Schafwolle (schneller) kompostieren - wie?

Pitu
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Re: Schafwolle (schneller) kompostieren - wie?

#61

Beitrag von Pitu » Do 15. Mär 2018, 16:51

kraut_ruebe: Über Dein Experiment mit den Pferdemisthügeln und Kuhlen hab ich jetzt nix gefunden? Aber das Thema Fisch und Tomaten. Da hattest Du auch schon was dazu geschrieben.
So wie Du und Stekovics kann ich bei mir nicht Tomaten anbauen. Dafür ist es zu feucht. Und auf den Hügeln bindest Du die Pflanzen dann hoch? Aber auf jeden Fall Danke für Deine Infos! :) Dann werde ich mal sehen, ob ich beim Fischgeschäft Abfälle erbetteln kann? Oder bei Anglern. Bin jetzt bloß am Überlegen, ob ich die Tomatenversuchsreihe im Topf mache oder im Freiland. Aussagekräftiger wäre es wahrscheinlich im Topf, weil ich da dann dieselbe Erdzusammensetzung herstellen kann. Hm, mal überlegen. :hmm:

Pitu
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Re: Schafwolle (schneller) kompostieren - wie?

#62

Beitrag von Pitu » Do 15. Mär 2018, 17:14

Hallo Gerd,
wow, mir wird klar, daß ich nix weiß! :bet:

Das ist echt interessant, was Du alles schreibst! :daumen:
Klar, wenn Du Erhaltungszucht und Sortenverbesserung betreibst, hast Du andere Ziele als Jemand, der möglichst viele dicke Kartoffeln
ernten möchte. In einem Jahr hatte ich die Kartoffeln in ein Kompostbett gelegt. Da war der Ertrag nicht so überzeugend bei mir.
Aber natürlich spielt da auch immer das Wetter in dem Jahr massiv mit rein.

Letztes Jahr hatte ich die Kartoffeln in ein Aschebett gelegt und eine dünne Schicht Obstbaumlaub oben über die Erde.
Kein weiterer Dünger. Erstaunlicherweise hatte ich letztes Jahr keinen einzigen Kartoffelkäfer dran, obwohl meine Nachbarn furchtbar
geklagt haben, daß es sooo viele Käfer gäbe. Bei mir war kein einziger. Allerdings kam letztes Jahr erstmalig bei mir die Krautfäule zum Tragen, weil
es sehr nass war und es fast täglich Tau gab. Ertrag war okay, aber nicht überragend.

Bei den Tomaten soll es helfen, wenn man die Pflanzen mit Aspirinwasser einsprüht. Das hat aber letztes Jahr bei mir auch nicht mehr geholfen.
Geht möglicherweise auch mit Weidenrindenauszug? Kennst Du den Trick auch? Ist allerdings ziemlich sicher nicht biodynamisch... ;)
Das mit der Gerbsäure-Spritzung wäre aber auch einen Versuch wert.

Das mit dem Schachtelhalmtee ist interessant! Den sprühst (oder gießt?) Du an frostfreien Tagen über die Beete, in denen die Kartoffeln später stehen sollen?
Und in welcher Dosierung? Das könnte ich ja schon mal prophylaktisch machen.

Gründüngungsmischung säe ich auch auf die Flächen, wo im nächsten Jahr die Kartoffeln wachsen sollen. Winterroggen finde ich auch klasse als Gründüngung. Der unterdrückt bestens die Quecke.

Hast Du denn dann auch schon eigene Kartoffelsorten aus Samen gezogen? Ich hab aus einer Beere, die an der La Ratte dran war, Samen genommen. Das Experiment wollte
ich auch mal machen. Wär bestimmt spannend!

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Re: Schafwolle (schneller) kompostieren - wie?

#63

Beitrag von kraut_ruebe » Do 15. Mär 2018, 18:01

jemenmethode heisst das mit dem pferdemist. hier ist der forumseintrag:

https://www.selbstvers.org/forum/viewto ... de#p235909

auf den hügeln hatten die tomaten bei mir stäbe.
wenn du denkst, abenteuer sind gefährlich, dann versuchs mal mit routine. die ist tödlich. (coelho)

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Re: Schafwolle (schneller) kompostieren - wie?

#64

Beitrag von gewebill » Do 15. Mär 2018, 19:35

Hallo pitu

pitu schrieb:
Letztes Jahr hatte ich die Kartoffeln in ein Aschebett gelegt und eine dünne Schicht Obstbaumlaub oben über die Erde.
Kein weiterer Dünger. Erstaunlicherweise hatte ich letztes Jahr keinen einzigen Kartoffelkäfer dran, obwohl meine Nachbarn furchtbar
geklagt haben, daß es sooo viele Käfer gäbe. Bei mir war kein einziger.


also hast du die Kartoffeln auf relativ magerer Grundlage gezogen.
Das könnte der Grund gewesen sein für die nicht vorhandenen Kartoffelkäfer. Die mögens auch lieber, wenn ihr Futterplatz in Vollmast steht.

Pitu schrieb:
Bei den Tomaten soll es helfen, wenn man die Pflanzen mit Aspirinwasser einsprüht. Das hat aber letztes Jahr bei mir auch nicht mehr geholfen.
Geht möglicherweise auch mit Weidenrindenauszug? Kennst Du den Trick auch? Ist allerdings ziemlich sicher nicht biodynamisch... ;)


Nun, Aspirin würde ich meinem Bodenleben ganz sicher nicht antun wollen. Davon gehört habe ich noch nichts, aber manche Leute nehmen auch Backpulver (Natriumbicarbonat) zu dem Zweck.
Aber mit der Weidenrinde hast du schon recht. Die wirksame Substanz im Aspirin ist ja Salizylsäure aus der Retorte, und die gibts in Weidenrinde zwar nicht so konzentriert, dafür in natürlich-lebendiger Form. Wieviel die Rinde davon enthäölt weiss ich nicht, du müsstest es halt mal versuchen. z.B. mit einem Warmwasserauszug über 3-4 Wochen.

Aber das Grundprinzip ist schon richtig, -> organische Säuren und Pilz verträgt sich schlecht.
Ganz sicher ist aber die Herstellung von Gerbsäure (aus Walnusslaub und Eichenrinde. Grüne Walnüsse Eichenlaub und Eichenholzspäne gehen auch)
dazu Milchsäure (z.B. die Restbrühe die vom Sauerkraut zurück bleibt, enthält allerdings immer auch Salz, also in kleinen Mengen wegen Bodenversalzung) am besten falls du dazu einen Lieferanten hättest: die Sauermilchmolke, die übrig bleibt, wenn aus Rohmilch Quark gemacht wird.
Kleesäure, Ameisensäure und dergleichen geht auch, ist aber als Naturprodukt erheblich schwieriger zu bekommen oder selber zu machen.


Pitu schrieb:
Das mit dem Schachtelhalmtee ist interessant! Den sprühst (oder gießt?) Du an frostfreien Tagen über die Beete, in denen die Kartoffeln später stehen sollen?
Und in welcher Dosierung? Das könnte ich ja schon mal prophylaktisch machen.


Ist jetzt Mitte März schon bisschen spät, aber angehen kannst du es trotzdem noch .
Besser beginnt man damit schon im Dezember, 5-6 mal übern Winter verteilt (immer wenn Tauwetter ohne Bodenfrost ist) bis Anfang März aufs ganze Land sprühen.
Am besten geht das mit der Rückenspritze und der feinen Sprühdüse. Wenn du so was nicht hast, dann nimm einen Eimer von der Brühe und einen Handfeger.
Damit bespritzt du in grossen Schwüngen die ganze Fläche.
Sieht dann bisschen so aus wie wenn der Pfarrer das Weihwasser verspritzt. :haha: und verbraucht sehr viel mehr als Rückenspritze.

Dosierung? Ich mach das freihändig, aber sage jetzt mal: 200 Gramm getrockneter Schachtelhalm auf 5 Liter Wasser
(wenn du frische Pflanzen nehmen wolltest, dann entsprechend mehr wegen deren Wassergehalt)
Das 10 Minuten kräftig aufkochen lassen, weg stellen, am nächsten Tag wieder aufkochen und stehen lassen.
Das machst du so über eine Woche jeden Tag.
Dann absieben, mit der 15 fachen Menge Wasser verdünnen, fertig zum Gebrauch.

Im Schachtelhalm ist verdammt viel natürliches und eben nicht mineralisches Silizium, das gleiche wie in deinem Intel-Chip, jetzt aber in organisch-lebendiger Form und als Silizium-Oxid mit Sauerstoff verbunden.
(mineralisch wäre das ganz banaler Quarzsand, den kriegt man mit Holzasche zusammen auch wasserlöslich, ist aber sehr energieintensiv und du brauchst dazu einen Töpferofen)
Silizium-Oxid ist aber ebenfalls eine Säure, in diesem Fall, weil pflanzlichen Ursprungs, eine zumindest dreiviertel-organische Säure.
(siehe oben: Pilz und Säure vertragen sich nicht)
Und so oft aufkochen und wieder abstehen lassen: weil der Schachtelhalm das Silizium nicht so leicht loslässt, also nicht leicht ins Wasser abgibt.

pintu schrieb:
Hast Du denn dann auch schon eigene Kartoffelsorten aus Samen gezogen? Ich hab aus einer Beere, die an der La Ratte dran war, Samen genommen. Das Experiment wollte
ich auch mal machen. Wär bestimmt spannend!


Dazu fehlt mir bislang der nötige Platz. Man kann das natürlich ganz spontan und quasi wild machen, hat dann aber irgendwelche nicht mehr nachvollziebaren Kreuzungen wegen Fremdbestäubung.
Um das kontrolliert/nachvollziebar zu machen müsste jedes Kreuzungspaar in einem eigenen kleinen Folienhaus stehen.
Nicht von ungefähr suche ich einen Ort mit erheblich mehr Ackerfläche.

Bislang arbeite ich hauptsächlich mit äugeln und extrem scharfer Selektion. Die Äugelmethode schafft über mehrere Generationen hinweg eine deutlich sichtbare Auffrischung der pflanzeneigenen Vitalität.
Dazu säe ich zwischen den einzelnen Kartoffelpflanzen jede Menge Begleitpflanzen, blühende wegen Insektenbestand, ätherisch-öl haltige wegen
sozusagen "Inhalationskur" wie beim Dampfbad mit Thymian.
Dazu Meerrettich, Knoblauch und Bärlauch. Die bilden eigene organische Schwefelverbindungen und geben diese in homöopathischer Dosierung an den Boden und die bodennahe Luftschicht ab.
(die klassische Spritzbrühe der Weinbauern gegen Pilzbefall enthält mineralischen Schwefel, allerdings dann hochdosiert. Und sie killen damit natürlich jedes Jahr einen Teil ihrer Bodenflora und Fauna)

Gerd

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Re: Schafwolle (schneller) kompostieren - wie?

#65

Beitrag von Pitu » Do 15. Mär 2018, 19:46

Danke kraut_ruebe für den Link zu Deinem Experiment. Ich hatte mit den Begriffen Tomaten Hügel Pferdemist und Kuhlen gesucht. Da gab es nix. Jemenmethode hab ich noch nie gehört. Werde ich mir mal genau durchlesen. Danke!

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Re: Schafwolle (schneller) kompostieren - wie?

#66

Beitrag von 65375 » Do 15. Mär 2018, 22:55

Blühfreudigkeit (viele Kartoffelsorten haben so abgebaut, dass gar keine Blüten mehr kommen),
Wo hier grade die Kartoffelfachleute diskutieren: welchen Nutzen hat es, wenn Kartoffeln blühen? Das ist doch nur für Züchter interessant, oder?

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Re: Schafwolle (schneller) kompostieren - wie?

#67

Beitrag von Oelkanne » Do 15. Mär 2018, 23:03

65375 hat geschrieben:
Blühfreudigkeit (viele Kartoffelsorten haben so abgebaut, dass gar keine Blüten mehr kommen),
Wo hier grade die Kartoffelfachleute diskutieren: welchen Nutzen hat es, wenn Kartoffeln blühen? Das ist doch nur für Züchter interessant, oder?
Für die Knollenentwicklung ist die Blüte absolut irrelevant.

Ich habe zwei Sorten im Anbau,
eine Blüht praktisch gar nicht,
die andere blüht nur sehr sporadisch.
Meine Oma baut im Garten irgend ein Kraut an, die blühen wie verrückt.

Sicherlich sehen blühende Kartoffelfelder sehr hübsch aus,
aber wichtig sind sie nicht.
Kein Insekt befliegt Kartoffelblüten, sie ist ein Selbstbefruchter

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Re: Schafwolle (schneller) kompostieren - wie?

#68

Beitrag von gewebill » Do 15. Mär 2018, 23:29

schon klar oelkanne
aber eine kartoffel die nicht mehr blüht ist in bezug auf ihre lebenskräfte ein kastrat
und knollen für den kochtopf kriegst du natürlich auch von diesen.
um aber eine pflanze (egal welche) in ihrem ganzen lebenszusammenhang für eine erhaltung und regeneration unter bedingungen des bioanbaus fit zu machen, kann ich ihr doch nicht eine ihrer wichtigsten und wesengemäsen lebensäusserungen weg nehmen.
übrigens: solltest du lust haben, mal für einige jahre deine nicht (mehr) blühenden kartoffeln über äugeln zu vermehren, dann wirst due feststellen, dass die plötzlich wieder blüten tragen.

selbstbefruchter: fast, nicht hundertprozentig. einige fliegenarten und flugfähige käfer gehen auch die kartoffelblüten an. ausserdem verteilt jeder kräftige wind die pollen.
zu allermeist bestäubt sich die kartoffel schon selbst, wenn aber 50 sorten nebeneinander wachsen, kann da jederzeit mehr als nur eine wilde kreuzung entstehen. was aber natürlich nicht unbedingt ein fehler sein muss, nur kann ich dann nicht mehr verfolgen, wer da seine gene eingebracht hat.

gerd

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Re: Schafwolle (schneller) kompostieren - wie?

#69

Beitrag von Oelkanne » Fr 16. Mär 2018, 00:09

schon klar oelkanne
aber eine kartoffel die nicht mehr blüht ist in bezug auf ihre lebenskräfte ein kastrat
und knollen für den kochtopf kriegst du natürlich auch von diesen.
Ja, sicher und darauf kommt es mir an :)
Ob die nun stark, schwach, rosa oder weiß blüht ist mir wumpe, mir kommt's auf die Knollen an.
Auf deren Farbe, Geschmack, Aussehen, Koch und Lagereigenschaften.

Ich vermehre meine Kartoffeln nicht selbst, sondern kaufe Z-Pflanzgut.
Sollte ich mal Nachbau betreiben, kann ich natürlich meine eigenen Knollen nehmen,
schlieslich sind die Knollen alles Klone ihrer Mutterknollen und damit genetisch identisch.
Und sollten sie doch Mal blühen stört mich das nicht weiter, sieht ja hübsch aus:
IMG_20180315_232129.jpg
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Re: Schafwolle (schneller) kompostieren - wie?

#70

Beitrag von gewebill » Fr 16. Mär 2018, 00:23

"Ich vermehre meine Kartoffeln nicht selbst, sondern kaufe Z-Pflanzgut."

siehste....
und weil das geschäft mit sogenanntem Z-saatgut (nicht bloss mit kartoffeln!) ein so wunderbares business mit entsprechendem nachfolgeumsatz ist, haben sich in den vergangenen 30 jahren alle chemiekonzerne in die saatgutbranche eingekauft.
warum wohl??

dicke knollen sind schon toll, aber der mensch hat bekanntlich einen runden kopf, damit er nicht nur in eine richtung denken kann :holy:

gerd

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