Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2821

Beitrag von penelope » Do 4. Jun 2020, 12:09

Nach meinem Empfinden trat gerade die Vereinigung "Land schafft Verbindung" so auf, als sei ihre Auffassung die einzige, zu der jemand kommen MUSS, sofern er Ahnung hat und abweichende Meinungen wurden oft nach der Art "die wissen halt nichts von der Praxis" abgetan.

Aus dem Grund freut es mich, dass sich nun auch eine Verbindung von Landwirten mit einer anderen Überzeugung Gehör verschafft. Auch wenn sie sicherlich nicht die gleiche mediale Aufmerksamkeit bekommen werden.

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2822

Beitrag von kraut_ruebe » Fr 5. Jun 2020, 08:58

Eventuell vermisste Beiträge zum Thema Schulbldung finden sich hier wieder:

viewtopic.php?f=130&t=19685
wenn du denkst, abenteuer sind gefährlich, dann versuchs mal mit routine. die ist tödlich. (coelho)

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2823

Beitrag von Oelkanne » Fr 5. Jun 2020, 18:33

Die AbL hat teilweise finde ich sehr zweifelhafte Ansichten.
Das selbständige Landwirte 11 und mehr Stunde jeden (!) Tag arbeiten sei normal, die Bäuerin habe ihren Landwirt zu unterstützen (aka Frau hintern Herd) und man müsse auch die kleinsten Betriebe erhalten.

Ich würde die AbL nicht als Maß der Dinge sondern eher als kuriose Randerscheinung sehen.

Zurück zum Thema:

https://www.schweizerbauer.ch/pflanzen/ ... 57793.html

Nicht nur die Schweiz auch Deutschland importiert immer mehr Lebensmittel "von sonst wo" und dann wundert man sich wenn da komische Sachen drin sind.

Die derzeitige Politik führt dazu daß immer mehr Lebensmittel aus garnicht oder nur sehr schlecht kontrollierten Quellen importiert werden, dadurch setzt man den Verbraucher einem unkalkulierbaren Risiko aus.

Würde man statt dessen die heimische Produktion stärken hätte man alles unter der akribischen Kontrolle der hiesigen Behörden.

Aber aus den Augen aus dem Sinn und so fördert man weiter die äußerst umweltfreundliche Produktion in Asien, Süd- und Nordamerika und Afrika in dem man die absolut umweltschädliche und Verbraucher/Anwender schädigende Produktion im Inland einstampft.


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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2825

Beitrag von Rohana » Do 9. Jul 2020, 22:30

Wenn ein Bild mehr sagt als tausend Worte:
Aktuelle Milchkuh/Halter Statistik des MPR

https://www.mpr-bayern.de/Statistiken/M ... halter.jpg

Aber ja, die Landwirtschaft hat zuviel Klimagase, wir müssen den Tierbestand halbieren... :bang: :platt:

PS liebe Admins, Bilder verlinken ist kaputt.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2826

Beitrag von emil17 » Fr 10. Jul 2020, 09:04

Die Grafik ist unten abgeschnitten. Damit erhält man einen Eindruck, es sei schlimmer , weil man automatisch unten mit Null impliziert.
1985 hatten 140'000 Halter insgesamt 2 Millionen Kühe, gibt 14.3 pro Halter
2020 haben 30'000 Halter insgesamt 1.1 Millionen Kühe, gibt 36.7 pro Halter
also mehr als dopplet so viele

Tragisch ist der Rückgang der Halter.
Wie sieht es mit der Milchleistung insgesamt aus? Warum wird die nicht gezeigt?
Wenn ich das rasch google: Klickediklick
Dann hat sich die Milchleistung seit 1984 von 4600 auf über 8000 kg/Kuh und Jahr fast verdoppelt. Diese Zahlen sind für Deutschland - wenns für Bayern ähnlich ist (warum sollte es nicht), dann dürfte die Milchleistung insgesamt etwa gleich geblieben sein.
Ich vermute (weiss es nicht), dass Tiere mit höheren Milchleistungen diese nicht erbringen, wenn sie dauernd auf der Weide sind, d.h. die Zahlen bedeuten eine Intensivierung der Haltungsbedingungen.
Also Strukturwandel in der Landwirtschaft von vielen Kleinen zu wenig Grossen - wie überall sonst in Gewerbe und Industrie auch, wo Massenproduktion gefragt ist.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2827

Beitrag von Rohana » Fr 10. Jul 2020, 12:15

Die höhere Milchleistung beruht auf mehreren Faktoren. Je nach Region wird die durchaus mit Weide/Heumilch erbracht (Allgäu)! Zuchtfortschritt ist ein wesentlicher Faktor, ebenso wie u.U. qualitativ besseres Futter / bessere Anpassung des Futters an die Leistung, allgemeine Haltungsbedingungen insbesondere in den Ställen, Licht, Luft, Bewegung ... da gibts viele kleine und grössere Unterschiede zwischen 1985 und heute.

Nur: Was hat das mit der Parole "wir müssen die Tierhaltung reduzieren" zu tun? Die HAT sich schon reduziert, und zwar drastisch. Da ist auch wurscht ob die Grafik schlimmer "aussieht" als sie ist, die Abnahme ist real.


Eigentlich will ich auch gar keine Diskussion hier anfangen, die bin ich nämlich echt leid, mir fiel nur die traurige Statistik in die Hände.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2828

Beitrag von emil17 » Fr 10. Jul 2020, 16:40

Rohana hat geschrieben:
Fr 10. Jul 2020, 12:15
Nur: Was hat das mit der Parole "wir müssen die Tierhaltung reduzieren" zu tun? Die HAT sich schon reduziert, und zwar drastisch. Da ist auch wurscht ob die Grafik schlimmer "aussieht" als sie ist, die Abnahme ist real.
Wenn die Milchleistung gleich geblieben ist, hat sich auch der Umsatz und folglich Futterverbrauch und die Jauchebelastung nicht reduziert, folglich ist die Frage ob die Tierhaltung sich schon reduziert hat oder nicht eine reine Definitionssache. Ich gehe nämlich davon aus, dass doppelt soviel Milchleistung mindestens doppelt soviel Futter benötigt.
Bitte, zur Klärung nochmals die Frage: Ist eine Milchleistung von 8500 Liter oder mehr pro Jahr nur mit Rauhfutter möglich?
"Je nach Region wird die durchaus mit Weide/Heumilch erbracht (Allgäu)! Zuchtfortschritt ist ein wesentlicher Faktor, ebenso wie u.U. qualitativ besseres Futter / bessere Anpassung des Futters an die Leistung" - also wie haben sich die Wiesen oder das Futter verändert, damit diese höhere Leistung pro Tier möglich wird?
Im Umkehrschluss heisst das aber auch, dass diese Leistung je nach Region überwiegend nicht mit reiner Weide/Heufütterung erbracht wird. Dann wäre die Forderung nach weniger Tieren schon berechtigter; immerhin ist das Milchvieh dann Nahrungskonkurrent auf Ackerflächen.
Ich kenne die Situation aus dem schweizerischen Simmental, vom Klima her durchaus mit dem Allgäu vergleichbar. Alles flächendeckend bis an den letzten Waldrand extrem nährstoffreiche Fettwiesen, ohne irgendwas was blühen würde.

Zudem: wenn höherer Leistung pro Tier Zuchtfortschritt ist und auch bessere Haltungsbedingungen herrschen, die Flächen aber nicht mehr Milch hergeben - von nix kommt nix - dann ist ja auch die Abnahme der Tierhalter und der Anzahl Kühe ein Fortschritt? Betriebswirtschaftlich macht es wohl Sinn, halb so viele Tiere mit doppelter Leistung pro Tier zu halten, sonst würde das nicht so aussehen.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2829

Beitrag von Mara1 » Fr 10. Jul 2020, 17:09

Ich wohne hier ländlich und kann nur meine Beobachtung vor Ort einbringen. Jeder Milchviehbetrieb hier mach riesige Silage Hügel und füttert damit. Silage Info https://de.wikipedia.org/wiki/Silage. Teilweise wird jahrelang nur Mais auf dem gleichen Feldstück angebaut. Wenn der Mais abgeerntet ist, dann wächst dort bis zur nächsten Aussaat fast kein Beikraut. Man könnte auch sagen, der Boden ist dort fast ohne Leben.

Ein kleiner Teil der Kühe wird noch auf die Wiesen getrieben. Viele haben Öffenställe mit Spaltenböden. Teilweise wird das sogar über Lohnfütterung gemacht (also ein Fremdunternehmer, der Silage mit einem speziellen Auto regelmässig anliefert und direkt füttert)

Ich vermute (aus alter Beobachtung) das dazu noch Kraftfutter zugefüttert wird, anders ist diese Milchleistung denke ich nicht zu erreichen. Wenn ich mir die Eutergröße der Milchkühe anschaue, dann wird mir echt ganz anders.


Ein Aspekt ist auch noch, das es früher viele kleinere Höfe gab, die lokal agiert haben.

Da waren noch die Misthaufen auf dem Hof, die dann nach der Ernte auf die Felder gebracht wurden. Also ein eher natürlicher Kreislauf (in kleinerem Rahmen) Heute haben ja fast alle die Laufställe wo Gülle anfällt. Viel Gülle durch große Ställe, der dann auch irgendwie "entsorgt/verwertet" werden muss -meist durch ausbringen auf die Felder. Bzw. die Kühe haben direkt vor Ort die Wiesen in kleinen Mengen regelmässig "verteilt/gedüngt"

Rein mal leinhaft gesprochen. Mist zersetzt sich langsam und wird durch Mikroorganismen und Bodenlebewesen abgebaut. Gülle ist flüssig, und "fliest" durch die Erdekrumme und teilweise auch in die angrenzenden Gewässer - mit den entsprechenden Folgen. Gülle denke ich, ist wie auch Jauche pur nicht gerade sehr "freundlich zu Pflanzen und Bodenlebewesen".

Also alles auf Masse anstelle auf Qualität.

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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2830

Beitrag von Rohana » Fr 10. Jul 2020, 18:00

Ich hab schonmal erwähnt dass ich keinen Bock auf die Diskussion habe. Akut auch eigentlich gar keine Zeit.

Also bleiben wir einfach dabei dass ihr das Höfesterben gut findet und das wars :)
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

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