Mulch im Gemüseanbau

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Manfred
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Mulch im Gemüseanbau

#1

Beitrag von Manfred » So 15. Feb 2015, 08:53

Im Forum wurden ja schon diverse Mulchverfahren und -Gärten vorgestellt.
Ich möchte hier ein Sammelthema für solche Infos eröffnen.

Ein Webinar von Jan-Hendrik Cropp über den Einsatz von Mulch im Pfluglos-Biogemüseanbau (englisch):
http://www.extension.org/pages/71822/ro ... OBB3010weM

Darüber ein Blog-Bericht von Natalie Lounsbury (englisch):
http://notillveggies.org/2015/02/02/und ... n-germany/

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Manfred
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Re: Mulch im Gemüseanbau

#2

Beitrag von Manfred » So 15. Feb 2015, 11:35

Kurzfassung auf Deutsch:
Sie arbeiten im Gemüsebau mit zwei verschiedenen Mulchsystemen:

Bei der einen Variante wird Kleegras als Mulch genutzt.
Das Kleegras wird kurz vor der Blüte geerntet (ergibt samenfreien Mulch mit optimalem C:N-Verhältnis).
Optimale Schnittlänge 7 bis 10 cm (So bleibt die Mulchschicht aerob. Bei kürzerem Material besteht Fäulnis- und Schimmelgefahr. Längeres Material gibt keinen so dichten Mulch. Wenn der Mulch nicht dick und dicht genug ist, kommt Licht durch und das Unkraut keimt und wächst durch.)
Davon werden mit dem Miststreuer 75 Tonnen Frischmasse pro ha auf die vorbereiteten Gemüseäcker ausgebracht.
Das ergibt eine ca. 10 cm dicke Mulchschicht.
In diese Mulchschicht wird das Gemüse gepflanzt. Sie haben dafür eine spezielle Maschine entwickelt, die mit schnelldrehenden, messerbestücken Scheiben (ähnlich senkrecht gestelltes Trommelmähwerk, nur kleiner) die Mulchschicht zerschneidet, um eine saubere Pflanzfurche zu erhalten. Alternativ kann man von Hand pflanzen.
Vor dem Pflanzen sollte die Mulchschicht mind. 14 Tage liegen, weil sich in den ersten Tage der Rotte pflanzenschädliche Gase bilden, die die Jungpflanzen schwer schädigen oder sogar abtöten können.
Wenn es eilig ist, kann die Mulchschicht alternativ stark bewässert werden. In nassem Mulch treten diese schädlichen Gase anscheinend nicht in dem Umfang auf, so dass man sofort pflanzen kann.
Gedüngt wird auf dem Betrieb zusätzlich mit Stickstoff und Schwefel (sinnvoller Weise unter dem Mulch). Die Stickstoffdüngung kann um die geschätzte N-Freisetzung aus dem Mulch reduziert werden.
Bei optimalem Schnittzeitpunkt und Schnittlänge werden in der Saison des Aufbringens ca. 50% des im Mulch enthaltenen N pflanzenverfügbar.
Bei 7500 kg Frischmasse pro ja sind gut 320 kg N enthalten, von denen ca. 160 kg übe die Saison verteilt verfügbar werden.
Wenn der optimale Schnittzeitpunkt für das Kleegras und die gewünschte Pflanzzeit nicht zusammenpassen, wir das Kleegras siliert und dann mit der Silage gemulcht.
Bei viehlosen Gemüsebaubetrieben, die das Kleegras in der Fruchtfolge sonst einfach an Ort und Stelle mulchen, hat das Abfahren des Materials den zusätzlichen Vorteil, dass der Klee deutlich mehr Stickstoff bindet (300 bis 400 kg pro ha) gegenüber 150 bis 200 kg bei Mulchen an Ort und Stelle.

Unkrautbekämpfung:
In vielen Fällen gar nicht erforderlich, zumal die Pflanzmaschine zusätzlich mit dünnen, breiten Flügelscharen ausgestattet wurden, die beim Pflanzen (14 Tage nach Aufbringen des Mulch) noch mal die Wurzelunkräuter unterhalb der Mulchschicht durchschneiden.
Wenn trotzdem eine Unkrautbekämpfung erforderlich wird, besteht die in aller Regel aus einem einmaligen Unkrautrupfen von Hand, mit Liegewagen. Das mussten Sie z.B. letztes Jahr wegen Durchwuchskartoffeln machen.

Beim zweiten Verfahren wird eine Zwischenfrucht aus einjährigen Pflanzen (z.B. Getreide-Erbsen-Gemenge) gesät.
Diese Zwischenfrucht wird dann mit einer Messerwalze niedergewalzt. (Wie beim Ecodyn-System von Friedrich Wenz). Für eine gute Verdichtung und Abtötung der Mulchschicht sind 2 bis 3 Walzgänge optimal, in der selben Fahrtrichtung.
Für eine ausreichende Mulchschicht von ca. 10 cm Dicke ist ein Zwischenfrucht-Bestand von mind. 10 Tonnen Trockenmasse pro ha erforderlich.
Ist der Aufwuchs zu gering, dann wird die Zwischenfrucht nicht gewalzt sondern mit dem Mulchgerät gemulcht und die fehlende Grünmasse wie beim ersten Verfahren mit dem Miststreuer aufgebracht.
Beim Walzverfahren kann in der Regel mit einer Pflanzmaschine mit normalem Schneidschar (wie bei einer Mulchsaatmaschine) gearbeitet werden. Ein angetriebenes Messer wie im Verfahren 1 ist nicht erforderlich.
Da sich das angewalzte Material nicht so schnell zersetzt und ein weiteres C:N-Verhälnis hat als das Kleegras, wird hier keine N-Freisetzung angerechnet und die volle N-Menge gedüngt. (Wobei sie da noch am experimentieren sind. Er geht davon aus, dass sie auch hier die N-Düngung reduzieren können, wenn auch nicht so stark wie beim geschnittenen Kleegras-Mulch).

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poison ivy
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Re: Mulch im Gemüseanbau

#3

Beitrag von poison ivy » So 15. Feb 2015, 17:25

ud welcher Normalbuerger 7 bis 10 cm lang geschnittenes Kleegras kurz vor der Blüte geerntet in ausreichender Menge und eine spezielle Maschine um in diesem Mulch-Filz was zu pflanzen?

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Re: Mulch im Gemüseanbau

#4

Beitrag von Zottelgeiss » So 15. Feb 2015, 18:16

Vielleicht gibt's Leute, die prinzipiell einfach nur interessiert, was andere Leute tun und wie sie es tun? Weil's ja nicht dümmer macht? Möglicherweise mäht hier tatsächlich jemand ne Kleegraswiese und hat nen Gemüsegarten?

Also geh woanders stänkern.
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Re: Mulch im Gemüseanbau

#5

Beitrag von grubenreiner » So 15. Feb 2015, 18:35

Ich finds sehr interessant.

Ich bin nämlich genau in der Lage dass ich relativ viel Grünmasse zur Verfügunng habe (kein reines Kleegras aber Wiesenschnitt mit Kleeanteil) und nicht so recht weiß wohin damit. Kompostierung von langem Schnittgut ist immer schwierig und ich bin am überlegen ob ich nicht außerhalb des Gartens ein Feld nach ebensolchen Mulchprinzipien anlegen soll.
Die Schnittzeitpunkte wären für mich aber wirklich schwierig zu realisieren.

Aber da ich ja quasi noch in der Brainstormingphase bin ist jeglicher Input dazu willkommen.
Mich fasziniert das Thema Mulch, wenn ich jetzt noch irgendwann das mit den Schnecken besser in Griff kriege.... :lol:

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Re: Mulch im Gemüseanbau

#6

Beitrag von kraut_ruebe » So 15. Feb 2015, 18:55

ich nehm auch kleegras zum mulchen. ich frag mich grad welche wachstumshemmer im frischen schnitt sind, ich teile den immer gleich zu (allerdings an wachsende pflanzen, nicht an neuaussaat).
wenn du denkst, abenteuer sind gefährlich, dann versuchs mal mit routine. die ist tödlich. (coelho)

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Re: Mulch im Gemüseanbau

#7

Beitrag von poison ivy » So 15. Feb 2015, 19:10

Zottelgeiss hat geschrieben:Also geh woanders stänkern.
Lieber Zottelgreis,
darf jemand anderer Meinung sein als Du?
und die auch noch kundtun, ohne gleich Verbalhaue zu kriegen?
was hast Du grad gemacht?
war das moeglicherweise gestaenkert?

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Re: Mulch im Gemüseanbau

#8

Beitrag von Manfred » So 15. Feb 2015, 19:53

kraut_ruebe hat geschrieben:ich frag mich grad welche wachstumshemmer im frischen schnitt sind,
Das wissen sie selbst noch nicht. Er meinte aber in der Diskussion, dass dazu Untersuchungen irgendeiner Uni laufen. Sein Tipp war Ammoniak oder eine ähnliche Stickstoffverbindung.
Unreifer Kompost hat ja keimhemmende Wirkung, weshalb man bei Verwendung von Kompost für Aussaatsubstrate einen Keimtest machen sollte.
Evtl. besteht da irgendein Zusammenhang.
Mir ist dazu die Bildung von Cyanamid bei der Düngung mit Kalkstickstoff eingefallen. Evtl. geht es in diese Richtung.
Vorstellbar wäre für mich auch ein Zusammenwirken mit ihrem Schwefeldünger. Wenn die z.B. Calciumsulfat einsetzen, wäre die Kombi aus schnell freigesetztem Ammonium aus dem Mulch und dem Calciumsulfat von Kalkstickstoff nicht so weit weg.
:hmm:
Evtl. hört man ja mal was darüber. Mit ist bei meinen Mulchversuchen bisher noch kein solcher Effekt aufgefallen.

Benutzer 72 gelöscht

Re: Mulch im Gemüseanbau

#9

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht » So 15. Feb 2015, 20:22

Ich kann mich nur erinnern, dass Bernhard gesagt hatte, man soll ja nicht zu dick mulchen - von wegen Sauerstoff und Bodenleben erstickt...
Ich mulche eigentlich immer dünn, meistens gleich mit dem frisch ausgerissenen Beikraut.
hätte nicht bemerkt, dass Jungpflanzen davon eingehen, allerdings zieht es doch die Schnecken an.
Die fressen bei mir nicht sooo arg, wenn ich ein Durcheinander im Garten habe (nennt man das Mischkultur??) und nicht alles Unkraut immer sofort rausreiße.

Wäre sehr interssant für mich zu wissen, was im frischen Grün so schädliches drin ist, weil ich ja viel davon im Garten verteile - sollte ich besser nicht??

Benutzer 3370 gelöscht

Re: Mulch im Gemüseanbau

#10

Beitrag von Benutzer 3370 gelöscht » So 15. Feb 2015, 20:23

Ich mulche in erster Linie mit Heu und dabei sind mir einige Dinge aufgefallen.

Wenn man zB vor dem Heu eine dünne Lage Grünschnitt streut zersetzt sich das Heu schneller.
Das Unkraut wurzelt vorwiegend mehr in der unteren Heuschicht und ist daher leichter zu entfernen (händisch) als wenn es im Boden wurzelt.
Bei einer Heumulchschicht von 30 cm locker aufgeschüttet, die dann auf 10-15 cm absackt braucht das Unkraut wesentlich länger zum Aufkommen.
Heumulchschichten über den Winter auf grobscholliger Erde (Umstechen) verrotten schneller bis ganz (Frühjahr) wenn man vor dem Heu Kompost ausbringt.
Gras, das vor dem Aussamen geschnitten und zu Heu getrocknet wird bringt erhöhten Unkrautdruck.
Heu nach dem Aussamen ist daher besser zum Mulchen geeignet.
Langfaseriges Heu, also nicht gehäckselt, verrottet langsamer und macht es manchen Pflanzen schwer durch zu kommen.
Gehäckseltes Heu muss öfter nachgemulcht werden, weil es schneller verrottet.
Die Vorteile des Nichtaustrocknens des Bodens sind bekannt.
Erhöhten Schneckendruck kann ich trotz Mulchen nicht feststellen.

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