Neuer alter Garten, wie auflockern statt umgraben?

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Rati
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Re: Neuer alter Garten, wie auflockern statt umgraben?

#51

Beitrag von Rati » Di 18. Feb 2020, 11:54

Ich würde ja gern mit etwas Abstand noch mal die Humusaufabumbaugeschichte betrachten.
Allerdings nicht hier, wo es um praktische Anwendungstipps gehen soll, sondern dort:
viewtopic.php?f=17&t=18497

Schön wäre es wenn alle die mitschreiben wollen vorher noch einmal den dort im ersten Beitrag verlinkten Artikel lesen würden. :)

Grüße Rati
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Magix
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Re: Neuer alter Garten, wie auflockern statt umgraben?

#52

Beitrag von Magix » Mi 26. Feb 2020, 01:00

Ich bin ja neu hier, kann aber vielleicht etwas zum Thema beitragen. Dazu muß ich aber Fragen stellen:

a, Um was für einen Boden handelt es sich denn? Ist es humoser Sand ohne Tonanteil,
b. Ist es fetter Lehmboden, der Risse bekommt, wenn er austrocknet?
c. Ist er humos?

Gibt noch mehr, sollte aber so als grobe Einordnung genügen.

Meine generelle Vorliebe ist, den Boden, vor allem, wenn Bodenleben vorhanden ist, so wenig wie möglich anzufassen. Kein Umgraben, Rigolen schon gar nicht (!), kein Fräsen etc. Die Natur hat eine bestimmte Schichtung entwickelt, die man damit schnell zerstören kann. Ohne die Antworten auf meine Fragen zu kennen, kann ich Dir ja mal meine eigenen Erfahrungen sagen.

Auf humosem Sandboden (anmooriger Sand) ohne jeden Lehmanteil habe ich eine ganze Menge Lehm aus einem abgebrochenen Haus aufgebracht, gemischt mit verrottetem Pferdemist. Und obendrauf eine dicke Schicht altes Langstroh aus einer alten Scheune (war deshalb noch gänzlich unbelastet von modernen Agrargiften). Das war dann erstmal alles, und die eigentliche Arbeit habe ich Sonne, Wind und Regen und Pilzen überlassen. Und der unterirdischen "Kuhherde" - dem Bodenleben wie Regenwürmer und anderem Getier. Die haben ganze Arbeit geleistet und die aufgebrachten Zuschlagstoffe zerlegt, vermischt und teilweise in den alten Boden gezogen. Ich habe sie dabei unterstützt, indem ich den nun weichgewordenen Boden mit einer Grabegabel gelockert habe, sodaß das Leben auch in die tieferen Schichten Einzug hält. Die Grasnarbe ist von ganz alleine verrottet. Gras braucht viel Licht, und wenn es das nicht mehr bekommt, stirbt es ganz schnell ab. Wenn sich unerwünschte Wildkräuter durchgearbeitet haben, konnte ich sie ganz leicht aus dem nun lockeren Boden ziehen.
Diese Methode erfordert natürlich etwas Geduld. Aber das Beobachten macht auch Spaß, wenn man sieht, wie der Garten von alleine entsteht!

Ein großer Vorteil der Mulchmethode mit Stroh war, daß der Sandboden nie ausgetrocknet ist, denn die organische Masse im Verbund mit dem Lehm (im Fachjargon "Ton-Humus-Komplex" genannt) kann viel Feuchtigkeit halten. Wenn ich dann Gemüse gepflanzt habe, habe ich einfach die Mulchschicht ein wenig zur Seite geschoben und die Pflänzchen gesetzt, und dann die Öffnung nicht ganz bis ran wieder geschlossen. Bei viel Regenwetter kann an den jungen Trieben sonst Fäulnis entstehen. Oder Schnecken anlocken. Die habe ich aber so gut wie nicht gehabt, weil es eben Sandboden war. Auf lehmigen Böden in nassen Jahren sieht es sicher anders aus.
Ein weiterer Vorteil der Strohmethode:
Du kannst auf der gesamten Fläche anbauen und überall (vorsichtig!) herumlaufen, ohne den Boden zu verdichten. Auf Wege kann verzichtet werden.

So viel zu meinen Erfahrungen mit diesem Garten,

Rati
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Re: Neuer alter Garten, wie auflockern statt umgraben?

#53

Beitrag von Rati » Mi 26. Feb 2020, 09:01

:daumen: gefällt mir wie du die Dinge angehst

Ich mach nen bewussten Doppel post. :)

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Manfred
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Re: Neuer alter Garten, wie auflockern statt umgraben?

#54

Beitrag von Manfred » Di 3. Mär 2020, 16:43

emil17 hat geschrieben:
Mo 17. Feb 2020, 10:35
, dass man den Humusabbau durch Sauerstoffzufuhr nicht beschleunigen soll! Deswegen hast du ja den ganzen Krieg angefangen.
Eine bessere Belüftung beschleunigt natürlich die Umsetzung des organischen Materials.
Gleichzeitig ist sie aber Voraussetzung für ein aerobes Bodenleben und damit für Wurzelwachstum.
Wenn eine ausreichend dichte lebender Pflanzen vorhanden ist, die dann ihr Exsudate in den Boden pumpen, nimmt der Humus in Summe eher zu als ab.
Bei unbewachsenem oder gar nacktem Boden wird der Humus relativ schnell abgebaut.
Ich habe vor Jahren einige Fuhren "guten, schwarzen Gartenboden" an einem Feldrand abgekippt, für spätere Wiederverwendung.
Da die Rinder ständig auf den Haufen herumgeklettert sind, bleiben sie weitgehend frei von Bewuchs.
Letzen Sommer wollte ich einen Teil davon wieder aufladen, um einen Kabelgraben durch eine Wiese, wo sich der Boden ca. 5 -10 cm abgesenkt hatte, wieder eben aufzufüllen. Die Haufen waren in der Sommertrockenheit steinhart verbacken. Der Humus ist weitgehend weg. Übrig geblieben ist der ursprüngliche, schwere Lehm. Der Radlader hat es nicht geschafft, die Haufen aufzunehmen. Ich muss sie liegen lassen, bis sie wieder durchgeweicht sind.

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Re: Neuer alter Garten, wie auflockern statt umgraben?

#55

Beitrag von Rati » Mi 4. Mär 2020, 11:38

Manfred hat geschrieben:
Di 3. Mär 2020, 16:43
Eine bessere Belüftung beschleunigt natürlich die Umsetzung des organischen Materials.
Gleichzeitig ist sie aber Voraussetzung für ein aerobes Bodenleben und damit für Wurzelwachstum.
Wenn eine ausreichend dichte lebender Pflanzen vorhanden ist, die dann ihr Exsudate in den Boden pumpen, nimmt der Humus in Summe eher zu als ab.
Beziehst du das jetzt eher auf Weideflächen oder auch auf Acker oder kleiner Flächen mit Kulturpflanzen, um die es hier beim anlegen eines Gartens gehen soll.
Und was ich jetzt nicht herauslesen konnte, meinst du das trotz höherem Umsatz der Humusgehalt im bearbeiteten Boden- auf Ackerflächen) bei geschlossener Pflanzendecke zunimmt ohne das zusätzliches Material (Mist uns so zur Humusbildung geeignetes Zeugs) angeboten werden muß?

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Re: Neuer alter Garten, wie auflockern statt umgraben?

#56

Beitrag von viktualia » Mi 4. Mär 2020, 19:44

Manfred, du gestattest?
Ich würde mich gerne an der Antwort versuchen, Ergänzungen oder Korrekturen nehme ich natürlich gerne an.

Rati, ich denke, die Antwort lautet: ja, meint er.
Sowohl für Wiesen, als auch für Äcker und Gärten.
Vorausgesetzt, der Boden ist fit und die Pflanzendecke dicht, bzw. ein hohes Maß an Vielfalt der Pflanzen schadet auch nicht.
Und was ich jetzt nicht herauslesen konnte, meinst du das trotz höherem Umsatz der Humusgehalt im bearbeiteten Boden- auf Ackerflächen) bei geschlossener Pflanzendecke zunimmt ohne das zusätzliches Material (Mist uns so zur Humusbildung geeignetes Zeugs) angeboten werden muß?
Nicht trotz, sondern wegen.
Aufgrund des höheren Umsatz´entsteht ja der stabile Dauerhumus.
(Was an Ernte abgefahren wird, wäre ja erst mal "Nährhumus" (Mulch mit Baktis) gewesen/geworden).

Wobei hier sehr wichtig ist "höheren" Umsatz erst mal qualitativ und nicht nur quantitativ zu verstehen, bzw. anzubauen.
Gesunde Pflanzen bilden Dauerhumus im Boden.

Ein Teil des Angebauten ist ja auch als Nährhumus vorgesehen in diesem "System" und verbleibt auf dem Boden.
(Bzw. "arbeitet" weiter und nährt so den Boden, wenn was nur geschnitten oder gewalzt wird.)

Ich denke, dass "Ausgleich" je nach Bodenverhältnissen, bzw. Frucht, bzw. aktuellem Zustand schon noch nötig sein kann,
aber nicht nach der "üblichen Bilanzrechnung", also eins zu eins mit der geernteten Menge.
Eher "eins zu eins" zur Regenwurmmenge oder anderen Begleitfaktoren.

Soweit ich das bislang begriffen habe.
Und wie genau das mit der Humifizierung geht (Pilze!) da arbeite ich noch dran...

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Re: Neuer alter Garten, wie auflockern statt umgraben?

#57

Beitrag von emil17 » Mi 4. Mär 2020, 20:02

Ich schlage vor, diesen Teil der Diskussion abzutrennen und in ein eigenes Thema zu stellen, da es gemäss Thementitel ja um die Frage geht, wie man von Rasenfläche zu bestellbarem Gemüseland kommt.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Neuer alter Garten, wie auflockern statt umgraben?

#58

Beitrag von viktualia » Mi 4. Mär 2020, 20:41

Wie bitte?
Dagegen. Abgesehen davon kann es ja ruhig hier: https://www.selbstvers.org/forum/viewto ... 70#p400915 weiter gehen.
Emil möchtest du im Zirkus ausdiskutieren, was die obigen 3 Posts mit Aeros Faden zu tun hat, oder reicht es so?

Also da hab ich jetzt echt Müh, die Finger ruhig zu halten -
Emil, in den Beiträgen geht es um genau das, worum es im Faden geht.
Und wenn du anderer Meinung bist, dann begründe bitte, warum Boden nichts mit Boden zu tun haben könnte.
Aber woanders.

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Re: Neuer alter Garten, wie auflockern statt umgraben?

#59

Beitrag von Manfred » Di 24. Mär 2020, 10:12

Rati hat geschrieben:
Mi 4. Mär 2020, 11:38
Manfred hat geschrieben:
Di 3. Mär 2020, 16:43
Eine bessere Belüftung beschleunigt natürlich die Umsetzung des organischen Materials.
Gleichzeitig ist sie aber Voraussetzung für ein aerobes Bodenleben und damit für Wurzelwachstum.
Wenn eine ausreichend dichte lebender Pflanzen vorhanden ist, die dann ihr Exsudate in den Boden pumpen, nimmt der Humus in Summe eher zu als ab.
Beziehst du das jetzt eher auf Weideflächen oder auch auf Acker oder kleiner Flächen mit Kulturpflanzen, um die es hier beim anlegen eines Gartens gehen soll.
Und was ich jetzt nicht herauslesen konnte, meinst du das trotz höherem Umsatz der Humusgehalt im bearbeiteten Boden- auf Ackerflächen) bei geschlossener Pflanzendecke zunimmt ohne das zusätzliches Material (Mist uns so zur Humusbildung geeignetes Zeugs) angeboten werden muß?

Grüße Rati
Ich war länger nicht mehr hier...
Das wird auch im Ackerbau von mehr und mehr Praktikern erreicht. Siehe die Fraktion Gabe Brown, David Brandt, etc.
Wobei man hier weg von der Bodenbearbeitung hin zu minimalinvasiven Direktsaatmethoden geht, weil die Störung des Bodens mit erheblichen Nachteilen für das Bodenleben verbunden ist und die Keimung von Unkraut fördert.
Bei manchen Kulturen (Kartoffeln, Wurzelgemüse, etc.) lässt sich eine Störung des Bodens natürlich nicht vermeiden.

Im Hobby-Gemüsebau ist das durch Zwischenfrüchte und Untersaaten gut umsetzbar.
Im professionellen Marktgemüsebau für den Massenmarkt, mit seinen extremen Qualitätsanforderungen und hohen Erntekosten, ist das m.E. schwierig. Da kenne ich noch keine Praxisbeispiele. Selbst die market-gardening-Szene setzt auf Verfahren mit massiver Zufuhr organischen Materials (idR in Form von Heißkompost, mit dem die komplette Bodenoberfläche abgedeckt wird).

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Re: Neuer alter Garten, wie auflockern statt umgraben?

#60

Beitrag von Rati » Di 24. Mär 2020, 10:34

Hey Manfred, danke für die Meldung.
Der Faden ist tatsächlich ein wenig untergegangen. :)

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