Grundsatz-Diskussion

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Peterle
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Re: Grundsatz-Diskussion

#141

Beitrag von Peterle » So 23. Jul 2017, 09:49

Danke euch beiden!
Ich werde wohl im Herbst mit Terra Preta anfangen. Dazu werde ich erst einmal ein trichterförmiges Loch in den Boden graben und alles holzige darin entsprechen der Anleitungen im INet verkohlen und mit Brennesseljauche aktivieren.
Das ganze in den Kompost und der Rest wie beschrieben.

Ich bin gespannt, bleibt nur noch die Frage, wo ich all das Material herbekomme. Brennholz kaufen widerstrebt mir irgendwie.

Gruß

Peter

P.S. ich fand es auch etwas ernüchternd, welche Mengen an Kompost man benötigt und wie schnell dieser scheinbar "verdunstet". Nur kurze Zeit nicht aufgepasst und der Boden ist wie vorher.

viktualia
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Re: Grundsatz-Diskussion

#142

Beitrag von viktualia » So 23. Jul 2017, 09:57

Einen schönen und friedlichen Sonntagmorgen wünsch ich.
(Lach, wär doch schade, wenn wir bei den Missverständnissen aufhören - vielleicht finden wir ja doch noch nen Konsens, dann wär mein "Biss" wenigstens was wert gewesen....")
Erstmal Peter: Menschenskinder, es fiel mir nicht leicht, zu begreifen, dass ich als Staudengärtnerin mit MIST-Kompost gerade mit einem Gemüsegärtner rede, der sich um seine Stickstoffmengen im Kompost sorgt, neben dem Schneckenproblem.
Inzwischen hab ich begriffen, was Till mit dem "unverklemmten Umgang mit N" meint, so Ansatzweise.

Peter, ich hab echt ne Weile über dieses "Stickstoffentzug mach Kompostgabe" rätseln müsen - du meinst so was wie wenn man mit Rindenmulch die Beete bedeckt und Hornspäne dabei gibt, um den Abbauverlust auszugleichen, oder?
Hab ich nicht, ist mir fremd, war nicht deutlich geworden.
Müsste ich mich für so was entschuldigen? Wenn es um nen Grundsatzfaden Kompost geht?
Wo Stickstoff gemeinhin durch die Mikoben geliefert wird? Eigentlich nicht.
O.K., Inhaltlich nicht, aber für´s Stimmung vermiesen schon: Entschuldigung. War zu ungeduldig.

Hobbygärtnerin und Peter: Lehm und gebrannter Ton haben unterschiedliche physikalische Eigenschaften.
Ich töpfer ja viel auf der Arbeit - Ton wird meist erst geschrüht, bei 800-950 Grad, danach ist er hart, wasserfest und rau.
Wenn eine Glasur draufkommt, oder man ihn besonders fest haben möchte, findet ein Brand bei (über) 1050 Grad statt, dann ist er "gesintert", es ist Molekularwasser ausgetreten, die Veränderung ist größer als bei dem niedrigen Brand, der Ton ist nun säurefest und dichter.
Leider hab ich nie rausbekommen, bei welchen Temperaturen die Indios gebrannt haben, ich nehme mal an, sie haben geschrüht, also unter 1000Grad.
Gebrannter Ton hat gewisse physikalische Ähnlichkeiten mit Holzkohle:
die vielen kleinen Poren, die von Mikroben besiedelt werden können und enorm Strukturstabil sind.
Höher gebrannter Ton ist dichter und noch haltbarer.

Ich kann sagen, dass Lehm als Ersatz, mmh, eigentlich kein Ersatz ist. Das ist halt nur Grundstoff für für den Ersatz, als wolle man Kohle durch Holz ersetzen, geht leider nicht.
Und bei Ziegelsplittern wären schlechte Ziegel, also solche, die Witterungsanfällig sind, theoretisch etwas besser, wegen der größeren Oberfläche. "Gute" Ziegel tun´s auch, eventuell braucht man aber mehr, ganz sicher sind sie schwerer kleinzukriegen.

So, last but not least möcht ich mich noch gegen die "Entzugsorientierung" verwehren:
es gibt ja noch andere Bezugspunkte als die konventionelle Landwirtschaft. Und wenn man z.B. eine "fette Wiese" übernimmt und braucht kein Weidelgras, weil man keine Kühe hat, dann magert man die für gewöhnlich ab, um da ein anders Spektrum an Wiesenkräutern kultivieren zu können. Man verwertet irgendwie das Heu, düngt in der Zeit nicht und nach einer Weile wachsen da andere Pflanzen, die es mit dem vielen Stickstoff da sonst nicht ausgehalten hätten. Das könnte ich als Laiin durchaus als "entzugsorientiertes Wirtschaften" bezeichnen.
Auch als Kräutergärtnerin, wenn ich so überlege....

Ich finde den Spruch immer noch nicht "irreführend", echt nicht. Das hiesse ja zu behaupten, alle Gärtner wären über den Bedarf ihrer Pflanzen voll orientiert. Bauern ja, inzwischen; aber doch nicht automatisch auch alle anderen.
Nicht zuletzt find ich interessant, dass "Wirkung" auch was mit Zeit zu tun hat und Kalk die Zeiten, in denen was verbraucht werden kann, verändert.

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Re: Grundsatz-Diskussion

#143

Beitrag von hobbygaertnerin » So 23. Jul 2017, 10:16

Ich verwende das gröbere Restholz und sonstiges holziges (Kohlstrünke und ähnliches ) aus dem Garten, von den Obstbäumen, Beerensträuchern usw. und von unserem Wald (geht durch den Hacker), möchte eben bewusst keine fertige Holzkohle kaufen. Die feineren Zweige kommen einfach so durch den Hacker und dann ohne Verkohlung auf den Kompost.
Loch graben und in der Erde Holzkohle herstellen steht auf meiner Liste, aber bis jetzt bin ich noch nicht dazugekommen. Macht natürlich gleich eine grössere Menge an wertvoller Biokohle als mit meinem kleinen Sampada.
Aufladen kommt mir mit Hühner- oder Taubenjauche effektiver vor, aber auch Brennessel-Beinwelljauche liefert hier wichtige Aufladenährstoffe. Wenn ich den Komposthaufen aufbaue, dann gebe ich auf die Mistschicht (Hühner, Kaninchen- Rindermist die Holzkohle dünn verstreut drauf, eine Giesskanne Wasser zum Anfeuchten und Einsickern kommt auch noch darauf- die passende Feuchte zu finden- da bin ich immer noch am Probieren.

Seit ich den Garten bewirtschafte, gebe ich im Frühjahr eine dicke Schicht Kompost auf den Gartenboden, das müsste im Laufe der zeit eine gewaltige dicke Schicht geworden sein, ist aber nicht. Der wird von den Pflanzen verbraucht- Humusaufbau und Pflanzenwachstum steht in Kokurrenz zueinander. Ich vermute mal, das Geheimnis der Terra Preta ist die Speicherung von Stickstoff und Phosphor, aber auch die Mengen, die ausgebracht werden.

Ob Terra Preta , wie es in den Berichten aus Südamerika zu lesen ist, sich auch weitervermehrt, bzw. wächst- das kann ich mit dem Augenschein nicht beurteilen, aber auf alle Fälle, ich habe jetzt seit ein paar Jahren endlich Gemüse, dass einem auch sichtbar Freude macht.

@Viktualia,
ich stell mir immer vor, so eine Frau vor zig hunderten Jahren irgendwo im Amazonasdschungel-
wie hätte sie ihren Hauhalt, ihr Stoffstommangement gemacht?
Ob der Lehm damals aus den gebrannten Töpfen oder aus dem Einpacken von Lebensmitteln zum Garen im Feuer dazukam, die Tonscherben wichtiger wären als die Lehmzugabe, ich weiß es nicht.
Alles was zur damaligen Zeit als Abfall anfiel war kompostierbar und kam vermutlich zu diesen Kompost, ebenso die Reste der Herstellung von Maisbier, vermutlich auch die "kompostierbaren Windeln" der damaligen Zeit, alles was eben so anfiel.

Da ich derzeit an keinen Ziegelsplitt komme, muss ich mich mit dem verheizten Lehm begnügen-
aber das Ergebnis, dass vom Garten kommt, scheint sich aufzugehen.
Lieber verwende ich auf alle Fälle den Lehm von unserem Betrieb als ich mir von irgendwo weit weg Ziegelsplitt kommen lasse.
Die zu bewirtschaftende Fläche im Gemüsegarten wird kleiner, die Fruchtbarkeit steigt und mit Gartenvlies lässt sich zudem Ernteverfrühung und -verspätung machen, damit die Beete viel intensiver nutzen.
Leider können wir diese klugen Menschen der damaligen Zeit nicht mehr fragen- aber sie haben der Gier der Spanier der damaligen Zeit nach Gold auf alle Fälle ein wesentlich wertvolleres Erbe hinterlassen.

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Re: Grundsatz-Diskussion

#144

Beitrag von Peterle » So 23. Jul 2017, 10:18

Da liegt wohl ein Lesefehler vor:
Diese Gefahr des Ausbeutens oder Ausmergeln des Bodens ist heute bei entzugsorientierten Grunddüngung nicht mehr gegeben.
Auszug aus dem Zitat von mir

Nicht entzugsorientiertes Wirtschaften sondern entzugsorientierte Grunddüngung.

Und Ölkanne hatte das schön erklärt.

Gruß

Peter

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Re: Grundsatz-Diskussion

#145

Beitrag von Peterle » So 23. Jul 2017, 10:26

@Hobbygärtnerin

ja Kompost. Ich hatte leider in einem meiner Texte vorher nicht genau unterschieden. Kompost ist eigentlich Humus (das hatte Viktualia richtig dargelegt). Kompost beschreibt halt nur die Art, wie dieser Humus gebildet wird.
Das Ergebnis ist Nährhumus, welcher sehr schnell von den Pflanzen aufgenommen wird. Mit meinen ca. neun Monaten Kompostierung komme ich nicht mal ansatzweise an Dauerhumus heran.

Vermutlich muss man für Dauerhumus ca. vier bis fünf Jahre warten. Dann ist der Kompost auf ein klägliches Häufchen geschrumpft und taugt auch kaum als Nährboden. Die Abgabe der Nährstoffe ist extrem langsam. Als Wasserspeicher, Bodenverbesserer und zur Aufnahme extern zugeführter Nährstoffe jedoch ist dieser Humus ideal. Kein Wunder, dass Torf so teuer ist.

Gruß

Peter

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Re: Grundsatz-Diskussion

#146

Beitrag von ihno » So 23. Jul 2017, 10:30

wie Torf teuer ?
der wächst doch ganz von alleine :hmm:
Eala Frya Fresena !!
Elk is gern wat ,un nüms is gern nix

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Re: Grundsatz-Diskussion

#147

Beitrag von Peterle » So 23. Jul 2017, 10:37

Schlingel du, willst du uns deine nass/saure Wiese anbieten :) ?
Nee hier im Elm kannst du Torf kaum finden, wenn dann im Naturschutzgebiet. Im alten Land oben ist das was anderes und rund Berlin sicherlich auch.

Ein großer Sack Torf liegt bei ca. 17,-- €. Ich finde das nicht billig!

Gruß

Peter

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Re: Grundsatz-Diskussion

#148

Beitrag von viktualia » So 23. Jul 2017, 11:13

Peter, warum lässt du es nicht sein?
Warum hab ich jetzt nen "Lesefehler" am Back, obwohl ich in meinem allerersten Kommentar zu deinem Link geschrieben hab
Heist das "abmagern" oder heist das "Leguminosen"?
Hobbygärtnerin, (ich hatte es überlesen, dass du den Lehm zum Holz gibst und verbrennst, sorry....), du machst das im Sampada und kochst zuerst damit, bevor du es ablöschst, oder? Wie lange ist da der Lehm mit im Brand; wie dick hast du den, bzw. in welcher Form (Knubbel, in Äste getaucht, Streifchen...); nass oder angetrocknet; und vor allem: springt das nicht, wenn du ablöschst?
Hast du mal irgendwo mehr über die Herkunft des Tons gelesen als die Sache mit den Fäkalientöpfen (die, meiner Theorie nach, heisser und in extra Öfen hergestellt worden sein müssten) und der Version mit dem Umhüllen von Gargut? Eigentlich müsste sich das von den Archäologen recht einfach ermitteln lassen, wie heiss da gebrannt wurde - deshalb wundert es mich sehr, das ich da noch nie was gefunden habe.
Im Moment nehme ich an, die haben alle Varianten genutzt: Lehm pur, angekokelten, geschrühten, gesinterten und alles, was kaputt ging.

Dann noch ne Frage an alle, ganz ohne stänkernde Hintergedanken:
Ich nehm zur Zeit den relativ frischen Kompost als "Torfersatz"; meine Theorie ist, dass die ganzen Fasern das Wasser speichern, solange sie da sind. Ich kompostier viel Sägespäne, Stroh und Leinstreu, wenig Blätter, etwas Heu (und Mist halt). Wenn ich mir meine alte, selbstgemachte Blumenerde nach 2 Jahren anschaute, fand ich das krümelig staubige Zeug nicht gut zum Wasserhalten. Gefühlsmässig. Jetzt les ichs hier umgekehrt....
Ich dachte immer, Torf zersetze sich wegen der Huminsäuren erst mal nicht mehr und baut sich dann im kalkreicheren Gartenboden doch langsam weiter ab. Wo ist mein Denkfehler? (Oder eurer?)

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Re: Grundsatz-Diskussion

#149

Beitrag von Oelkanne » So 23. Jul 2017, 11:18

Zu dem "Entzugsorientiert"
Heist das "abmagern" oder heist das "Leguminosen"?
Raubbau hat mit Hülsenfrüchten NICHTS zu tun.
Was möchtest du uns also mit deinem Satz sagen?

ihno
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Re: Grundsatz-Diskussion

#150

Beitrag von ihno » So 23. Jul 2017, 11:23

Ach nee verkaufen nicht . könnten gegen Steine tauschen ;) die gibt es bei uns nicht und sind teuer.
Eala Frya Fresena !!
Elk is gern wat ,un nüms is gern nix

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