Vom Kompost zur Humuserde

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emil17
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Re: Vom Kompost zur Humuserde

#141

Beitrag von emil17 » Di 2. Jul 2024, 19:39

Danke für die nachvollziehbare Schilderung.
Ist alles verständlich und logisch, ausser das mit dem Vegan und der Welternährung. Nutztierhaltung ist nicht a priori Tierleid und viele Flächen können nur mit Nutztieren Nahrung für Menschen erzeugen. Auf die muss man nicht verzichten und statt kategorisch "Kein Fleisch" ist meiner Ansicht nach "weniger, nicht mit Importfutter erzeugt, nicht in Konkurrenz zu Ackerkulturen" von der Zielsetzung her logischer und auch zielführender. Das müssen wir aber nicht hier ausdiskutieren. Richtig ist hingegen, dass man die Entwidmung von produktiven Agrarflächen (daraus werden dann Parkplätze, Autobahnen, Industrieanlagen) endlich als eines der langfristig grössten selbst verschuldeten Umweltprobleme ansieht. Ebenfalls zwingend ist, dass man das, was der Mensch konsumiert, möglichst in den Kreislauf zurückführt.

Ein Detail: Ein Gehalt von 83%C in der Trockenmasse von Humus ist unplausibel - oder was genau sind die 100%?

Was die Kompostbereitung und Veredlung nach Eisenbach angeht, so mag es so funktionieren. Was der Verbrauch an zugeführten Nährstoffen (Dünger, Mulch, Kompost, Mist, Gülle) und die Höhe der nachhaltig erzielbaren Ernten und Humsgehalte angeht, so wäre der Erfolg der Methode an Parallelversuchen mit herkömmlichen Methoden nachzuweisen. Das muss zwingend von unabhängigen Instituten gemacht werden, die kein ideelles oder finanzielles Interesse an den Ergebnissen haben und die nach wissenschaftlichen Standards publizieren müssen. Wer dieses Verfahren in grösserem Massstab anwenden will, möchte auch den dafür erforderlichen logistischen Aufwand im Vergleich zu anderen Methoden kennen. Ebenso sind die anzustrebenden Humusgehalte nach Klima und Bodentyp zu differenzieren.
Was die vegane Kompostiermethode völlig missachtet, ist, dass die Nutztiere grosse Mengen pflanzlicher Biomasse für den Nährstoffkreislauf erschliessen und somit auch dem Garten- und Ackerbau erst zugänglich machen. Aus irgendeinem Grund hat die Natur ja die grossen Pflanzenfresser erfunden - und auch die vielen Pflanzenarten, die nur auf beweideten Flächen existieren können. Das, was die Tiere machen - Biomasse zerkleinern und für den Abbau aufschliessen - ist ein wesentlicher Teil des Nährstoffkreislaufes, der so schon seit ewigen Zeiten funktioniert und müsste mit grossem Aufwand künstlich erfolgen. Wer schon einmal grosse Mengen Gras kompostieren wollte, merkt bald, wie mühsam und langwierig das ist.

Die Welt ist so gross, dass man auch dieses Verfahren anwenden kann, ohne anderen Platz wegzunehmen. Wenn es sich in der Praxis bewährt, wird es sich auch etablieren.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.

Eberhard
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Re: Vom Kompost zur Humuserde

#142

Beitrag von Eberhard » Di 2. Jul 2024, 21:34

den dafür erforderlichen logistischen Aufwand
Der ist einfach benannt. Empfohlene Mindestmaße des Komposthügels mit 2 m Breite und 10 m Länge und etwa 0,6-0,8 m Höhe in der Mitte, macht also grob 10 m³ Anfangsmenge (Qualitätskompost). Wie weit man die kritische Mindestmenge herunterdrücken kann, müsste man extra untersuchen, mit Pflanzkübelmengen wird es eher nicht funktionieren.
Das Hügelbeet soll in Nord-Süd-Richtung auf Gelände mit etwa 3 % Gefälle angelegt werden. Die Ausrichtung deswegen, weil damit in den lichtschwächeren Jahreszeiten der Lichteinfallswinkel zumindest zeitweise stark bleibt und eine höhere Photosyntheseleistung möglich ist, Gefälle wegen Abfluss stärkerer Niederschläge.
Bepflanzung und Pflege ist dann (derzeit) Handarbeit und daher nicht mehr Kernkompetenz eines Kompostwerkes. Erste Bebauung mit Starkzehrern, danach zunehmend echte Mischkulturen. Was bereits funktioniert hat, wird vermutlich in den angebotenen Workshops mitgegeben. Abgeleitet von Siegfried Wenz meine ich, bei allem Anbau sollte ein Anteil von Gras, Kreuzblütlern und Leguminosen dabei sein (Diversität in Pflanzenfamilien). Für entsprechende Untersaaten gibt es auch schon verschiedene Saatgutmischungen.
Mit Pflanzenmanagement wurde also etwas mehr gemeint als bloßes Bepflanzen mit irgendwas. Das ganzjährige Bedecken der Oberfläche, am besten mit lebenden Pflanzen, sowie die durchgehende Feuchteregulierung werden dann zusätzlich erwartet. An den Boden darunter wurden keine großen Forderungen gestellt, also wäre eine Nutzung auf schlechtem Boden eine insgesamte Aufwertung. Zeitdauer 5 Jahre oder kürzer oder länger. Humusgehalte wurden in diesem Zusammenhang nicht genannt. Das Inspielbringen von Dauerhumus war eine Schlussfolgerung von mir, bei einem Funktionieren ein Nebenkriegsschauplatz.
Das war's eigentlich. Nicht unmöglich für Enthusiasten mit entsprechenden Möglichkeiten, für Forschungsinstitute ebenso wenig. Für Parallelversuche müsste man trennen zwischen Herstellung und nachfolgender Verwendung. Die Anzahl der Varianten erhöht den Aufwand.
Mit einer hoffentlich guten und reichlichen Ernte auf den etwa 25m² Hügeloberfläche müsste man dann auch klarkommen.
Mit freundlichem Glück Auf!

Eberhard

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