Zwangsentwertung älterer Immobilien bis 2050

Re: Zwangsentwertung älterer Immobilien bis 2050

Beitragvon Thomas/V. » Do 16. Sep 2010, 22:45

kraut_ruebe hat geschrieben:ich kann das nicht belegen und ich habs nirgens gelesen, sondern nur gefühlt und gesehen: 'richtige' alte mauern, 50 cm oder mehr stärke, brauchen keinen dämmschutz. die regulieren perfekt. den niedrigenergiestatus verhindern bei solchen bauten die fenster und türen und die fehlende isolierung zum untergrund.

und solche mauern mit styropor zu dämmen leitet den verfall ein. damit hält man die vom boden aufsteigende feuchtigkeit schön in den mauern und verhindert die atmung. wer einmal so ein zu tode gedämmtes bauernhaus ohne keller betritt weiss es sofort: pfui teufel.

die steigerungsstufe ist ein von aussen styroporgedämmter ehemaliger stall zu wohnraum umgebaut, weil die gewölbedecken so schön sind aber die grossstadt-baumeister auf dämmung drängen. bäh. der geruch der tierausseidungen aus jahrzehnten in den wänden festgesetzt strömt permanent zwangsläufig in die innenräume. aussen ist ja dicht. und die plastikfester im countylook tun ihr übriges.

energiesparen ist schon wichtig. aber dabei gebäude zu zerstören, die seit 100 oder 200 jahren stehen, ist auch eine form von energieverschwendung.


:daumen: voll unterschreib!

ich heize mein Untergeschoß für 30 € pro Jahr (außer Bad) mit 6-7RM Leseholz (40er Ziegelwand, teilunterkellert) und wäre doch völlig bekloppt, mir für 10 000€ ne Dämmung zu verpassen :dreh:
hier ist nix feucht (und wir kochen viel)

mit solchen Vorschriften soll nur mit aller Macht Geld aus den Leuten geholt und die marode Wirtschaft weiter am laufen gehalten werden :motz:
Ich erhoffe nichts, ich fürchte nichts, ich bin frei!
N.K.
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Re: Zwangsentwertung älterer Immobilien bis 2050

Beitragvon Klaus » Do 16. Sep 2010, 23:09

Angesichts der Klimaproblematik wäre es ja prinzipiell nicht verkehrt, möglichst alle Häuser in Passivhäuser zu verwandeln. Allerdings muss es für den Einzelnen auch finanziell machbar sein. Unter machbar verstehe ich auch nicht Verschuldung um jeden Preis. Es kann nicht angehen, dass sich ein Hausbesitzer stark verschulden und dann bei Arbeitsverlust sein Haus verkaufen muss, weil er den Kredit nicht mehr bezahlen kann. Es kann auch nicht angehen, dass ein Geringverdiener, der gerade so über die Runden kommt und deshalb gar nicht kreditwürdig ist, sein Haus direkt verkaufen muss, weil er halt gar keinen Kredit bekommt. Da müssen Lösungen gefunden werden, mit denen jeder glücklich werden kann.
Dann müsste auch erst einmal berechnet werden, ob für eine solch aufwendige Sanierung nicht mehr Energie aufgewendet werden muss, als am Ende einzusparen ist. Ein Beispiel für so eine Berechnung habe ich vor einiger Zeit mal im TV gesehen. Eine Fotovoltaik-Anlage in einer Größenordnung, wie sie auf Haudächern üblicherweise eingesetzt wird, produziert demnach in den ersten 13 Jahren(!!!) so viel (oder wenig) Energie, wie von der Herstellung bis zur Inbetriebnahme auf dem Dach aufgewendet werden musste. Er danach produziert sie Energieüberschuss, ca. 17 Jahre lang, aber mit nachlassender Leistung. So eine Berechnung braucht es auch für die erforderliche Sanierung zum Passivhaus. Nur bei positiver Bilanz ist die Sanierung dann auch sinnvoll.

Im Übrigen sollte sich die Regierung auch mal um ihre ureigensten Belange kümmern. So überschreitet z.B. ein großer Teil der Fahrzeugflotte der Bundesregierung die selbst festgelegten Gernzwerte bei CO²-Ausstoß. :dreh:
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Re: Zwangsentwertung älterer Immobilien bis 2050

Beitragvon luitpold » Fr 17. Sep 2010, 00:28

Annahme Ziegelwand 50cm, Raumtemperatur 20°, Außentemperatur -10°

Eine 50cm Ziegelwand kann gar nix. @Dagmar die Luftschicht bringt auch nix. Ist eher wegen Kondenswasser problematisch.
50cm Ziegelwand
U-wert 1,45 W/m2k.
Wandoberflächentemperatur innen 14° = klamm
15 Literhaus Öl
Ein gutes Passivhausfenster!! ist doppelt so gut =U-wert 0,8.

50cm Ziegelwand 16cm Styropor
U-wert 0,21 W/m2k.
Wandoberflächentemperatur innen 19,2° = behaglich
guter Standard, ein Heizsystem ist erforderlich.
2 Literhaus Öl

50cm Ziegelwand 36cm Styropor
U-wert 0,1 W/m2k.
Wandoberflächentemperatur innen 19,6°
Passivhausstandard, ein Heizsystem ist nicht erforderlich.
Restwärmeerzeugung mit Einzelofen
1 Literhaus Öl

36cm Styropor kosten bei Hornbach 18€.
Gerüst und Verputz ist immer erforderlich, die Klebeschicht kommt zusätzlich.
Die Instandsetzungsintervalle bei Putz auf Styropor sind 30-70% günstiger.

lg
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Re: Zwangsentwertung älterer Immobilien bis 2050

Beitragvon luitpold » Fr 17. Sep 2010, 00:41

kraut_ruebe hat geschrieben: damit hält man die vom boden aufsteigende feuchtigkeit schön in den mauern = pfui teufel.
nasse mauern sind halt immer ein qirxt, das ist in wien wirtschaftliche abbruchreife.

kraut_ruebe hat geschrieben: die steigerungsstufe ist ein von aussen styroporgedämmter ehemaliger stall zu wohnraum umgebaut, weil die gewölbedecken so schön sind aber die grossstadt-baumeister auf dämmung drängen. bäh. der geruch der tierausseidungen aus jahrzehnten in den wänden festgesetzt strömt permanent zwangsläufig in die innenräume.
yooo, da kann aber wärmedämmung nix dafür. putz abschlagen, gründlich kärchern opferputz drauf 1jahr heizen lüften und warten, dann noch 1-2x wiederholen und dann verputzen und bewohnen, oder CATERPILAR so wies die einheimschischen seit jahrhunderten zelebrieren.

energiesparen ist das eine, gefühle sind eine andere liga. wer reich ist soll seinen gefühlen folgen. arme schweine wie ich lernen halt rechnen.

lg
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Re: Zwangsentwertung älterer Immobilien bis 2050

Beitragvon luitpold » Fr 17. Sep 2010, 00:47

Theo hat geschrieben: ein Standardwerk über Altbau.
schon gut abgelegen??? :engel:

lg
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Re: Zwangsentwertung älterer Immobilien bis 2050

Beitragvon kraut_ruebe » Fr 17. Sep 2010, 07:10

luitpold hat geschrieben:
kraut_ruebe hat geschrieben: damit hält man die vom boden aufsteigende feuchtigkeit schön in den mauern = pfui teufel.
nasse mauern sind halt immer ein qirxt, das ist in wien wirtschaftliche abbruchreife.



wien ist anders :lol: ;)

ich meinte nicht nasse mauern. nass ist das ergebnis von irgendeinem baufehler.

ein bauernhaus ohne keller ist einfach eine andere grundeinstellung zum wohnen. solange es im winter geheizt wird, ist alles in ordnung. der ständige tausch von feuchtigkeit gehört quasi dazu - das ist kein fehler oder manko. aber es braucht seine eigene besondere handhabung, so ein haus muss leben und belebt sein und hat damit sein eigenes klima. so wie auch ein lehmhaus sein eigenes klima und seine eigenen anforderungen hat - das kann man auch nicht dämmen.

ich hab oft wiener kunden hier. gegen den satz 'reiss es weg' (des muast wegschiam) bin ich inzwischen immun - das burgenland wär schon plattgemacht wenns nach den wienern ginge :mrgreen:
to plant a garden is to belive in tomorrow (a. hepburn)
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Re: Zwangsentwertung älterer Immobilien bis 2050

Beitragvon frodo » Fr 17. Sep 2010, 08:08

bevor man sich für Styropor als Dämmstoff entscheidet, vielleicht mal das hier lesen:
http://www.nachhaltiges-bauen.de/baustoffe/Polystyrol%20EPS

Gruß

frodo
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Re: Zwangsentwertung älterer Immobilien bis 2050

Beitragvon luitpold » Fr 17. Sep 2010, 09:06

kraut_ruebe hat geschrieben: ich hab oft wiener kunden hier. gegen den satz 'reiss es weg' (des muast wegschiam) bin ich inzwischen immun - das burgenland wär schon plattgemacht wenns nach den wienern ginge :mrgreen:
so is net, 95% der burgenländischen häuser wurden von burgenländern weggeschoben. :engel:
man kkönnte lehmhäuser auch trockenlegen, grundfeuchte ist kein schicksal.
bis z`m martinilobn

lg
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Re: Zwangsentwertung älterer Immobilien bis 2050

Beitragvon Spottdrossel » Fr 17. Sep 2010, 09:08

luitpold
[quote="kraut_ruebe hat geschrieben:
die steigerungsstufe ist ein von aussen styroporgedämmter ehemaliger stall zu wohnraum umgebaut, weil die gewölbedecken so schön sind aber die grossstadt-baumeister auf dämmung drängen. bäh. der geruch der tierausseidungen aus jahrzehnten in den wänden festgesetzt strömt permanent zwangsläufig in die innenräume.
yooo, da kann aber wärmedämmung nix dafür. putz abschlagen, gründlich kärchern opferputz drauf 1jahr heizen lüften und warten, dann noch 1-2x wiederholen und dann verputzen und bewohnen, oder CATERPILAR so wies die einheimschischen seit jahrhunderten zelebrieren.

[/quote]

Einspruch, euer Ehren! Bei Natursteinmauern, die ohne Drainageschicht verbuddelt sind, wird auch der Opferputz nix bringen. Da sind wir wieder bei meinem Grundsatz, das man alte und neue Bauweisen nicht beliebig mixen kann.

Ich denke, den ganzen Wahnsinn kann man nur bremsen, wenn man bestehende Eigentümervereinigungen unterstützt oder vielleicht eine Vereinigung mit Schwerpunkt Altbau startet.
Grade habe ich mit einer Frau gesprochen, die 1990 aus Denkmalschutzgründen einfachverglaste Fanster einbauen MUSSTE. So jemand kommt sich doch jetzt komplett vera...t vor.
Und ich möchte die Tourismusfritzen von Städten mit historischer Altstadt sehen, wenn auf einmal alles Vollverkleidet ist.
Mal ganz abgesehen von der Energiebilanz, wenn alte Häuser verfallen und dafür in Neubaugebieten Wohnsilos für die ehemaligen Eigentümer gebaut werden - das ganze ist ein klassischer, unausgereifter Schnellschuß und spätestens, wenn mal einer nachrechnet, wieviel Sozialleistungen gezahlt werden müssen, wenn auf einmal alle armen Schlucker Miete vom Amt brauchen, statt glücklich paar Meter Holz mehr zu verheizen, ist das Thema wieder vom Tisch.
Ich hab nix gegen Dämmung, aber bitte mit Maß und Ziel und so, das es weder dem Gebäude noch dem Konto schadet.
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Re: Zwangsentwertung älterer Immobilien bis 2050

Beitragvon luitpold » Fr 17. Sep 2010, 09:10

frodo hat geschrieben:bevor man sich für Styropor als Dämmstoff entscheidet, vielleicht mal das hier lesen:
http://www.nachhaltiges-bauen.de/baustoffe/Polystyrol%20EPS

Gruß

frodo

danke sehr guter link.
war gerade brot kaufen, supermarkt.
die dame vor mir hatte vier packungen fleisch, in styropor verpackt.
würde natürlich auch ökologischeres geben, meist teurer.

lg
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