Lindenpilz

Re: Lindenpilz

Beitragvon fagus am So 6. Mär 2011, 19:23

Hallo!

@aron: es tut mir leid, dir sagen zu müssen, dass dus noch schlimmer gemacht hast.
1. etwas rauszukratzen - damit hilfst du dem baum nicht. wohl eher im gegenteil... wenn der baum von einem pilz befallen wird, beginnt er (je nach baumart schneller oder langsamer) den pilz "einzusperren". von außen bildet er einen sog. wundkallus und im holzkörper eine barrierezone. so schließt er den pilz ein und dieser stirb ab und kann sich nicht weiter ausbreiten. zu dem zeitpunkt wo du die pilzfruchtkörper siehst ist der baum schon lange befallen und hat auch schon lange angefangen abzuschotten. wenn du dann etwas rauskratzt muss er wieder von vorne beginnen und hat sogar noch eine viel größere wunde zu verschließen. dem foto nach würde ich sagen, dass dieser baum dem tode geweiht ist, weil die fäule im stamminneren sicher noch weitergeht. das schafft er nicht mehr einzukapseln...
2. wundverschlussmittel auf eine infizierte wunde zu geben ist auch kontraproduktiv... weil du damit die feuchtigkeit einschließt - und so für den pilz günstige bedingungen schaffst....

bei so fortgeschrittener fäule gibt es keine lebensrettenden maßnahmen mehr - nur noch lebensverlängernde....
wenn der baum neben einem weg oder sitzplatz steht würde ich ihn ehrlich gesagt besser umschneiden. steht er allerdings etwas abgelegener kannst du ihn ruhig ein bisschen zurückschneiden (-aber nicht zu viel. bedenke: jeder schnitt ist wieder eine wunde!) und ihn so noch etwas am leben erhalten. oder gar die krone ganz abschneiden und den morschen stamm für diverse tiere als lebensraum stehen lassen....

ich hoffe ich konnte helfen...
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Re: Lindenpilz

Beitragvon Sabi(e)ne am So 6. Mär 2011, 21:56

Hallo, fagus,
erstmal herzlich willkommen hier, und ich hab gleich auch noch eine Pilzfrage - wir haben bei meinem Arbeitgeber eine amerikanische Eiche stehen, etwa 80cm Durchmesser auf 2m Höhe, und bei der hab ich auf der Nordseite auf dem untersten Meter ebenfalls Pilzfruchtkörper entdeckt.
Sie ist bis auf einen Quadratmeter ringsumeingepflastert, kriegt auch reichlich Streusalz ab :roll: (Parkplatzbaum), und die unteren 5m sind mit Efeu bewachsen, der alle zwei Jahre abgerupft wird.
Letztes Sommer ist sie nicht zur Fruchtausbildung gekommen, vermutlich durch die Hitze im Juli und entsprechenden Wassermangel.
Stellenweise ist die Rinde direkt über der Erde schon abgestorben. Das ist ein toller alter Baum, was kann man da gegen den Pilz noch tun?
(ist nicht wirklich mein Problem, aber einfach absägen kann's ja auch nicht sein....)
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Re: Lindenpilz

Beitragvon Nordhang am So 6. Mär 2011, 23:03

Hallo Sabine,
bei einer jungen Eiche (ohne nähere Betrachtung)würde ich das Gleiche raten wie bei der Linde. Alte Bäume können Jahrhunderte alt werden obwohl die Mitte längst vermodert ist.
Bei jungen Bäumen hilft oft nur noch das Zurückschneiden oder Fällen um dem Baum die Möglichkeit zu bieten neu auszutreiben (je nach Art unterschiedliche Erfolgsquote).
Überlebenswichtig ist immer die Nährstoffführende Schicht unter der Rinde. Ist diese Schicht stark verletzt oder infiziert verhungert der Baum. Und einen Baum zu salzen ist die beste Methode ihn absterben zu lassen. :grr: Bei mir hatten sich schon viele Leute beklagt dass Ihre Nadelgehölze eingehen würden obwohl sie doch kräftig gedüngt und gegossen würden. Nach kurzen Nachfragen kam dann steht’s das Gleiche raus. Die Häuslebauer hatten Ihren 1000€ Hecke eine Bittersalzration „gegönnt“ die selbst einen deutschen Rentner im Toten Meer mumifiziert hätte. :aeug:
Salz tötet vielleicht nicht aber schwächt die Eiche ungemein.
Lg Nordhang
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Re: Lindenpilz

Beitragvon fagus am Sa 12. Mär 2011, 17:13

Hi Sabine,

mich würde interessieren wie der Pilz aussieht (Farbe, Form, etc.). Denn es gibt verschiedene "Strategien" wie ein Pilz dem Baum schaden kann. Und je nach Pilz lässt sich darauf schließen, ob es sich um eine Weiß-, Braun- oder Moderfäule handelt. Das ist für die Einschätzung der Stand- und Bruchsicherheit wichtig.
Der Efeu selbst wird der Eiche nicht schaden. Wenn dann nur indirekt - indem er Schäden, oder Schadsymptome verdeckt...

Du hast geschrieben, dass die Rinde über der Erde stellenweise abgestorben ist. Da spielt es eine große Rolle wieviel Prozent des (an der Stelle des Rindenschadens gemessenen) Stammumfanges nicht mehr funktionsfähig ist, da es in dem Bereich direkt unter der Rinde um die Nährstoffversorgung geht - wie Nordhang auch schon geschrieben hat...
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Re: Lindenpilz

Beitragvon emil17 am Sa 12. Mär 2011, 19:48

ina maka hat geschrieben:Ich selber weiß auch nicht wirklich, was tun mit alten, absterbenden Bäumen.....
Die sollen ja sehr wertvoller Lebensraum sein, aber ich kann mich noch erinnern, als wir unser Grundstück gekauft haben (es ist "landwirtschaftliche Nutzfläche") - da wurde mir am Amt gesagt, dass sie es mir "nur mit Bauchweh" geben täten, weil ich weder Land- noch Forstwirtin sei.
"Warum denn?" - "weil wenn Sie Schädlinge und Krankheiten in ihrem Wäldchen nicht erkennen und bekämpfen, breitet sich das womöglich aus. Wer vom Fach weiß halt eher, wann er eingreifen muss"

Die meisten Schädlingsbekämpfungsmassnahmen sind nötig wegen Anbaufehlern. Wenn man z.b. immer wieder Fichtenmonokulturen im Tiefland anlegt und die dann als Folge der Bodendegradierung krank und wertlos werden, ist meiner Meinung nach der Förster das Problem. Und wenn man so sieht, was manche Landwirte mit ihrem Grund anrichten (Chemie, viel hilft viel), dann können die vom Amt froh sein, dass nicht so jemand Besitzer geworden ist.

ina maka hat geschrieben:Zwei Weiden und ein paar Apfelbäume sind echt schon alt und voller Löcher.
Ich lass sie so - es leben ja viele viele Insekten drin und auch eine Fledermaus hat dort ihren Tagschlafplatz.
Werde jetzt aber mal auf eventuell "gefährliche" Pilze und Käfer achten und schaun, ob da eh nix ist!

Solche Bäume lässt man schon deswegen stehen, weil viele Brutvögel auf Astlöcher zum Nisten angewiesen sind.
Gehe mal davon aus, dass Krankheitserreger überall sind.
Es ist wie mit dem Winterschnupfen: Du bleibst wegen innerer Widerstandskraft verschont, nicht wegen Virenmangel.

ina maka hat geschrieben:Borkenkäfer (haben "die vom Amt" mir gegenüber erwähnt) und Hallimasch also - oder gibt es sonst noch "echt gefährliche Baumkiller"?

Ja, es wurde schon geschrieben: Salz, Industriedreck, manchmal auch die Forstwirtschaft, die aus Wirschaftlichkeitüberlegungen die falschen Baumarten am falschen Ort anbaut.
Der böse Borkenkäfer ist eigentlich auch nur ein Schwächeparasit. Gesunde Fichten kann er nicht befallen, weil die soviel Harz bilden, dass er in seinen Frassgängen ersaufen täte.
Neuerdings machen eingeschleppte Schädlinge aus anderen Kontinenten Probleme: Ein Pilz geht an die Esche, einer hat schon fast alle Ulmen in Miteleuropa erledigt, die Rosskastanien leiden unter einem Blattminierer, der Buchs wird von einer Schmetterlingsraupe kahlgefressen. Es sind immer Schädlinge, die an nahe verwandte Baumarten gehen, die im Herkunftsgebiet des Schädlings heimisch und deshalb unanfällig auf die Krankheit sind.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: Lindenpilz

Beitragvon kraut_ruebe am Sa 12. Mär 2011, 20:14

emil17 hat geschrieben:
ina maka hat geschrieben:Ich selber weiß auch nicht wirklich, was tun mit alten, absterbenden Bäumen.....
Die sollen ja sehr wertvoller Lebensraum sein, aber ich kann mich noch erinnern, als wir unser Grundstück gekauft haben (es ist "landwirtschaftliche Nutzfläche") - da wurde mir am Amt gesagt, dass sie es mir "nur mit Bauchweh" geben täten, weil ich weder Land- noch Forstwirtin sei.
"Warum denn?" - "weil wenn Sie Schädlinge und Krankheiten in ihrem Wäldchen nicht erkennen und bekämpfen, breitet sich das womöglich aus. Wer vom Fach weiß halt eher, wann er eingreifen muss"

Die meisten Schädlingsbekämpfungsmassnahmen sind nötig wegen Anbaufehlern. Wenn man z.b. immer wieder Fichtenmonokulturen im Tiefland anlegt und die dann als Folge der Bodendegradierung krank und wertlos werden, ist meiner Meinung nach der Förster das Problem. Und wenn man so sieht, was manche Landwirte mit ihrem Grund anrichten (Chemie, viel hilft viel), dann können die vom Amt froh sein, dass nicht so jemand Besitzer geworden ist.


:hmm: und wenn man so sieht, was die wiener, die alle unbedingt ein stück wald 'für später und kostet ja ausserdem kaum was' besitzen müssen, mit ihrem wald so tun:

nämlich genau nix

dann versteht man auch, warum die grundverkehrskommissionen inzwischen kaum mehr einem verkauf an auswärtige zustimmen. hier sieht man auf den ersten blick, welche waldstücke einem wiener gehören: kein windbruch entfernt, umsturzgefährdete bäume bedrohlich über nachbars hühnerställen oder zufahrtswegen gepaart mit aussagen wie: 'aber ich hab keine motorsäge/weiss nicht wie man einen baum fällt/kann grad nicht weg aus wien'

die 'so jemands' :roll: kümmern sich dann um das problem.
wenn du denkst, abenteuer sind gefährlich, dann versuchs mal mit routine. die ist tödlich. (coelho)
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Re: Lindenpilz

Beitragvon ina maka am Sa 12. Mär 2011, 22:22

hallo!

Also gut, wenn ich jetzt alles richtig verstanden hab, dann gibt es eigentlich "nur einen Grund" einen alten Baum zu fällen: damit er niemanden und niemandes Besitz gefährdet - stimmt das??
Das wäre gut für uns, weil unsere "baufälligen" Bäume sind mitten auf unserem Grundstück - können also höchstens für uns gefährlich werden...
Aber wir kraxeln auch eher nicht am Hang herum, also von dem her....

Von Pauschalverurteilungen halte ich nix :im:
Ich freu mich über nicht entfernten Windbruch (in unserem Wäldchen) - weil es wertvoller Lebensraum ist.
Pestizide und womöglich noch gentechnisch veränderte Pollen, die in meinen Garten/zu meinen Bienen (theoretisch) fliegen, finde ich schlimmer!
Gilt es nicht, wenn ein Baum auf mein Grundstück fällt und nicht weggeräumt wird, dass das Holz dann mir gehört?
Oder hat Windbruchholz keinen Heizwert?

liebe Grüße!
Wir leben in einem Gefängnis mit offenen Türen und Fenstern und die Frage ist, wer sind die ersten, die sich raustrauen? Wagenhofer www.youtube.com/watch?v=q2WEVdNQAxE
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Kastanie befallen, noch rettbar?

Beitragvon Rati am Sa 19. Jan 2019, 10:23

Hi Leute, insbesonders Baumexperten wie Centauri u.ä.

wir haben eine wunderschöne Kastanie, an deren Blätter mensch zwar immer schon erkennen konnte das sie nicht kerngesund ist, die sich aber tapfer gegen alle Wiedrigkeiten stellte.
Nun hat das letzte extreme Jahr ihr wohl gewaltig zugesetzt und jetzt ist hauptsächlich an einem ihrer Teilstämme deutlicher Pilzbefall zu sehen (Pilzköper am Stamm).
Meine Frage ist nun können wir den Baum - vielleicht durch Teilamputation- noch retten oder müssen wir ihn fällen?
Ich weis das so ein Pilz den ganzen Baum durchwuchert, die Frage nach der Rettungsmöglichkeit ist auch eher so ne Sache der nicht logisch beleuchteten Liebe zu dem Baum. :rot:
Leider steht der Baum an einer Stelle die nicht zulässt ihn einfach irgendwann unkontrolliert stürzen zu lassen.

Ich habe die Stellen an denen der Pilz sichtbar geworden ist auf dem Bild markiert.
Ich habe auch noch Detailfotos, da ich aber grad schon genug damit kämpfen muste dieses Bild forumstauglich zu machen (digitalnoobigkeit), würd ich gern drauf verzichten sie einzustellen.
Sollte es für eine genaue Beurteilung nötig sein mach ich das natürlich noch.

Dank & Gruß
Rati
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