Wisente im Rothaargebirge machen Ausflüge

Re: Wisente im Rothaargebirge machen Ausflüge

Beitragvon Nordwind am Mi 3. Sep 2014, 08:34

Was ich mich beim lesen dieser Berichte gefragt habe ist eigentlich, wieso wildert man
Wisente aus wo Radfahrer ehm sorry Mountainbiker so einfach durch fahren können und
die Tiere stören. Ich hab vor einen halben Jahr ungefähr einen Bericht über diesen
http://www.bialowieza-info.eu/de/home.php Nationalpark/Urwald in Polen gesehen
und da wurde gesagt das man Besucher wenn in begleiteten Gruppen in den Wald lässt. Weil
Wisente nicht ganz so ungefährlich sind, immerhin wiegt der Bulle 1200 kg, ok die sind sehr
scheu aber trotzdem wenn die sich in die Enge getrieben fühlen oder eine Kuh mit Kalb grade
zugange ist dann greifen sie an und die Hörner sind nicht klein. :hmm:
Nicht das es falsch rüber kommt ich gönne jeden seinen Sport und ich hab auch nichts gegen die
Tiere, nur ich denke das es nicht schlau ist sowas zu mischen bwz die Tiere da anzusiedeln wo
auch noch in Privatwäldern sich bewegen können. Man tut sich keinen Gefallen wenn mal
so ein Tier einen Menschen verletzt dann ist der Aufschrei noch viel größer und die Akzeptanz
solcher Projekte geht gegen null.
Benutzeravatar
Nordwind
Sponsor 2016
Sponsor 2016
 
Beiträge: 32
Registriert: Mo 28. Nov 2011, 10:37
Familienstand: glücklich verheiratet


Re: Wisente im Rothaargebirge machen Ausflüge

Beitragvon Manfred am Sa 13. Sep 2014, 16:52

Benutzeravatar
Manfred
 
Beiträge: 14916
Registriert: Di 3. Aug 2010, 11:15
Familienstand: ledig


Re: Wisente im Rothaargebirge machen Ausflüge

Beitragvon Andreas75 am Sa 13. Sep 2014, 20:31

Nordwind; Das kann Dir mit einer Hirschkuh, die ihr Kalb in Gefahr wähnt oder einem brunftigen Hirsch genau so passieren. Hirschkühe können fürchterlich mit den Vorderläufen schlagen, und so einen vor Testosteron blinden 18- Ender will ich auch nur ungerne im Bauch haben. Von Wildschweinen mal ganz zu schweigen.
Die Wisente schließlich wurden auch darum solange im Gehege gelassen, um ein natürliches Fluchtverhalten und passende Fluchtdistanzen abzuwarten. Erst als das gegeben war, konnte drüber nachgedacht werden, das Gatter zu öffnen.
Was nun den angeblich so betroffenen Privatwald angeht: Existieren da Bilder, die die Schäden belegen?
Buchenrinde ist sehr fest am Holz, lässt sich also nicht einfach so lösen und in meterlangen Streifen abziehen wie bei zB Eberesche, Ulme oder Weiden. Auch Fichten lassen sich viel leichter schälen als die doch ziemlich knochentrockene Buchenrinde. Leben die Wisente eigentlich ausschließlich im Wald, oder haben die sinnvollerweise im Habitat auch ein paar große Wiesen und ungestörte Unkrautfluren wie Brennnesselfelder und zB Brombeerflächen?
Irgendwie habe ich das noch nirgends so herausgelesen, ich lese immer nur Wald, Wald, Wald...
Benutzeravatar
Andreas75
 
Beiträge: 213
Registriert: Mi 30. Jan 2013, 03:22
Wohnort: Mittelsieg- Bergland, 365 m NN
Familienstand: verheiratet


Re: Wisente im Rothaargebirge machen Ausflüge

Beitragvon hunsbuckler am So 14. Sep 2014, 17:50

Genau - das irritiert mich auch schon die ganze Zeit.
Ich werd das Gefühl nicht los, daß hier für ein sinnvolles Projekt die falsche Fläche ausgesucht wurde.
So ein stillgelegter Truppenübungsplatz mit viel Freifläche und Hochsicherheits-Umzäunung wäre m.E. geeigneter gewesen.
Leider besteht angesichts der jüngsten Entwicklungen wenig Hoffnung auf weitere Demilitarisierung geeigneter Gebiete...
Liebe Grüße, Hans www.jugendrettet.org
Benutzeravatar
hunsbuckler
 
Beiträge: 693
Registriert: Di 16. Nov 2010, 22:43


Re: Wisente im Rothaargebirge machen Ausflüge

Beitragvon Manfred am So 14. Sep 2014, 18:32

Umzäunte ehemalige Truppenübungsplätze mit Wisenten drin, gibt es in D mehrere. z.B. Döberitzer Heide mit 3000 ha.
Die ist mehr einem Mehrfachzaun gesichert, der die Wisente und Konikpferde drin hält, aber Durchgänge für kleineres Wild hat, so das bei den kleineren Tieren der genetische Austausch und die Möglichkeit zu großflächigen Wanderungen erhalten bleibt.

Im Rothaargebirge war das Ziel aber von Anfang an kein Gehege, sondern eine Auswilderung der Tiere.
Dass die Forstschäden bei den Grundstücksnachbarn so massiv ausfallen, damit hat wohl keiner gerechnet. Man war wohl davon ausgegangen, dass sich die Tiere hauptsächlich auf dem Gelände des Fürste aufhalten werden und die erhofft geringen Schäden bei den Nachbarn leicht zu begleichen wären, wie etwa beim Rotwild.
Aber so ein Wisent ist halt doch ein ganz anderer Brocken als ein 150 kg Hirsch. Und Hirsche sind eigentlich Offenlandtiere, die bevorzugt Gras fressen und nur aus Not oder zur Nahrungsergänzung schälen. Wisente (europäischer Waldbison) dagegen fressen zum einen ordentlichen Anteil ihrer Ration Blätter und Rinde, deutlich mehr als die vom Auerochsen (Offenlandtier) abstammenden Hausinder.
Ich kenne nur Zahlen von einem einzelnen Waldnachbarn des Fürsten. Der alleine hatte inzwischen 12.000 Euro Schaden zu verzeichnen und ist beliebe nicht der einzige Betroffene. Und das, obwohl die Tiere dort nur ab und zu mal durchmarschieren und sich die Wampe füllen.

In einem Wirtschaftswald funktioniert das einfach nicht.
Wenn man sie wirklich auswildern wollte, dann bräuchte man dazu ein deutlich größeres Gebiet, das ihr entstehendes Revier sicher umfasst, und man müsste eine Regelung wie mit den Rotwildkerngebieten in Süddeutschland finden, dass jedes Tier, welches außerhalb dieser Gebiete angetroffen wird zur Schadensvermeidung zum Abschuss freigegeben ist.
Dass der Aufwand dafür sinnvoll wäre, halte ich trotzdem für zweifelhaft. Zumal die Tiere nicht ungefährlich für den Verkehr und unbedarfte Hundespaziergänger etc. sind.
Was in der Döberitzer Heide versucht wird, gefällt mir schon deutlich besser.
Und in diesen eingezäunten Flächen entsteht auch keine genetische Verarmung, weil regelmäßig Zuchttiere mit anderen Reservaten ausgetauscht werden.
Durch diese verstreuten Reservate und die machbaren Freilandbestände in den großen Schutzgebieten in Osteuropa ist die Art gesichert. Auch wenn mal einer oder mehrere dieser Teilbestände durch eine Seuche oder einen Krieg etc. vernichtet werden, bleiben immer genug Tiere zum Wiederaufbau des Bestandes erhalten. Und darum muss es letztlich gehen: Die Art in einer gewissen genetischen Breite in ihrem Bestand zu sichern.
Benutzeravatar
Manfred
 
Beiträge: 14916
Registriert: Di 3. Aug 2010, 11:15
Familienstand: ledig


Re: Wisente im Rothaargebirge machen Ausflüge

Beitragvon Andreas75 am So 14. Sep 2014, 22:40

Nun ja, Hundespaziergänger würden dann eben auf die etwas rauere Art lernen, warum Leinengebot außerhalb ausgewiesener Freilaufgebiete besteht, da ist dann nicht mehr mit Argumenten alá "Der kriegt das Wild ja eh nicht" oder das berühmte "Der will ja nur spielen"... Das sehe ich ganz leidenschaftslos, und auch vielen Nicht- Hundebesitzern würde so vielleicht klar, dass man auf den ausgewiesenen Wanderwegen besser aufgehoben ist als mittenmang die Pampa. Zum Pilzesuchen ok, aber ansonsten gehört das Gros des Volkes eigentlich auf die Wege.

Aber wie dem auch immer sei: Ende Mai bin ich zu einem Bekannten in Erndtebrück gefahren, und bin auf dem weiteren Weg mit ihm durch das Wisentgebiet gefahren. Was sich meinem Blick darbot, waren fichtenbewaldete Höhen und Senken, hie und da mal Laubwald, aber zumindest von unserer Straße aus sah ich keine großen Wiesenflächen oder Windwürfe mit artenreichem Jungwuchs.
Wenn die vorhanden wären, würden sich die Wisente unter Garantie da hinein stellen, weil die Äsung unheimlich vielfältiger wäre als in den angrenzenden Wirtschafts- Monokulturen. Vor allem stehen Wisente wohl im Spätsommer/ Herbst bevorzugt in Brennnesselfluren, um sich den Winterspeck anzufressen, während sie im Winter gerne in Brombeerschlägen stehen, die immergrün sind und daher auch im Winter saftige Äsung bieten.
Sicher, von einer Landstraße aus sieht man da nicht sooooo viel von der Gegend, aber in unserer Gegend hier fährt man regelmäßig an mittleren bis sehr großen (ganze entwaldete Hänge oder gar Täler) Windwürfen vorbei, die Kyrill seinerzeit hinterließ. Sowas bräuchten die in ähnlichem Ausmaß auch im Rothaargebirge, dann würden die Wisente die Wirtschaftswälder sicherlich weit mehr links liegen lassen.
Wie gesagt, ich weiß nicht, wie es damit dort aussieht, aber von der Straße aus war das alles dicht bewaldet... Lebt hier einer im Rothaargebirge/ Wisentgebiet und kann sagen, wie es da mit angesprochenen Windwürfen aussieht?
Benutzeravatar
Andreas75
 
Beiträge: 213
Registriert: Mi 30. Jan 2013, 03:22
Wohnort: Mittelsieg- Bergland, 365 m NN
Familienstand: verheiratet




Re: Wisente im Rothaargebirge machen Ausflüge

Beitragvon Manfred am Mi 17. Jun 2015, 08:29

Der Altbulle der Herde hat wohl im März zum zweiten Mal einen jungen Konkurrenten getötet.
Das erste Mal war bereits 2013, vor der "Auswilderung".
Benutzeravatar
Manfred
 
Beiträge: 14916
Registriert: Di 3. Aug 2010, 11:15
Familienstand: ledig


Re: Wisente im Rothaargebirge machen Ausflüge

Beitragvon Magolves am Mo 22. Jun 2015, 05:21

Andreas75 hat geschrieben: Lebt hier einer im Rothaargebirge/ Wisentgebiet und kann sagen, wie es da mit angesprochenen Windwürfen aussieht?

Ich wohne im Rothaargebirgeaber nicht im Wisentgebiet. Die Windwürfe wurden aufgeforstet. Es ist ja keine Wildniss sondern Wirtschaftswald. Für die Wisente habe ich große Sympathie, aber der Verein verhält sich recht schäbig. Sie haben die Wisente zusammengekauft und dort oben ausgesetzt.Aber Verantwortung wollen sie nicht übernehmen.Im übrigen halte ich Wildschweine für sehr viel gefährlicher für Wanderer. Eine führende Bache wird richtig böse wenn sie Gefahr für ihre Frischlinge sieht. Hirsche trifft man eher selten. Die sind eher bei Autounfällen gefährlich. Man fährt ihnen die hohen Beine um und der Hirsch kommt über die Motorhaube und bricht mit dem Geweih durch die Frontscheibe. Die Probleme mit den Wisenten kamen mit Ansage. Ich bin mal gespannt was passiert, wenn hier mal Luchse ausgewildert werden wie im Harz. Wölfe kommen von alleine. Im Siegerland bei Eiserfeld und im Westerwald wurden schon welche gesehen. Auch bei Frankenberg. Das ist alles nicht sehr weit. Ein junger Wolfsrüde macht locker 20-30 km in einer Nacht. Bin mal gespannt wann der erste hier auftaucht. Dann erst wird es ein Geschrei geben.
Mit freundlichen Grüßen
Peter
Benutzeravatar
Magolves
 
Beiträge: 33
Registriert: Sa 23. Mai 2015, 07:41




VorherigeNächste

Zurück zu Wildtiere, Fischerei, Jagd

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast