Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

dobi

Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#21

Beitrag von dobi » So 19. Sep 2010, 15:39

Im Winter habe ich eine Veranstaltung besucht, wo es um die Themen Welt - Ernährungslage, Agrarberichte uws. ging, Ex - Landwirtschaftskommissar Fischler war auch da.

Er hat sehr verständlich ausgeführt, wie Afrika der Endlagerplatz für Überproduktion ist und damit die lokale Produktion ad absurdum geführt wird, dass Brasilien inzwischen zu den größten Exporteuren landwirtschaftlicher Produkte gehört, während die Bevölkerung zum erklecklichen Teil im Elend haust, wie die Saudis in Asien Land aufkaufen und die Chinesen bei der Ausbeutung Afrikas den anderen davonziehen, usw.

Die industrielle Landwirtschaft nach 1945 wird sehr wohl als Riesen - Fehler erkannt, der noch dazu in alle Welt exportiert wurde.
Ich habe von der Veranstaltung mit nach Hause genommen, dass die Politik den Abläufen inzwischen weitgehend hilflos gegenüber steht.

Was tun?

Wo wären die sinnvollen Hebel?

Ich meine, Europa könnte sich sehr wohl selbst ernähren, aber solang wir es uns leisten können, dass die Stadt Wien täglich (!) die selbe Menge Brot verheizt wie die Stadt Graz verbraucht, Zwiebeln tonnenweise wieder eingeackert werden, um die Preise stabil zu halten, stimmt einmal was nicht mit der Logistik.

Für meine Freundin, die Hühner füttert, habe ich mal aus dem Supermarkt das Brot und Gebäck mitgenommen, das so täglich überbleibt, jetzt krieg ich es immer einfach so mit, weil sie's dann nicht entsorgen müssen. Es sind alle 2 - 3 Tage zwei bis drei große Müllsäcke prall gefüllt, das Brot ist vom Vortag.
Eine unglaubliche Verschwendung, die wir alle mitfinanzieren.

Wie und in welche Richtung müssten sich die Dinge ändern? :hmm:

lg
dobi

Benutzeravatar
Dieter
Beiträge: 213
Registriert: Sa 21. Aug 2010, 14:52

Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#22

Beitrag von Dieter » Mo 20. Sep 2010, 10:20

Meine Möhren wurden auch von den Wühlmäusen geerntet den Rest haben sich die Kanickel geholt. :hmm:
[size=20]Mögen die Möhren mit uns sein, immer![/size]

Benutzeravatar
luitpold
Beiträge: 2888
Registriert: Fr 6. Aug 2010, 18:00
Wohnort: wien/nö

Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#23

Beitrag von luitpold » Mo 20. Sep 2010, 11:17

dobi hat geschrieben: Die industrielle Landwirtschaft nach 1945 wird sehr wohl als Riesen - Fehler erkannt, der noch dazu in alle Welt exportiert wurde.
nur, dort wo die industrielle landwirtschaft werkelt gab es keinen hunger mehr, seit 1945.
mit der überproduktion wurden noch eine erkleckliche anzahl von menschen vor dem hungertod bewahrt.
die menschen die in brasilien im elend leben würden das womöglich nicht mehr tun ohne industrielle landwirtschaft.

lg
luitpold
Es muß sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist.

ina maka
Beiträge: 10368
Registriert: Mi 4. Aug 2010, 12:34
Familienstand: verheiratet

Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#24

Beitrag von ina maka » Mo 20. Sep 2010, 12:17

hallo!
luitpold hat geschrieben:die menschen die in brasilien im elend leben würden das womöglich nicht mehr tun ohne industrielle landwirtschaft.
:daumen:

"im Elend leben" ?

Gerade Brasilien ist ein Beispiel für die schlimmen Folgen der industriellen Landwirtschaft...
Die Menschen, die dort "vorher" lebten, die haben gewußt, wie man vom Wald leben kann!
Aber mei - ich lies gerade ein Buch über "die letzten Tage im Sudetenland", bin vielleicht ein bisschen komisch drauf deshalb.
Es ist grausam, was der Krieg da in Europa angerichtet hat...
Jedoch: diese kleinstrukturierte "bäuerliche" Landwirtschaft, die hat ihre Menschen auch recht gut ernährt.
Natürlich kommt da wieder der Punkt der Überbevölkerung dazu :roll:
Ich glaube halt, die Natur wollte uns die Chance der Auslese geben??

Ich kann mich auch noch an die Gegend erinnern, wo wir unser Wochendhaus hatten - Wälder, Wiesen und Felder - alles buntgemischt, es wuchs!!
Es war so schön - und es gab immer warme Milch, und ja nach Saison auch Salat, Kirschen, unreife Maiskolben (wir haben einfach die vom "Hühnermais" genommen), Äpfel, Kürbisse, Nüsse....
Dann haben die Bauern nach und nach aufgegeben - ob das auch zumindest zum Teil an der "industriellen" Landwirtschaft gelegen hat? (weil diese die Preise so sehr drückte)??

Aber eigentlich gehört dieser Freddy unter "relative Realität" ;)

hat jemand ein Wundermittel gegen Wühlmäuse?
Ich hatte einmal erwähnt, dass die Wühlmäuse bei uns kaum Schaden anrichten - nur eben den Sellerie, die Tulpen - die verschwinden immer.
Meine simple Schlußfolderung war, dass ich diese Pflanzen eben nimmer anbau :watt:

Außerdem bilde ich mir ein, dass Gummihüpfende Mädchen auf den Gartenwegen die Wühlmäuse nachhaltig verjagen :pfeif:

liebe Grüße!
Manche können nur fremde Meinungen, nicht ihre eigenen berichtigen.
Jean Paul
John Trudell - Take back the Earth

ina maka
Beiträge: 10368
Registriert: Mi 4. Aug 2010, 12:34
Familienstand: verheiratet

Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#25

Beitrag von ina maka » Mo 20. Sep 2010, 12:27

hallo!

Grad noch eingefallen - sorry:

Wie schaut denn die Umgebung aus, dort, wo die Wühlmäuse so viel aus dem Garten wegfressen?
Am Ende gehen die Wühlmäuse deshalb in die Gärten, weil sie in der Umgebung zu wenig freßbares finden??
Vielleicht liegt es daran, dass die Umgebung zu eintönig ist??
Fressen Wühlmäuse alle Wurzeln - auch die von Gräsern?
Oder lieber Knollen und Baumwurzeln?
(wäre interessant zu wissen)

liebe Grüße!
Manche können nur fremde Meinungen, nicht ihre eigenen berichtigen.
Jean Paul
John Trudell - Take back the Earth

Benutzeravatar
luitpold
Beiträge: 2888
Registriert: Fr 6. Aug 2010, 18:00
Wohnort: wien/nö

Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#26

Beitrag von luitpold » Mo 20. Sep 2010, 13:02

ina maka hat geschrieben:Ich glaube halt, die Natur wollte uns die Chance der Auslese geben??
:hhe: :bieni:
Es muß sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist.

BernhardHeuvel
Beiträge: 701
Registriert: Mi 4. Aug 2010, 13:02

Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#27

Beitrag von BernhardHeuvel » Mo 20. Sep 2010, 15:34

luitpold hat geschrieben:die besten und humusreichsten böden sind steppenböden.
die humusärmsten böden sind regenwaldböden.
Also, es gab da mal eine Forscherehepaar, namentlich Raoul H. Francé und seine Frau Annie Francé-Harrar, die erst in Europa und dann in der ganzen Welt die Böden unter dem Gesichtspunkt Humus untersucht haben. Sie haben dazu 600 verschiedene Bodenarten untersucht mit unzähligen Bodenproben. Raoul H. Francé ist nicht weniger als der Begründer der Bodenbiologie, auch Edaphologie genannt. Sozusagen der Darwin oder Linné der Bodenkundler.

In unzähligen Werken beschreiben sie die Kleinlebewelt des Bodens und die Eigenschaften von Humus in den verschiedenen geologischen Regionen dieser Welt. Im Gegensatz zu den heutigen Terra Preta-Forschern haben sie echte wissenschaftliche Arbeit und Naturforschung betrieben. Echt bedeutet, sie haben die einzelnen Erkenntnisse immerzu in den Gesamtzusammenhang zurückgeführt, ohne den alle Erkenntnis nur in die Irre führen kann und in eine virtuelle Welt der Hypothesen.

Der humusreichste Boden der Welt ist allerdings nicht in der Steppe, sondern im Tal des Nils zu finden. In Mittelamerika stießen sie ebenfalls auf sehr humusreiche Böden, die den Humusgehalt der Ur-Steppe weit übersteigen. Überhaupt ist der Steppenhumus eine ganz besondere Art von Humus, der als Lebensgemeinschaft heute wohl nur noch in den entlegensten Steppen der Welt zu finden sein wird.

Der Regenwaldboden ist tatsächlich wenig humusreich, was aber eine Täuschung in dem Punkt ist, daß der Umsatz des Humus zurück in die lebende Masse einfach nur schneller vonstatten geht. Dadurch scheint der Boden wenig fruchtbar, doch dort ist die Humusproduktion sehr hoch - wird aber sofort wieder von den Pflanzen aufgebraucht. Sozusagen vorbildlich.

Noch mehr Lesefutter (nur für die, denen Lesen nicht zu viel Mühe bereitet):

http://www.france-harrar.de/tl_files/gr ... _humus.pdf

Viele Grüße
Bernhard

Benutzeravatar
luitpold
Beiträge: 2888
Registriert: Fr 6. Aug 2010, 18:00
Wohnort: wien/nö

Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#28

Beitrag von luitpold » Mo 20. Sep 2010, 15:53

tschernosjem seiten 130, 158, 170, 482, 483, 491, 493
es würde sich aber bedeutend mehr lohnen die arbeiten von christoph steiner oder bruno glaser zu beobachten, meine meinung.

lg
luitpold
Es muß sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist.

BernhardHeuvel
Beiträge: 701
Registriert: Mi 4. Aug 2010, 13:02

Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#29

Beitrag von BernhardHeuvel » Mo 20. Sep 2010, 17:17

Auch hier überlassen wir es dem Interessierten aus dem reichen Angebot an Informationen und teilweise sogar Wissen zu wählen, um sich seine eigene Meinung zu bilden. Vorgefertigte Urteile, kurz Vorurteile, nützen keinem von uns. Auch hier eine Gelegenheit der Selbstversorgung, die wir gern annehmen.

Viele Grüße
Bernhard

Benutzeravatar
luitpold
Beiträge: 2888
Registriert: Fr 6. Aug 2010, 18:00
Wohnort: wien/nö

Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#30

Beitrag von luitpold » Mo 20. Sep 2010, 17:25

du hast den gral gesehen,
ich ein veraltetes buch.
ich schau halt in die zukunft und hechle nicht in die vergangenheit.
solltest du etwas spannendes finden meine hochachtung im voraus.
bleibt aber immer noch die schwarzerde nach zeitgemäßer forschung eindeutig ein steppenboden.

lg
luitpold
Es muß sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist.

Antworten

Zurück zu „Schädlinge und Krankheiten erkennen und bekämpfen“