Fragen zu Streuobstwiese

hias90

Fragen zu Streuobstwiese

#1

Beitrag von hias90 » So 8. Sep 2013, 13:17

Hallo,
Ist hier jemand anwesend, der selber eine Streuobstwiese besitzt? Ich würde nämlich gerne eine anlegen, brauch dafür aber noch die väterliche Unterstützung. Doch ein paar Fragen gibt es im Vorfeld schonmal zu klären:
- Wie sieht das Einkommen mit Streuobst aus?
Mir persönlich fällt dazu ein, dass man das Obst natürlich selber pflücken kann und dem regionalen Safterzeuger verkaufen kann. Man könnte auf Vertrauensbasis Fremde Leute erlauben das Obst zu pflücken, für 10€ pro Eimer oder so. Man könnte alte Obstsorten anpflanzen und jährlich Stecklinge schneiden und vermehren/verkaufen.

- Wie hoch ist der Arbeitsaufwand?
Klar, am Anfang hat man natürlich einen hohen Aufwand, bis erst einmal alles gepflanzt ist. Danach kommen Mährarbeiten dazu, doch wie sieht es mit Schnittmaßnahmen aus? Muss man einen Halbstamm oder Hochstamm überhaupt schneiden?

Für ein paar Antworten oder Erfahrungsberichte wäre ich sehr dankbar.

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Re: Fragen zu Streuobstwiese

#2

Beitrag von kraut_ruebe » So 8. Sep 2013, 13:31

ich hab ne streuobstwiese angelegt in diesem jahr.

verdienen kann man hier damit nichts. wenn mein obst reif ist ist das der anderen auch reif. wenn du irgendwo leben solltest wo sonst keiner obst hat, kann das eventuell anders aussehen. die safterzeuger zahlen ein bisschen was für äpfel hier. einkommen würd ich das hier aber nicht nennen, das sind ein paar cent oder so.

mit stecklinge meinst du johannisbeeren oder sonstige sträucher? weil von obstbäumen geht das nicht, da ginge nur veredeln über edelreiser auf passende unterlagen.

eim thema schneiden halt ich mich raus. meine bäume werden antiautoriär erzogen.
wenn du denkst, abenteuer sind gefährlich, dann versuchs mal mit routine. die ist tödlich. (coelho)

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Re: Fragen zu Streuobstwiese

#3

Beitrag von Reisende » So 8. Sep 2013, 15:35

wir haben das ebenfalls dieses jahr gemacht.

wenn du eine richtige streuobstwiese anlegen willst, die über viele jahrzehnte bestand haben soll, rate ich dir zu hochstämmen. die haben eine längere lebensdauer. die anderen stammformen werden nicht so alt, dass durch knorrige äste, löcher etc. das biotop entsteht, dass eine streuobstwiese so wertvoll macht. beschneiden sollte man sie schon regelmäßig, google mal die stichworte pflanz-, erziehungs- und verjüngungsschnitt. ohne gehts sicher auch, da wird dann aber wahrscheinlich dein ertrag drunter leiden.
du kannst mal in meinen blogging-fred schauen, da wurden mir viele tipps zum beschneiden etc gegeben (klick hier)

zum ertrag kann ich naturgemäß noch nicht viel sagen, da hast du auch noch recht lange zeit, dir gedanken zu machen und erkundigungen einzuziehen. ;)
selbstpflücken geht sicherlich, aber dran denken, dass man die meisten früchte nur per leiter erreicht, ich weiß nicht wie das dann mit unfall-haftung etc aussieht.
ich würde eher selber ernten und dann einen kleinen verkaufsstand hinstellen. auf lokalen wochenmärkten könntest du sicher auch obst verkaufen.
saft ist ne tolle sache, würd ich aber für den eigenverbrauch in einer lohnmosterei oder selber machen.
da ich laktose und gluten hervorragend vertrage, leiste ich mir als ausgleich dafür einige intoleranzen im zwischenmenschlichen bereich.

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Re: Fragen zu Streuobstwiese

#4

Beitrag von ludwig » So 8. Sep 2013, 19:02

ich hatte mal eine Streuobstwiese, selbst angelegt, so ca. 250 Bäume.
In den ersten Jahren würde ich schon einen Erziehungsschnitt empfehlen, die Bruchgefahr ist sonst sehr hoch und Du bekommst nur kleine Früchte.
Für das Vermarkten lohnt es sich schönes Obst zu ziehen, also einen Teil vom jungen Obst rauszunehmen damit der Rest grösser wird.
Wirklich guten Ertrag gab es nach 10 Jahren, bei Hochstamm, Halbstamm ein bisschen eher, Spalier oder Buschform oft schon nach 5 Jahren.
Vermarktung in Niederbayern über die Apfelmarkttage der Gemeinden, zb. Landau an der Isar macht im Herbst immer an 3 Samstagen einen Markt, da kann jeder sein Obst verkaufen. Läuft sehr gut ich hab da immer einen ganzen Hänger voll verkauft, Kiste 10 Euro, Inhalt ca 13 kg.
Reich werden tust Du damit nicht aber ein bisschen was bleibt schon und Hauptsache es macht Spass, Stammkundengeschäft die zu Dir auf den Hof kommen oder sich gleich ein paar Kisten liefern lassen entwickelt sich von selbst. Kommt wahrscheinlich darauf an in welcher Ecke Du wohnst und ein bisschen Obstbaumfanatisch sollte man schon sein.

ludwig
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Manfred
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Re: Fragen zu Streuobstwiese

#5

Beitrag von Manfred » So 8. Sep 2013, 19:36

Streuobstwiesen werden überwiegend zur Mostobstproduktion genutzt. Für die Tafelobstproduktion sind diese Baumformen zu arbeitsaufwändig.
Die Mostobstpreise sind regional und von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich. Im Landtreff wurden 2012 Preise von 3 Euro bis 15 Euro je 100 kg genannt. Das Obst wird idR geschüttelt und maschinell gesammelt, da man mit händischem Sammeln kaum auf vertretbare Stundenlöhne kommt.
Wenn du einen Teil des Obstes pflückst und als Tafelobst direkt vermarkten kannst, sind natürlich höhere Preise drin. Typisch 1 Euro pro kg. Aber damit kommst du inkl. Zeit und Kosten für die Vermarktung auch nur auf einen nennenswerten Stundensatz wenn du entsprechende Mengen effektiv verkauft bekommst.

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Re: Fragen zu Streuobstwiese

#6

Beitrag von Benutzer 2354 gelöscht » So 8. Sep 2013, 20:14

Nix machen was alle machen, wenn du Geld verdienen möchtest schau mal nach Aronia ( Apfelbeere ). Für die Natur sind Streuobstwiesen natürlich ein Paradies,vielleicht ein Mix ?

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Re: Fragen zu Streuobstwiese

#7

Beitrag von emil17 » Mi 11. Sep 2013, 15:40

Wenn du es nur wegen dem Geld machst dann vergiss es. Wenn Du Freude an Obstbaumpflege und selbstgepresstem Saft hast und auch noch gerne ab und an zu Markte fährst, dann mache es.
Aber schreibe um Himmels willen Deine Stunden nicht auf.
Schneiden, mähen, ernten, sortieren, verkaufen ...
Allgemein gilt, wenn das Jahr gut ist dann rechnet es sich nicht weil die anderen auch viel haben und die Preise tief sind (für 3 Euro pro 100 Kilo frei Annahmestelle liefern müssen ist das Betteln versäumt) und wenn das Jahr schlecht ist dann sind wohl die Preise besser aber du hast nix zu liefern.

Es tut weh, die Bäume voll fast reifem Obst zu haben und dann schlägt ein Hagel alles zusammen, auch wenn man versichert ist (was auch wieder kostet).

Selbstpflücker würde ich auf keinen Fall lassen, die Leute ruinieren Dir die Bäume und wenn einer von der Leiter fällt hast Du auch ein Problem.

Am besten scheint mir ein Obstgarten zu sein, den man mit mehreren Leuten teilt, das gibt beim Schneiden und bei der Ernte dann immer ein Fest.

Für den Ertragsobstbau wäre Kernobst besser, weil sich Steinobst kaum lagern lässt und transportempfindlicher ist.

Eine recht ertragssichere und interessante Kultur wären vielleicht Tafeltrauben pilzresistenter Rebsorten, allerdings sollte das Klima nicht zu rauh sein. Echte Weintrauben sind zum Essen bei Vollreife meist viel zu süss, und wo die gut wachsen, ist Weinbaugegend, d.h. es will sie dann sowieso keiner.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Manfred
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Re: Fragen zu Streuobstwiese

#8

Beitrag von Manfred » Mi 11. Sep 2013, 19:19

In unserer Tageszeitung war vor ein paar Jahren mal ein Artikel über eine Gemeindeverwaltung irgendwo im Maintal. Die haben viel Streuobstbäume entlang von Wegen und auf sonstigen Gemeindeflächen stehen.
Die Früchte werden dort zur Selbsternte baumweise verkauft. Wenn ich mich recht erinnere, waren die Bäume durchnummeriert und man musste irgendwas zwischen 10 uns 20 Euro pro Baum zahlen, den man abernten wollte. Das Geld wurde dann für die Pflege der Bäume verwendet.
Weiß leider nicht mehr, wo das war.
Wenn man mit Streuobst Geld verdienen will hängt das jedenfalls an einer sehr geschickten Vermarktung.
Und wenn man ein guter Verkäufer ist, kann man die Urproduktion auch ganz bleiben lassen und die Rohware billig einkaufen, dann ist in der Endabrechnung der Stundenlohn höher.
D.h. für die eigentliche Landwirtschaft muss man immer einen gewissen Idealismus mitbringen oder seine spezielle Nische finden oder es im wirklich großen Maßstab betreiben. Bei vielen Direktvermarktern oder Urlaubsbetrieben möchte ich die Betriebszweigabrechnung für die Vorzeige-Landwirtschaft alleine lieber nicht sehen...
Hier schaut es nach wie vor aus wie Kraut und Rüben und die Liste der Wunschbaustellen wächst. Und trotzdem bleibt kaum was über. Wenn alles glänzt und strahlt und jedes Tier seine tägliche Streicheleinheit bekommen soll, damit es für die Besucher schön zahm ist, dann darf man vermutlich nicht mehr auf Kosten und Stunden schauen...

Solche Höfe haben meist schon die vorherigen Generationen gut gepflegt, oder es wird aus anderen Quelle viel Geld rein gebuttert.
Ein Beispiel ist der Unternehmer Egon Schanz (http://www.weinmann-schanz.de/de/projec ... index.html), der die heruntergekommene Domäne Homburger Hof erworben hat und zu einem echten Vorzeigeprojekt ausbaut:
http://www.domaene-homburgerhof.de/
Da kann man nur Staunen und Schmachten und an seiner eignen kleinen Wurstelbaustelle weiterbasteln oder im Lotto gewinnen. :)

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Re: Fragen zu Streuobstwiese

#9

Beitrag von stoeri » Do 12. Sep 2013, 22:34

Hallo Ludwig,

meinst schon das Landau nach Dingolfing und vor Deggendort wo man auch nach Eichendorf fährt wenn man von Landshut kommt oder?
Kannst Du mir sagen wann diese 3 Samstage im Herbst sind, da würde ich gerne hinfahren und mir eine Kiste Äpfel kaufen.
herzliche Grüße
Erika mit Lux und Ricky im Herzen

Wenns nur olle so waradn, wia i sei soiad.

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ULTRA
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Re: Fragen zu Streuobstwiese

#10

Beitrag von ULTRA » Fr 13. Sep 2013, 22:02

mal blöd nachgefragt, da steckt doch mehr dahinter, als bei Wiki beschrieben?

http://de.wikipedia.org/wiki/Streuobstwiese

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