Schnellwüchsiger Baum gesucht

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emil17
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Re: Schnellwüchsiger Baum gesucht

#41

Beitrag von emil17 » Di 12. Apr 2022, 13:14

Zum Thema Baumarten:
Fichte hat den grossen Vorteil, dass sie raschwüchsig und leicht zu kultivieren ist und einen sehr grossen Anteil Nutzholz am Gesamtvolumen hat.
Man pflanzt ja auch Kartoffeln und Mais an Standorten, wo sie ohne dauernde Pflege eingehen würden.
Als Bauholz taugen Buche, Eiche und Co. nun mal eher weniger.
Der Fehler ist, jede grössere Baumgruppe mit den Masstäben des natürlichen Waldes zu beurteilen. Womit nichts gegen natürlichen Waldbau gesagt sein soll - nur sieht man die Bewirtschaftungsziele heute anders als damals, wo der Holzmangel viel grösser war als heute und wo man die Langzeit-Nachteile der Fichte im Tiefland noch nicht einschätzen konnte.
Bitte denkt daran, dass heute wertvolle Wälder früher zu einem sehr hohen Preis erkauft worden sind: Viele Fürsten hatten zum Beispiel keine Probleme damit, quadratkilometerweise Jagdreviere aus Spass an der Freude zu haben und die Landbevölkerung im Winter frieren zu lassen, wegen Brennholzmangel.
Weil die Fichte im Tiefland eine Baumart am Rande des klimatischen Toleranzbereiches ist, reagiert sie heute dort sehr empfindlich auf Erwärmung und Trockenheit. Sturmfestigkeit ist insofern kein Problem, als dass natürliche Wälder sich nach Windwurf sehr rasch regenerieren, nur ist das natürlich nicht im Sinne des Försters.
Es passt hier gut die Aussage von Lichtenberg: Jeder Fehler ist unsäglich dumm, nämlich wenn andere ihn begehen.
Würden wir nur anbauen, was klimatisch passt, wäre unser Speisezettel sehr, sehr langweilig.

Zum Thema Neophyten: Üblicherweise wird als Neophyt bezeichnet, was erst seit Kolumbus'Zeiten hier vorhanden ist, und was sich ohne Zutun des Menschen halten und vermehren kann. Meist wird implizit ein Nachteil dieser Arten für andere Arten oder Ökosysteme behauptet. Eine scharfe Grenze zu Nutz- oder Zierpflanzen gibt es nicht (der japanische Knöterich etwa wurde als Zierpflanze bewusst eingeführt). Arten, die seit Beginn der Landwirtschaft hier heimisch sind, heissen Archaeophyten (etwa die Kornblume). Viele dieser Arten benehmen sich in Europa sehr anders und viel aggressiver als da wo sie herkommen - etwa die Goldruten. Man vergesse auch nicht, dass viele europäische Arten anderswo eine Plage sind - etwa die Waldrebe oder die Brombeeren in Nordamerika. Europäische Wiesengräser, die etwa in Amerika die einheimischen Arten weitgehend verdrängt haben, werden dort gewöhnlich nicht als Neophyten betrachtet, weil sie das Weideland wesentlich verbessern.
Jede dieser Definitionen ist problematisch; vor 20'000 Jahren gab es nur Kältehalbwüste oder Eis - also wäre so ziemlich jede Gehölzart nicht einheimisch, wenn man den Zeitrahmen ändert.
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Re: Schnellwüchsiger Baum gesucht

#42

Beitrag von SunOdyssey » Fr 13. Mai 2022, 07:42

Ich muss in einem Punkt kurz widersprechen:

Die Eiche liefert das beste Bauholz, was hierzulande erzeugt werden kann. Nur wächst eine Eiche eben nicht so schnell wie eine Fichte, hält dafür aber als Konstruktionsholz Jahrhunderte aus. Die Buche ist m. E. für alles bestens geeignet, was im Innenraum verbaut werden soll. Z. B. Möbel, Arbeitsplatten etc.
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Re: Schnellwüchsiger Baum gesucht

#43

Beitrag von Rohana » Fr 13. Mai 2022, 09:31

Die Schwarznuss ist definitiv schnellwüchsig, da kann man zugucken bei... mein Mann erfreut sich an 30/50 frischgeschlüpften kleinen Bäumchen. Mal gucken wie die sich so entwickeln.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

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Re: Schnellwüchsiger Baum gesucht

#44

Beitrag von emil17 » Fr 13. Mai 2022, 12:18

SunOdyssey hat geschrieben:
Fr 13. Mai 2022, 07:42
Die Eiche liefert das beste Bauholz, was hierzulande erzeugt werden kann. Nur wächst eine Eiche eben nicht so schnell wie eine Fichte, hält dafür aber als Konstruktionsholz Jahrhunderte aus.
Ja und nein: Dauerhaftigkeit iust nur ein Kriterium von vielen. Die Güte von Bauholz ist ein Kompromiss aus Wüchsigkeit, Anspruchslosigkeit (des Baumes in forstlicher Hinsicht), Eignung als Schnittholz (Stammgeometrie, weshalb z.B. Robinie nicht so toll ist), Eignung zur Verarbeitung, Dauerhaftigkeit, und natürlich und zuerst vom Preis. Hier punktet die Fichte, weil sie bei ausreichender Dauerhaftigkeit gerad- und raschwüchsig ist. Früher hatte man in Gegenden wo es kein Nadelholz gab, eigene Methoden um mit nicht ganz geradem Holz zu bauen, was sich dann direkt auf die Bauweise ausgewirkt hat.
Natürlich würde manch einer lieber mit massiv Eiche bauen, wenn er das Bauholz zum Preis von Fichte bekäme.
Auch ganz gewöhnliche Fichte ist richtig verbaut selbst in nassem Klima dauerhaft, vgl. etwa die alten Bauernhäuser im Alpenvorland oder in den Nordalpen, wo es nur Fichte, Tanne und Buche in Menge gab.

Wenn man sich so anschaut, was die früher alles verbaut haben, dann lässt sich vieles nur verstehen, wenn man bedenkt, dass Holz früher knapp und teuer war. Massive Eichenbalken findet man etwa in den Patrizierhäusern der Stadt oder in Schlössern, aber kaum in ländlichen Bauten, oder dann nur als unterste Lage oder als Schwellenhölzer.
Um Balken zu schneiden ist Eiche erstens viel selten und zu teuer und zweitens hat man oft höhere Sägeverluste, weil eben die Stämme nicht ganz so gerade sind wie bei Nadelholz.
Was die Dauerhaftigkeit angeht, so ist das heute dank chemischem Holzschutz und war es schon früher wegen konstruktivem Holzschutz ein lösbares Problem. Zudem wird nicht mehr für Jahrhunderte gebaut. Auch Eiche ist in wenigen Jahrzehnten dahin, wenn man konstruktive Fehler begeht.
Dank moderner Holzverbindungstechniken ist die hohe Festigkeit von Eiche sowieso nicht erforderlich. Der Krummheit der Stämme kann man mit Leimschichtholz auskommen, aber dafür verwendet man kein Holz von so hoher Güte wie etwa Eiche.
Lärche und Edelkastanie sind bezüglich Dauerhaftigkeit der Eiche gleichwertig. Nur war dieses Holz vor der Rationalisierung des Transportwesens etwa in Deutschland nicht verfügbar. Bei Beachtung des konstruktiven Holzschutzes sind sehr viele weiteren Arten ausreichend dauerhaft. In dem Haus, das ich bewohne, gibt es Türrahmen aus Aspe (Zitterpappel), die nun auch schon 180 Jahre halten.
Leider ist es auch so, dass keiner mehr für Jahrhunderte baut. In Häusern im Baustil des 15. Jahrhunderts will heute auch keiner wohnen, schon wegen der niedrigen Raumhöhen und der winzigen Fenster nicht.

Allgemein war Bauen früher die Kunst, sich mit dem zu behelfen, was es in der Region gab. Hochwertige Holzarten wie Eiche, Ulme, Esche usw. wurden bevorzugt zu Gebrauchswaren wie Fässern, Wagen und dergleichen verwendet - eine heute kaum mehr vorhandene Nutzung, die früher grosse Mengen Holz verbraucht hat.
Das gilt auch für Mauersteine: Schön behauene Werksteine wurden fast nur in Repräsentationsbauten verwendet, da zu teuer fürs gewöhnliche Volk. Ausnahmen waren etwa lokal verfügbare, gut bearbeitbare Sandsteine oder Tuff, den man mit einer Säge bearbeiten kann.
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Re: Schnellwüchsiger Baum gesucht

#45

Beitrag von penelope » Fr 13. Mai 2022, 22:11

emil17 hat geschrieben:
Fr 13. Mai 2022, 12:18
Massive Eichenbalken findet man etwa in den Patrizierhäusern der Stadt oder in Schlössern, aber kaum in ländlichen Bauten, oder dann nur als unterste Lage oder als Schwellenhölzer.
Ich denke, dass es da doch sehr große lokale Unterschiede gibt. Hier in der Tiefebene bestehen alte Bauernhöfe in den meisten Fällen aus den typischen Niederdeutschen Hallenhäusern. Das sind riesengroße Fachwerkhäuser aus Eichenfachwerk, die Tierstall, Wohnhaus und Lagerscheune in einem waren. In den alten Dorfkernen (sofern noch erhalten) stehen rund um die einzelnen Höfe immer Ansammlungen von großen alten Eichen. Die hatten genau den Zweck, irgendwann als Bauholz zu dienen. Das Holz wurde nicht unbedingt im Wald geschlagen.

Und wie gesagt: man darf den Faktor Wind nicht vergessen. Gerade Kiefern wachen hier in der Regel alles andere als gerade.

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Re: Schnellwüchsiger Baum gesucht

#46

Beitrag von SunOdyssey » Sa 14. Mai 2022, 08:37

Emil, ich weiß nicht, wie du immer auf solche Gemeinplätze kommst, noch dazu als Schweizer. Ich komme aus Westfalen, wohne in Westgalen und baue auch hier.

Hier wird schon lange mit Eiche gebaut. Mein Fachwerk ist aus Eiche, nicht nur das Fußrähm, sondern alles. Sogar der Dachstuhl meiner Scheune ist aus Eiche. Im Innern meines Hauses sind die Türen aus Weißtanne und die Haustür wieder aus Eiche. Die Fenster waren hier aus Lärche. Hier baut man erst mit Fichte seit dem zweiten Weltkrieg.
Kann ja sein, dass das, was du beschreibst, in der Schweiz so ist, aber hier ist das in einigen Reigionen eben nicht so.
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Re: Schnellwüchsiger Baum gesucht

#47

Beitrag von wörpedahler » So 15. Mai 2022, 08:50

Ich weiß aus der Fernsehsendung "Grand Designs", dass in UK früher öfter komplett aus "grüner Eiche" gebaut wurde.
Das heißt die Balken wurden zusammengefügt bevor sie ganz durchgetrocknet waren. Die Verbindungen waren so ausgelegt, dass die Schrumpfung durch Trocknung alle Verbindungen festgezogen hat.
Über Fenstern wurde eine gute Handbreit platz gelassen, damit sich das Holz in den ersten Jahren setzen kann.

Diese Bauweise gibt es auch heute noch, aber seltener.

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Re: Schnellwüchsiger Baum gesucht

#48

Beitrag von emil17 » So 15. Mai 2022, 16:07

Ich hoffe, dass man meinen vorigen Beitrag nicht falsch verstehe: ich bezog mich ausschliesslich auf das, wonach Eiche das beste Bauholz sei.
Natürlich gibt es regionale Unterschiede, wobei die vorherrschende Bauholzart Einfluss auf die Konstruktionsweise hat, und genau das zeigt doch, dass man mit sehr vielen Holzarten zurecht kommen konnte.
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Re: Schnellwüchsiger Baum gesucht

#49

Beitrag von catweazle13 » Mi 18. Mai 2022, 10:39

Ich werfe mal den Blauglockenbaum in den Ring.
Schneller wachsen geht fast nicht. :lol:

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Re: Schnellwüchsiger Baum gesucht

#50

Beitrag von emil17 » Do 19. Mai 2022, 08:03

wörpedahler hat geschrieben:
So 15. Mai 2022, 08:50
Ich weiß aus der Fernsehsendung "Grand Designs", dass in UK früher öfter komplett aus "grüner Eiche" gebaut wurde.
Das heißt die Balken wurden zusammengefügt bevor sie ganz durchgetrocknet waren. Die Verbindungen waren so ausgelegt, dass die Schrumpfung durch Trocknung alle Verbindungen festgezogen hat.
Über Fenstern wurde eine gute Handbreit Platz gelassen, damit sich das Holz in den ersten Jahren setzen kann.

Diese Bauweise gibt es auch heute noch, aber seltener.
Beim Blockhüttenbau ist das immer noch üblich:
Man spart sich das aufwendige Trocknen des Holzes (was bei Massivholz mehrere Jahre dauern kann), und grünes Holz lässt sich viel leichter behauen und bohren als trockenes. Wenn man alles von Hand machen muss, ist das durchaus ein Thema.
Nachteilig ist, dass sich manche Bäume beim Trocknen verziehen können, was nicht immer vorher erkennbar ist. Um zu verhindern, dass sich Schwindrisse irgendwo bilden, macht man bei Nadelholz auf der Unterseite des Stammes einen Längsschnitt bis ins Herz.
Das mit dem Festgehen durch Abschwinden funktioniert vor allem, wenn man mit Dollen arbeitet, die aus bereits trockenem Holz gemacht werden.

Im modernen Massivholzbau ist alles maschinell vorgetrocknet, plangehobelt und abgebunden, da ist das kein Thema mehr.

Wenn man die Setzungsluft bei Tür- und Fensteröffnungen vergisst, wo der verzapfte Rahmen Teil der Konstruktion ist, dann steht das unterste durchgehende Holz über der Öffnung auf dem Rahmen auf und die ganze Auflast wird über die senkrechten Rahmenhölzer nach unten übertragen, was schlecht ist und unter anderem dazu führt, dass die Wand neben dem Rahmen undicht wird.
Im Bild die übliche Konstruktion mit Schwebezapfen. Die nicht ausgenutzte Setzluft ist hier als Loch unter dem Sturz erkennbar.
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