Dreschen kleiner Getreidemengen, wie?

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emil17
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Re: Dreschen kleiner Getreidemengen, wie?

#21

Beitrag von emil17 » Mo 20. Aug 2012, 12:38

Belisa hat geschrieben:Naja, ich suche ja ein Ding zum Entspelzen und keinen Drescher, oder ist das dasselbe?
Spelzen sind die Vorblätter in der Ähre, welche das Korn beim Wachstum umschliessen und schützen.
Bei Getreide, wo das Korn nackt aus den Ähren fällt, wie Weizen und Roggen, muss man nicht entspelzen. Sind die Körner dagegen zur Reife noch von den Spelzen umschlossen, weil diese verwachsen sind und das Korn nicht freigeben (Gerste, Dinkel ...) dann muss man das gedroschene (vom Stroh getrennte und aus den Ähren geschlagene) Korn noch entspelzen.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Dreschen kleiner Getreidemengen, wie?

#22

Beitrag von fuxi » Mo 20. Aug 2012, 12:47

In "Small Scale Grain Raising" steht da was zu.
Ich habe da noch was im Kopf von "Getreidemühle so grob stellen, dass die Körner gerade eben nicht mehr durchrieseln, damit nur die Hüllschicht abgerieben wird und danach nochmal worfeln"
Aber ich guck nochmal nach-
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Re: Dreschen kleiner Getreidemengen, wie?

#23

Beitrag von Narrenkoenig » Mo 20. Aug 2012, 23:56

fuxi hat geschrieben:...... "Getreidemühle so grob stellen, dass die Körner gerade eben nicht mehr durchrieseln, damit nur die Hüllschicht abgerieben wird ......" ............
Das ist in etwa die Funktionsweise eines Gerbganges. Nur denke ich daß in den Haushaltsmühlen der Weg des Korns durch das Mahlwerk zu kurz ist. Mühlsteine sind ja doch etwas andere Dimensionen.
Übrigends ist es interessant Haushaltsmühlenhersteller nach dem Thema zu befragen.
- erst fragst du nach entspelzen
- dann erklärst du was das ist
- dann kommt die Antwort " muß ich nachfragen"
- dann heißts "können wir nicht"

Grüße

Robert
Ich bin zur Vernunft gekommen,
leider war sie grad nicht da.

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Re: Dreschen kleiner Getreidemengen, wie?

#24

Beitrag von fuxi » Di 21. Aug 2012, 10:27

Nachtrag:
Das Korn wird erst in einer trockenen Pfanne bei niedriger Temperatur leicht angeröstet und dann erst ganz grob gemahlen.

Alternativ mit den Spelzen ganz normal Mahlen und dann aussieben.
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Re: Dreschen kleiner Getreidemengen, wie?

#25

Beitrag von kauboi0 » Sa 3. Nov 2012, 15:52

Hier eine Eigenbaumaschine. Sieht ganz praktikabel aus:

http://www.youtube.com/watch?v=xQi_tfx60Ow&feature=plcp

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emil17
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Re: Dreschen kleiner Getreidemengen, wie?

#26

Beitrag von emil17 » Sa 3. Nov 2012, 20:56

Hier meine Variante.
Der Typ im vorigen Youtube-Link hat schon alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt. Meine war vom Konzept her ein Nachbau einer Schlagleisten-Dreschmaschine.
Die Fotos sollten selbsterklärend sein. Was nicht funktionierte, war der improvisierte Riemenantrieb (aus zwei gedrechselten Riemenscheiben und einem Armee-Schuhnestel), der zuwenig Drehmoment überträgt; es hat inzwischen einen Antrieb mit einer Fahrradkette.
Das meiste Material kam vom Schrott. Die Dreschtrommel besteht aus zwei Holzrädern mit Metallnaben von einem Kinderlaufrad, darum gewickelt dünnes verzinktes Blech, als Leisten dienen aufgeschraubte Vorhangschienen.
Das Gegenstück ist verstellbar, damit man die Weite des Spaltes einstellen kann. Ob das wirklich nötig ist?
Zu verbessern wäre erstmal der Antrieb, eine Bohrmaschine ist einfach nervig laut.
Dreschtrommel von der Auslassseite her gesehen; Abdeckung demontiert
Dreschtrommel von der Auslassseite her gesehen; Abdeckung demontiert
dm1.jpg (41.32 KiB) 5204 mal betrachtet
Dateianhänge
Einlass (mit hochgeklapptem Deckel); man sieht den Spalt, durch den die Ähren hindurchgeprügelt werden
Einlass (mit hochgeklapptem Deckel); man sieht den Spalt, durch den die Ähren hindurchgeprügelt werden
dm2.jpg (36.81 KiB) 5204 mal betrachtet
Fertige Maschine noch mit Riemenantrieb; hinten links Einlass, vorne rechts Auswurf
Fertige Maschine noch mit Riemenantrieb; hinten links Einlass, vorne rechts Auswurf
dm3.jpg (41.35 KiB) 5204 mal betrachtet
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Re: Dreschen kleiner Getreidemengen, wie?

#27

Beitrag von MeinNameistHASE » Sa 3. Nov 2012, 21:13

WOW!!!

Das ist super :daumen:

Viel Erfolg beim Dreschen

lg Jonas, der leider handwerklich extrem ungeschickt ist.
Ich verlasse mich auf meine Sinne: Irrsinn, Wahnsinn und Blödsinn!

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Re: Dreschen kleiner Getreidemengen, wie?

#28

Beitrag von emil17 » Di 6. Nov 2012, 08:52

Nachtrag: Maschine funktioniert gut, ist aber eben für Kleinmengen.
Hinweise für Selbstbauer:
- Der Einlass sollte gross sein, leistungslimitierend ist das Einlegen des zu dreschenden Korns.
- Die Einlegefläche sollte aus Blech sein, weil sich die Ähren auf Holz wegen den Grannen ungern "gegen den Strich" einführen lassen
- Die Lager der Dreschtrommel werden schon bei der Kleinmaschine ziemlich beansprucht; es lohnt sich, z.B. alte Fahrradnaben zu verbauen.
- Wenn man das Getreide schon beim Ernten entsprechend ablegt, kann man viel rascher dreschen. Alles irgendwie in einen Sack stopfen spart keine Zeit.
- Drehzahlregulierung ist gut, weil es bei ungünstiger Drehzahl zu starken Eigenschwingungen der Maschine kommt. Bastelmaschinen laufen halt nicht in Industriequalität rund.
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Re: Dreschen kleiner Getreidemengen, wie?

#29

Beitrag von Narrenkoenig » So 2. Dez 2012, 20:30

Zum Thema entspelzen tut sich gerade was, eBay und 15 Kilometer von meiner Arbeitsstelle weg.
Eine alte Schrotmühle mit Steinmahlwerk und Flachriemenantrieb.
Eigentlich hab ich nur nen Preisvorschlag über das halbe Startgebot abgegeben, war eher so als Erinnerung an mich gedacht.
Nun muß ich diese Woche doch nochmal aufn Acker und Dinkel werfen.

Grüße

Robert
Ich bin zur Vernunft gekommen,
leider war sie grad nicht da.

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Re: Dreschen kleiner Getreidemengen, wie?

#30

Beitrag von bioke » Mi 5. Dez 2012, 18:08

Tolle Eigenbauten, ich werde dann doch neidisch. Leider hat sich bei meiner Kleinstmenge von vielleicht einem halben Zentner Weizen und Roggen nicht gelohnt etwas zu bauen.
Seit drei Jahren ernte ich mit der Sichel und lege die Garben per Hand ab. Die gebündelten Garben lege ich auf einen Tisch und entferne die Ähren mit der Heckenschere indem ich das Obere Drittel der Garbe in jeweils ca 7cm lange Stücke Schneide. Das hat auch den Vorteil, das das verbleibende Stroh gleichlang und gut zum flechten (schmidtscher Langroggen) zu verwenden ist.
Die Ähren kommen in einen großen 20l Plastikeimer, eine zugeschnittene Pappe drauf. Ich biege einen 2mm Draht zu einem T zurecht, der Querbalken an den Eimerdurchmesser angepasst, stecke ihn durch die Pappe und spanne ihn in den Akkubohrschrauber. 60sec. reichen völlig aus und es sind nur wenige Portionen die durch den Eimer gehen (20?). Alle Gerätschaften sind sowiso vorhanden. Einzig das Worfeln wollte ich mal durch ein Gerät ersetzen, aber einfacher ist oft mehr und so wird wieder geworfelt, mit einem Eimer und einem Baumwolllaken.
Es ist ja gerade die Menge im Übergangsbereich, die einen so nervt, für die 25 Kg brauche ich ca 8 Std insgesamt. Ob sich da Gerätschaften lohnen die angefertigt, gelagert und gewartet werden müssen wage ich zu bezweifeln.

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