Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

BernhardHeuvel
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Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#11

Beitrag von BernhardHeuvel » Sa 18. Sep 2010, 19:40

Theo hat geschrieben:...
Jahrtausendelange Erfahrung ist wohl eine echte Übertreibung in Anbetracht dessen, daß unsere in Kultur genommenen Gemüsearten selten länger als ein paar Jahrhunderte in unseren Gärten wachsen. Wenn überhaupt. Echte Urgesteine sind selten. Höchstens noch die Vicia faba. Die Liste ist sehr kurz.

Doch der Empfehlung eines echten "Gartenpraktikers" möchte ich nicht widersprechen.


Um zu einem Verständnis zu kommen, hier etwas Lesestoff für die Interessierten:

http://www.selbstversorgerforum.de/perm ... _klein.pdf


Viele Grüße
Bernhard

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Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#12

Beitrag von Theo » Sa 18. Sep 2010, 21:37

BernhardHeuvel hat geschrieben:Doch der Empfehlung eines echten "Gartenpraktikers" möchte ich nicht widersprechen.
:) Jeder macht eben so seine Erfahrungen...
BernhardHeuvel hat geschrieben:Um zu einem Verständnis zu kommen, hier etwas Lesestoff für die Interessierten:

http://www.selbstversorgerforum.de/perm ... _klein.pdf
Es ist ja gut gemeint, wenn Du Leute auf neue Wege bringen willst, aber wenn man bloß nebenher etwas Gemüse anbauen will, möchte man kaum erst 25 Bücher lesen und 5 Jahre experimentieren...
Gruß
Theo

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Bunz
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Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#13

Beitrag von Bunz » So 19. Sep 2010, 04:44

Theo hat geschrieben:aber wenn man bloß nebenher etwas Gemüse anbauen will, möchte man kaum erst 25 Bücher lesen und 5 Jahre experimentieren...
Gut, das wäre übertrieben, aber dahinter kommen möchte man schon, warum die sich selbst angesäte Brennessel in voller Gesundheit dasteht, von keiner Schnecke angefressen wird, niemals gegossen werden muß und außerdem noch gut schmeckt, und das daneben gepflanzte Spinatpflänzchen ewiger Pflege bedarf und vor Schnecken geschützt werden muß.
lg
Bunz
Der Weg zur Gesundheit führt durch die Küche und nicht durch die Apotheke.
Sebastian Kneipp

dobi

Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#14

Beitrag von dobi » So 19. Sep 2010, 05:47

Hallo,

alle Kulturpflanzen waren irgendwann einmal Wildpflanzen.
Durch Kultur, Selektion und Zuchtwahl haben die Menschen sie in erwünschte Richtungen verändert, wie schnell das in Wirklichkeit geht, hat Darwin in zahlreichen Versuchen gezeigt.
Wenn Du einen schielenden Pinschpudeldackel in den Wald bringst, wird ers auch nicht lange machen, seine Wolf - Abstammung wird ihm nicht viel nützen.

Weil ich ja auch grad bei den Bäumen bin und so. Die vor - christlichen pflegten ja eine Baum - Verehrung, heilige Haine, alles hatte eine eigene Seele.
(Was die Christen bewog, die Bäume und Haine und damit die Heiden ratzputz zu machen, wie das mit der Seele ausging, ist eh bekannt)

Sie waren überzeugt, dass Pflanzen genau so wie Tier und Mensch Ausscheidungen hinterlassen, sich im Gegensatz zu letztern aber nicht fortbewegen können. Da sich an der Luft alle Stoffe fortwährend verändern, pflügte man ausgiebig: 3 mal mindestens, die Etrusker 9 mal.
Die Pflanzen wurden ständig versetzt, dabei die Wurzeln beschnitten und in Mist (oder Asche) getaucht. Mist = Ex-krement = aus-gebrannt

Da ist die Rede von Kohl mit drei Fuß Durchmesser (=knapp ein Meter), Rettichen so groß wie ein kleiner Knabe, etc.
Also wenn nur die Hälfte von dem allen stimmt, sind wir irgendwann falsch abgebogen.


lg
dobi

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Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#15

Beitrag von Theo » So 19. Sep 2010, 09:45

dobi hat geschrieben:Durch Kultur, Selektion und Zuchtwahl haben die Menschen sie in erwünschte Richtungen verändert, wie schnell das in Wirklichkeit geht, hat Darwin in zahlreichen Versuchen gezeigt.
Genau, es geht um Anpassung. Die kultivierten Arten sind eben an Kultivierung angepasst (die meisten Menschen auch ;) ).
Das reicht doch zur Erklärung?
dobi hat geschrieben:...Da ist die Rede von Kohl mit drei Fuß Durchmesser (=knapp ein Meter), Rettichen so groß wie ein kleiner Knabe, etc.
Also wenn nur die Hälfte von dem allen stimmt, sind wir irgendwann falsch abgebogen.
Größe allein macht es in diesem Fall nicht. Wir haben ja auch schön große, makellose Früchte im Supermarkt, die allerdings durch einseitige Ernährung (schlechter Boden, Mineraldünger) aufgeblasen sind und hauptsächlich aus Zellwänden und Wasser bestehen.

Falsch abgebogen sind wir spätestens mit der Einführung der Industrielandwirtschaft vor ein paar Jahrzehnten. Besonders half hierbei die Ernährung von Kleinkindern mit Kunstmilch und Futter aus dem Glas, da sich in dieser Zeit das Urteilsvermögen für die Qualität von Nahrung ausbildet.
Gruß
Theo

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Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#16

Beitrag von Sabi(e)ne » So 19. Sep 2010, 11:06

Yepp, die Einführung der industriellen Monokulturen war der größte Fehler überhaupt.
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Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#17

Beitrag von ina maka » So 19. Sep 2010, 12:56

hallo!
Sabi(e)ne hat geschrieben:Yepp, die Einführung der industriellen Monokulturen war der größte Fehler überhaupt.
(Hervorhebung durch mich)

Es wäre sehr sehr schade, wenn das Wissen um eine umweltverträgliche, nachhaltige Landwirtschaft ganz verloren ginge!
Weil es geht auch ohne "Humusraubbau", es geht ohne Kunstdünger und all diese -zide!!
Schau dir mal einen Demeter-Hof an!
(und die haben meistens Kühe und pflanzen Getreide an!)
Wir müssen nicht aufs tägliche Brot verzichten - ich bin dazu absolut nicht bereit und niemand konnte mich bis jetzt überzeugen, dass es für meine Gesundheit förderlich wäre, auf mein Roggenbrot zu verzichten :watt:

ist in meinen Augen eher sinnlos, die gesamte Ernte den Mäusen zu überlassen (und ja, die Mäuse fressen auch "gesundes" Gemüse - wie hätte sie es sonst bis zur Einführung der "industriellen Monokulturen" geschafft, zu überleben???)
Vielleicht fehlen die natürlichen Feinde?
Vielleicht sind die Pflanzen tatsächlich zu geschwächt und werden deshalb ratzeputz vertilgt?

muss man immer schaun, woran es liegt und dann dementsprechend handeln...
oder?
nicht immer ist derselbe "Fehler" die Ursache!!

Es ist ein Schuß ins eigene Knie, wenn wir die lokale Landwirtschaft - und die kleinen "Selbstversorgergärten" unrentabel machen!!
und nur mehr von importiertem Getreide leben.....
Wer lebt tatsächlich schon jahrelang nur vom Wald??
(auch keinen Zucker, keinen Kaffee und schon gar keine Pizza!!)

Trotzdem ist was dran, dass man erst mal auf "Ursachen-Suche" gehen sollte, bevor man wild drauflos Fallen stellt, hmmm....
Theo hat geschrieben:Besonders half hierbei die Ernährung von Kleinkindern mit Kunstmilch und Futter aus dem Glas, da sich in dieser Zeit das Urteilsvermögen für die Qualität von Nahrung ausbildet.
Ich war leicht geschockt, als ich erfuhr, dass eine Bekannte ihr Baby seit Geburt mit Flasche füttert - für mich ist das "nicht normal" :watt:
Meine Kinder haben allesamt die Brust bekommen, bis sie am Familientisch mitessen konnten...
ich denke, dass zahlt sich aus!!

liebe Grüße!
Manche können nur fremde Meinungen, nicht ihre eigenen berichtigen.
Jean Paul
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Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#18

Beitrag von Sabi(e)ne » So 19. Sep 2010, 13:33

:eek: Hallo? Wieso denkst du denn jetzt bloß an Getreide????

Mandelplantagen von 120qkm sind ebenso Monokulturen wie Millionen Hektar Baumwolle (die unökologischste Faser überhaupt!), oder Soja, oder Nadelwaldplantagen....
Kleinstrukturierte Vielfalt muß wieder her - auch, wenn dann alles teurer wird. :oma:
I love life. And it loves me right back.
And resistance is fertile. :-)

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luitpold
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Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#19

Beitrag von luitpold » So 19. Sep 2010, 13:35

ina maka hat geschrieben: Wer lebt tatsächlich schon jahrelang nur vom Wald??
die besten und humusreichsten böden sind steppenböden.
die humusärmsten böden sind regenwaldböden.

lg
luitpold
Es muß sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist.

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Re: Karotten, Wühlmäuse und Biozönose

#20

Beitrag von ina maka » So 19. Sep 2010, 15:23

hallo!

@Sabi(e)ne: nö, nicht "bloß" Getreide - ich hab es nur deshalb als Beispiel genommen, weil es hier am häufigsten als "Negativbeispiel" herhalten musste ;)
Wobei!! Getreide nicht zwingend in Monokultur angebaut werden muss - Die Gersterbse zum Beispiel - hatte ich schon im "Museum" verlinkt.

Also weil ich das irgendwie nicht so recht glauben konnte, dass es "unsere Gemüse" erst so kurz gibt...
Das bauten die alten Germanen an:
Getreide: Hirse, Gerste, Weizen, Hafer und Roggen
-Gemüse: Möhren, Kohl, Rettich, Kopfsalat, Spargel, Porree, Zwiebel und Sellerie
-Obst war äußerst selten, nur am Rhein und Donau wurden Weintrauben angebaut, deren Nutzung allgemein bekannt ist. Auch "Unkraut", wie Ackerspargel, Gänsefuß und Knöterich konnten im Mageninhalten von Moorleichen gefunden werden, was darauf hinweist, dass die Germanen Kräuter/Pflanzen gesammelt haben.
(Quelle)

und das die alten Kelten:
Wichtige Feldfrüchte der Kelten waren
- Dinkel, er war wegen seines hohen Proteingehaltes im Mehl beliebt.
- Emmer, er ist wie der Dinkel ein Verwandter des Saatweizens, hat allerdings für kältere Regionen den Vorteil, innerhalb von 3 Monaten auszureifen. Er braucht somit keine lange Vegetationsperiode.
- Einkorn
- Aegilops, er heißt mit Volksnamen "Ziegenweizen", hat lange dünne Ähren ist wohl mit dem Weizen verwandt, aber keine Weizenart.
- Gerste, sie hat einen sehr geringen Eiweißgehalt und eignet sich darum nicht zum Backen, wurde aber für Frühstücksbreie und als gekochte Beilage verwendet. Außerdem wurde sie für die Bierherstellung sowie als Gerstenkaffee in geröstetem, gemahlenem Zustand herangezogen.
- Rispenhirse, sie wurde als Zusatzfutter für die Pferde angebaut
- Ackerbohnen, Erbsen, Zwiebel, Lauch, gelbe Rüben, Karotten und Kohl waren die gängigen Gemüse
- Lein, aus dessen Samen Öl gewonnen wurde und dessen Fasern der Herstellung von Textilien dienten
- Schlafmohn, dessen berauschende Eigenschaften bereits seit der Bronzezeit bekannt waren. Er diente ebenso als Öllieferant und Würzmittel.
(Quelle)

Mais, Kürbis, Tomaten, Paprika sind auch sehr alte Kulturpflanzen - aber halt nicht bei uns!

ich hab jetzt die Quellen nicht auf Glaubwürdigkeit überprüft - aber mir erscheint es logisch, dass auch die "Leute früher" was angebaut haben!
Auch die Amazonas-Indianer übrigens: die sähten Pflanzen, die sie ernten wollten, ernteten eine Zeitlang und zogen dann weiter - um woanders wieder Wald niederzubrennen für neue Pflanzungen!
Immer nur recht kleine Stellen! Sie werden wohl gewußt haben, dass der Urwaldboden "speziell" ist - nein, nicht wirklich humusarm, aber dauernd im Auf- und Abbau begriffen - wenn da längere Zeit keine Blätter und so auf den Boden fallen, ist er sehr schnell erschöpft.
Gott sei Dank sind die wenigsten Böden in Mitteleuropa so - man muss halt seine Ernährung auch der Region anpassen, in der man lebt! ;)

liebe Grüße!
Manche können nur fremde Meinungen, nicht ihre eigenen berichtigen.
Jean Paul
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