Was ist eigentlich "Artenvielfalt"

Moderator: kraut_ruebe

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Manfred
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Re: Was ist eigentlich "Artenvielfalt"

#11

Beitrag von Manfred » Fr 3. Nov 2017, 23:27

Die Studie von Schall et al hatte ich glaube ich schon mal erwähnt?
Veröffentlich im Journal of Applied Ecology, doi: 10.1111/1365-2664.12950

Mich hatte daran zunächst überrascht, dass der klassische und scheinbar so monotone Umtriebswald (z.B. 100 ha Wald, davon jedes Jahr 1 ha Kahlschlag unter Schirm + Wiederaufforstung) über die Summe aller Altersklassen eine höhere Artenvielfalt hat als der ach so schön strukturierte Plenterwald gleicher Gesamtgröße.
Das liegt daran, dass der Altersklassenwald mehrere unterschiedliche Biotoptypen bietet vom Offenland bis zum Altbestand und dadurch auch die dafür jeweils spezifischen Arten anlocken, während der Plenterwald halt nur ein Biotoptyp ist, wenn auch mit reichhaltigerer Struktur und höherer Artendichte als einzelne Altersklassen des Altersklassenwaldes.

Will sagen: Das ganze Klein-Klein im "Naturgarten" ist zwar schön, aber halt nur für die Arten, die es mögen. Wenn ich eine mögl. hohe Artendichte will, kann ich damit viel erreichen. Aber Arten mit recht spezifischen Biotopansprüchen werden sich dort nicht ansiedeln.

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kraut_ruebe
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Re: Was ist eigentlich "Artenvielfalt"

#12

Beitrag von kraut_ruebe » Sa 4. Nov 2017, 07:45

viktualia hat geschrieben:
k_r, geht es da nicht auch ums "Muster lesen" oder welche nutzen, anlegen, also Gemeinschaften pflegen,
bzw. halt mehrere Gemeinschaften als solche (an)erkennen, statt dem stumpfen "hohe Dichte" zu frönen, die Manfred ansprach?
Wie würdest du das nennen, bzw. kannst du das darin sehen?
Lach, ich assoziier das, wenn ich an funktionierende Artenvielfalt denke, passt das in "deine Muster" rein?
das passt in meine muster, ich nenne gemeinschaften (zeugs passt zusammen) nur nicht artenvielfalt (blosse anzahl, worin auch immer begründet).
wenn du denkst, abenteuer sind gefährlich, dann versuchs mal mit routine. die ist tödlich. (coelho)

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Re: Was ist eigentlich "Artenvielfalt"

#13

Beitrag von bielefelder13 » Sa 4. Nov 2017, 07:49

Habe in den letzten Jahren mich damit beschäftigt, da ich "Artenvielfalt"für wichtig halte. Habe durch Beobachten für mich erkannt das in den Bereichen die ich in Ruhe gelassen habe die größte Vielfalt herrscht. Seitdem habe ich verschiedene Bereiche bei mir wo die Pflanzen sich selbst überlassen sind.(Steinhaufen, Totholz, kleine Teiche usw.) Ist spannend diese Inseln zu beobachten. Auch was allein an Insekten,Vögeln usw., sich dort Ansiedelt. Das macht es für mich sinnvoll solche Räume und wenn Sie auch nur klein sind, neben meinen "Nutzflächen", zu schaffen.Spannendes Thema. :daumen:
Fang nie an aufzuhören. Höre niemals auf Anzufangen.

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Re: Was ist eigentlich "Artenvielfalt"

#14

Beitrag von ina maka » Sa 4. Nov 2017, 10:40

Manfred hat geschrieben:Will sagen: Das ganze Klein-Klein im "Naturgarten" ist zwar schön, aber halt nur für die Arten, die es mögen.
auf meinem Grundstück täten keine Zyklamen wachsen, wenn es sie nicht in den Wäldern daneben auch gäbe.
Artenvielfalt braucht Platz und die Freiheit, sich selber zu vermehren und sich dort anzusiedeln, wo die Pflanze "will". Aber wenn jedes Grundstück einen "kleinen" Platz hat für Artenvielfalt und dazwischen auch keine Barrieren sind, dann klappt das schon - oder nicht? :hmm:

Ich bin echt froh, dass die Landwirte bei uns noch so schlampig arbeiten, dass neben den Feldern jede Menge Pflanzen und Tiere leben können!

Die Frösche und Kröten wandern, wenn sie ausggewachsen sind, in den Wald - die bleiben nicht alle bei unserm Teich.

Genauso machen das die Disteln, die immer wieder mal irgendwo in der Wiese hoch in die Höhe stehen..... (sehr große reichlich blühende - keine Ahnung welche: Eselsdistel??)
waren wir stolz, als wir eines Jahres so eine Distel zwischen unseren Waschbetonplatten hatten. Aber das war nur ein Jahr, dass die da geblüht hat.
Die Samen sind irgendwohin und wachsen dort.
Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest – steige ab!

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