August Bier - Der Sauener Wald

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Manfred
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August Bier - Der Sauener Wald

#1

Beitrag von Manfred » So 5. Nov 2017, 23:31

1912 kaufte der Chirurg Prof. Dr. August Bier das Landgut Sauen in Brandenburg.
In den folgenden Jahren kamen noch benachbarte Flächen hinzu.
Es handelte sich weitgehend um Kiefer-Monokulturen auf armen Sandböden und einen Anteil Ackerland.
Er begann dort, seine aus der Medizin und Philosophie abgeleitete Vorstellung einer ganzheitlichen Forstwirtschaft umzusetzen.
Die Waldflächen wurden mit verschiedenen Methoden zu Mischwäldern umgebaut. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Pflanzung und Vermehrung (Förderung von Wurzeltrieben durch Verletzung der Wurzeln) von Robinien, die als Stickstoff-Lieferanten ein schnelleres Wachstum und einen deutlichen Humusaufbau erlaubten.
An den Waldrändern und entlang von Forstwegen wurden Pufferstreifen aus tiefastigen Bäumen und Vogelnährgehölzen angelegt, die als Windschutz gegen Sturm, Austrocknung und die Verwehung des Kohlendioxids wirken und die Landschaft attraktiver machen. Die angelockten Vögel helfen beim Schädlingsmanagement. Bäume guter Qualität werden in diesen Säumen wie auch in den Alleen außerhalb des Waldes als Samenbäume freigestellt und gepflegt.
Es wurden diverse Mischbaumarten und Sträucher eingebracht. Es ist von 460 Gehölzarten die Rede, die im Sauener Wald gezählt wurden.
Die Betriebsart wurde vom Umtriebswald mit Kahlschlägen auf die Plenterwirtschaft mit mehrstufigem Baumbestand und Einzelbaum- und Gruppenentnahme umgestellt. Die besten Bäume und seltensten Baumarten wurden durch schrittweises Freistellen gepflegt.
Es wurde mit Pflanzungen, Saat und Gattern gearbeitet, aber als Ziel von Anfang an die spätere Naturverjüngung angestrebt.
Von der Jagd ist keine Rede. Aber gemessen an den Bildern muss intensiv gejagt worden sein. Zu der Zeit hat man das wohl lieber nicht laut gesagt.
Zu DDR-Zeiten fiel das Gut an den Staat, wurde aber wohl als Demonstrations- und Versuchsbetrieb besonders behandelt.
Heute wird der Wald durch die August Bier Stiftung verwaltet.

In seinem Buch "Der Sauener Wald" (leider nur noch antiquarisch erhältlich) beschreibt Herbert Krauss das Leben und Wirken August Biers sowohl als Arzt (eine sehr umtriebige und einflussreiche Persönlichkeit) wie als Forstmann. Er war als Chirurg gleichzeitig quasi einer der Urväter der Physiotherapie und hat durch Bewegungstherapie und Förderung des Blutflusses vielen Menschen Amputationen und Gelenkversteifungen erspart. In der Behandlung von Entzündungserkrankungen (damals noch ohne innere Antibiotika) verzeichnete er beachtliche Erfolge. Er scheint auch großen Anteil daran gehabt zu haben, dass die deutschen Soldaten im ersten Weltkrieg mit Stahlhelmen ausgerüstet wurden. Alleine dadurch hat er wohl Tausenden das Leben gerettet.
Als Forstmann war er einer der Visionäre seiner Zeit und hat den kargen Kieferwald seines Gutes innerhalb weniger Jahrzehnte in fruchtbaren Mischwald mit deutlich höheren Zuwächsen verwandelt. Im Oberboden hat er einen starken Humusaufbau erreich so nicht nur die Nährstoffversorgung sondern auch die Wasserspeicherfähigkeit deutlich verbessert.
Sein Wald wurde bald eine Pilgerstätte für Forstleute, die er oft in ganztägigen Exkursionen durch seine Wälder führte, um all seine verschiedenen Methoden und Versuche zu erläutern.

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