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Ahornsirup selber machen

Verfasst: Sa 19. Mär 2022, 15:56
von syldron
Jeder weiss natürlich, dass man Ahornsirup aus dem Saft des nordamerikanischen Zuckerahorns macht, sonst geht es nicht. Klar, deshalb heisst er ja so.

Bis mir ein Bekannter erzählte, dass er Ahornsirup aus dem Saft von europäischem Spitzahorn macht. Ich war erstmal baff. Hä? Das soll gehen? Ich hab ihn probiert, und er schmeckte fantastisch. Also wirklich richtig, richtig gut.

Hab das dann erstmal so zur Kenntnis genommen und im Oberstübchen abgespeichert.

Wir zogen dann weg, und unser neues Haus lag quasi mitten in einem kleinen Ahornwäldchen. Da hab ich mich dann natürlich da ein bisschen herangetatstet. Und was soll ich sagen? Es funktioniert. Es funktioniert sogar genauso gut wie mit nordamerikanischen Arten, nichtmal der Zuckergehalt im Baumsaft ist nenneswert niedriger. Genau wie in Nordamerika brauche ich ca 40 Liter Baumsaft für einen Liter Sirup.

Und mit ein bisschen Recherche fand ich heraus, dass bis zum Mittelalter auch in Europa Ahornsirup als Zuckerquelle genutzt wurde. Erst durch das Aufkommen des billigeren Rohrzuckers nach der Erschliessung Amerikas geriet die Herstellung von Ahornsirup in Europa in Vergessenheit.

Ich werde es hier in den nächsten Tagen mal ganz genau beschreiben, wie das funktioniert.
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Re: Ahornsirup selber machen

Verfasst: So 20. Mär 2022, 10:22
von Ferry
Ja bitte! Nicht das ich dafür Zeit hätte, aber spannend finde ich das schon.

Re: Ahornsirup selber machen

Verfasst: So 20. Mär 2022, 10:31
von Ellie
Das ist ja mega! Ich finde es immer toll, wenn man leckere Produkte genauso gut auch regional herstellen kann.
Bei uns um die Ecke ist ein großer namhafter bio Fruchtsaft und Getränkehersteller, der für Nachhaltigkeit und Regionalität steht. Der wirbt gerade damit, dass sie jetzt auch Ahornsirup im Sortiment haben. Ich dachte schon, toll, die haben hier die entsprechenden Bäume gepflanzt! Ne, der Sirup kommt genauso aus Kanada wie alle anderen auch. :dreh:

Re: Ahornsirup selber machen

Verfasst: So 20. Mär 2022, 12:54
von Rohana
Wir haben eine Ahorn"hecke" die ruhig mal bissl bluten darf, die wuchert ohne Ende... und sicher auch einige Ahörner im Wald. Bin sehr gespannt auf das Rezept!

Re: Ahornsirup selber machen

Verfasst: So 20. Mär 2022, 13:59
von syldron
Wie gesagt, man muss dafür keine besonderen Bäume pflanzen, es geht genauso auch mit den in Europa heimischen Arten wie Spitzahorn oder Bergahorn.
Die Bäume sollten einen Stammdurchmesser von midestens 25cm haben, sonst entnimmt man dem Baum womöglich zuviel seines Saftes.

Einmal kurz zur Theorie:
Der Baum ist im Winter so gut wie trocken, das ist quasi sein Frostschutz. Im späten Winter/zeitigen Frühjahr, beginnt der Baum, sich mit Wasser wieder vollzusaugen, das beginnt normalerweise mit der Schneeschmelze. Mit dem Wasser transportiert der Baum aber auch in den Wurzeln gespeicherte Nährstoffe wie eben auch Zucker in seine Krone. Von diesem Saft zapft man sich etwas ab, konzentriert es durch einkochen, und fertig ist der Ahornsirup. Mehr ist es gar nicht.

Allerdingsbraucht man zwischen 50 und 35 Liter Baumsaft für einen Liter Sirup. Da der Saftfluss aber etwa einen Monat anhält und ziemlich kontinuierlich stattfindet, kommt doch eine ganz erstaunlich grosse Menge davon zusammen. Ich habe dieses Jahr insgesamt etwa 45 Bäume angezapft, ich wollte mal sehen, wieviel bei mir eigentlich möglich ist. Ich bekomme jeden Tag ca 60 Liter Baumsaft zusammen, bei günstigen Bedingungen auch deutlich über 100 Liter, wenn es mal tagsüber kühler wird, kommt der Saftfluss mitunter auch vorübergehend zum Erliegen.
Dieses Jahr habe ich im Februar mit dem Zapfen angefangen, und bin jetzt habe ich dabei insgesamt fast 2000 Liter Saft aufgefangen, die ich zu etwa 45 Litern Sirup verkocht habe. Das ist für meine Verhältnisse eine geradezu ungeheuerliche Menge.

Natürlich darf man jetzt aber nicht einfach im Wald irgendwelche fremden Bäume anzapfen, aber das versteht sich eigentlich von selbst.

Re: Ahornsirup selber machen

Verfasst: So 20. Mär 2022, 15:03
von Rohana
Keine Sorge, ist eigener Wald ;) ich werde meinen Mann mal drauf ansetzen.

Re: Ahornsirup selber machen

Verfasst: So 20. Mär 2022, 16:13
von syldron
Die Bäume zapft man wie folgt an:

Akkuschrauber mit Holzbohrer in der gleichen Stärke wie der Schlauch, den man dann in das Loch steckt. Ich nehme 12 oder 18mm.
Dann wird ein Loch in das Splintholz des Baumes gebohrt, ca 5 cm tief. Man spürt, wenn man auf das harte Holz im Kern des Baumes kommt, der Bohrer kommt dann kaum noch voran. Tiefer bringt auch nichts, denn im Kernholz wird kein Baumsaft transportiert.
Das Loch leicht aufwärtsgehend bohren, das erleichtert das Ablaufen des Saftes. Dann den Schlauch in das Loch stecken, nicht zu tief, weil sonst das Austreten des Saftes erschwert wird. Am anderen Ende des Schlauches wird der Saft aufgefangen, entweder in einem auf dem Boden stehenden Behälter, oder in einer am Baum angehängten Flasche. Dann muss man nur noch regelmässig den Saft einsammeln und aufbewahren, bis man genug zusammen hat. Der Saft ist ja zuckerhaltig und wird früher oder später anfangen zu gären, also kühl und im Schatten lagern. Klappt um diese Jahreszeit auf jeden Fall so 5 Tage bis eine Woche lang, das reicht, um eine lohnenswerte Menge zusammen zu kriegen.

Re: Ahornsirup selber machen

Verfasst: So 20. Mär 2022, 16:14
von syldron
Und so wird der Saftaufgefangen:

Re: Ahornsirup selber machen

Verfasst: Do 24. Mär 2022, 10:45
von Oli
Heißen Dank für den Hinweis, dass es auch mit anderen Arten geht!

Ich habe vor ein paar Jahren einen Zuckerahorn gepflanzt und warte geduldig, aber andere 'Ahörner' stehen in beerntbarem Alter fertig hier herum.

Re: Ahornsirup selber machen

Verfasst: Mo 21. Aug 2023, 21:05
von unkrautaufesserin
Mit Birkensaft geht es auch, nur daß man da Birkenzucker bekommt. Linde will ich mal probieren.