Saurer Boden mit pH 4,9

Moderator: kraut_ruebe

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kay
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Saurer Boden mit pH 4,9

#1

Beitrag von kay » Mi 20. Jul 2022, 11:39

Hallo zusammen,

wir sind (siehe Vorstellungsrunde) gerade kurz davor, ein ca. 4500 m2 Grundstück mit Wiese zu kaufen, um darauf eine Permakultur zu starten. Ich habe eine Bodenanalyse in Auftrag gegeben und da kam unter anderem raus, dass der pH-Wert bei 4,9 liegt, was ja ordentlich sauer ist.

Einige Pflanzen scheinen darauf zu wachsen, aber wir hätten insbesondere gerne verschiedene Kohlsorten und Zwiebeln. Deswegen fragen wir uns, ob wir den Boden alkalischer machen können.

Regelmäßig angeführt (und vom Bodenanalysezentrum empfohlen) wird Gesundungskalkung. Allerdings steht da auch immer dabei, dass man das regelmäßig alle paar Jahre neu machen muss. Das Zentrum empfielht ca. 3,5 Tonnen Kalk jedes Jahr. Eine Menge Holz! Und nicht wirklich ein Kreislauf.

Jetzt meine Frage:
Es heißt, dass der Kalk sich immer wieder auswäscht. Gilt das auch für eine Permakultur (vorausgesetzt dauerhafte Bodenbedeckung usw., also wenig/keine(?) Bodenerosion)? Oder gilt das nur in der industriellen Landwirtschaft?
Was würdet ihr empfehlen?

Besonders interessieren mich natürlich praktische Erfahrungen.

Viele Grüße
Kay

SunOdyssey
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Re: Saurer Boden mit pH 4,9

#2

Beitrag von SunOdyssey » Mi 20. Jul 2022, 21:57

Hallo Kay,

Wie hoch ist denn der Humusanteil in %? Und an wieviel Stellen hast du gemessen? Wie tief bist du in den Boden gegangen? Und kannst du an Zeigerpflanzen sehen, ob sich der saure Boden über die ganze Fläche zieht?

Der Spruch " Kalk macht Väter reich und Söhne arm" ist leider nicht so falsch, daher würde ich nicht nur kalken. Mich erstaunt allerdings, dass eine Weide so versauert ist, wie war denn die Nutzung vorher?

Ich würde an deiner Stelle versuchen, an Kompost zu kommen. Gibt es in der Nähe ein kommunales Kompostwerk? Das gibt meist für kleines Geld ganze Hängerladungen ab. Das zusammen mit Dolomitkalk (= natürlicher Kalk) wird den Boden zumindest für den Anfang in die Lage versetzen, im nächsten Jahr schon Kulturen anzubauen. Das wirst du wohl einige Jahre wiederholen müssen, bis der Boden einen Humusgehalt an die 1,5 - 2% hat. Sonst wird das mit einer Permakultur schwierig.
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kraut_ruebe
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Re: Saurer Boden mit pH 4,9

#3

Beitrag von kraut_ruebe » Mi 20. Jul 2022, 23:46

Die zentrale Frage wäre für mich, weswegen der Boden sauer ist.

Ist das am Standort (inkl. Umgebung) Normalzustand, dann wirst Du wohl immer wieder mal kalken müssen, oder Dich auf Pflanzen spezialisieren, die das mögen (Im Sinne von: Use what you have).

Ist das irgendwie passiert, dass das Stück Land versauert ist, dann könnte einmal kalken plus die Ursache der Versäuerung beheben/vermeiden ausreichen. Wichtig wäre, mit Bewuchs, Mulch und Kompost dafür zu sorgen, dass das Bodenleben wieder aktiv werden kann.
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Re: Saurer Boden mit pH 4,9

#4

Beitrag von emil17 » Do 21. Jul 2022, 12:14

Sauer bedeutet nicht unbedingt nährstoffarm und auch nicht Kalkmangel. Falls man kalken will, Kalk- oder Dolomitgesteinsmehl und nicht Kalkhydrat nehmen. Der Fruchtbarkeitsschiub nach Kalkung beruht auf Freisetzung der gebundenen anorganischen Nährstoffe wegen Humusabbau durch die pH-Erhöhung, nicht weil ein Mangel an Kalzium bestand und behoben wurde. Deshalb das Sprichwort.
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Benutzer 4754 gelöscht

Re: Saurer Boden mit pH 4,9

#5

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht » Do 21. Jul 2022, 14:27

Welche Bodenart ist es denn? Bei Sandboden bist du gar nicht so weit weg vom Optimum ( pH 5,5)

Bei Lehm und vorallem Ton sind 4,9 ganz ab vom Schuss.

Ja, Kalken muss man immer und immer wieder. Durch die Pflanzen und ihre Wurzelausscheidungen, den Nährstoffentzug und bodenbiogische Prozesse versauert der Boden von ganz alleine.
Zusätzlich wird mit jedem Regenguss Kalk ausgeschwemmt.

AdHoc lässt sich das Problem mit vorsichtigen Dosagen Branntkalk lösen, besonders dort wo Kohl wachsen soll.

Lange zum Wirken brauchen die kohlensauren Kalke, egal ob das Dolomitmehl ist oder andere Kalke mit Calciumcarbonat.

Ein Zwischending zwischen den beiden ist Löschkalk.

Bei der Wahl des Kalkes ist unbedingt der Magensiumgehalt des Bodens zu beachten!
Ist der schon hoch muss zwingend (!) ein magnesiumfreier Kalk gewählt werden.
Andernfalls werden die Strukturprobleme nicht weniger sondern eher mehr.

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Re: Saurer Boden mit pH 4,9

#6

Beitrag von osterheidi » Do 21. Jul 2022, 15:38

ich bin da auch eher bei Krautrübe: bewuchs, bodenbedeckung, mulch....wenn das nachhaltige permakultur werden soll dann ist es unerlässlich das vorhandene zu beobachten. wenn du den fleck und das wetter dort noch nicht so recht kennst würde ich das so machen. evtl an einigen ecken mit versuchen beginnen.
permakultur ist meiner meinung nach nix schnelles sondern will sich auch entwickeln.
kompost bekommt man in bioqualität so gut wie nicht, also auch da selbst aufbauen.
ich kenne mein land sehr gut und stelle immer wieder fest dass es zeit braucht. einfach so kalken habe ich auch hinter mir das hat nix gebracht.
der wert der bodenuntersuchung ist ja nur eine infoquelle für deinen fleck.

Benutzer 4754 gelöscht

Re: Saurer Boden mit pH 4,9

#7

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht » Do 21. Jul 2022, 22:02

Sicherlich ist das Zuführen organischer Substanz kein Fehler.

Die vielfach beobachteten Ertragssteigerungen beruhen vorallem auf der massiven Nährstoffzufuhr, die weit über dem Bedarf der Kulturen liegt.

Mit einem großen Nährstoffüberangebot kann man über viele Missstände hinwegtäuschen, sei es falsche pH Werte, schlechtes Wetter, schlecht wüchsige Sorten oder schlechte Bodenstruktur.

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Re: Saurer Boden mit pH 4,9

#8

Beitrag von kraut_ruebe » Fr 22. Jul 2022, 01:43

Das ist eines der Anliegen der Permakultur, den Boden fruchtbarer zu übergeben als man ihn übernommen hat.

Nicht um hinwegzutäuschen, sondern um damit zeitgleich auch zum Vorteil der nächsten Generationen zu arbeiten, bestmöglich angepasst ans (Klein-)Klima. Die Auswahl der Pflanzen, die am Standort wachsen können und jener, die wachsen sollen um andere zu begünstigen braucht viel Sorgfalt und Planung und richtet sich nach dem Grundwasserspiegel, der Wurzel- und Kronenformen, Wachstumsgeschwindigkeit, jetzigen und später zu erwartenden Bodenverhältnissen, Wind, Sonne, Niederschlag und Nutzungsmöglichkeit für Mensch/Tier/Boden. Im Idealfall hat ein Element ( = eine Pflanze oder ein Teich oder ein Hühnerstall) sieben in irgendeiner Form nützliche Eigenschaften und daraus entstehen die Kreisläufe, welche im Laufe der Zeit dann noch ineinander übergreifen.

Das braucht Geduld und Zeit, es macht Sinn, dabei in Dekaden zu denken. Deshalb beobachtet man das Grundstück erstmal ein Jahr, um zu sehen, wie sich die Niederschläge übers Jahr verteilen, wann es wo trocken oder nass ist, welche (Zeiger)Pflanzen von alleine erscheinen. Dann kann man abschätzen, ob man das Gelände mit zB Swales (oder was halt anliegt) verbessern kann und ggf. auch mal kalken, wenn nötig, solang noch nicht alles bepflanzt bzw. bewachsen ist.
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