Ganzheitlich geplante Beweidung - die Theorie

Re: Ganzheitlich geplante Beweidung - die Theorie

Beitragvon Manfred am So 14. Mai 2017, 08:37

Das liegt nicht am Einspeicheln- Das liegt daran, dass sie auf der Weide selektiv Pflanzenteile mit halbwegs ausgewogenem Nährstoffverhältnis fressen.
Beim gemähten Gras können sie nicht selektieren und haben bei so extrem jungem Futter einen massiven Eiweißüberschuss. Wenn dann keine kohlehydratlastige Ausgleichsfütterung (z.B. mit Maisschrot) erfolgt, um das Stickstoff-zu-Sauerstoff-Verhältnis im Pansen auszugleichen, können die Pansenmikroben den N-Überschuss nicht verwerten und der Stoffwechsel der Tiere wird durch den N-Überschuss massiv belastet.
Auf der Weide fressen sie nur das ca. obere 1/3 der Blätter, das durch die dort aktivere Photosynthese einen deutlich höheren Zuckergehalt hat. Wenige Stunde bis Tage später fressen sie dann an gleicher Stelle wieder das obere Drittel, dass dann (selbst wenn die Pflanze nicht gewachsen ist) wieder einen erhöhten Zuckergehalt hat gegenüber dem Rest der Pflanze.

Diesen Effekt macht man sich bei der sogenannten Kurzrasenweide zunutze.
Die Kurzrasenweide genügt aber nicht den Anforderungen der Pflanzen, was zu einem deutlich höheren Pflegeaufwand oder alternativ Ertragsverlust gegenüber einer besser geplanten Beweidung führt.
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Re: Ganzheitlich geplante Beweidung - die Theorie

Beitragvon Adjua am Mo 15. Mai 2017, 06:17

Manfred hat geschrieben:Das liegt nicht am Einspeicheln- Das liegt daran, dass sie auf der Weide selektiv Pflanzenteile mit halbwegs ausgewogenem Nährstoffverhältnis fressen.
.


Wie stellt man so etwas fest? Oder ist das bloss eine Annahme, die so gut ist wie die Annahme, das langsameres Fressen und besseres Kauen besser für die Verdauung der Kühe ist?

@Kurzrasenweide: Ist das nicht auch regional unterschiedlich, welche Anforderungen Pflanzen haben? Abhängig von Höhenlage und Regen gibt es da doch sehr grosse Unterschiede, oder?
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Re: Ganzheitlich geplante Beweidung - die Theorie

Beitragvon Manfred am Mo 15. Mai 2017, 07:40

Feststellen tut man das, indem man die Tiere beim Weiden beobachtet und indem man die Pflanzenteile getrennt untersucht.
In den Verlinkten Vorträgen ist dazu einiges enthalten. z.B. Mark Bader geht darauf in seinen Vorträgen öfter ein, wenn ich mich recht erinnere. Auch Ian Mitchell Innes.

Und was die Ansprüche angeht: Natürlich gibt es in unserem eher feuchten Klima diverse Pflanzen, die auf der Kurzweide überleben bzw. die dort sogar einen Vorteil haben. Aber das ist halt kriechend wachsendes Zeug mit überwiegend flachen Wurzeln. Damit erreicht man bei gleichem Input nicht annähernd den Photosynthese-Wirkungsgrad, die Nährstoff- und Wassererschließung, die Versickerung, die Artenvielfalt etc. als mit besserem Management.
Besonders lustig wird es, wenn man manche Versuche ansieht, die den Futterertrag der Kurzrasenweide ermitteln wollen. Die stellen dann Schutzkörbe auf die Fläche, ernten das nicht ständig verbissene und damit deutlich ertragreichere Gras in den Körben und rechnen das auf die Fläche hoch...
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Re: Ganzheitlich geplante Beweidung - die Theorie

Beitragvon Manfred am Sa 20. Mai 2017, 22:28

Ich habe mal wieder geklaut.
Aus diesem Vortrag https://www.youtube.com/watch?v=v6dG8VlvnW0 von Anita Idel (Buch "Die Kuh ist kein Klimakiller").

Anita_Idel_Verbreitung_Auerochse.jpg
Anita_Idel_Verbreitung_Auerochse.jpg (24.86 KiB) 113-mal betrachtet


Das Bild zeigt das ehemalige Verbreitungsgebiet der 3 Unterarten des Auerochsen.
Vom Atlantik bis zu Pazifik, über Nordafrika bis Indien hatten sie das Grasland besiedelt.
So viel zum Thema geschlossener Buchenwald als natürliche Vegetation in D...
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Re: Ganzheitlich geplante Beweidung - die Theorie

Beitragvon viktualia am Mo 22. Mai 2017, 11:22

Danke für den Vortrag, auch wenn ich noch nicht ganz durch bin.
"Gras will gebissen werden." -ich kann gar nicht sagen, warum mich dieser Satz so froh macht.
Na ja, froh ist falsch ausgedrückt; aber zusammen mit der Bemerkung, dass Gras als Pflanze ein etwas anderes Verhältniss von Wurzel zum Oberirdischen "pflegt" hat das bei mir ne Menge ausgelöst....
Ich mag diesen Faden.
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Re: Ganzheitlich geplante Beweidung - die Theorie

Beitragvon ina maka am Mo 22. Mai 2017, 22:17

"ihr wollt, dass ich das Gras mähe? Aber wie könnte ich mich erdreisten, meiner Mutter (Erde) die Haare zu schneiden??"
Wir leben in einem Gefängnis mit offenen Türen und Fenstern und die Frage ist, wer sind die ersten, die sich raustrauen? Wagenhofer www.youtube.com/watch?v=q2WEVdNQAxE
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Re: Ganzheitlich geplante Beweidung - die Theorie

Beitragvon matt23 am Di 23. Mai 2017, 16:10

Danke Manfred für das verlinken des Vortrags. War sehr interessant :daumen:
Hab mir auch noch ein paar andere Vorträge dieses Symposiums angesehen. Das regt zum Nachdenken an.

Ina, deinen Post versteh icht nicht! Willst du uns damit irgendwas sagen?
Mit Geduld wird aus Gras Milch.
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Re: Ganzheitlich geplante Beweidung - die Theorie

Beitragvon ina maka am Di 23. Mai 2017, 16:51

sorry, war für viktualia. wollte sagen, dass die alten Indianer das Gras für die Haare der Erde hielten (und es somit irgendwie eine Sonderstellung unter den Pflanzen hat). :flag:
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Re: Ganzheitlich geplante Beweidung - die Theorie

Beitragvon viktualia am Di 23. Mai 2017, 20:08

Ina, boah, lach, ich hatte mich schon gewundert.
Und jetz hab ich das Bild von einem Büffel in Friseurkluft im Kopf, mit Schere in der Hand, schnippschnapp.
(Der Spruch entstand nach 1850, wette ich.)

Manfred, gibt es nicht nen kernigen Spruch von Bill Mollison über den Unterschied zwischen Wiese und Rasen?
Weide, Wiese und Rasen?
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