänger). Was ich feststelle, ist auf jeden Fall, daß in den behandelten Beeten wesentlich weniger Unkraut aufkommt und wenn doch, läßt es sich sehr leicht jäten. Genug eigenen Kompost habe ich leider noch nicht für die ganze Fläche meines Nutzgartens. Da will ich mich auf jeden Fall mehr drum kümmern in den nächsten Jahren.

Das Gemüse wächst auf jeden Fall sehr gut bei mir und für mich ist das Nicht-Umgraben auf jeden Fall eine Arbeitsersparnis.
Auf den 80 qm, die ich noch nicht mit Kompost überzogen habe, habe ich das Problem, daß sich bei Trockenheit Risse bilden, der Boden also recht "verbacken" ist und steinhart wird und Regen dann teils Erde aus den Beeten spült beim Mais z.B.
Die Kompostüberzogenen 40 qm werden weder weggewaschen, noch bilden sich Risse. Das ist für mich ein Grund, auch noch die restlichen Gemüseflächen in den nächsten Jahren mit Kompost abzudecken. Sehr viele Regenwürmer habe ich aber auf meiner ganzen Gartenfläche. Da kann ich bisher keinen Unterschied feststellen.

Die Gründüngung passt aber anscheinend nicht zu dem System, da bin ich jetzt am Überlegen, ob ich weiterhin Gründüngung aussäen soll, oder nicht? Oder ob ich in Zukunft nur noch abfrierenden Senf oder Perserklee verwenden soll statt Phacelia, Lein, Buchweizen und Inkarnatklee?
Im Moment ist meine ganze Nutzgartenfläche grün von Wintergemüse oder Gründüngung. Braun ist bei mir zur Zeit nur 1 Beet mit reinem Laubkompost, wo ich neugierig bin, wie da nächstes Jahr der Kohl wachsen wird?
Plausibel ist für mich das Nicht-Umgraben, weil in der Natur ja auch nicht groß umgebuddelt wird (höchstens mal von Wildschweinen). Und da ja auch das verrottende Material obenauf eine Humusschicht bildet. Aber ohne Abdeckung des Kompostes in den Beeten frage ich mich, wie stark dann die Erosion ist?
Ich habe mir wieder das Buch von Paul Seitz: Kompost und Boden herausgesucht und werde das demnächst nochmal lesen.

Was hast Du denn geplant oder überlegt für Deinen Garten?

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Re: Market Garden: Kompostintensive Ansätze

#4

Beitrag von Manfred » Mi 29. Nov 2017, 14:15

@Sarek: Ich hatte das in der Vergangenheit schon einige Male angesprochen.
Die Inhaltstoffe schwanken natürlich deutlich, je nach Ausgangsmaterial und Ablauf des Kompostierungsprozesses.

Wenn ich von diesen Werten ausgehe:
http://kompostwiki.de/weiterfuehrendes/ ... im_kompost

Je Tonne Frischkompost 600 kg Trockenmasse.
Je Tonne Trockenmasse 12 kg N und 8 kg P2O2.
Je Tonne Frischmasse 7,2 kg N und 4,8 kg P2O2.
Um die Grenze von 170 kg N einzuhalten, dürften max. 23,6 m3 pro ha und Jahr ausgebracht werden.
Und da die meisten Gartenböden eine hohe P2O2-Versorgung haben, evtl. noch deutlich weniger.
Bei Komposten mit hohem Stickstoffgehalt (Anteile von jungem Grünschnitt, Geflügelkot etc.) ebenfalls entsprechend weniger.

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Re: Market Garden: Kompostintensive Ansätze

#5

Beitrag von Rohana » Mi 29. Nov 2017, 14:41

Manfred hat geschrieben:[...]
Um die Grenze von 170 kg N einzuhalten, dürften max. 23,6 m3 pro ha und Jahr ausgebracht werden.
Und da die meisten Gartenböden eine hohe P2O2-Versorgung haben, evtl. noch deutlich weniger.
Bei Komposten mit hohem Stickstoffgehalt (Anteile von jungem Grünschnitt, Geflügelkot etc.) ebenfalls entsprechend weniger.
Danke für die Zahlen. Danach hätte Centauri aber sicher die Grenze von 170N ~ 23,6 m3 pro Hektar und Jahr überschritten? :hmm:
centauri hat geschrieben:Ich habe im Frühjahr dieses Jahr auch 10 Tonnen ausgereiften Kompost ins Gewächshaus und auf ca. 70 m² Außenfläche aufgebracht und eingefräst. Das waren ca.16 m³. Und wenn ich jetzt mal rechne sind das (Gewächshaus 90 m² plus 70 m²) genau 10 cm auf einen m².
Wenn das dann eingefräst ist merkt man da nicht mehr viel.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

centauri

Re: Market Garden: Kompostintensive Ansätze

#6

Beitrag von centauri » Mi 29. Nov 2017, 15:03

Pastinake hat geschrieben:Centauri, unterfräsen hättest Du es aber nach der No-Dig-Methode nicht müssen. Wo hast Du denn den vielen Kompost her? Selbstgewonnen dank Deiner beruflichen Tätigkeit?
Machst Du das jedes Jahr so oder ist das bei Dir auch ein Experiment?
Nee nicht selbst gewonnen. Ich bin auf unserer Deponie in der Woche mind. 3 x und lade dort Äste ab und dann nehme ich ab und an mal eine Tonne fertigen Kompost mit nach Hause. Und für 10,50 € je Tonne kann ich den auch nicht selber herstellen. Eingefräst habe ich ihn weil es mehr oder weniger Brachland (also wurde einmal im Jahr gemulcht) war. Das erschien mir von der Bearbeitung her einfach günstiger. Der eigene Kompost wird für die Kürbisse, Zuccini usw. gebraucht.

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Re: Market Garden: Kompostintensive Ansätze

#7

Beitrag von ina maka » Mi 29. Nov 2017, 15:30

Ich hab da aus Manfreds link noch was anderes herausgelesen! ;)
Die Zahlen gestatten jedoch keine direkte Aussage über die Düngewirkung, da diese vom pflanzenverfügbaren Anteil der Nährstoffe abhängt. [...] Der Hauptteil des organisch gebundenen Stickstoffes im Kompost wird nur langsam im Verlauf mehrerer Vegetationsperioden mineralisiert und damit pflanzenverfügbar.
Und es hängt schon sehr davon ab, was man kompostiert! Wir haben zum Beispiel einen Komposthaufen aus fast nur Fichtenzweige mit viel Fichtengrün und Rindenteile.... Das in meinen Gemüsegarten?? nee. (Ich hab da sextra gemacht für die Blaubeeren).

Wenn ich hauptsächlich die Dinge nehme, die bei uns im Garten und im Haushalt als Abfall anfallen - woher soll dann der große "Düngeüberschuss" kommen?
Wir leben in einem Gefängnis mit offenen Türen und Fenstern und die Frage ist, wer sind die ersten, die sich raustrauen? Wagenhofer www.youtube.com/watch?v=q2WEVdNQAxE

Pastinake

Re: Market Garden: Kompostintensive Ansätze

#8

Beitrag von Pastinake » Mi 29. Nov 2017, 16:04

Danke Manfred für den Link.

@Centauri: Ich schreibe lieber nicht, wieviel ich für einen 50-Liter-Sack Kompost hier bezahle ... :rot: Auf jeden Fall ist das bei Dir dann echt sehrsehr günstig!

centauri

Re: Market Garden: Kompostintensive Ansätze

#9

Beitrag von centauri » Mi 29. Nov 2017, 16:31

@Pastinake
ich weis ja nicht wie viel du an Kompost brauchst. Aber da würde ich mich mal um einen anderen Lieferanten kümmern. Eine von vielen Seiten dafür wäre z.B..
http://www.baustoffe-liefern.de/bestellung/
So würde ich suchen. ;)

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Re: Market Garden: Kompostintensive Ansätze

#10

Beitrag von Dyrsian » Mi 29. Nov 2017, 21:48

Pastinake hat geschrieben:Danke Manfred für den Link.
@Centauri: Ich schreibe lieber nicht, wieviel ich für einen 50-Liter-Sack Kompost hier bezahle ... :rot: Auf jeden Fall ist das bei Dir dann echt sehrsehr günstig!
Hier isser umsonst! :grinblum:
Man kann abholen was geht, kost nix! Irgendwas muss hier auch mal gut sein!

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